mini|400px| Willem Blaeus Karte von 1649 zeigt Mayda südlich der Insel Brasil Mayda oder Maida ist eine Phantominsel, die zwischen dem 14. und dem 20. Jahrhundert in Atlanten und auf Karten auftauchte. Sie bekam im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche andere Namen, zum Beispiel: Asmayda, Asmaida, As Maydas, Mayde oder Mayd, Brazir, Mam oder Man, Onzele, Bentusla, Bolunda, Vlaenderen und Man orbolundaEdward Brooke-Hitching: Atlas der erfundenen Orte. DTV, München 2017, ISBN 978-3-423-28141-6, S. 158–161 und wurde auf unterschiedlichen Positionen zumeist sichel- oder halbmondförmig eingezeichnet. Frühe Karten verorteten die Insel westlich von Britannien und südwestlich von Irland, spätere näher zur nordamerikanischen Küste. Meist wird sie im Kontext mit der ebenfalls nicht existenten Insel Brasil oder Brazil gezeigt. Soweit bekannt, hat niemand ernsthaft behauptet, Mayda je betreten zu haben. Ursprung der Legende mini|Mayda, hier „Ysola Brazir“ genannt, auf der südorientierten Karte der Brüder Pizzigano von 1367 Die Portolankarte von 1339 des Kartenmachers Angelino Dulcert (oder Angelino Dalorto) aus Mallorca zeigt zwar sehr deutlich die kreisförmige Insel Brasil vor der irischen Westküste, doch Mayda fehlt noch.

Die erste bekannte Abbildung der Insel findet sich auf der südorientierten Karte von 1367 der Brüder Domenico und Francesco Pizzigano (auch Pizigano), Kartenmacher aus Venedig. Mayda ist im Mittelatlantik, westlich der Halbinsel Bretagne, als „Ysola Brazir“ eingezeichnet. Sie hat die Form eines Halbmondes mit einer großen und einer kleinen Bucht an der Westseite. Zwei Segelschiffe sind abgebildet, eines davon wird von einem Riesenkraken attackiert. Ein Drache, der einen Menschen im Maul trägt, fliegt darüber. In der Erläuterung neben der Zeichnung wird vor den Drachen auf der Insel gewarnt, sie hätten von vorbeifahrenden Schiffen zwei Seeleute entführt. Die Abbildung eines Drachens erinnert an die Inschrift auf alten Seekarten: „Hic sunt dracones“, die gefährliche und unerforschte Gebiete bezeichnete.

Die Bezeichnung Ysola Brazir verleitet zu der Annahme, damit sei die Insel Brasil gemeint. Doch die BrasilinselDer Name Brasilien ist nicht von der Brasilinsel abgeleitet. Er geht auf den portugiesischen Namen Pau-brasil des Brasilholz-Baumes (Paubrasilia echinata) zurück, der zur Zeit der Kolonisation eine wichtige Färberpflanze war. ist weiter südlich auf der Pizzigano-Karte, in Höhe der Südspitze Spaniens, auf ungefähr gleicher Länge ebenfalls abgebildet. Die Insel ist als O´Brasil oder Hy-Brasil ein Mythos der irischen Folklore. Der Name geht zurück auf den irischen Hochkönig Dallán mac Breasal, der im 5. Jahrhundert n. Chr. gelebt haben soll. Die Sage ist niedergelegt im Book of O’Lees (auch Book of Hy-Brasil), gedruckt 1531, das jedoch auf weitaus älteren Überlieferungen fußt. Brasil wird seit dem 14. Jahrhundert auf Karten meist als kreisrunde Insel oder – wie auch in diesem Fall – als Doppelinsel dargestellt, geformt wie ein Hamburger.

Kartendarstellung Die wechselnde geographische Position von Mayda sowie die unterschiedlichen Namen und Formen auf den Karten sorgten im Laufe der Jahrhunderte für zahlreiche Konfusionen.

Während die Breite – ungefähr auf der Höhe des Golfs von Biskaya – sich kaum veränderte, wechselte die geografische Länge häufig. Frühe Karten zeigten die Insel westlich von Großbritannien und südwestlich von Irland, später verlagerte sich ihre Position jedoch weiter nach Westen, zum Mittelatlantik, bis sie schließlich – nach der Entdeckung Amerikas – östlich der Insel Neufundland eingezeichnet wurde.

Der oft halbmondförmige Umriss von Mayda entspricht der Kontur der Insel Ymana, ebenfalls eine Phantominsel, die unmittelbar nördlich der sagenhaften Insel Antilia liegen soll. Auf späteren Karten löst sich die Insel Ymana unter ihrem neuen Namen Royllo oder Roillo von Antilia und rückt weiter nach Norden, bis in die Nähe von Neufundland. Eine Verwechslung mit Mayda ist nicht auszuschließen. Der Name Ymana ist möglicherweise eine Zusammenziehung des Präfixes „Y.“, einer auf alten Karten gebräuchlichen Abkürzung für Ysola, Ylla oder Ylha, und „man“, einem der zahlreichen Namen für die Insel Mayda.

Die Bezeichnung de Mam oder de Man, vorwiegend auf niederländischen Karten (oder deren Kopien), könnte als Wortzusammensetzung auch deman heißen, was auf die Dämoneninsel hindeutet, die als Doppelinsel auf der Karte des Johannes Ruysch von 1508 vor Neufundland platziert wird.Konrad Kretschmer: Die Entdeckung Amerikas in ihrer Bedeutung für die Geschichte des Weltbildes. W.H. Kühl, Berlin 1892, S. 221

Vicenzo Formaleonio (* 18. November 1752; † 8. Januar 1797) schrieb schon im 18. Jahrhundert über die Insel Mayda (er nennt sie Maida), dass sie ausschließlich aufgrund umlaufender Gerüchte und nicht wegen tatsächlicher Beobachtungen in die Kartenwerke aufgenommen wurde, da ihr Name ständig wechsele und ihre Existenz keineswegs gesichert sei.Vincenzio Antonio Formaleoni: Saggio sulla nautica antica de Veneziani [...]. Presso d’Autore (Eigenverlag), Venedig 1783, S. 39

Mayda auf historischen Karten Nachfolgend werden einige Beispiele für die unterschiedlichen Namen und geografischen Positionen der Insel Mayda im Laufe der Jahrhunderte genannt: 14. Jahrhundert Der Karte der venezianischen Brüder Domenico und Francesco Pizzigano von 1367 folgt der Katalanische Weltatlas von 1375. Blatt 6 (Westeuropa, Iberische Halbinsel) zeigt Mayda als verhältnismäßig große, halbmondförmige Insel (etwa gleich groß wie Mallorca) westlich der Pointe du Raz unter dem Namen „Insula de Mam“. Eine gänzlich andere Benennung findet sich auf einer Portolankarte vom Nordatlantik und dem westlichen Mittelmeer im sogenannten Pinelli-Walckenaer-Atlas von 1384 in der British Library, der von einem unbekannten venezianischen Kartenmacher stammt. Dort ist die Insel Mayda unter dem Namen „Jonzele“ oder „J[nsula] Onzele“ zu finden.Adolf Erik Nordenskiöld: Periplus, an essay on the early history of charts and sailing-directions, 1897, Nachdruck: Burt Franklin, New York 1960, Blatt 15 Sie ist ungewöhnlich klein und von nur wenig gekrümmter Form. 15. Jahrhundert Ein wiederum ein anderer Name für Mayda findet sich im Atlas des Andrea Bianco von 1436. Die Karte von Spanien und Nordafrika (Tafel IV) zeigt westlich der großen Phantominsel Antilia eine kleine Insel, ungefähr in Form des Buchstabens „S“, die den Namen Bentusla (oder Bentufla?) trägt, der arabischen Ursprungs sein könnte.William H. Babcock: Legendary Islands of the Atlantic – A Study of Medieval Geography. American Geographical Society, New York 1922 Die südorientierte Weltkarte des venezianischen Mönches Fra Mauro von 1459 zeigt nordöstlich der „Jsola de la Madiera“ (Madeira) die Insel Mayda – hier heißt sie „Madia“ – in der oft verwendeten Halbmondform mit zwei ausgeprägten Buchten im Süden. 16. Jahrhundert Die Weltkarte von Martin Waldseemüller: „Tabula Terre Nove“, war die wichtigste Karte in der 1513 in Straßburg erschienenen Ausgabe der Geographia des Ptolemäus des Buchdruckers Johann Schott (1477– ca. 1545/1548). Die verhältnismäßig große Insel „As Maidas“ ist nicht mehr halbmondförmig, sondern hat einen unregelmäßig runden Umriss und liegt in Höhe des Golfs von Biskaya. Der Name verkürzt sich in späteren Ausgaben desselben Werkes, ab 1520, in „Mayd“. Nördlich davon ist die Phantominsel Brasil als „Obrassil“ eingezeichnet. Als „Illa d’Mayd“ findet sich die Kurzform des Namens in einer in Mallorca gefertigten Karte von Matheus (oder Mateo) Prunes aus dem Jahr 1553, die in der Biblioteca Comunale degli Intronati in Siena aufbewahrt wird. Die Insel erhielt wieder die Form eines liegenden Halbmondes mit zwei ausgeprägten Buchten.

Der Verleger Giacomo Gastaldi veröffentlichte im Jahr 1546 eine Weltkarte, die als eine der bedeutendsten Karten des 16. Jahrhunderts gilt und mehrfach kopiert wurde. Die originalgetreue Kopie von Gerard de Jode aus Antwerpen, die 1555 veröffentlicht wurde, zeigt „Maida“ in der Mitte des Atlantischen Ozeans, etwa in Höhe der Südspitze Irlands als unregelmäßig runde Form.

Auf einigen Karten des 16. Jahrhunderts rückt die Insel weit nach Westen, bis vor die Küste des heutigen Kanada. Der französische Geograph Nicolas de Nicolay (1517–1583) platzierte sie auf einer Karte von 1560 unter der Bezeichnung „I[le] man orbolunda“ südlich der Belle-Isle-Straße, und auf der Karte von „Noua Franza“ (Nordamerika) des Druckers und Kupferstechers Bolognino Zaltieri aus Venedig aus dem Jahr 1566 (Venetijs aenis formis Bolognini Zalterij Anno M.D.LXVI.) liegt „Maida“ vor der Küste Neufundlands. mini|Maida auf der Weltkarte von Gerardus Mercator 1569 Die wohl berühmteste Karte des 16. Jahrhunderts ist die Weltkarte in 21 Teilen von Gerhard Mercator aus dem Jahr 1569. Blatt 10, Westeuropa und östlicher Atlantik, zeigt „Maida“ mit unregelmäßiger Form (wieder) näher zum europäischen Kontinent, westlich von Kap Finisterre. Auf der geographischen Breite von Irlands Südküste ist „Brasil“ als Doppelinsel eingezeichnet. Zwischen Maida und Brasil platziert Mercator eine etwas größere Insel mit Namen „Vlaenderen“, eine Benennung, die drei Jahre später Abraham Ortelius in seiner Weltkarte: „Typus Orbis Terrarum“, gedruckt in Antwerpen 1572, für Mayda übernimmt. Die Insel hat die Form eines auf der Spitze stehenden Dreiecks mit einer Einbuchtung an der Hypotenuse. Sie ist etwas größer gezeichnet als Mallorca und liegt westlich von Brest.Adolf Erik Nordenskiöld: Facsimile-Atlas to the Early History of Cartography With Reproductions of the Most Important Maps Printed in the XV and XVI Centuries. Stockholm 1899, Nachdruck: Dover Publikations, New York 1973, ISBN 978-0-486-22964-5, Blatt 46William H. Babcock: The Problem of Mayda, an Island appearing on Medieval Maps. In: Geographical Review, Band 9 (4), April-Juni 1920, London 1773, S. 335–346 Der rätselhafte Inselname Vlaenderen – er könnte von Flandern (Vlaandern) abgeleitet sein – konnte sich nicht durchsetzen, andere Kartenmacher benutzten weiter den Namen Mayda in den unterschiedlichen Schreibweisen.

Offenbar scheinen aber nicht alle Kartografen des 16. Jahrhunderts von der Existenz Maydas überzeugt gewesen zu sein. Die Portolankarte auf Pergament des Priesters und Kartografen Dominico Vigliarolo (Presbiter Dominicus Vigliarolus Calaber Stilensis me fecit in civita urbe Neapoli 1580) zeigt zwar Brasil als kreisrunde Form auf der üblichen Position südwestlich von Irland, nicht jedoch die Insel Mayda.

17. Jahrhundert In der Karte des holländischen Kartografen Nicolaas van Geelkerken vom Nordatlantik von 1620 taucht die „I.[sola] das Meidas“ auf, doch sie ähnelt nur noch entfernt einem liegenden Halbmond. Der Kupferstecher Henricus Hondius aus Amsterdam hingegen zeigt „Las Maidas“ 1641 in seiner Weltkarte „Nova Totis Terrarum Orbis“ wieder halbmondförmig in der üblichen Positionierung westlich der Biskaya mit der Insel Brasil nördlich davon. Diese Halbmondform hat Willem Janszoon Blaeu in seinem Atlas „Theatrum Orbis Terrarum“, Amsterdam 1645, endgültig aufgegeben. Seine unregelmäßig oval geformte und verhältnismäßig große Insel „As Maydas“ liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Europa und Amerika im Atlantischen Ozean, in Höhe von „Terra Nova“ (Neufundland).

18. Jahrhundert Im Jahr 1717 zählte der portugiesische Jesuit und Historiker António Cordeiro (1641–1722) „Mayadas“ in seinem Buch über die Geschichte der zu Portugal gehörenden Inseln im westlichen Ozean zu den Besitztümern Portugals. Er gibt sogar eine sehr phantasievolle Kurzbeschreibung der Insel ab: