Microsoft Azure (kurz: Azure, ) (vormals: Windows Azure) ist eine Cloud-Computing-Plattform von Microsoft mit Diensten wie SQL Azure oder AppFabric, die sich in erster Linie an Softwareentwickler richtet. Azure wurde im Oktober 2008 angekündigt, gestartet mit dem Codenamen „Project Red Dog“, seit dem 1. Februar 2010 ist die Plattform offiziell verfügbar.

Die Nutzer von Microsoft Azure setzen Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) ein.

Microsoft wurde wegen seiner fahrlässigen Cybersicherheitspraktiken scharf kritisiert.

Konzept und Realisierung Anbieter des Cloud Computings stellen Anwendungen und Datenbanken zur Verfügung, die netzbasiert genutzt werden können. Auch die eigenen Dateien des Anwenders liegen nicht mehr auf dem eigenen Computer, sondern auf den Servern des Providers. Microsoft möchte sich wesentlich stärker auf internetbasierte Dienste konzentrieren und hofft, so dem Käufertrend zu billigeren und leistungsschwächeren Rechnern wie Netbooks begegnen zu können. Ein für den Hersteller interessanter Nebeneffekt wäre, dass das Problem der Raubkopien stark eingedämmt würde, da keine Software an die Endanwender mehr vertrieben werden muss. Das Angebot soll eine wesentliche Kursänderung bei Microsoft markieren. Es konkurriert dabei gegen vergleichbare Angebote wie Google App Engine oder die Elastic Compute Cloud von Amazon.

Microsoft Azure stellt dabei den großen Teil einer neu entwickelten Plattform, der Microsoft Azure Platform, dar. Diese Plattform bietet den Anwendern neue Dienste, so beispielsweise eine Datenbank, Virtualisierung und KI. Mittlerweile ist mit Azure Local ein Angebot hinzugekommen, mit dem eine Azure-Infrastruktur für den Betrieb im Kunden-eigenen Rechenzentren bereitgestellt wird.

Regionen Azure ist im März 2020 in 140 Ländern aufgeteilt in 58 Regionen vertreten. Ein Standort repräsentiert die Stadt oder das Gebiet der Azure Region. Jede Region ist mit einer anderen Region innerhalb derselben Geographie gepaart; dies macht sie zu einem regionalen Paar. Zum Beispiel sind Amsterdam und Dublin Orte, die ein regionales Paar bilden. Diese Paarung von Regionen ermöglicht eine zusätzliche Ausfallsicherheit, indem bei Problemen in einer Region automatisch die Partnerregion übernimmt (spezielle Funktion einiger Azure Dienste und mit zusätzlichen Kosten verbunden).

Microsoft hat mit Azure recht früh zwei Rechenzentren für Cloud-Dienste auf dem afrikanischen Kontinent eröffnet, jedoch seitdem dort kein weiteres.

Deutschland Im Rahmen einer Daten-Treuhand-Konstruktion wird für Deutschland eine spezielle Cloud-Lösung angeboten, die dem stärkeren Bedürfnis nach Datenschutz in Deutschland genügen soll. Ein deutscher Datentreuhänder, hier die T-Systems, kontrolliert dabei den Zugriff auf die Kundendaten. Im November 2015 hat Microsoft angekündigt, hierfür zwei Rechenzentren in Deutschland zu installieren. Standorte sind Frankfurt am Main und Magdeburg. Damit werden Kundendaten nicht in Rechenzentren außerhalb Deutschlands verteilt. Die deutschen Rechenzentren sind dabei Teil einer globalen Cloud-Infrastruktur, die 54 Regionen in über 140 Ländern umfasst. Am 31. August 2018 gab Microsoft bekannt, dass die Microsoft-Cloud Deutschland nicht mehr für Neukunden zur Verfügung steht und keine neuen Dienste mehr bereitgestellt werden.

Seit Ende 2019 sind zwei neue Rechenzentren in Berlin und Frankfurt (Hattersheim) verfügbar, auf denen Azure, Office365 und künftig auch Dynamics365 verfügbar sind.microsoft.com: Microsoft stellt seine Cloud-Dienste ab 2019 aus neuen Rechenzentren in Deutschland bereit und reagiert damit auf veränderte Kundenanforderungen

2021 wurde bekannt, dass Microsoft mit Regierungen in Europa an einem speziellen Angebot arbeitet, um eine Migration in die eigene Cloud attraktiver zu machen. Bisher setzen deutsche Behörden zwar auf Microsoft-Software, die proprietär ist und daher Risiken bietet. Da sie in eigenen Rechenzentren läuft, sind die Gefahren für Sicherheit und Datenschutz jedoch im Vergleich zu Cloud-Diensten geringer, zumal die USA direkt und indirekt nachweisbar deutsche Politiker wie Angela Merkel überwacht haben. Handelsembargos der USA gegen etwa Huawei zeigen zudem weitere politische Gefahren. Die Bundesregierung sieht daher die digitale Souveränität in Gefahr und plante, quelloffene Alternativen zu prüfen. Daraufhin kündigte Microsoft an, mit lokalen Dienstleistern zusammenzuarbeiten, um trotzdem gemeinsam Dienste in der Cloud anbieten zu können. Im Folgejahr erschien die Ankündigung, dass diese Cloud 2024 starten soll. Einige Kritikpunkte wie etwa die hohe Abhängigkeit von einem einzelnen Konzern bleiben bestehen.

Schweiz Seit 2019 unterhält Microsoft zwei Rechenzentren in den Kantonen Genf und Zürich für Microsoft Azure. Im März 2023 kündigte Microsoft einen Ausbau der Schweizer Rechenzentren an.

Microsoft nennt Finanz- und Gesundheitssektor, den öffentlichen Sektor sowie Nichtregierungsorganisationen als primäre Zielgruppen für die Schweizer Rechenzentrum-Standorte.netzwoche.ch Der Aufbau der Rechenzentren wurde durch einen großen Ankermieter initiiert. Die Schweizer Großbank UBS hat angekündigt, dass sie mittelfristig ein Drittel ihrer Daten in Zusammenarbeit mit Microsoft in die Cloud auslagern möchte. Swisscom ist ein Vertriebspartner von Azure.

Aufbau Microsoft Azure ist unterteilt in Compute, Storage, Virtual Network, CDN und Marketplace. Compute stellt drei sogenannte Rollen zur Verfügung: Web Role als Container für Webanwendungen, Worker Role für unter anderem nebenläufige oder rechenintensive Aufgaben und die VM Role (beta), die „user-provided Windows Server 2008 R2 image[s]“ in der Cloud hostet. Storage erlaubt das Speichern von Daten in BLOBs, Tabellen oder Queues und AppFabric stellt Infrastrukturdienste wie einen Service Bus, Access Control, Caching, Integration und Composite App für verteilte Anwendungen zur Verfügung.D. Chappell: Introducing the Windows Azure Platform. microsoft.com, 2010-10; abgerufen am 2. Juni 2011.

Durch die VM Role ermöglicht Microsoft, eigene Windows Server Images in seinen Rechenzentren und damit bisherige On-Premises-Lösungen in der Cloud laufen zu lassen. Allerdings ist man hier auf dieses eine Betriebssystem festgelegt. Die Web Role ermöglicht es, Anwendungen in einer Vielzahl von Programmiersprachen (.NET (C# and Visual Basic), C++, PHP, Ruby, Python, Java) bereitzustellen. Die Microsoft Azure Plattform ist insbesondere abgestimmt auf das .Net-Framework und Visual Studio. Es gibt eine Eclipse-Integration, die sich aber nur unter Windows nutzen lässt.

Microsoft bietet außerdem seine Infrastruktur auch als Appliance an, um sich eine private Azure-Cloud im eigenen Rechenzentrum aufzubauen.

Azure unterstützt die meisten Programmiersprachen und hat ein Rollensystem. Um allerdings eine Java-Webanwendung zu deployen, kann man nicht einfach eine WAR-Datei hochladen, sondern muss die eigene Anwendung inklusive Java-Laufzeitumgebung und Tomcat-Application-Server in eine Worker Role verpacken und deployen.

Entwicklung Ray Ozzie hat auf der Professional Developers Conference 2008 in Los Angeles zum ersten Mal Windows Azure offiziell angekündigt und stellte den Teilnehmern der Konferenz den Zugang zu einem Community Technology Preview zur Verfügung. Zuvor war es von Steve Ballmer als Windows Cloud angekündigt worden.

Die Plattform steht seit dem 1. Februar 2010 offiziell zur Verfügung. Andere Software-Hersteller sind damit in der Lage, ihre Software über die Plattform als SaaS-Dienst anzubieten.

Die Funktionalität der Azure-Plattform wurde von Microsoft seit ihrer Erstvorstellung im Herbst 2008 stufenweise ausgebaut. Die nachfolgende Übersicht informiert über wesentliche Erweiterungen der Plattform sowie wichtige Bekanntmachungen zu Microsoft Azure.

Zeitpunkt Erweiterungen Oktober 2008 Ankündigung der Windows-Azure-Plattform Erste Testversionen von Azure öffentlich verfügbar. März 2009 Veröffentlichung von SQL Azure (relationales Datenbanksystem als Cloud Service) Aktualisierung der Azure Testversion Full Trust, PHP-Unterstützung, Java-Unterstützung, Testversion des Content Delivery Networks (CDN) Ankündigung von VM-Hosting (VM-Role) Veröffentlichung des Preismodells November 2009 Aktualisierung der Azure-Testversion: Full Trust, PHP-Unterstützung, Java-Unterstützung Testversion des Content Delivery Networks (CDN) Ankündigung von VM-Hosting (VM-Role) Veröffentlichung des Preismodells Juni 2010 Unterstützung von .NET Framework 4 Versionierung der Gast-Betriebssysteme Verfügbarkeit des Content Delivery Networks (CDN) Erweiterungen bei SQL Azure November 2010 VM-Hosting Startup-Tasks und Plugins für VM-Instanzen Full-IIS Windows Azure Connect (ehemals „Project Sydney“) Remote Desktop April 2014 Windows Azure wurde umbenannt in Microsoft Azure Juli 2014 Öffentliche Preview von Azure Machine Learning September 2015 Einführung von Azure Cloud Switch als plattformübergreifende Linux-Distribution. Dezember 2015 Veröffentlichung von Azure ARM Portal (Codename „Ibiza“) März 2016 Veröffentlichung von Azure Service Fabric September 2017 Neues Logo und neues Manifesto Juli 2018 Öffentliche Preview von Azure Service Fabric Mesh September 2018 Veröffentlichung von Microsoft Azure IoT Central April 2019 Veröffentlichung Azure Front Door ServiceMai 2022 Unterstützung von weiteren Datenbanken u. a. PostgreSQLMai 2023 Erste KI-basierte FunktionenNovember 2024 Einführung Azure Local als Nachfolger von Azure Stack HCIDezember 2025 Erweiterung Azure Local

Dienste Azure stellt eine große Anzahl von Diensten bereit, welche auf der Azure-Webseite aufgelistet und beschrieben werden. Zudem existiert ein Marktplatz, über den Dienste von Drittanbietern bereitgestellt und genutzt werden können. Die Dienste können sowohl über ein Portal als auch über PowerShell-Skripte eingerichtet und verwaltet werden.

Datenschutz Microsoft hat erklärt, dass die US-Regierung gemäß dem USA Patriot Act Zugang zu den Daten haben könnte, auch wenn das gehostete Unternehmen nicht amerikanisch ist und die Daten sich außerhalb der USA befinden. Als US-Unternehmen unterliegt Microsoft dem CLOUD Act, der US-Behörden unter bestimmten Umständen Zugriff auf Daten ermöglicht – unabhängig vom Speicherort. Microsoft Azure sei jedoch konform mit der EU-Datenschutzrichtlinie (95/46/EG). Um Datenschutz- und Sicherheitsbedenken auszuräumen, hat Microsoft ein sogenanntes Microsoft Azure Trust Center eingerichtet, und Microsoft Azure verfügt über mehrere Dienste, die mit verschiedenen Compliance-Programmen wie ISO 27001:2005 und HIPAA konform sind.

Sicherheitsprobleme „OMIGOD“: Vollzugriff für Unbefugte auf Azure-Server durch ungefragt installierten Agenten mit schwerer Root-Lücke