mini|hochkant|Wappen der Calwer Linie der Grafen von Vaihingen Als Grafen von Vaihingen firmierten zwei Seitenlinien schwäbischer Adelsgeschlechter, die zum einen von den Grafen von Urach, zum anderen von den Grafen von Calw abstammten und sich nach der jeweiligen Inbesitznahme der Grafschaft nach der „Burg Vehingen“ in Vaihingen an der Enz im Landkreis Ludwigsburg umbenannten.

Geschichte Die ersten Grafen, die sich nach Vaihingen benannten, stammen von einem ursprünglich um Würzburg und an der Saale ansässigen fränkischen Adelsgeschlecht mit Leitnamen Egino ab, das im hohen Mittelalter seinen Besitz durch den Erwerb von Urach und Achalm vergrößern konnte und von dem auch die Grafen von Urach abstammen. Durch Heirat bekamen die Eginonen den zuvor von einem Graf Walaho und einer Reihe von Adalberten regierten Enzgau mit dem Dorf Vaihingen in die Hand. Nachdem ein Graf Gottfried von Calw deren Erbtochter geheiratet hatte, benannte er sich zur Unterscheidung von seinen Brüdern um und begründete damit die jüngere Linie der Vaihinger Grafen als „Gottfried von Vaihingen“.Gerhard Fritz: Hochadelige Herren. Die Grafen von Vaihingen, ihr Dorf und ihre Stadt vom 11. bis zum 14. Jahrhundert. In: Lothar Behr, Otto-Heinrich Elias, Manfred Scheck, Ernst Eberhard Schmidt (Hrsg.): Geschichte der Stadt Vaihingen an der Enz, Vaihingen 2001, S. 67–98. Scheff (2022) unterscheidet jedoch Graf Gottfried I. (urk. 1189–1203) aus dem Haus Urach und Graf Gottfried II. (urk. um 1216/17, um 1230–1234) aus dem Haus Calw, Verbindungsglied zwischen beiden ist Graf Gottfrieds I. Erbtochter, die Graf Adalbert VI. von Calw heiratete und die Mutter Graf Gottfrieds II. von Vaihingen wurde.

Über die Heirat Konrads II. von Vaihingen (1210/20–1271/75) mit Agnes, Erbtochter von Belrein von Eselsberg, erwarben die Vaihinger auch die Herrschaft der um 1253 im Mannesstamm ausgestorbenen Herren von Eselsberg mit Hohenhaslach, Horrheim, Ensingen und weiteren Gütern. Sie nahmen ihre Grablege im von den Eselsbergern gegründeten Kloster Rechentshofen. Bereits Konrad II. war hoch verschuldet, was letztlich zum wirtschaftlichen Niedergang des Geschlechts führte, das sukzessive seine Besitztümer verpfänden und verkaufen musste. Sein Sohn Konrad III. stand im langjährigen Konflikt mit den Grafen Hartmann III. von Grüningen und Eberhard I. von Württemberg auf Seiten König Rudolfs. Konrad IV. heiratete Elisabeth von Schlüsselberg, die Aussicht auf ein reiches Erbe hatte. Konrad IV. konnte ihre Ansprüche aber vor dem Reichsgericht nicht durchsetzen. So musste er aus wirtschaftlichen Gründen Burg und Stadt Vaihingen veräußern und seinen Sitz künftig auf der Burg Eselsberg nehmen.

Heinrich von Vaihingen, der spätestens 1364 kinderlos starb, vermachte 1356 zu Lebzeiten seines Vaters Konrad V. sein künftiges Erbe an den als Oheim bezeichneten Grafen Eberhard II. von Württemberg. Dieser verglich sich 1364 mit Heinrichs Schwester „Mechthild von Zollern-Eselsberg“, da sie berechtigte Ansprüche auf den Eselsberger Teil des väterlichen Erbes geltend machen konnte. Die Schenkungsurkunde Heinrichs von 1356 wirft verschiedene Fragen auf, da sie in Stuttgart aufgesetzt wurde und entgegen den sonstigen damaligen Gepflogenheiten einzig von Heinrich von Vaihingen, aber von keinen Zeugen gesiegelt ist. Die Gründe für die Hinwendung zu Stuttgart, gegen das man zwei Generationen zuvor noch zu Felde gezogen war, sind unbekannt. In der Schenkungsurkunde werden außerdem Horrheim und Hohenhaslach als Städte genannt, obwohl für beide Orte keine Verleihung des Stadtrechts bekannt ist.Robert Kretzschmar: Württembergische Amtsstadt und Zollstation. In: Lothar Behr u. a.: Geschichte der Stadt Vaihingen an der Enz, Ipa, Vaihingen 2001, S. 101ff.

Urkundliche Erwähnungen der älteren Linie Eppo und Adalbert von Vaihingen 1109: Die Richter „Eppo et Adalbertus de Veingen“ bezeugen in Odenheim den Eintritt von Konrad von Mörlheim als Mönch in das Kloster Hirsau, nachdem er Güter an genannten Orten dahin gestiftet hat.WUB Band I., Nr. 267, Seite 338–339 WUB online.

Graf Egino von Vaihingen 14. Oktober 1139: Graf „Egeno de Veingen“ tritt in Grüningen als Zeuge für König Konrad III. auf, der die Kirche in Denkendorf in seinen Schutz stellt und dieselbe ermächtigt, sich ihren Vogt nach eigener Wahl zu bestellen.WUB Band II., Nr. 312, Seite 13–14 WUB online. 21. Juli 1146: Graf „Egeno de Vehingen“ ist Zeuge in Ulm, als König Konrad III. das Stift Interlaken in seinen Schutz nimmt.Die Urkunden Konrads III., Nr. 155. In: Monumenta Germaniae Historica, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd. 9: Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich, 1969, S. 282–284.

1147: Bischof Günther von Speyer kauft für das Kloster Maulbronn die Kirche in Löchgau. Graf „Egeno de Veingen“ ist erstgenannter Zeuge.WUB Band II., Nr. 324, Seite 40–41 WUB online.

Zwischen 1148 und 1157: Graf „Egonis von Vaihingen“ und seine Gemahlin Cunigunde stiften dem ersten Abt Diether in das Kloster Maulbronn Güter zu Weissach.WUB Band II., Nr. A6, Seite 389–436 WUB online.

1. August 1152: Graf „Egino de Fehinge“ ist Zeuge in Ulm, als König Friedrich I. die Konsuln von Chiavenna mit der Grafschaft Chiavenna belehnt.Monumenta Germaniae Historica, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd. 10, Teil 1: Die Urkunden Friedrichs I. 1152–1158, Hannover 1975, Nr. 20. 19. August 1152: „Egino comes de Vehingen“ ist Zeuge in Speyer, als König Friedrich I. dem Kloster Schwarzach einen umstrittenen Hof zuspricht.Monumenta Germaniae Historica, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd. 10, Teil 1: Die Urkunden Friedrichs I. 1152–1158, Hannover 1975, Nr. 26. 3. Februar 1154: „Egeno comes de Vehingen“ ist Zeuge in Bamberg, als König Friedrich I. die Abtei Niederaltaich dem Bischof von Bamberg unterstellt.Monumenta Germaniae Historica, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Bd. 10, Teil 1: Die Urkunden Friedrichs I. 1152–1158, Hannover 1975, Nr. 70. 8. Januar 1156: Kaiser Friedrich I. nimmt das Kloster Maulbronn in seinen unmittelbaren Schutz und sichert ihm die Rechte, die ihm durch die Päpste Innozenz II. und Eugen III. verliehen worden sind. Unter den Zeugen ist Graf „Hegeno de Vehingen“.WUB Band II., Nr. 353, Seite 100–101 WUB online.

1158: Bischof Günther von Speyer übergibt dem Kloster Maulbronn ein Gut zu Hohenscheid. Unter den Zeugen ist Graf „Egeno de Vehingen“.WUB Band II., Nr. 363, Seite 116 WUB online. 1160: Bischof Günther von Speyer bestätigt die Erwerbung des Gutes Frechstatt am Rhein durch das Kloster Maulbronn. Das Gut hatte dem Grafen „Egeno de Vehingen“ gehört und war dann durch Einheirat in Egenos Familie an den Freien Burkhard gelangt.Württembergisches Urkundenbuch, Bd. 2, Nr. 374. 1. Juni 1175: Zu den Gästen Herzog Welfs VI. am Pfingstfest auf dem Gunzenlee bei Mering gehört „Egino comes de Vainga“.Monumenta Boica, Bd. 7, München 1766, S. 359; Hans-Dieter Lehmann: "Eginonen, Welfen und Zollern" : Anmerkungen zu den Untersuchungen von Jürgen Scheff, in: Württembergisch Franken, Bd. 105, 2021, S. 48/49.

Urkundliche Erwähnungen der jüngeren Linie Graf Gottfried von Vaihingen 8. Februar 1189: König Heinrich VI. bestätigt in Andernach einen Vertrag zwischen dem Erzbischof Philipp von Köln und seinem Getreuen Heinrich von Bürresheim, den u. a. Graf „Godefridus de Veingen“ bezeugt.Regesta Imperii (RI) IV, 3 n. 80, RI Online.

18. April 1189: König Heinrich VI. verfasst in Vaihingen ein Schreiben an Papst Clemens.RI IV, 3 n. 84, RI Online.

24. August 1192: Kaiser Heinrich VI. bestätigt in Weisenau bei Mainz der Abtei Echternach ihre Rechte und Freiheiten, wie sie diese bisher besessen habe, und bestimmt, dass sie unter Befreiung von jedem, auch dem königlichen Dienst im Schutz des Reiches bleiben und niemals dem Reiche entfremdet werden soll. Unter den Zeugen ist Graf „Godefridus de Veingen“.RI IV,3 n. 243, RI Online.

28. Januar 1194: Kaiser Heinrich VI. bestätigt in Würzburg die Schenkung der Burg und des Dorfes Iptingen samt der Kirche und Gütern zu Wiernsheim, Henkelberg und Wurmberg durch den Edelfreien Ulrich an das Kloster Maulbronn. Graf „Godefridus de Veingen“ ist Zeuge.WUB Band II., Nr. 487, Seite 301 WUB online.

1196: Philipp, Herzog der Toskana „restituirt“ in Gonzaga dem Abt des Klosters zu Polirone Besitzungen. Graf „Godefridus de Veingen“ ist erstgenannter Zeuge.RI V,1,1 n. 5, RI Online. Am 3. Mai 1196 ist Graf Gottfried in Arezzo erneut erstgenannter Zeuge für Herzog Philipp.RI V,1,1 n. 10, RI Online.

30. Juli 1197: Graf „Godefridus de Veingen“ bezeugt in Schweinhausen, dass Herzog Philipp von Schwaben und seine Gemahlin Erina dem Kloster Weißenau die Kapelle zur Heiligen Christina bei Ravensburg schenken.WUB Band II., Nr. 502, Seite 320–321 WUB online.

25. September 1197: Herzog Philipp „investirt“ in Gegenwart des Gebhard de Roup (Völs), Warmund von Rasen, Bertold, Arnold de Livo und Jacob von Kaltern den Grafen Gottfried in Bozen mit Berta, der Tochter Balduins von Firmian.RI V,1,1 n. 14, RI Online.

29. Juni 1198: König Philipp beurkundet den mit König Philipp von Frankreich eingegangenen Freundschaftsbund, dergestalt dass dieser ihm helfen will gegen König Richard von England, dessen Neffen Otto von Poitou, der als Gegenkönig auftritt, gegen Graf Balduin von Flandern und den Erzbischof Adolf von Köln. „Gotfr. von Vaihingen“ bezeugt diesen Pakt.RI V,1,1 n. 18, RI Online.

18. Februar 1199: König Philipp bestätigt Friedrich und Otto von Borgo San Donino wegen deren Treue gegenüber seinem Vater und seinem Bruder in Speyer das Lehen, welches ihnen sein Vater gemäß dessen Privileg vom 27. Dezember 1174 erteilt hatte. Graf „Godefridus de Veingen“ ist Zeuge.RI V,1,1 n. 22, RI Online.

1203: Bischof Konrad von Speyer bestätigt dem Kloster Maulbronn den Besitz der Pfarrei Knittlingen. Unter den Zeugen ist „Godefredus comes de Vehingen“.WUB Band II, Nr. 522 WUB online. 1232: Gottfried von Vaihingen, Konrad (I.), sein Sohn, und Gottfried, seines Bruders Sohn, Grafen von Calw, überlassen die Güter zu Öwisheim, welche Rudolf von Kislau von ihnen und sie von dem Bischof Beringer in Speyer zu Lehen getragen, an den Konvent in Maulbronn. Unter den Zeugen sind die Edelfreien Heinrich von Roßwag und Belrein von Eselsberg.WUB Band III, Nr. 809, Seite 304.

Graf Konrad I. von Vaihingen 1232: Graf Konrad I. von Vaihingen urkundet zusammen mit seinem Vater Gottfried von Vaihingen und seinem Vetter Gottfried von Calw.WUB Band III, Nr. 809, Seite 304.

3. November 1239: Graf Konrad I. von Vaihingen, Patron, und sein Sohn Johannes, Rektor der dortigen Kirche, beurkunden die Güterstiftung der Begine Betta (von Pulverdingen) am Altar des heiligen Stephans in der Marienkapelle der Stadt Vaihingen.Württembergisches Urkundenbuch (WUB) Band III, Nr. 934, S. 437–438, WUB Online Analyse und Übersetzung bei Scheck, Schriftenreihe der Stadt Vaihingen an der Enz, Band 6 (1989), S. 18ff.

April 1255: Graf Konrad I. von Vaihingen erneuert in seinem und aller seiner Erben Namen das von seinem Vater Graf Gottfried dem Kloster Herrenalb erteilte, der Urkunde wörtlich einverleibte Privilegium in Betreff seiner Besitzungen zu Dietenhausen sowie die sonstigen Gnadenbezeugungen desselben für das Kloster.WUB Band V., Nr. 1338, Seite 103–104.

23. April 1255: Vogt Berthold von Stein verkauft an Priorin und Konvent von Kloster Rechentshofen alle seine Güter und Rechte in Dorf und Mark Haslach, seine Eigenleute ausgenommen, samt dem dortigen Kirchenpatronat um 400 Pfund Heller.Landesarchiv Baden-Württemberg Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart Altwürttembergisches Archiv Bezirksbehörden des Kirchenguts und der Universität / 1095–1818 Kloster- und Stiftsgutverwaltungen / 1095–1807 Maulbronn / 1147–1806 Urkunden 1.2 Amtsorte 1.2.39 Hohenhaslach und Bromberg.