mini|hochkant=1.25|Ansicht von Waldfeucht im Codex Welser um 1720 Waldfeucht ist eine an der Grenze zu den Niederlanden gelegene Gemeinde im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg mit rund 9200 Einwohnern (Stand 2023).

Geografie Geografische Lage Waldfeucht liegt westlich von Heinsberg im Naturraum Selfkant zwischen den Flüssen Wurm im Osten und der Maas im Westen.

Nach Westen hin bildet die Staatsgrenze zwischen dem Königreich der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland auf etwa 10 km Länge gleichzeitig die Gemeindegrenze. Der höchste Punkt der Gemeinde mit befindet sich südlich des „Breuner Maares“ zwischen Bocket und Breberen, der niedrigste Punkt im Kitscher Bruch zwischen den Ortschaften Haaren und Karken an der Gemeindegrenze mit .

Ausdehnung des Gemeindegebiets Die Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt etwa 8,5 km, die Ausdehnung von Westen nach Osten etwa 6,0 km.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Waldfeucht gehören neben dem Kernort die Orte Bocket Braunsrath Brüggelchen Frilinghoven Haaren Hontem Löcken Obspringen Schöndorf Selsten

Geschichte Siedlungsspuren und vorgeschichtliche Begräbnisplätze belegen die Anwesenheit von Menschen im Gemeindegebiet Waldfeucht seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. Die heutigen Ortschaften der Gemeinde sind entweder fränkische Siedlungen des 6./7. Jahrhunderts, oder sie entstanden als Rodesiedlungen im 9./10. Jahrhundert. Sie werden alle schon in Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts erwähnt.

Die Ortschaft Waldfeucht war bereits im 13. Jahrhundert der bedeutendste Ort im über die heutigen Gemeindegrenzen hinausgehenden Umland, sie führte die Bezeichnung „Stadt“ und besaß Marktrechte. Die Lage an der Römerstraße Heerlen – Xanten und an der Straße, die von Heinsberg durch das Echter Bruch ins Maasland führte, hat wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen und führte dazu, dass der Besitz Waldfeuchts zwischen den rivalisierenden Territorien Geldern, Burgund, Brabant und Heinsberg jahrhundertelang umstritten war. Die heute durch Heckenwege und Bauerngärten geprägten Befestigungsanlagen rund um Waldfeucht, die aus Wall, Graben und zwei im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadttoren bestanden, sind Zeugen dieser Zeiten.

Der Waldreichtum und die fruchtbaren Ackerböden bildeten die Grundlage für das Wirtschaftsleben der Gemeinde im Mittelalter. Schon sehr früh ließen sich Handwerks- und Handelsbetriebe in Waldfeucht nieder, von denen das Gerber- und das Braugewerbe bis in unsere Zeit betrieben wurden. Das Schlosser- und Schmiedehandwerk stand im 16. Jahrhundert in Waldfeucht in hoher Blüte. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde in Waldfeucht auch die Leinen- und Samtweberei betrieben.

Durch die Grenzziehung, die der Wiener Kongress im Jahre 1815 festlegte, wurde ein in Jahrhunderten gewachsener Kultur- und Wirtschaftsraum zerschnitten. Waldfeucht kam zur preußischen Rheinprovinz und wurde Grenzort. Die heutige Gemeinde Waldfeucht wurde in Zusammenhang mit dem Aachen-Gesetz am 1. Januar 1972 aus dem damaligen Amt Waldfeucht mit den amtsangehörigen Gemeinden Braunsrath, Haaren und Waldfeucht sowie aus den Ortsteilen Haas und Haaserdriesch der ehemaligen Gemeinde Kirchhoven gebildet.

Chronik ab 4000 v. Chr.: Besiedlung des Gemeindegebietes durch Bodenfunde nachgewiesen um 400 v. Chr.: Einwanderung der Eburonen 53 v. Chr.: Cäsars Legionen vernichten die Eburonen; Germanenstämme werden angesiedelt. bis 400 n. Chr.: Römische Verwaltung, die röm. Staatsstraße Heerlen – Xanten berührt Waldfeucht. um 500: Franken besiedeln den Raum Waldfeucht. ab 700: Irisch-schottische Mönche missionieren den Raum Waldfeucht. 800–900: Normanneneinfälle; Niederungsmotten werden als Flieh- und Wehranlagen angelegt. 1144: Brüggelchen, Frilinghoven (1147), Obspringen (1170), Braunsrath und Hontem (1202), Haaren (1217), Waldfeucht (1240), Bocket (1276), Löcken, Schöndorf und Selsten (1277) werden erstmals urkundlich erwähnt. 1202: Waldfeucht wird mit Burg und Wall befestigt. Nach der Chronik des Jesuiten Jacobus Kritzraed († 1672) kamen 1202 zwei Brüder, Walterus und Joannes, Ritter von Vucht aus dem Maasland bei s’Hertogenbosch, nach Waldfeucht, erhielten den Ort als Lehen und befestigten ihn. 1227: Waldfeucht gehört zum Hofverband Altena in den Niederlanden und besitzt das Marktrecht. 1324: Waldfeucht ist Sitz eines Schöffengerichtes. 1328: Zehn Bischöfe unterzeichnen in Avignon einen Ablassbrief für die „St.-Jans-Klus“, Haaren. 1370: Waldfeucht gehört zum Herzogtum Brabant, die Stadtbefestigung wird durch zwei Stadttore ergänzt und erhält ihre heute noch erkennbare Form. 1420: Johann II., Herr von Heinsberg, erhält Waldfeucht als erbliches Lehen. 1433: Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Waldfeucht gibt sich eine neue Satzung. 1484: Waldfeucht fällt an das Herzogtum Jülich und wird in das Jülische Amt Millen eingegliedert. 1480/99, 1510/42/70: Feuersbrünste in Waldfeucht 1500: Die durch einen Brand zerstörte Pfarrkirche St. Lambertus wird unter Verwendung karolingischer und romanischer Vorgängerbauteile als spätgotische Backsteinbasilika neu errichtet. 1540–1550: In Waldfeucht besteht eine reformierte Gemeinde. 1578: Die Schlossmacherzunft Waldfeucht wird gegründet. 1797: Braunsrath, Haaren und Waldfeucht bilden Mairien im Kanton Heinsberg des Departements de la Roer, Aachen. 1801: Waldfeucht, das bis dahin zum Bistum Lüttich gehörte, wird dem Bistum Aachen zugeschlagen. 1815: Waldfeucht gelangt mit dem Herzogtum Jülich zum Königreich Preußen und wird Grenzort. 1935: Bildung des Amtes Waldfeucht mit den Bürgermeistereien Braunsrath, Haaren, Saeffelen und Waldfeucht 1945: Kriegszerstörungen; die Stadttore werden gesprengt. 1969: Saeffelen scheidet aus dem Amt Waldfeucht aus. 1972: Am 1. Januar wird die Gemeinde Waldfeucht aus den Gemeinden des bisherigen Amtes Waldfeucht gebildet. 1995: Am 26. März entfallen im entstandenen Schengen-Raum die Grenzkontrollen. Das Zollamt Waldfeucht wird aufgehoben.

Orte Waldfeucht 1240: Watfuthe, 1277: Vochte, Voght, 1477: Vucht, 1513 Waltvucht; Wat = Kurzform von „Watghero/Waltghero/Waltherus“; futhe = frühe Schreibweise für Vochte/Vucht = „Feuchtigkeit“; Watfuthe/Waltvucht = „Futhe/Vucht des Watghero/Waltghero/Waltherus“ (Waltherus, ein Friedelsohn des Boudewijn von Altena, erhielt um 1200 den Ort als Lehen); Waldfeucht besaß seit dem 13. Jahrhundert ein Schöffengericht und bildete mit Bocket, Harzelt, Langbroich und Schierwaldenrath eine Bürgermeisterei. 1935 wurde Waldfeucht mit Bocket amtsangehörige Gemeinde des neugebildeten Amtes Waldfeucht. Bocket 1276: Bucholte = „Buchengehölz“; Pfarre Waldfeucht bis 1851, danach selbständige Pfarre Braunsrath 1202: Brunsdrode = „Rodung des Brun (Bruno)“; Braunsrath besaß bis 1560 ein eigenes Schöffengericht, gehörte danach zum Gericht Waldfeucht und bildete mit Hontem, Löcken, Obspringen, Selsten und Schöndorf eine Bürgermeisterei, die 1935 amtsangehörige Gemeinde des neugebildeten Amtes Waldfeucht wurde. Brüggelchen 1144: Brugele = „sumpfige Niederung“; Pfarre Waldfeucht Driesch (Haaren) 1510: Driesch = „Unbebautes Land, Weidefläche“ Frilinghoven 1147: Vrilenhove, 1277: Vrilinchovin = „Hof eines Friling“ (Freien), evtl. auch „Hof des Frilo“; Pfarre Waldfeucht Haaren 1217: de Hare = „eingefriedigter, umhegter Ort (Hag)“. Andere Deutungen, beispielsweise „Anhöhe“ (hare), sind wegen der Lage der Siedlung nicht überzeugend. Pfarre Waldfeucht bis 1804, danach selbständige Pfarre; bildete mit Soperich, Neuhaaren, Driesch, Brüggelchen und Frilinghoven eine Bürgermeisterei, die 1935 amtsangehörige Gemeinde des neugebildeten Amtes Waldfeucht wurde. Haas (Haaren) 1570: an gen Haas = „Hase“ Haaserdriesch (Haaren) „die Weide (Driesch) der Leute aus Haas“ Hontem 1202: Huntheym = „Heim des Hunto“; Pfarre Braunsrath Löcken 1277: Lucken = „Öffnung, Lücke Lichtung (luka)“; Pfarre Braunsrath Obspringen 1170: Obspringen = „auf (an) den Quellen“; Pfarre Waldfeucht, 1911 eigenes Rektorat Schabroich (Haaren) 1550: Schaebroich = „Weidegerechtigkeit (Weidegebiet) im Bruch“ Schöndorf 1277: Schondorp = „schön“, evtl. auch „schräg, schief“ (wegen der Hanglage des Ortes); Pfarre Braunsrath Selsten 1277: Selsteiden = „Ort/Stelle in der Niederung“; Pfarre Braunsrath Soperich (Haaren) 1343: Soperich = „Besitz/Reich des Supo“, evtl. aus Superacum = „Hof des Superus“

Einwohnerentwicklung Einwohner gesamt, jeweils am 31. Dezember 1987: 7.736 1988: 7.777 1989: 7.877 1990: 7.954 1991: 8.281 1992: 8.381 1993: 8.455 1994: 8.605 1995: 8.724 1996: 8.803 1997: 8.890 1998: 9.068 1999: 9.245 2000: 9.331 2001: 9.307 2002: 9.363 2003: 9.333 2004: 9.685 2005: 9.409 2006: 9.375 2007: 9.343 2008: 9.207 2012: 8.734 2013: 8.720 2022: 9.164

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat setzte sich nach den Kommunalwahlen von 2025 wie folgt zusammen: +Partei2025202020142009CDU18161717SPD7543GRÜNE4545LINKE1 - - -UBG1 -335FDP -12−Gesamt30303030 1UBG: Unabhängige Bürgergemeinschaft Waldfeucht

Bürgermeister und Bürgermeisterwahl Der Diplom-Verwaltungswirt Marcell Breuer (CDU) wurde im Jahr 2025 mit 58,77 % erstmals zum Bürgermeister gewählt.

Hauptamtliche Bürgermeister

1999–2009 Johannes von Helden 2009–2025 Heinz-Josef Schrammen

Wappen, Flagge und Banner

Die amtliche Wappenbeschreibung (Blasonierung) in der Urkunde des Regierungspräsidenten Köln vom 14. März 1977, mit welcher der Gemeinde Waldfeucht die Führung des Wappens genehmigt wurde, lautet: „Über einem goldenen Schildfuß, darin ein schwarzer Forsthaken, in Rot ein bekrönter, zweigeschwänzter silberner Löwe“. Dieses Wappen geht auf ein (vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandenes) Siegel zurück, das sich auf mehreren Urkunden von 1345 bis 1355 findet. Das Siegel zeigt den zweigeschwänzten bekrönten Löwen mit der Umschrift: „Sigilum Judicis et Scabonarum Watvocht“ (Siegel des Gerichtes und der Schöffen zu Waldfeucht). Ein dreizinkiger Forsthaken unterhalb des Löwen (auch als Wolfsangel oder als Mauerhaken gedeutet) wird ab 1484 im Waldfeuchter Wappen abgebildet, als Waldfeucht zum Herzogtum Jülich kam und nun den (ungekrönten, einschwänzigen) Löwen bis 1977 im Wappen führte.

Beschreibung des Banners: „Rot-Weiß-Rot im Verhältnis 1 : 4 : 1 längsgestreift mit dem über die Mitte nach oben verschobenen Wappenschild.“

Beschreibung der Flagge: „Rot-Weiß-Rot im Verhältnis 1 : 4 : 1 längsgestreift mit dem zur Stange hin verschobenen Wappenschild.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke mini|hochkant|Die Kirche St. Lambertus in Waldfeucht mini|Das Schlösschen wird heute als Rathaus genutzt

In der Gemeinde haben sich mehrere Windmühlen erhalten, von denen die Mühlen in Waldfeucht und Haaren besichtigt werden können: Die Waldfeuchter Windmühle, eine Turmwindmühle (Erdholländer), wurde 1897 erbaut und gilt als die jüngste Windmühle des Rheinlandes. Eine erste Bockwindmühle – als Stadtmühle im Bereich der Stadtmauer gelegen – war bereits um 1590 erbaut worden und im 19. Jahrhundert umgestürzt. Die außerhalb der Mauer gebaute Waldfeuchter Mühle ist betriebsfähig und wird von Müllern des Mühlenverein-Selfkant zum Mahlen von Getreide genutzt und ist ein Bestandteil der Selfkant-Mühlenstraße. Die Haarener Windmühle, ein Bergholländer, wurde 1842 errichtet und ist ebenfalls betriebsfähig. Auch sie wird zum Mahlen von Getreide durch den Mühlenverein genutzt. Auch sie ist Bestandteil der Selfkant-Mühlenstraße. Der Turm der ehemaligen Löckener Windmühle wird zurzeit (2005) restauriert und dient zukünftig als Wohngebäude. Die Bocketer Windmühle wird als Wohngebäude verwendet Kirchen: Die Pfarrkirche St. Lambertus in Waldfeucht ist eine aus dem 15. bis 16. Jahrhundert stammende dreischiffige spätgotische Basilika. Der verhältnismäßig lange Chor mit auffälliger Achsenabweichung zum Kirchenschiff verfügt über einen aus einem Zehneck konstruierten Chorschluss.