Die südbrandenburgische Liebenwerdaer Heide (früher auch Liebenwerdaer Amtsheide) ist ein im Elbe-Elster-Gebiet gelegenes Waldgebiet, das in früherer Zeit hauptsächlich forstwirtschaftlich und für Jagdzwecke benutzt wurde. Es befindet sich östlich der Kurstadt Bad Liebenwerda zwischen deren heutigem Ortsteil Dobra im Westen und Gorden im Osten. Im Norden erstreckte sie sich bis zum Rückersdorfer Ortsteil Oppelhain und im Süden bis an die nördliche Flurgrenze von Haida. Der kursächsische Markscheider und Landvermesser Georg Öder gab 1557 die Ausmaße der Heide mit drei Meilen Länge und einer Meile Breite an.
Sie war einst Bestandteil der Markgrafenheide, zu welcher große Teile des Gebietes zwischen Uebigau und Sonnewalde gehörten. In der Liebenwerdaer Heide erstreckt sich einer der größten zusammenhängenden Traubeneichenwälder Mitteleuropas. Weite Teile des Gebietes, waren als Truppenübungsplatz jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet. Das in der Heide gelegene 3.695 Hektar große Naturschutzgebiet „Forsthaus Prösa“ gilt als Kern des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, der eine Größe von 484 Quadratkilometer umfasst. mini|hochkant=2|Die Liebenwerdaer Amtsheide um 1753
Geographie
Klima mini|Klimadiagramm von Doberlug-Kirchhain Die Liebenwerdaer Heide liegt mit ihrem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar.
Die nächste Wetterstation befindet sich wenige Kilometer nördlich in Doberlug-Kirchhain. Der Monat mit den wenigsten Niederschlägen ist der Februar, der niederschlagsreichste der Juli. Die mittlere jährliche Lufttemperatur beträgt hier 8,5 °C. Dabei beträgt die Jahresschwankung zwischen dem kältesten Monat Januar und dem wärmsten Monat Juli 18,4 °C.Geoklima 2.1
Weitere befinden sich westlich des Gebietes in Torgau sowie südlich in Oschatz und Dresden.
Naturraum
Schutzgebiete mini|hochkant=1.3|Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft Das Gebiet der Liebenwerdaer Heide ist in den 484 Quadratkilometer umfassenden Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft integriert. Der Naturpark, der sich zu etwa 95 % im Landkreis Elbe-Elster erstreckt und Teile des angrenzenden Landkreises Oberspreewald-Lausitz erfasst, wurde im Mai 1996 eingeweiht. Das Kernstück des Naturparks, dessen Wappentier ein Auerhuhn ist, bildet das Naturschutzgebiet „Forsthaus Prösa“, das von Traubeneichen-Beständen, weiträumigen Heideflächen und Silbergras geprägt ist. Sein Zweck ist unter anderem die einheitliche Pflege und Erhaltung der naturnahen Landschaftsräume sowie der historisch gewachsenen Kulturlandschaft in diesem Gebiet, in dem auch Bergbaufolgelandschaften des Gebietes für den Naturschutz und die Erholungsnutzung zurückgewonnen werden sollen. Er umfasst sieben Landschaftsschutzgebiete mit einer Fläche von insgesamt 212,65 Quadratkilometern und 13 Naturschutzgebiete, die eine Fläche von insgesamt 93,78 Quadratkilometer besitzen.Naturpark-Homepage
Im Gebiet der Liebenwerdaer Heide befindet sich das Landschaftsschutzgebiet „Hohenleipisch-Sornoer-Altmoränenlandschaft“, welches eine Fläche von 10.510 Hektar umfasst.Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Hohenleipisch-Sornoer Altmoränenlandschaft“ Außerdem befinden sich hier die Naturschutzgebiete „Forsthaus Prösa“Verordnung über das Naturschutzgebiet „Forsthaus Prösa“, „Loben“, „Hohenleipisch“Verordnung über das Naturschutzgebiet „Hohenleipisch“, „Suden“Anordnung Nr. 1 über Naturschutzgebiete vom 30. März 1961 und „Seewald“.
Geschichte Auerhahnjagden im Gebiet der Liebenwerdaer Amtsheide mini|Auerhahn mini|Auerhenne Die Liebenwerdaer Amtsheide ist alter fiskalischer Besitz, welcher bereits im 16. Jahrhundert unter den Waldungen des kursächsischen Amtes Liebenwerda aufgeführt wurde. Ihre Größe wurde 1534/36 in einer von Kurfürst Johann Friedrich I. erlassenen Heide-Ordnung mit einer Länge von drei Meilen und einer Meile Breite angegeben.
Nachweise über Auerhahn-Jagden im Gebiet der Heide gibt es schon für das 17. Jahrhundert. Häufig zog es die kursächsischen Kurfürsten nach Liebenwerda um hier das Auerwild zu jagen. So sollen während einer dreiwöchigen Jagd des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. 1650 über 400 Stück Wildbret gefangen worden sein. 1676 wohnte einer Jagd seines Enkels Kurfürst Johann Georg III. auch dessen Ehefrau Anna Sophie bei, welche einen erlegten Auerhahn ihrem Vater Friedrich III. von Dänemark und Norwegen nach Dänemark schicken ließ. Auch für die Jahre 1680 und 1681 gibt es Nachweise für kurfürstliche Jagden in den Wäldern der Heide. In einer Forstkarte aus dem Jahr 1747 sind unter anderem die Balzplätze des Auerwildes aufgeführt.
Die kurfürstlichen Jagdgesellschaften wohnten zunächst meist im Schloss Liebenwerda, das von 1568 bis 1579 zum Jagd- und Residenzschloss umgebaut wurde. Ab dem 18. Jahrhundert waren diese dann meist im Elsterwerdaer Schloss, welches 1727 August der Starke von Freiherr Woldemar von Löwendal ersteigert worden war. Die hier ansässigen Pechbrenner wurden dabei zu Jagddiensten verpflichtet. Ansonsten war es den Untertanen streng verboten die Auerhahnreviere zu betreten.
Noch 1920 wurde die Zahl des Auerwildes im Gebiet mit 13 männlichen sowie 41 weiblichen Tieren angegeben. Durch die 1960 beginnende intensive Nutzung des Geländes als militärischer Truppenübungsplatz und der damit verbundenen Verkleinerung des natürlichen Lebensraumes starb diese Vogelart schließlich in diesem Gebiet aus. Nachdem 1965 noch eine Zahl von 25 Stück Auerwild angegeben wurde, gibt es eindeutige Nachweise nur noch für die 1980er Jahre.
Allerdings gibt es derzeit intensive Bestrebungen, diese Vogelart wieder im Gebiet anzusiedeln.„Vom Wisent zum Auerhuhn“ in Lausitzer Rundschau, 7. März 2012 Im Rahmen eines Pilotprojektes unter Leitung des Diplom-Biologen Uwe Lindner wurden im Mai 2011 siebenundzwanzig weibliche Tiere im Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa ausgewildert.Gabi Böttcher: „Superstars aus Schweden in der Lausitz ausgesetzt.“ in „Lausitzer Rundschau“, 19. Mai 2012 auf der Homepage des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft.
Der Turmberg mini|Der 1995 abgerissene Feuerwachturm mini|Grube Gotthold Der 134 m hohe Turmberg befindet sich im Herzen der Liebenwerdaer Heide. Bereits um 1500 gab es hier einen Turm, der den Überlieferungen nach mit Wächtern besetzt war und der Berg erschien in alten Urkunden aus dem Jahr 1534, welche die Ordnung in der Liebenwerdaer Heide regeln sollten als Frauenberg. 1560 war er der zentrale Mittelpunkt auf einer Rundkarte von Johannes Humelius (Humelius-Riss), welchen der sächsische Kurfürst August mit der Kartierung der kursächsischen Waldgebiete beauftragt hatte. Im Forstzeichenbuch von 1572 taucht er als Frauenberg beim Thorme auf. Im Jahre 1623 wurde die Baufälligkeit des Turmes festgestellt und ein Neubau angeordnet. In einer Karte von George Schreiber erscheint der Turm 1752 als Heydethurm, den Schumann 1810 als eingegangen bezeichnet.Karte von George Schreiber aus dem Jahr 1752 Einer Überlieferung nach soll später aus dem Gemäuer das Jagdhaus errichtet worden sein. Zu jener Zeit soll es auch einen sogenannten Jagdgarten am Turmberg gegeben haben. Neubauten in Holz wurden 1909 und 1940 errichtet. Da der Turm als Feuerwachturm genutzt wurde besaß er Fernsprechverbindungen. 1963 erfolgte die Absprengung der oberen fünf Meter des bis dahin achtzehn Meter hohen Feuerwachturms wegen deren Baufälligkeit durch Angehörige der NVA. Der verbliebene Rest erhielt eine Verjüngung und wurde militärisch genutzt. 1995 wurde der Turm abgerissen.
Der Bergbau im Gebiet der Liebenwerdaer Heide Etwa zwei Kilometer westlich der Ortslage von Hohenleipisch befindet sich im Süden des heutigen Naturschutzgebietes Forsthaus „Prösa“ die einstige Braunkohlengrube „Gotthold“, welche im März 1912 eröffnet wurde. Das Lausitzer Unterflöz (2. Lausitzer Flözhorizont) erreichte hier eine Mächtigkeit von 2,7 bis 4,0 Metern. Die Förderung von Quarzsand gewann in der Grube später immer mehr an Bedeutung und verdrängte die Kohle schließlich ganz. Nachdem es bereits 1945 infolge des Zweiten Weltkrieges zum Stillstand des Grubenbetriebes gekommen war, führte ein verheerender Waldbrand 1947, bei welchem neben einer riesigen Waldfläche auch sämtliche Bauten der Grube „Gotthold“ sowie ihr Kohleflöz verbrannten, schließlich zum Ende des Grubenbetriebes.
Militärische Nutzung mini|Muna Hohenleipisch mini|Truppen der Wehrmacht bei Übungen in der Liebenwerdaer Heide Nördlich der Ortslage von Hohenleipisch befindet sich die geheimnisumwobene Anlage der Muna Hohenleipisch. Diese wurde ab 1936 für die deutsche Wehrmacht als Munitionsanstalt errichtet. Verkehrstechnisch in idealer Lage an Eisenbahn und Straße eingebunden, bot sie den Anschein einer idyllischen Waldsiedlung in der Liebenwerdaer Heide. In ihrem Hinterland jedoch entstanden umfangreiche Militäranlagen, wie unter anderem etwa einhundert zum größten Teil unterirdisch angelegte Bunker. Von hier aus wurden die militärischen Flugplätze der Umgebung mit Munition und Bombennachschub versorgt. Die Tarnung der Muna war so perfekt, dass sie von der Luft her durch das in sich geschlossene natürlich erhalten gebliebene Kronendach des sie umgebenden Waldes nicht gefunden werden konnte und so blieben feindliche Luftangriffe meist wirkungslos und trafen andere Gebiete, welche als Standort vermutet wurden.
Die Anlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee übernommen und wurden von dieser bis zur politischen Wende in der DDR vor allem zur Einlagerung von Munition genutzt. Nach dem Abzug der Roten Armee galt die Muna als eine der saubersten von den sowjetischen Truppen verlassenen Stützpunkte der neuen Bundesländer. Das Gelände der Muna stellt heute ein noch typisches kleines Auerwild-Biotop dar. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung von Auerwild ist diese Fläche jedoch zu klein und sie müsste mit anderen geeigneten Waldflächen der Umgebung vernetzt werden. Seit 2004 sind 169 Hektar der Muna als Naturschutzgebiet „Hohenleipisch“ unter Schutz gestellt.
mini|hochkant=1.5|Ehemaliger Truppenübungsplatz Ab 1960 wurden große Teile des Gebietes der alten Liebenwerdaer Amtsheide als Truppenübungsplatz der NVA genutzt. Obwohl das Gelände nicht gerade als ideal eingestuft wurde, da die Umgebung relativ dicht besiedelt ist, begann man ab dem Frühjahr 1960 mit der Errichtung von Ausbildungsanlagen, weil die größeren historisch gewachsenen Truppenübungsplätze in der DDR sich zum großen Teil in den Händen der russischen Besatzungsmacht befanden. Die Anlieger-Gemeinden wurden dabei kaum oder gar nicht zu Rate gezogen. Bis 1973 wurde das Gebiet zum Standortübungsplatz entwickelt. Um Platz für weitere Schießplätze und Militäranlagen zu schaffen, wurde unter anderem ein etwa 10 Hektar großes Gebiet des Traubeneichenwaldes abgeholzt. Auch die Anlage von Fahrwegen und Trassen war meist mit starken Eingriffen in die Natur verbunden. Große Waldgebiete wurden aus Sicherheitsgründen und dem Schutz vor westlicher Spionage für die Bevölkerung gesperrt.Der Truppenübungsplatz Liebenwerda auf der Homepage des Bundesarchivs
1988 in Helsinki stattfindende Verhandlungen für friedensschaffende Maßnahmen zwischen den Staaten der NATO und der des Warschauer Paktes bildeten schließlich den Ursprung des Naturschutzgebietes „Forsthaus Prösa“, in welches das Gelände des einstigen Truppenübungsplatzes inzwischen integriert ist. Die Ergebnisse der Verhandlungen waren unter anderem, dass Truppenstärken reduziert und militärische Truppenübungsplätze einer zivilen Nutzung übergeben werden sollten. Dabei war auch ein Rückbau des Truppenübungsplatzes Bad Liebenwerda vorgesehen.