mini|Julius Habicht Julius Habicht (* 19. Januar 1874 in Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal); † 1. Oktober 1912 in Berlin) war ein deutscher Architekt, der als Baudirektor bei der Reichsbank arbeitete.
Wirken Nach Schule, Architekturstudium, Referendariat im öffentlichen Bauwesen und bestandenen zweiten Staatsexamen wurde Habicht zum Regierungsbaumeister (Assessor) ernannt. 1901Walter Curt Behrendt: Julius Habicht. In: Berliner Architekturwelt, Jg. 15, 1913, S. 387–398, hier S. 387. (Digitalisat auf digital.zlb.de, abgerufen am 16. Oktober 2025) erhielt er eine Anstellung als technischer Hilfsarbeiter im Baubüro der Deutschen Reichsbank, wo er 1906 zum Reichsbankbaudirektor aufstieg. Habicht starb 1912 früh im Alter von nur 38 Jahren; sein Nachfolger im Reichsbank-Baubüro wurde ab 1912 Philipp Nitze.
In den rund zehn Jahren seines Wirkens bis 1912 entstanden mit 94 ProjektenWalter Curt Behrendt: Julius Habicht. In: Berliner Architekturwelt, Jg. 15, 1913, S. 387–398, hier S. 388. (Digitalisat auf digital.zlb.de, abgerufen am 16. Oktober 2025) die meisten Filial-Neubauten der Reichsbank in allen Teilen des Deutschen Reichs nach Habichts Entwürfen, es kam aber in einzelnen Fällen auch zu einer Zusammenarbeit des Reichsbank-Baubüros mit privaten Architekten. mini|Grabmal der Familie Habicht in Schmargendorf Habichts Bankgebäude verwendeten überwiegend Stilelemente der klassischen Antike wie Pilaster und Reliefplatten. Alle Reichsbankbauten heben sich aus der Menge der historistischen Bankgebäude als formal geschlossene Gruppe heraus; ihre Gestaltung vermittelte den gewünschten Reichseinheitsgedanken, steht aber auch im Zusammenhang mit den strikten Vorgaben des unter ökonomischen Aspekten aufgestellten Raumprogramms für alle Reichsbank-Filialen. Architekturhistoriker bezeichnen den Stil auch als „Reichsbank-Historismus“. Beim plastischen Fassadenschmuck arbeitete Habicht ab 1908 mit dem Baukeramiker John Martens und mit dem Bildhauer Julius Kühn zusammen.Bild Reichsbank Nürnberg, Architekt Julius Habicht, Bildhauer Julius Kühnn, Modell von August Vogel. Berliner Architekturwelt, 1911, Heft 1, Abb. 3.
Kurz vor seinem Tod wurde Habicht 1912 Mitglied im Deutschen Werkbund.
Privates Julius Habicht war verheiratet mit Gertraud Habicht (1881–1966), die ihren Mann um 54 Jahre überlebte. Das Ehepaar ist beigesetzt auf dem Berliner Friedhof Schmargendorf. Das von dem Bildhauer Josef Rauch geschaffene Grabmal steht unter Denkmalschutz.
Bauten
Auch das 1900 bis 1907 erbaute und im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude der Rheinisch-Westfälische Bank für Grundbesitz AG (seit 1919 Mitteldeutsche Creditbank, seit 1929 Commerz- und Privatbank AG) in Essen wird Julius Habicht zugeschrieben.
In einem nach seinem Tod erschienenen Sonderdruck der Zeitschrift Der Profanbau sind darüber hinaus folgende weitere Bauten erwähnt:Hugo Licht (Hrsg.), Philipp Nitze (Vorwort): Julius Habicht †, Berlin (= Sonderdruck der Zeitschrift Der Profanbau). J. J. Arndt, Leipzig o. J. (ca. 1912/1913). Reichsbanknebenstellen in Arnswalde, Briesen (Westpreußen), Goch, Langenberg (Rheinland), Marienwerder, Mühlhausen/Thüringen, Neisse (zerstört), Schwelm (um 1970 abgerissen)Robert Seckelmann: Schwelm-Mitte von 1600 bis heute (Digitalisat), Stallupönen (zerstört), Striegau, Wittenberg, Offenburg, Oldenburg, Freiburg (Schlesien) und Tilsit (Memel).
Reichsbankhauptstelle Nürnberg
Literatur Walter Curt Behrendt: Julius Habicht. In: Berliner Architekturwelt, Jg. 15, 1913, Heft 10, S. 387–398. (Digitalisat auf digital.zlb.de, abgerufen am 16. Oktober 2025) Hugo Licht (Hrsg.), Philipp Nitze (Vorwort): Julius Habicht †, Berlin (= Sonderdruck der Zeitschrift Der Profanbau). J. J. Arndt, Leipzig o. J. (ca. 1912/1913). Margit Heinker: Die Architektur der Deutschen Reichsbank 1876–1918. Selbstverlag, Münster/W 1998, ISBN 3-00-003732-2. (Zugleich: Dissertation, Universität Münster/W., 1994) Lidia Gerc: Architektura Banku Rzeszy w Toruniu na tle dzialalnosci budowlanej Juliusa Habichta (Die Architektur der Reichsbank zu Thorn vor dem Hintergrund der Bautätigkeit von Julius Habicht). Dissertation Torun 1998. Lidia Gerc: Julius Habicht – architekt Banku Rzeszy. In: Studia z architektury nowoczesnej, Bd. 1, 2000, S. 27–63 (polnisch, mit englischer Zusammenfassung von James Gibbs). – Digitalisat auf journals.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 23. Januar 2026.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Architekt des Historismus Kategorie:Regierungsbaumeister Kategorie:Mitglied des Deutschen Werkbundes Kategorie:Person (Reichsbank) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1912 Kategorie:Mann