Bilsdorf (im örtlichen, moselfränkischen Dialekt Belschdroff) ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Nalbach. Der Ort liegt an der unteren Prims, einem Nebenfluss der Saar, im Landkreis Saarlouis. Die Landeshauptstadt Saarbrücken liegt etwa 25 km südöstlich. mini|hochkant|Bilsdorf, Herz-Jesu-Kirche mini|Blick auf Bilsdorf und den Hoxberg von Piesbach aus mini|Blick auf Bilsdorf vom Litermontgipfel aus, im Bildmittelpunkt die Bilsdorfer Kirche, etwas links davon auf einer Anhöhe das Areal des historischen Bilsdorfer Vogteihofes
Ortsname Der Ortsname und dessen Schreibweisen erfuhren im Laufe der Jahrhunderte vielfache Veränderungen, bis sich die heutige Namensform durchsetzte:Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales. Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 22–23. 1152: Bullingestorf 1324: Bullinsdorf 1327: Bullisdorf 1344: Bulleßdorff 1393: Bulstorff 1522: Bullesdorff und Bulleßdorff um 1600: Bielstorff 1623: Biltzdorf 1633: Bilsdorff und Bilstroff 1700: Bilsdorff
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Wie zahlreiche archäologische Funde belegen, war das Saar- und das Primstal bereits von der Altsteinzeit an durchgehend bis heute von Menschen besiedelt.
Antike Im Jahr 1976 wurden in Bilsdorf (Flur 5, Gemarkung Bilsdorf) beim Ausbaggern eines Weihers in der Brückenstraße in einer Tiefe von 2,50 m Gebäudereste aus der Römerzeit aufgefunden. Es handelt sich dabei um römische Postamentsteine, die das Fundament eines römischen Fachwerkgebäudes bildeten. Darüber hinaus wurde im gleichen Fundgebiet ein römischer Kultstein (Höhe: 90, Schaft: 35 × 35 cm, Fuß und Oberteil: 50 × 50 cm) entdeckt.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales. Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 15–20. Das anzunehmende antike Gehöft lag an der Stelle einer alten Primsfurt. Heute führt hier der Primssteg über den Fluss.
Mittelalter mini|Blick vom Hoxberg aus auf das Nalbacher Tal mit dem Litermont Vermutlich ist Bilsdorf nach einem fränkischen Ortsgründer (Bulling, Bullingo, Bullino oder ähnlich) benannt. mini|Skizze des Nalbacher Tales aus dem Jahr 1735; in der Mitte der Lauf der Prims mit zwei Mühlen; am linken Primsufer die Dörfer Körprich und Bilsdorf; am rechten Primsufer Bettstadt, Piesbach, Theter, Nalbach und Diefflen; Oben ist Südosten, Die Skizze dürfte vom Standpunkt des heutigen Nalbacher Friedhofes aus gezeichnet worden sein; Die Großbuchstaben bedeuten: A= Die Körpricher Brühlwiese im Besitz des Trierer Kurfürsten, B= Die Nalbacher Athwiese im Besitz des Trierer Kurfürsten, Die Nalbacher Brühlwiese im Besitz der Kurpfalz bzw. des Freiherren von Hagen, D und E= Zwei Wiesen der Herrschaft von Hagen (Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Münchweiler, Nr. 367, S. 257) Seit seiner mittelalterlichen Gründung ist Bilsdorf mit den Talgemeinden des unteren Primstales, Diefflen, Körprich sowie Piesbach dem Hauptort Nalbach unterstellt. Bilsdorfs urkundliche Ersterwähnung als „Bullingestorf“ in einer Wallfahrtsurkunde der Abtei Mettlach datiert um das Jahr 940/950. Bilsdorf gehört zur kurtrierischen Vogtei des Nalbacher Tales. Rechtliche Angelegenheiten wurden jedes Jahr vor dem Portal der Nalbacher Kirche St. Peter und Paul unter der Gerichtslinde in den sogenannten Weistümern ausgehandelt und verkündet.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales. Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 249.
Seit dem Mittelalter gab es in Bilsdorf einen Herrenhof, der als Lehngut im Besitz des jeweiligen Vogtes war. Die jeweiligen Vögte verpachteten diesen Hof. Der Hof wird urkundlich im Zinsregister des Nalbacher Tales von 1514 bis 1522 erwähnt. Auf einer Skizze des Jahres 1735 ist dieser Hof zu erkennen. Dorf und Hof Bilsdorf werden deutlich unterschieden. Das Dorf liegt auf kurtrierischem, der Hof auf kurpfälzischem Gebiet. Die Bilsdorfer Hofstraße deutete noch auf den historischen Hof hin. Im Jahr 1527 gelangte der Hof in den Besitz des Grafen Johann Ludwig (Nassau-Saarbrücken) über. Im Jahr 1548 übernahmen die im Dillinger Schloss residierenden Herren von Braubach den Hof, im Jahr 1664 ging er an den ebenfalls in Dillingen residierenden Charles Henri de Lénoncourt-Blainville, den späteren Gründer der Dillinger Hütte, über. Die Adelsfamilie Hagen zur Motten erhielt den Bilsdorfer Hof im Jahr 1711.
Der Hof wurde bereits im Jahr 1730 als Allodialbesitz der Freiherren von Hagen betrachtet, wobei man allerdings noch zwischen dem Lehen und den dazuerworbenen Ländereien unterschied.Landesarchiv Saarbrücken: Bestand Herrschaft Münchweiler, Akten Nr. 237. Am 16. Juli 1740 übertrug Johann Wilhelm Ludwig von Hagen den Bilsdorfer Hof gegen eine Zahlung von insgesamt 575 Reichstalern für die Dauer von sechs Jahren an Johann Georg Brößler.Landesarchiv Saarbrücken: Bestand Herrschaft Münchweiler, Akten Nr. 367, S. 339–346. Ob Brößler nach dem Jahr 1746 noch Pächter war, ist nicht belegt. Im Jahr 1767 wurden Besitztümer (Mobiliar, Tiere) des Hofpächters am 30. Juli zwangsversteigert, da der damalige Hofbeständer Jakob Schuhe seine Pacht nicht bezahlt hatte. Die Schulden gegenüber der Hagenschen Herrschaft beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf 1322 Reichstaler und 36 Albus.Landesarchiv Saarbrücken: Bestand Herrschaft Münchweiler, Akten Nr. 367, S. 319–328. Da die Versteigerung die Schulden nicht decken konnten, musste die Bürgen des Pächters den Differenzbetrag gegenüber den Freiherren ausgleichen. Bereits am 4. Juli 1767 konnten sich Interessenten um die Übernahme des Bilsdorfer Hofes mit 52 Stücken Ackerland, Wiesen mit einem Ertrag von 44 Fudern Heu sowie acht Gartenstücken im Rahmen eines neunjährigen Pachtvertrages bewerben. Gewinner der Versteigerung war Peter Pfeiffer, der an jährlicher Pacht 141 Reichstaler geboten hatte. Der nachfolgende Pächter war Nikolaus Kammer (1715–1783) aus Bilsdorf. Der letzte Pächter des Hofes vor der Französischen Revolution war Jakob Mühlenbach.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 84. In den Wirren der Revolutionsereignisse zahlte der Pächter etliche Jahre keine Pachtabgaben mehr an die Hagensche Herrschaft.Landesarchiv Saarbrücken: Bestand Herrschaft Münchweiler, Akten Nr. 351, S. 111–115. Mit dem Tod des Kaiserlichen Reichshofratspräsidenten Johann Hugo II. von Hagen im Jahr 1791 fielen die Eigengüter der Hauptlinie an dessen drei Schwestern. Dabei erhielt Anna Maria Charlotte von Hagen den Bilsdorfer Hof, die das Gut weiterhin an Jakob Mühlenbach von 1799 bis 1806 für jährlich 125 Reichstaler verpachtete. Als Mühlenbach den Pachtbetrag nicht mehr aufbringen konnte, teilte Anna Maria Charlotte von Hagen, die als Stiftsdame lebte, die landwirtschaftlichen Nutzflächen des Hofes auf und verpachtete sie stückweise.Landesarchiv Saarbrücken: Bestand Herrschaft Münchweiler, Akten Nr. 365.
Am 10. Juli 1806 ließ Anna Maria Charlotte von Hagen das Bilsdorfer Hofgut mit Wohngebäuden, Scheunen, Stallungen, Nebengebäuden, Äckern, Wiesen und Gärten versteigern. Das Hofhaus mit Nebengebäuden, zugehörigen Gärten, fünf Wiesen und 14 Ackerflächen gingen dabei an den Müller der Bettstadter Mühle, Jakob Bilsdorffer (1755–1843).Johannes Naumann: Die Freiherren von Hagen zur Motten - ihr Leben und Wirken in der Saar-Mosel-Region, Blieskastel 2000, S. 333, 366–368.Landesarchiv Saarbrücken: Bestand Herrschaft Münchweiler Akten Nr. 193, Nr. 266. Weitere Grundstücke wurden an Einwohner des Nalbacher Tales aus Bilsdorf und Nalbach versteigert. Insgesamt erbrachte die Versteigerung 6071 Gulden, wovon 1300 Gulden auf das Hofgebäude mit den angrenzenden Gärten entfiel. In der Folgezeit wurde im Jahr 1838 ein Wirtschaftsgebäude durch Brand zerstört. Das Hauptgebäude brannte im Jahr 1904 ab. Beide Gebäude in der Weiherstraße wurden nach dem Brand wiedererrichtet.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales. Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 84–85 und S. 160.Hans Peter Klauck: Die Einwohner des Nalbacher Tales vor 1803. Bettstadt, Bilsdorf, Diefflen, Körprich, Nalbach, Piesbach. In: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für saarländische Familienkunde e. V., 26. Sonderband, Saarbrücken 1989, S. 115.Johannes Naumann: Die Freiherren von Hagen zur Motten - ihr Leben und Wirken in der Saar-Mosel-Region, Blieskastel 2000, S. 366–368. mini|hochkant|Anna Maria Charlotte von Hagen (1721–1811), Stiftsdame des St. Maria- und St. Clemens-Stiftes zu Schwarzrheindorf, Gemälde aus dem Jahr 1751 (Privatbesitz)
Frühe Neuzeit mini|Darstellung des Nalbacher Tales mit Bilsdorf auf einem Ausschnitt aus der Lothringen-Karte (nördlicher Teil) des Gerhard Mercator von 1564–1585 (Landesarchiv Saarbrücken, Sammlung Hellwig) Im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert wurde das Nalbacher Tal vom Hexenwahn heimgesucht und es kam zu Verurteilungen und Hinrichtungen, die auf dem Nalbacher Galgenberg vollzogen wurden.
Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg kam es im Nalbacher Tal zu schweren Verwüstungen durch schwedische, französische und kroatische Truppen. Zwei Drittel der Talbevölkerung wurden getötet oder mussten fliehen.
Reunionspolitik Um das Jahr 1664 war Charles Henri Gaspard de Lenoncourt, Marquis de Blainville, Herr von Dillingen, († 1713), ein hoher lothringischer Adeliger und Gründer der Dillinger Hütte, Vogt in der kurpfälzischen Vogtei des Nalbacher Tales geworden. Er besorgte im Jahr 1681 die sogenannte Reunierung des Nalbacher Tales mit dem Königreich Frankreich unter König Ludwig XIV. Ziel dieser Reunionspolitik war es, dass Gebiete des Heiligen Römischen Reichs, die nach französischer Auffassung mit bestimmten, unter französischer Souveränität stehenden Territorien rechtlich verbunden waren, mit Frankreich „wiedervereint“ werden sollten. Auf diese Weise wurden bis 1688 große Teile des heutigen Saarlandes und seiner Nachbargebiete in den französischen Staat eingegliedert, da das Heilige Römische Reich zu einem militärischen Widerstand nicht in der Lage war (nicht zuletzt wegen des gleichzeitigen Türkenkrieges). Im Jahr 1697 erhielt das Heilige Römische Reich die französischen Reunionen im Saarland, darunter auch die Talorte mit Bilsdorf, durch den Frieden von Rijswijk jedoch wieder zurück.
Auswanderungen Aufgrund der schlechten Lebensverhältnisse im Nalbacher Tal kam es um 1750 zu einer Auswanderungswelle in das von den Türkenkriegen entvölkerte Ungarn. Die Regierung des Kaisers in Wien versuchte, Neusiedler für die verheerten Gebiete in der ungarischen Tiefebene zu werben. Mit der Versprechung von kostenlosem Acker- und Bauland, Baumaterial, Saat- und Pflanzgut für Getreide und Wein, Steuerfreiheit in den ersten Siedlungsjahren, freiem Transport mit Verpflegung und medizinischer Betreuung von den Sammelstellen bis nach Ungarn sollten Auswanderungswillige gefunden werden. Die Saarregion stellte mit 5000 Auswanderern einen nicht unbeträchtlichen Teil. Das Nalbacher Tal entließ damals 96 Bewohner vom Kleinkind bis zum Greis. Aus Nalbach kamen 36 Auswanderer, aus Piesbach 34, aus Körprich 20 und aus Bilsdorf 6. Ob Diefflen Auswanderer stellte, ist bisher unbekannt. Die Auswanderungen begannen um 1750 und zogen sich bis nach 1780 hin. Hauptschübe waren im Jahr 1751 und 1766.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales. Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 140–142.
Französische Revolution