mini|Aufsicht und Unteransicht eines modernen Hufeisens, 3/4 Falz zum Versenken der Hufnägel mini|Schief abgenutztes Vorderhufeisen mit durchlaufendem Falz

Ein Hufeisen ist ein meist U-förmig gebogenes und mit Nagellöchern versehenes Eisen, das Pferden zum Schutz ihrer Hufe durch Aufnageln, auch Beschlagen genannt, durch einen Hufschmied aufgebracht wird. Ein Schutz des Hufes kann auch durch so genannte Hufschuhe erreicht werden.

Geschichte mini|Römische Hufschuhe (Hipposandalen), Gäubodenmuseum mini|100px|Schema­zeichnung Hipposandale Schon in der Antike suchten die Menschen nach einem Schutz für die Hufe, die von hartem, steinigem Boden stark abgenutzt werden. Besonders mit der militärischen Nutzung des Pferdes wurde der Hufschutz zu einer Notwendigkeit, denn im Krieg wurden die Pferde über ihre natürlichen Grenzen hinweg beansprucht.

Im alten Ägypten wurden geflochtene Sandalen aus Bast oder Lederschuhe verwendet, die mit Stricken oder Riemen ans Pferdebein gebunden wurden. Allerdings waren solche Konstruktionen wenig haltbar.

Die Römer verwendeten bereits einen mit Lederriemchen festgebundenen Hufschutz aus Bronze oder Eisen, aber auch hier müssen die Riemen Scheuerwunden verursacht haben. Zeitgenössische Quellen berichten von Hipposandalen aus Gold und Silber für Lieblingspferde des Kaiserhauses und von Hufschuhen für Maultiere auf Saumpfaden.Rupert Gietl: Die Römer auf den Pässen der Ostalpen. Wien 2004, S. 27 (PDF) Zum schnellen Reiten waren die schweren, angebundenen Eisen nicht geeignet, da sie bei höheren Gangarten oft abfielen und mit ihrer Eisensohle nur wenig Haftung boten. Manche besaßen Stollen für den besseren Halt auf morastigem oder weichem Untergrund.Die römische Tauernstraße – Der Abschnitt Pass Lueg bis nach Iuvavum, Raimund Kastler, Römische Raststationen und Straßeninfrastruktur im Ostalpenraum, Innsbruck 2010

Genagelte Hufeisen, wie sie bis heute verwendet werden, scheinen von den Kelten erfunden worden zu sein. Sie waren seit spätkeltischer Zeit (zweites oder erstes Jahrhundert v. Chr.) in Gebrauch. Sie wurden dann von den Römern übernommen und modifiziert.Peter Connolly: Die Römische Armee. Aus dem Engl. übersetzt von Thomas M. Höpfner. Tessloff, Hamburg 1976, ISBN 3-7886-0180-9, S. 61 („Hufeisen“). Als Indiz zur Datierung von genagelten Hufeisen in der Antike wird auch der Hortfund von Neupotz angegeben. Die aktuelle Interpretation des Fundkomplexes betrachtet diesen als das im Jahre 260 verlorengegangene Beutegut eines heimkehrenden alemannischen Plündererzuges. Da bei der Bergung auch vorrömische und nachantike Fundstücke zu Tage traten, sind die gefundenen Hufeisen allerdings nicht eindeutig als römisch zu identifizieren.

Zahlreicher werden die Funde genagelter Hufeisen erst um 600.

Formen und Größen mini|Hufeisen für Hinterhufe mit zwei Aufzügen, Hufeisen für die Vorderhufe mit Zehenkappe, Falzeisen mit rechteckigen Nagellöchern Es gibt Falzhufeisen, die eine Falz genannte Längsrille mit Löchern für die Hufnägel aufweisen. Ein durchgehender Falz dient als Basisgleitschutz. Für Falzeisen werden Hufnägel mit einem rechteckigen Kopf verwendet, wobei dessen schmale Kante genau in den Falz passt.

Stempelhufeisen haben dagegen keinen Falz. Der Name rührt von dem Stempel her, mit dem die Löcher für die Hufnägel eingeschlagen werden. Für Stempeleisen werden Hufnägel mit einem quadratischen Kopf verwendet. Da Stempeleisen kein Profil haben, gleiten sie besser.Benennung der Hufeisenteile (PDF), FU Berlin. Breite, glatte und dadurch besonders rutschige Stempelhufeisen sind für den Sliding Stop beim Reining geeignet.

Aufgrund der unterschiedlichen Funktion der Vorder- und Hintergliedmaßen des Pferdes besitzen die Hufe der Vorderhand eine kreisrunde Form und die Hufe der Hinterhand eine spitzrunde Form. Die Hufeisen sind dementsprechend geformt.

An den Vorderbeinen werden meist Eisen mit einem Zehenaufzug (Zehenkappe) verwendet. Ein Aufzug ist ein flaches Stück Eisen, das am äußeren Rand des Hufeisens blattförmig hochgezogen wird (Kappe ziehen). Die vordere Zehenspitze des Hufes wird ein wenig weggeraspelt, damit der Aufzug bündig abschließt. Durch den Aufzug hat das Eisen einen besseren Halt am Huf. Ein mittiger Aufzug beeinträchtigt den Hufmechanismus nicht. Im Rennsport werden Eisen mit Zehenaufzug verwendet, um das Abrollen zu beschleunigen. Es gibt mehrere patentierte Varianten der Zehenkappe.

An den Hinterbeinen werden meistens Hufeisen mit zwei Seitenaufzügen (Seitenkappen) verwendet. Durch die beiden seitlichen Aufzüge kann das Eisen etwas nach hinten versetzt werden und die Gefahr, dass sich das Pferd mit dem Hinterhuf die Vordereisen abzieht, ist geringer. Ein Eisen mit zwei Aufzügen sitzt fester auf dem Huf und ist besonders geeignet, wenn der Huf spröde ist oder Teile des Hufes ausgebrochen sind. Die beiden seitlichen Aufzüge beeinträchtigen jedoch den Hufmechanismus.

Die Größe kann in Länge × Breite in Millimetern angegeben werden. Die Größenauswahl reicht von 8×0 bis 16 (für Kaltblüter). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Größenangaben je nach Hufeisenhersteller in den Länge-/Breite-Abmessungen sowie der Hufeisenform variieren.

Material mini|Titan-Hufeisen aus dem 3D-Drucker, leichte Spezialanfertigung für ein australisches Rennpferd Das klassische Hufeisenmaterial ist Eisen (bzw. Stahl), daneben finden aber auch Werkstoffe oder Werkstofflegierungen aus Aluminium und Kupfer ihre Anwendung. Heute werden oft auch unterschiedliche Kunststoffe eingesetzt. Diese werden dann teilweise auch angeklebt.

Stahl: Als heutzutage gebräuchlichstes Material für Hufeisen gilt der widerstandsfähige Stahl. Aluminium: Da Aluminium eine weit geringere Dichte aufweist als Stahl, wird es zur Gewichtsersparnis oft bei Rennpferden verwendet. Da Aluminium ein recht weiches Metall ist, nutzen sich die Leichtmetall-Hufeisen schneller ab als solche aus Stahl. Kunststoff: Kunststoff zeichnet sich neben der geringeren Dichte auch durch eine gewisse Elastizität aus. Dadurch sollen beim Auffußen des Pferdehufes der Stoß gedämpft und die Gelenke geschont werden. Aluminium mit Stahl: Um die vorzeitige Abnutzung des Hufeisens zu verhindern und somit dessen Lebensdauer zu erhöhen, werden oft „Aluminiumeisen“ mit sogenannten Stahlgriffen in der Zehenfalz verwendet. Kunststoff mit Stahl: Da der Kunststoff sich durch seine einerseits erwünschte Weichheit andererseits sehr schnell abnutzt, werden Teile des Hufeisens oder der gesamte Kern mit Stahl verstärkt.

Lochung Die Nagellöcher müssen auf einem Hufeisen so angebracht werden, dass mit dem Hufnagel die weiße Linie des Hufes getroffen wird. Nach dem Abstand der Löcher vom Außenrand des Hufeisens spricht man von regelmäßiger, flacher oder tiefer Lochung. Bei flacher Lochung besteht die Gefahr des Ausbrechens der Hufwand, die tiefe Lochung kann zur Vernagelung führen. Zudem werden die Löcher nur im vorderen Teil der Schenkel angebracht, um den Hufmechanismus nicht zu behindern.

Ränderung Der Winkel zwischen Hufeisentrage- und Hufeisenbodenfläche kann rechtwinklig (regelmäßige Ränderung) oder abgeschrägt sein. Bei der bodenweiten Ränderung ist die Sohlenfläche abgeschrägt, der Winkel der Hufeisenbodenfläche also spitz, bei der bodenengen Ränderung die Bodenkante abgeschrägt, der Winkel der Hufeisenbodenfläche also stumpf.

Stollen mini|links|Griff und angeschmiedete Stollen mini|H-Stollen von Leonhardt & Co. (1902)

Stollen geben dem Pferd bei schlechten Bodenverhältnissen mehr Bodenhaftung. Sie werden im Spring- und Geländereitsport verwendet, um dem Pferd bei Sprüngen, aber auch im Parcours den nötigen Halt zu geben. Im Winter werden sie eingesetzt, damit das Pferd mit ihnen etwaige Eisschichten aufbrechen kann und nicht darauf ausrutscht.

Es gibt Anschweißstollen, Steckstollen, Schraubstollen und angeschmiedete Stollen, englisch Calkins. Pferde im schweren Zug auf hartem Boden nutzen die Zehen übermäßig ab, für sie kann an die Spitze des Eisens ein rechteckiges Metallstück, „Griff“ genannt, angebracht werden. Im Winter können die angschmiedeten Stollen und der Griff für eine bessere Bodenhaftung auch angeschärft werden („Eisgriff“).Brockhaus Konversationslexikon, Band 5, 1902, Stichwort "Hufeisen"

Zum Aufbringen von Schraubstollen müssen in das Hufeisen an den beiden Enden Löcher gebohrt und in diese Gewinde eingebracht werden. In diese Löcher werden die Stollen dann mit Hilfe eines Stollenschlüssels eingeschraubt. Steckstollen werden einfach in die Stollenlöcher eingeschlagen. Es sind Stollen in verschiedenen Größen, Breiten und Formen erhältlich, die den jeweils vorhandenen Bodenverhältnissen entsprechend ausgewählt werden können. Es gibt beispielsweise Vierkantstollen, Langstollen, Kegelstollen, H-Stollen (für den Winterhufbeschlag der Pferde), Spitzstollen, Rasenstollen und Schlammstollen.

Der Nachteil von Stollen ist die Verletzungsgefahr, sowohl die Selbstverletzung (Kronentritt, Stollenbeulen) als auch für andere Pferde beim Ausschlagen des mit Stollen versehenen Pferdes. Stollen beeinträchtigen die Gleitphase des Hufes beim Auftreten. Der Huf wird beim Auftreten sofort gestoppt, das führt zu erhöhter Belastung von Sehnen und Gelenken.

Zubehör mini|Schneegrip Widiastifte: Auch für diese kleinen Metallstifte müssen Löcher in das Hufeisen gebohrt werden. Bedingt durch ihre konische Form benötigen sie aber kein Gewinde, sondern werden einfach in das Eisen hinein geschlagen. Die Widiastifte werden meistens an den Schenkelenden angebracht, so dass jedes Eisen über zwei Widiastifte verfügt. Da die Widiastifte nicht so weit aus dem Hufeisen herausragen und abgerundete Kanten haben, geben sie zwar erweiterten Halt bei schlechten Bodenverhältnissen oder auf Asphalt, stellen aber eine Verletzungsgefahr für andere Pferde auf der Koppel dar und beeinflussen die Stellung des Hufes zum Boden auch auf hartem Boden nicht wesentlich. Stifte reduzieren weiterhin die Abnutzung von Eisen und Nägeln auf Asphalt, Pflaster und Schotterwegen erheblich, belasten jedoch die Gelenke stärker, da sich der aufgefußte Huf schlechter drehen kann.

Eisnägel: Hufnägel, bei denen im Kopf ein Widiastift integriert ist. Dadurch greifen die Nagelköpfe auf Eis und nutzen sich allgemein weniger ab, jedoch können durch Abnutzung des umgebenden Stahls scharfe und gefährliche Kanten/Spitzen entstehen.

Sohlen und Einlagen: Leder, Plastik, Gummi, Filz oder Aluminium wird zwischen Huf und Hufeisen eingebracht, um beispielsweise eine Schonung der Hufsohle oder des Strahls zu garantieren oder Heilung zu unterstützen. Man kann zusätzlich eine Polsterung aus Silikon, Hebaform, Watte oder Hanf verwenden.

Schneegrip (Hufgrip): Gummieinlagen, die beim Aufnageln des Hufeisens, zwischen Huf und Hufeisen gelegt werden. Sie verhindern, dass sich im Winter sogenannte Stollen in den Hufen bilden. Tritt das Pferd in feuchten Schnee, wird der Schnee unter dem Huf zu einem festen Eisklumpen, auch Schneestollen genannt, komprimiert, der oft am Hufeisen hängen bleibt. Mit jedem Schritt werden die Stollen dicker, bis sie irgendwann abfallen. Das führt dazu, dass das Pferd an den Hufen Stollen unterschiedlicher Dicke hat. Es kann nur noch hinken, wie eine Frau mit einem abgebrochenen Absatz, und auf den Eisklumpen leicht ausrutschen. Der hohle Gummiwulst des Hufgrips bewegt sich bei jedem Schritt, dadurch fallen die sich immer wieder bildenden Schneestollen aus dem Huf. Die Stollenbildung kann auch mit einer Ledersohle etwas vermindert werden.

Spezialhufeisen Es gibt auch Spezialhufeisen für spezielle Anforderungen an das Pferd oder den Huf: