mini|Das Ritter Sport-Werk in Waldenbuch
Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG ist ein deutscher Schokoladenhersteller mit Hauptsitz in Waldenbuch, der durch die Schokoladenmarke Ritter Sport bekannt geworden ist.
Das Unternehmen wurde 1912 von Clara und Alfred Eugen Ritter gegründet und ist seither in Familienbesitz. Vorsitzende der Geschäftsführung sind seit 2026 Moritz Ritter und Tim Hoppe, beides Urenkel der Unternehmensgründer.
Geschichte Gründung und Anfangsjahre mini|Historisches Werbeschild 1912 gründeten Clara und Alfred Eugen Ritter in Stuttgart-Cannstatt eine Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik. Die erste Schokoladenmarke des Unternehmens, Alrika (für Alfred Ritter Kannstatt), kam 1919 auf den Markt. Zwischen 1920 und 1926 verdoppelte sich die Mitarbeiterzahl von 40 auf 80 Beschäftigte. 1930 zog das Unternehmen von Cannstatt nach Waldenbuch um. Clara Ritter hatte die Idee für eine Tafel Schokolade, die in die Tasche eines Sportjacketts passen sollte, sodass Kunden sie leichter mitnehmen können. Damit wurden die Marke Ritter Sport und die quadratische Form der Schokoladen eingeführt und die Marke Alrika wich der neuen Marke.
Im Nationalsozialismus erhielt das Unternehmen keine Zuteilungen für Kakao und wich ab 1935 auf die Produktion von kakaofreien Süßwaren wie Geleeartikel, Fondant und Erfrischungssticks aus. Mit dem Kriegsausbruch 1939 sank die Produktion, musste 1940 komplett eingestellt werden und die Fabrikgebäude wurden von anderen Firmen genutzt. Im Zuge der Entnazifizierung durch die Alliierten wurde Alfred Eugen Ritter von der amerikanischen Besatzung zum stellvertretenden Bürgermeister von Waldenbuch ernannt, da er nachweislich nicht Mitglied der NSDAP gewesen war; das Amt übte er ein Jahr lang aus.
Generationenwechsel und Wachstum 1952 verstarb der Unternehmensgründer und sein Sohn Alfred Otto Ritter übernahm die Leitung des Betriebes. 1959 starb die Firmengründerin Clara Ritter. Alfred Otto Ritter entschied Anfang der 1960er-Jahre, das Geschäft auf die Marke Ritter Sport und die quadratischen Tafeln auszurichten. Von 1960 bis 1970 verdreifachte sich der Umsatz. 1972 machte die Firma erstmals über 100 Millionen DM Umsatz. Nach dem Tod von Alfred Otto im Jahr 1974 übernahm dessen Frau Martha gemeinsam mit einer externen Geschäftsführung das Unternehmen, da beide Kinder noch studierten.
1978 stieg die dritte Generation ins Unternehmen ein, Alfred Theodor Ritter und seine Schwester Marli Hoppe-Ritter kamen in den Beirat und brachten zunehmend soziale, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsfragen in die Unternehmensführung ein. Alfred Theodor Ritter übernahm 1983 den Vorsitz des Beirats, 2005 übernahm er zunächst nach Jahren schnellen Wachstums und im Geschäftsjahr 2004 roten Zahlen auch den operativen Vorsitz der Alfred Ritter GmbH & Co. KG. 2008 schrieb das Unternehmen dann wieder schwarze Zahlen. 2015 gab Alfred Theodor Ritter den Vorsitz ab an den bisherigen Geschäftsführer Produktion und Technik, Andreas Ronken und wechselte auf den Vorsitz des Beirats, den zuvor seine Schwester innehatte.
Gesellschafter sind neben Alfred Theodor Ritter und Marli Hoppe-Ritter auch ihre Kinder Tobias und Tim Hoppe sowie Moritz, Lukas und Dora Ritter. 2016 wurde die Ritter und Hoppe KG gegründet, die nach Umfirmierung in R² Holding sukzessive in eine Holdinggesellschaft umgebaut wurde, die sämtliche Beteiligungen des Unternehmens hält. Geleitet wurde sie ab 2021 in Doppelspitze von Tim Hoppe und Moritz Ritter, welcher sich 2020 aus dem operativen Geschäft des 1988 gegründeten Energieversorgers Ritter Energie zurückzog, um wie Tim Hoppe weitere Positionen im Unternehmen zu übernehmen. 2021 schied Marli Hoppe-Ritter aus dem Beirat aus, woraufhin ihr Sohn ihre Nachfolge antrat. Seit 2023 ist weiterhin Michael Lessmann Teil der Geschäftsführung der R² Holding.R 2 Holding GmbH & Co. KG, Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2022 bis zum 31.12.2022, veröffentlicht im Unternehmensregister am 19. Februar 2024, abgerufen am 12. Mai 2024.
Im Mai 2026 wurde Franky Das zum Finanzchef ernannt, im selben Monat übernahmen zudem Moritz Ritter und Tim Hoppe, beides Urenkel der Unternehmensgründer, gemeinsam den Vorsitz der Geschäftsführung. Der bisherige Geschäftsführer Andreas Ronken verließ das Unternehmen, den Vorsitz des Beirats übernahm Linda Dauriz.
Beteiligungen und Übernahmen ab 2010 Im 21. Jahrhundert steigerte Ritter den Anteil des internationalen Geschäfts: während 2011 noch 35 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands realisiert wurden und 2012 40 Prozent, betrug der Anteil 2022 bereits 58 %.
Im Jahr 2010 erwarb Alfred Ritter ein Drittel der Anteile an dem Berliner Start-up Chocri GmbH. 2019 übernahm Ritter von Mars Austria den Produktionsstandort in Breitenbrunn im österreichischen Burgenland und betreibt damit seine erste Fabrik außerhalb Deutschlands. Im selben Jahr gründete Ritter die Tochtergesellschaft Hang zur Sonne GmbH, die interne Startups betreibt.
2020 war Ritter in mehr als 100 Ländern vertreten, es wurden rund 70.000 Tonnen Schokolade produziert. Davon entfielen rund 5000 Tonnen auf den Produktionsstandort Breitenbrunn. Im Segment der 100-Gramm-Tafeln hatte es 2020 einen Marktanteil von 22,4 Prozent auf dem deutschen Markt und stand damit knapp hinter Mondelēz International und deren Marke Milka.
Im Frühjahr des Jahres 2023 übernahm Alfred Ritter von der Behla Spedition GmbH einen Konfektionierungs-Standort in Reichenbach an der Fils.
Ende 2023 gründete Ritter die Tochtergesellschaft Ritter Sport USA. Im November 2025 wurde der Schokoladenhersteller Creative Natural Products aus Boulder, Colorado, übernommen.
Im April 2026 informierte die Alfred Ritter GmbH ihre Belegschaft und die Medien darüber, dass nach Verlusten im Geschäftsjahr 2025 erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte Stellen abgebaut werden. Am Stammsitz Waldenbuch sollen in der Verwaltung rund 10 % der etwa 700 Arbeitsplätze entfallen. Hintergrund sind gestiegene Kosten für Kakao, Energie und Verpackung bei rückläufiger Nachfrage.
Konzernstruktur Das Mutterunternehmen der Alfred Ritter GmbH & Co. KG und des gesamten Konzerns ist die „R² Holding GmbH & Co. KG“ in Karlsbad/Baden. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 561,5 Mio. Euro. Im selben Jahr waren 1.783 Mitarbeiter für den Konzern tätig. Moritz Ritter und Tim Hoppe sind die Geschäftsführer der Alfred Ritter GmbH & Co. KG.
Zum Konzern gehören 15 inländische und 11 ausländische Tochterunternehmen mit Standorten in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Italien, Österreich, Russland, Singapur, den Niederlanden, Frankreich, China und Nicaragua. Produktionsstandorte des Konzerns befinden sich in Waldenbuch und dem österreichischen Breitenbrunn.
Neben dem Werk in Waldenbuch befindet sich seit 2005 das Museum Ritter, das sich dem Quadrat in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts widmet. Das Gebäude wurde vom Schweizer Architekten Max Dudler entworfen.
Plantage Im Jahr 2012 kaufte Ritter in Nicaragua 2.500 ha landwirtschaftliche Fläche, um darauf eine Kakaoplantage anzulegen. Die Fläche soll zum einen für den Kakaoanbau genutzt werden, zum anderen soll die unberührte Natur erhalten bleiben. Insgesamt wurden 1,5 Mio. junge Kakaobäume gepflanzt. Die Plantage trägt den Namen „El Cacao“.Leonie Schüler: Ritter feiert seine Kakaofarm. In: Kreiszeitung Böblinger Bote. 11. Juli 2022.
Sortiment Ritter Sport alt=Altes Schwarzweißfoto einer quadratischen Schokolade, durchsichtig verpackt, beschriftet mit Sport-Schokolade|mini|Die erste Ritter Sport-Schokolade, 1932 Seit 1932 führt das Unternehmen die Marke Ritter Sport für quadratische Schokoladen. Sie war 2020 für über 90 % des Umsatzes verantwortlich. Produkte außerhalb der Marke bot man von 1964 bis 2020 nicht an.
Fast alle Produkte der Marke sind Tafelschokoladen. Zu den Ausnahmen zählen die 1967 als „Ritter Bissen“ eingeführten Schokoladen-Rum-Riegel, die zuerst in „Ritter Drei“ und 1974 in „Ritter Rum“ umbenannt wurden; seit 2012 werden sie als „Knusperstücke“ bezeichnet. Zeitweise gab es neben „Jamaika Rum“ die Sorten „Ritter Fresh“ und „Ritter Nuss“ (bis 1984); seit 2021 „Ritter Sport Gin“ und ab 2025 „Ritter Sport Whisky“. 1988 wurde der Riegel Ritter Sport Balloon in vier Sorten auf den Markt gebracht, man stellte jedoch 1993 mangels Erfolg die Produktion ein.
Markenauftritt Ab 1947 war die Schokolade in braunem Zellophan verpackt, bis Ritter 1974 bunte Verpackungen einführte, wodurch jede Sorte farblich unterschieden werden konnte. Zudem wurden 1976 die Schlauchbeutelverpackung und die Knick-Pack-Öffnung eingeführt. Diese erlaubt das Öffnen der Schokoladenverpackung mit einem Knick; mit der dabei entstehenden Lasche ist sie wieder verschließbar. Für die Umhüllung wird seit 1991 recycelbares Polypropylen verwendet.
Das Firmenlogo ist insgesamt nur wenig verändert worden. Es besteht aus dem seit 1919 unveränderten Ritter-Schriftzug, darunter Sport, seit 1969 in großen Druckbuchstaben. Ab 1987 wurde es vor weißem Hintergrund von einem Quadrat umrandet. In der Regel ist die Schriftfarbe blau, der Quadrathintergrund weiß und der Quadratrahmen golden.
Über Jahre zog sich ein Rechtsstreit zwischen Ritter und Mondelēz International über die Markenfähigkeit der Form. Nachdem sich Mondelēz zunächst vor dem Bundespatentgericht mit dem Argument durchsetzte, das Markengesetz verbiete den Schutz von Formen, die durch die Art der Ware bedingt seien, unterlag Mondelēz im Oktober 2017 vor dem Bundesgerichtshof, der entschied, dass Ritter Sport den Markenschutz vorläufig behalten dürfe, und den Fall an das Bundespatentgericht zurückverwies. Nachdem dieses die Klage dann abwies, stützte Mondelēz seine Klage auf eine andere Argumentation, nämlich auf den zuvor nicht geprüften Grund, nach dem eine Formmarke nicht erteilt werden dürfe, wenn die Form der Ware wesentlichen Wert verleihe. Als das Bundespatentgericht zugunsten von Ritter entschied, zog Mondelēz vor den Bundesgerichtshof, wo es 2020 unterlag.Lisa Kutteruf:
Sorten mini|Sortenauswahl, Werbeaktion (2022)
Die Sorten von Ritter-Sport-Schokolade bestehen aktuell aus 19 Standardsorten (Bunte Vielfalt), acht Nusssorten (Nuss-Klasse), drei Sorten der Edelkakao-Klasse und weiteren Sondersorten. Die Verpackung jeder Sorte hat eine eigene Farbe, zum Beispiel Gelb für Ritter Sport Knusperflakes oder Weiß für Ritter Sport Joghurt. Neben den klassischen 100-Gramm-Tafeln wird das Sortiment durch regelmäßig saisonal angebotene Geschmacksrichtungen, Mini- oder 250-Gramm-Tafeln ergänzt. Seit 2004 gibt es die Schokowürfel, einzeln verpackte, quadratische Schokoladenstücke, die in einer Pappkartonbox verkauft werden.Gisela Siebert: Damit Genießerherzen schmelzen. In: Kölnische Rundschau, 2. Februar 2004.
Mitte 2009 veröffentlichte das Unternehmen eine Rangliste der damals fünf beliebtesten bzw. meistverkauften Standardsorten. Platz 1 belegte dabei die Sorte „Voll-Nuss“, gefolgt von „Nugat“, „Marzipan“, „Rum Trauben Nuss“ und „Alpenmilch“. mini|Ritter Sport Limited Edition Amicelli 2025 mini|Ritter Sport Minis (2006) In der Mini-Version der Schokoladentafeln (etwa 17 Gramm je Tafel) sind entweder sieben (Bunter Mix) oder vier Sorten (Mix des Jahres) in unterschiedlicher Stückzahl in einer Sammelpackung verpackt. Bei den größeren Schokoladentafeln (seit 2006) gibt es als 250-Gramm-Tafeln neben einigen Standardsorten auch immer wieder exklusive Sorten, beispielsweise die Variante Goldschatz (40 % Kakao, seit 2008).
Darüber hinaus gibt es laktosefreie Sorten (Vollmilch und Voll-Nuss, seit 2012). 2016 wurden die ersten beiden veganen Sorten eingeführt und in den folgenden Jahren um weitere ergänzt, sie hatten 2020 ein Wachstum von 70 Prozent.
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