mini|Fußgängerachse im Zentrum des Universitätscampus Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (kurz HHU oder HHUD) ist eine deutsche Hochschule und Körperschaft des öffentlichen Rechts in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf und bildet aufgrund ihres Fächerspektrums eine Volluniversität.Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Ein Campus. Fünf Fakultäten. Tausend Möglichkeiten. PDF-Dokument, S. 3; hhu.de, vom Oktober 2015, abgerufen am 24. November 2015. 1965 ging sie unter dem Namen Universität Düsseldorf aus einer medizinischen Akademie hervor und wurde 1988 nach dem in Düsseldorf geborenen Dichter Heinrich Heine benannt. Sie besteht seit 1993 aus fünf Fakultäten. Im Wintersemester 2025/26 waren 28.196 Studierende eingeschrieben.
Geschichte mini|hochkant|Heinrich Heine (1831) Vorgeschichte Älteste Traditionen Ein erster Versuch zur Einrichtung einer Universität in Düsseldorf scheiterte um die Mitte des 16. Jahrhunderts unter dem Landesherrn Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg im Zusammenhang mit den damaligen konfessionellen Auseinandersetzungen in der Region. Eine juristische Fakultät gab es für etwa 95 Jahre von 1715 bis 1810 in der Rechtsakademie Düsseldorf. 250 Jahre nach diesem gescheiterten Versuch griff der französische Kaiser Napoleon Bonaparte den Plan einer Universität auf, den ihm der Düsseldorfer Staatsrat Georg Arnold Jacobi vorgelegt hatte.Otto Reinhard Redlich: Die Anwesenheit Napoleons I. in Düsseldorf im Jahre 1811. Verlag von E. Lintz (vorm. C. Kraus), Düsseldorf 1892, S. 35 Düsseldorf war seinerzeit Regierungssitz des Großherzogtums Berg, eines aus dem alten Herzogtum Berg hervorgegangenen Satellitenstaats innerhalb des Rheinbundes. Die Universität sollte eine administrative Elite heranbilden, um das Großherzogtum zu konsolidieren. Im Dezember 1811 erließ Napoleon im Nachgang zu seiner Inspektionsreise Dekrete, die die Einrichtung einer Universität mit fünf Fakultäten einschließlich einer theologischen im wiederaufzubauenden Düsseldorfer Schloss anordnete.Gesetzbulletins des Großherzogtums Berg Nr. 16, 1811 (S. 282 ff.) und Nr. 26, 1811 (S. 804 ff.). Wiedergegeben in: Wolfgang D. Sauer: Düsseldorf unter französischer Herrschaft 1806–1815. In: Dokumentation zur Geschichte der Stadt Düsseldorf (Pädagogisches Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf), Oktober 1988, Band 11, S. 47 und 138 Zu Ehren des Kaisers sollte die neue Universität den Namen Napoleona Augusta tragen.Projet de Loi réglementaire de l’Université de Düsseldorf, soumis à la discussion du Conseil d’Etat. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen: HStAD, GB, Nr. 309c – vgl. Bettina Severin-Barbouti: Raumkonfigurationen. Zur Hochschulreformdebatte im Großherzogtum Berg. In: Esther Möller, Johannes Wischmeyer (Hrsg.): Transnationale Bildungsräume. Wissenstransfer im Schnittfeld von Kultur, Politik und Religion. Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Beiheft 96, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-525-10124-7, S. 80 (Google Books) Die Pläne, die der bergische Staatsrat Jacobi gutachterlich verfeinert und dem Kaiser 1812 in Paris vorgelegt hatte, scheiterten jedoch angesichts des unmittelbar bevorstehenden Russlandfeldzugs und durch das Ende der napoleonischen Herrschaft 1815. Die napoleonischen Dekrete zur Gründung der Düsseldorfer Universität wurden von Justus von Gruner, dem preußischen Gouverneur des Ende 1813 gebildeten Generalgouvernements Berg, in aller Form aufgehoben.Julius Asbach: Die Napoleonische Universität in Düsseldorf (1812/13). Voss, Düsseldorf 1899, S. 16 (Digitalisat) In preußischer Zeit wurde schließlich nicht die bergische Hauptstadt Düsseldorf mit einer Universitätsgründung bedacht, sondern 1818 die Stadt Bonn mit der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Dessen ungeachtet entwickelte sich Düsseldorf in der Folgezeit namentlich in medizinischer Hinsicht zu einem wichtigen Standort, angetrieben zumal durch die seit 1862 von Albert Mooren geleitete Augenklinik, die hinter London, Moskau, Birmingham und Paris zum fünftgrößten europäischen Augenzentrum avancierte.
Medizinische Akademie (1907/1923 bis 1965) Die Aufwertung Düsseldorfs zur Hochschulstadt vollzog sich auf indirektem Wege. 1907 wurde mit dem Neubau der Städtischen Kliniken die ebenfalls städtische „Düsseldorfer Akademie für praktische Medizin“ gegründet, die sich in die Bereiche Chirurgie, Innere Medizin, Kinderheilkunde, Frauenheilkunde, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Dermatologie sowie Psychiatrie gliederte. An ihr wurden Fortbildungsveranstaltungen für bereits praktizierende Ärzte abgehalten. Ein Medizinstudium war zunächst nicht möglich. Erst 1919 nahm die Akademie provisorisch und hauptsächlich für Kriegsteilnehmer den klinischen Unterricht auf. Die preußische Regierung und der Oberbürgermeister Düsseldorfs unterzeichneten nach dieser Probephase 1923 einen Vertrag, nach dem die „Akademie für praktische Medizin“ in „Medizinische Akademie in Düsseldorf“ umbenannt wurde. Die Akademie erhielt eine Rektoratsverfassung und das Recht auf klinische Ausbildung von Studenten. Die vorklinische Ausbildung musste weiterhin an anderen Hochschulen erfolgen. Die Akademie war immer noch städtisch, die Ausbildung war aber staatlich anerkannt. Ab dem Wintersemester 1931/1932 konnte das Studium der Zahnmedizin aufgenommen werden. 1935 erhielt die „Medizinische Akademie in Düsseldorf“ das Promotionsrecht. Damit war sie den übrigen deutschen Mediziner-Ausbildungsstätten gleichgestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte die Akademie einen weltweiten Ruf in der Herzforschung, insbesondere als 1952 dem Herzchirurgen und Leiter der Chirurgischen Klinik von 1946 bis 1969 Ernst Derra mit Hilfe einer Herz-Lungen-Maschine die erste Operation am offenen Herzen gelungen war.
Gründung und Entwicklung Gründungsjahre und Campusbau (1962/1965 bis ca. 1979) mini|Bau des Universitätscampus (1973); Blick auf die Baustelle der neuen Mensa Am 3. Juli 1962 schlossen das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Düsseldorf einen Vertrag zur Überführung der Akademie in die Obhut des Landes. „NRW übernimmt mit Wirkung vom 1. Januar 1962 die Verantwortung und Finanzierung für die Medizinische Akademie, während die Allgemeinen Städtischen Krankenanstalten weiterhin im Besitz der Stadt Düsseldorf verbleiben.“ 1965 beschloss die Landesregierung die Umwandlung zur Universität Düsseldorf und die Einrichtung sowohl von vorklinischen Studien ab Wintersemester 1965/1966, als auch einer Naturwissenschaftlich-Philosophischen Fakultät. Als Gründungsdatum gilt der 16. November 1965. Das war insbesondere durch die von Kultusminister Paul Mikat betriebene Politik der „schleichenden Hochschulgründung“ geleistet worden, der gegen Widerstand im Kabinett Meyers II durch „Vorpreschen und Tatsachenschaffen“Plassmann, Süssmuth (2015): S. 60 schrittweise aus der medizinischen Akademie eine Universität baute. Treibende Faktoren waren dabei insbesondere der sich immer verschlimmernde Studienplatzmangel Nordrhein-Westfalens in der Medizin und die Notwendigkeit der Naturwissenschaften als Ergänzungswissenschaften für ein medizinisches Studium. Damit für die Naturwissenschaften aber nicht nur weniger renommierte Wissenschaftler berufen werden konnten, strebte man die Errichtung eigener Lehrstühle und einer weiteren Fakultät an, die gleichzeitig auch das Problem des Studienplatzmangels im Lehramt dämpfen sollte. Um die Attraktivität des Lehramtsstandorts Düsseldorf zu erhöhen, strebte man in diesem Zuge auch die Errichtung einer geisteswissenschaftlichen Fakultät an, die es Lehramtsstudenten ermöglichen sollte, ein naturwissenschaftliches Fach mit einem geisteswissenschaftlichen zu kombinieren.vgl. Plassmann, Süssmuth (2015): S. 45–63
Die Anfangsjahre waren jedoch von erheblichem Geldmangel geprägt. Das zeigte sich auch darin, dass die Institute und Seminare der naturwissenschaftlich-philosophischen Fakultät weit verstreut im Stadtgebiet lagen: an der Cecilienstraße, Haroldstraße, Kavalleriestraße, Uhlenbergstraße und Mettmanner Straße. Das Institut für physikalische Chemie lag sogar auf dem Werksgelände von Henkel. Die Stadt Düsseldorf stellte ein 42,8 Hektar großes Gelände südlich der Krankenanstalten, das anschließend in mehreren Bauabschnitten bebaut wurde, zur Verfügung. Erste Gebäude, unter anderem für die Universitätsverwaltung, wurden 1968 fertiggestellt. Der Rektor ab dem Jahr 1968, Alwin Diemer, der selbst den ersten philosophischen Lehrstuhl bekleidet hat, strebte den Ausbau zu einer „modernen Universität“ an. Gemeint war damit für ihn eine Forschungsuniversität, die den Menschen als Kern ihrer wissenschaftlichen Arbeit zentriert. Dazu sollte die Universität mit der Medizin, Biologie, Physik und Chemie den natur- oder lebenswissenschaftlichen Teil aufbauen. Über die Mathematik und Psychologie sollte eine Brücke zu den Geisteswissenschaften geschlagen werden, die selbst mit einem vergleichsweise klassischen Kanon aus Sprachwissenschaften, Geschichte, Kunstwissenschaft, Pädagogik und Philosophie aufgebaut sein sollte. Ergänzend war die Errichtung einer juristischen Fakultät und eines Instituts für Leibesübungen geplant, die das interdisziplinäre Zusammenarbeiten der Fächer ergänzen sollte.vgl. Plassmann, Süssmuth (2015): S. 66 ff.
Nachdem sich mehrere Kommissionen unter der Leitung von Wilhelm Kuchen und anderen mit der Planung, dem Bau und der Einrichtung der noch zu gründenden Institute für Naturwissenschaften sowie der Etablierung einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät und der Einführung eines mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiums an der neuen Universität befasst hatten, wurde 1969 die philosophische Fakultät von der naturwissenschaftlichen getrennt. Die bisherigen Städtischen Krankenanstalten gingen am 1. Januar 1973 von der Stadt Düsseldorf in die Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (Universitätskliniken) über.
mini|Gebäude der Philosophischen Fakultät, im rechten Hintergrund Bauarbeiten an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (um 1973) Bis 1973 konnten die meisten geistes- und naturwissenschaftlichen Institute Neubauten im nördlichen Bereich des Campus beziehen. Für die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät war dies nur eine Zwischenlösung. Nach Beendigung des zweiten Bauabschnittes zog die Fakultät zu Beginn des Wintersemesters 1975/76 in ihre endgültigen Gebäude im Süden des Campus, die für 3800 Studienplätze ausgelegt waren, um. In östlicher Nachbarschaft wurde bereits ein Jahr zuvor der Botanische Garten Düsseldorf eröffnet. Das neu eingerichtete Fach Pharmazie nahm im Wintersemester 1976/1977 den Lehrbetrieb auf.
Im dritten und vorläufig letzten Bauabschnitt wurden der zentrale und östliche Bereich des Universitätsgeländes bebaut. Im Campus-Mittelpunkt entstand der großzügige Neubau der Universitätsbibliothek, der im November 1979 seine Pforten öffnete. Das Institut für Sportwissenschaft (2008 geschlossen) und die Universitäts-Sportanlagen am östlichen Rand des Campus wurden 1980/1981 eröffnet. Am 1. April 1980 wurde die Pädagogische Hochschule Neuss in die Universität eingegliedert. Zu diesem Zeitpunkt waren 12.000 Studierende eingeschrieben.
Der Namensstreit um Heinrich Heine (1968 bis 1988)