Heinrich Grimm (* 1592/93 in Holzminden; † 10. Juli 1637 in Braunschweig; auch Henricus Grimmius) war ein deutscher Organist, Autor und Komponist.
Leben Grimm wurde als Sohn eines Schneiders in Holzminden geboren. Er bekam seinen ersten musikalischen Unterricht durch Michael Praetorius, der in Braunschweig die Hofkapelle von Herzog Heinrich Julius leitete. Die Geburtsangabe Heinrich Grimms ergibt sich aus der Altersangabe, die Praetorius der Druckfassung einer Motette seines Schülers im 5. Band seiner Musae Sioniae (1607) beigab: „Henr. Grimm. discip. mei. pueri 14. annor.“. Ab 1607 studierte Grimm Philosophie und Theologie an der Universität Helmstedt.
1617 bekam Grimm eine Anstellung als „p.[ro] t.[empore] Magd.[eburgensis] Cantor“ am Domgymnasium Magdeburg. 1622 lautete sein Titel „Musicus Magdeburgensis Ordinarius“, und als solcher war er auch zuständig für die Figuralmusik mehrerer Magdeburger Kirchen; doch es war ihm ausdrücklich erlaubt, auch eigene Kompositionen dort aufzuführen. Für den Schulunterricht verfasste er ein Kompendium.
Als Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg am 20. Mai 1631 zerstört wurde (Magdeburger Hochzeit), flüchtete Grimm nach Braunschweig. Hermann Lorenzens These, dass Grimm zunächst interimsmäßig Kantor an der Kirche St. Katharinen wurde, ist unbelegbar. Ab 1632 übernahm Grimm das Amt des Organisten an St. Andreas. Dieses Amt hatte er bis an sein Lebensende inne.
Sein Sohn Michael († 1704) wurde Hoforganist in Celle. Er gab 1643 die nachgelassenen Motetten seines Vaters unter dem Titel Vestibulum Hortuli Harmonici sacri etc. heraus.
Rezeption Grimm gilt als einer der ersten Vertreter eines monodisch-konzertierenden Stils in Deutschland, der sich von Italien aus in Mitteleuropa ausbreitete. Grimms Kompositionen (145 bekannte Werke) sind in der Regel sechs- bis achtstimmig und beeindrucken durch ihre Ausdruckskraft. Thematisch beinhalten sie meistens Texte von Psalmen oder biblische Sprüche. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens kann man Grimm durchaus mit dem Komponisten Johann Hermann Schein vergleichen.
Evangelischen Glaubens, war Grimm der orthodoxen lutherischen Überlieferung verpflichtet. Er bevorzugte für seine Kantionalsätze Lieder der Reformationszeit. In seiner Matthäus-Passion folgte er seinem Vorbild Johann Walter.
Werke (Auswahl) Instrumentum instrumentorum, hocest monochordum vel potius decachordum. Wolfenbüttel 1629 Unterricht, wie ein Knabe nach der alten Guidonischen Art zu solmisieren leicht angeführt werden kann. Magdeburg 1624
Literatur
Hermann Lorenzen: Der Kantor Heinrich Grimm. Dissertation, Universität Hamburg 1940. Thomas Synofzik: Heinrich Grimm (1592/93–1637) Cantilena est loquela canens. Studien zu Überlieferung und Kompositionstechnik. Wagner, Eisenach 2000, ISBN 3-88979-088-7 (zugleich: Dissertation, Universität Köln, 1998).
Weblinks
Einzelnachweise Thomas Synofzik: Heinrich Grimm (1592/93–1637) Cantilena est loquela canens. Studien zu Überlieferung und Kompositionstechnik. Wagner, Eisenach 2000, ISBN 3-88979-088-7.
Kategorie:Komponist (Barock) Kategorie:Musikdidaktiker Kategorie:Klassischer Organist Kategorie:Person (Holzminden) Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1637 Kategorie:Mann