Wladimir Dmitrijewitsch Swertschkow, traditionell auch Wladimir von Schwertschkoff oder Swertschkoff, , wiss. Transliteration Vladimir Dmitrievič Sverčkov (* 4. September 1821 in Loviisa im Großfürstentum Finnland; † 14. Juli 1888 in Florenz) war ein hauptsächlich in Deutschland wirkender russischer Künstler und Kunstagent.
Leben mini|hochkant|Karin Månsdotter und zwei ihrer Söhne; Entwurf von für ein Glasgemälde in der Domkirche von Turku, 1870 „Der in Loviisa geborene Wladimir Swertschkoff wuchs mit seinem Vater, Generalmajor Dmitry Feodorovits Swertschkoff und seiner Mutter Katariina (geborene Jaenisch) aus Wiborg in Ojamo’s Villa in Lohja, Finnland auf. Wladimir ging in Turku zur Schule, wo er auch seine künstlerische Ausbildung an der Wende von 1830–1840 begann. Sein Lehrer war der aus Trondheim nach Finnland umgezogene Thomas Joachim Legler (1806–1873). Swertschkoff folgte seinem Vater und begann seine militärische Laufbahn in der russisch-kaiserlichen Armee in Helsinki, die aber schon nach kurzer Zeit endete. Er setzte sein Zeichnungsstudium unter der Leitung von P. A. Kruskopf fort. Seine militärische Karriere endete am Anfang der 1840er Jahre wegen eines Skandals bzgl. des Tragens der Fahne. Swertschkoff floh durch Schweden nach Lübeck und kam schließlich in dem bekannten Kunstzentrum in München an“.
1845/1846 weilte er in Rom. Dort nahm er als „Trommler“ an den Cervarofesten des Deutschen Künstlervereins teil.Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1927, Band 2, S. 587
Er ließ sich in Oberschleißheim nieder, begann mit der Glasmalerei und eröffnete eine eigene Werkstatt in der Freisinger Straße 28 und 29.Siehe Wilhelm Neu; Volker Liedke; Otto Braasch: Oberbayern: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler. München: R. Oldenbourg, 1986. ISBN 3-486-52392-9, S. 468. Die von ihm hier errichtete repräsentative Villa wird bis heute als Villa Swertschkoff bezeichnet.
„Von diesen Wohnhäusern ist besonders jenes des russischen Malers von Swertschkoff das äußerste gegen Osten an der Dachauer-Freisinger Heerstraße, gegenüber der Mitte der nördlichen Schloßgartenmauer gelegen, hervorzuheben. Es wurde im Jahre 1861 aufgeführt, enthält prachtvolle Gemächer, einen Wintergarten und alterthümliche Meubel, Thüren, Oefen*, Schlößer, schöne Bilder und Blumen etc. Eine Schöne, separiert stehende Gärtnerwohnung, Treibhäuser, Stall mit Taubenhaus etc. geben dem Ganzen einen gehäbigen Anstrich. In neuester Zeit hat von Swertschkoff in seinem Anwesen eine Glasmalerei eingerichtet, deren Erzeugnisse gerechten Anspruch auf Kunstwerth machen kann. Das ganze Besitzthum wurde mit großem Aufwande von Geldmitteln auf dem unwirthsamsten Boden Schleißheims hergestellt. Der 12 Tagwerk** große Garten hat, außer sehr sorgfältig gepflegten Blumenbeeten, Bosqueten und Wegen, kleine Weiher und fließende Bächleins mit Schwänen. Durch den Besitzer dieses kostspieligen Anwesens erhalten viele arme Taglöhner Arbeit und Verdienst“.
Nach wechselvoller Geschichte und jahrelangem Verfall wurde sie 2006 restauriert.Oberschleißheim: Museum ist vom Tisch, Artikel vom 11. April 2006, abgerufen am 18. April 2009 Von 1868 bis 1873 arbeitete der spätere Hofglasmaler Karl de Bouché in seiner Werkstatt.
Neben seiner Glasmalerei war Swertschkoff als Kunstagent tätig. Sein größter Auftrag war 1868/69 die komplette Einrichtung des Palais Stieglitz für den Bankier Alexander von Stieglitz in St. Petersburg. Dafür konnte er unter anderem Hans von MaréesSiehe Julius Meier-Graefe: Hans von Marées; sein Leben und sein Werk. Band 1, München, Leipzig: R. Piper 1909, S. 75 ff. und Moritz von Schwind (Kaminbild Diana und ihre Gefährtinnen) gewinnen.Kunstindustrielles aus München, in: Kunstchronik, Beiblatt zur Zeitschrift für Bildende Kunst, 17. September 1869
1873 zeigte Swertschkow Produkte seiner Werkstatt auf der Weltausstellung in Wien und reiste von dort nach Florenz, wo er Stillleben und Blumenbilder malte. In Florenz erwarb oder erbaute er den Palazzo dei Pittori, wo er zahlreiche Künstlerfreunde beherbergte. Der Maler Arnold Böcklin bezog vom Herbst 1874 bis April 1885 dort ein Atelier und schuf unter anderem das Gemälde Schlafende Diana, von zwei Faunen belauscht sowie fünf Fassungen der Toteninsel.
1876 wurde Swertschkoff mit einer Silbermedaille vom Zaren geehrt.
Swertschkow starb in Florenz und wurde hier auf dem protestantischen Friedhof begraben.
Werk
„Swertschkoff begann sein Studium an der St. Petersburger Akademie der bildenden Künste im Jahre 1842, er spezialisierte sich auf Qualitätsbilder und militärische Themen. Er komplettierte sein Studium auf eigene Kosten in Rom in 1844–1846 als Student vom Maler Moller, der sich auf militärische Themen spezialisiert hatte. Die folgenden Jahre 1847–1848 verbrachte Swertschkoff in München mit seinem Freund Johan Christ Böklund (1817–1880). Der Legende nach hörte Swertschkoff in einem Café in München wie ein deutscher Student über die russische Armee und das Feudalsystem von Kaiser Nikolai I. zur Unterstützung der ungarischen Politik spottete. Swertschkoff mischte sich in die Situation ein, die zuerst in einen Streit führte, dann zu einem Duell, und zwang ihn schließlich, das Land zu verlassen. Dieses Gerücht von einem Künstler, der seinen Kaiser verteidigt, bestätigte seine Popularität in Russland und brach vermutlich für ihn auch Aufträge. Nachdem er im Jahr 1848 nach Russland zurückkehrte, konzentrierte er sich in der Kunstsammlung der Eremitage auf das Kopieren der Meisterwerke alter Künstler wie Rembrandt. Er wurde im Jahr 1849 mit der großen Silbermedaille von der St. Petersburger Akademie der Künste und im folgenden Jahr mit der kleinen Goldmedaille ausgezeichnet. Die letztere Aufzeichnung wurde für das Gemälde von der inneren Wache des Winterpalais in St. Petersburg gegeben.“
„Swertschkoff bewahrte immer gute Beziehungen zu Finnland. Er wurde zurück in seine Heimat gebeten, um die Ereignisse des ersten Medienkrieges der Welt zu illustrieren, dem Krimkrieg (1854–1856). Es folgten Zeichnungen von militärischen Operationen und Porträts von erfolgreichen Soldaten im Kampf. Die siebenteilige Lithographie „Skizzer ur kriget i Finnland“ 1854 (1855) gehört zu den frühen Publikationen über „Krim-Krieg“ und Finnland“ .
„Der Ruf des Künstlers, der bei dem russischen Hof beliebt war, wurde weiterhin verstärkt, als er von der Russischen Akademie der Künste im Jahre 1856 die Goldmedaille für das Gemälde von der Interieur des Dogenpalastes, bekam. Die Medaille war verbunden mit einem Reisestipendium von sechs Jahren, welches für Swertschkoff eine Reise nach Deutschland ermöglichte, vermutlich nach Dresden und Kassel, wo er seine Interessen an qualitativen Bildern und Rembrandt-Gemälden fortsetzte. Die in den Kasseler Gemäldegalerien nach den Originalwerken von Rembrandt gemalten Kopien könnten ein Teil von seiner früheren Produktion sein, in welchem Fall sie entstanden sind, bevor er zurück nach Russland kehrte, d. h. zwischen den Jahren 1844–1848. Der Künstler setzte seine Studienreise von Deutschland nach Paris möglicherweise schon im Jahr 1857 fort und arbeitete dort als Schüler im Atelier von Thomas Couture, vermutlich in 1858–1859.“
Kopien und die Entstehung von Kunst in öffentlichen Museen
„Die Arbeit eines Künstlers begann sich zur beruflichen Tätigkeit in den 1800er Jahren zu ändern. In der Vergangenheit waren die Künstler dem Gildensystem verbunden, und malten nur Aufträge, z. B. Altarbilder für Kirchen oder Porträts für Adel. Die soziale Modernisierung stellte den Künstlern eine neue Rolle vor, und für deren Bedürfnisse musste ein neues Umfeld gestaltet werden. Ohne organisierte Ausstellungen oder Museen gab es kein öffentliches Publikum für die Werke von unabhängigen Künstlern. Die großen Kunstsammlungen von Königen oder Fürsten waren nur für wenige Künstler erreichbar. Die Eröffnung der Kunstsammlungen von der Zarenfamilie, die im Laufe der Jahrhunderte gesammelt wurde, für die Öffentlichkeit, bot die Gelegenheit, Kunst im Russischen Reich zu sehen. Die Situation war überall ziemlich ähnlich, da die Eremitage in St. Petersburg erst das vierte öffentliche Kunstmuseum in Europa war, als sie im Jahr 1853 eröffnet wurde“ .
„Wahrscheinlich durften die Studenten der St. Petersburger Akademie der bildenden Künste schon vor der öffentlichen Eröffnung des Museums die kaiserlichen Kunstschätze kopieren. Die sich erst in den Anfangsphasen befindende europäische Kunstszene und Museumkultur benötigte gute Kopien von kunsthistorisch relevanten Gemälden. Die Nachfrage der Kopien wurde durch den Gedanken gestärkt, dass das Anschauen der Kopien von kunsthistorisch bemerkenswerten Meisterwerken besser die Entwicklung des Kunstgeschmacks vom breiten Publikum sicherte als die Gemälden der Künstler der Gegenwart, die noch keinen kunsthistorischen Wert hatten.“
„Swertschkoff begann seine privaten Zeichnungsstudien an der Wende von 1830–1840 auf einem noch recht bescheidenen Kunstfeld. Der Start für den finnischen Kunstunterricht war als in Turku im Jahr 1830 eine Zeichnungsschule gegründet wurde – unterstützt durch die Malerguilde - nur drei Jahre nachdem ein Brand die Stadt zerstörte. Das Studium begann mit dem Kopieren von einfachen gedruckten Modellbildern, die weitere Stufe waren die Kupferstiche und die dreidimensionalen Gipsmodelle. Nach der Gründung des finnischen Kunstvereins im Jahr 1846 wurden die Ziele mehr in Richtung akademische Tradition geändert. Es gab jedoch weder Live-Modelle, noch wie die Möglichkeit, echte Meisterwerke oder anständige Kopien von denen zu sehen. Dadurch war in der finnischen Kunstszene der Bedarf für Kopien der berühmten Meisterwerke sehr groß. Die Kopien waren von unterschiedlicher Qualität, aber solche, die direkt von einem echten Gemälde kopiert wurden, waren definitiv die wertvollsten.“
„Auf der Rückseite von 11 der an die Stadt Turku gespendeten Kopien ist ein rotes Siegel, in der Mitte dessen ist der zweiköpfige Adler von der offiziellen russisch-kaiserlichen Wappen. Um den Adler herum ist in kyrillischen Buchstaben der Text: „Die russisch-kaiserliche Eremitage“. Das Siegel ist ein Zeichen für eine echte im Kunstmuseum gefertigte Kopie. In der Eremitage durfte nicht einfach jeder die Kunstschätze des Museums zu kopieren, sondern die Person benötigte eine Genehmigung durch den Museumsdirektor oder den für die Sammlung verantwortlichen Beamten. Erst nachdem durfte ein Künstler sein Malerwerkzeug vor dem zu kopierenden Gemälde bereitstellen. Falls eine Kopie qualitativ gut genug war, wurde das Gemälde mit dem Siegel auf der Rückseite für eine offizielle Genehmigung markiert. Die Gemälde der Kunstsammlung von der Stadt Turku zeigen auf der Rückseite zwar nur Reste der Papiere die zu dem Siegeln befestigt waren.“
„Als Maler der Originalmodelle von den Kopien in der Kunstsammlung der Stadt Turku wurde der niederländische Meister Rembrandt van Rijn (1606–1669) benannt. Heute wird ein Teil der Originalwerke mit den Werken von der Fakultät von Rembrandt kombiniert und ein Gemälde wiederum mit der Produktion von Anthony van Dyck (1599–1641). Swertschkoff zog endgültig nach St. Petersburg im Jahr 1856 um, damit sind wenigstens alle Kunstwerke in der Kunstsammlung der Stadt Turku, die mit dem roten Siegel der Eremitage versehen sind davor gefertigt, also zwischen den Jahren 1842–1856. Als Swertschkoff St. Petersburg verließ, war die Eremitage seit etwa drei Jahren für das Publikum geöffnet. Somit sind seine Rembrandt-Kopien sehr frühe, kunst- und kulturhistorisch bedeutende Werke für die finnische Kunsthistorie.“
Anspruchsvoller Maler von hoch-qualitativen Bildern