miniatur|Iwan Stranski Iwan Nikolow Stranski (; englische Transkription Ivan Nikolov Stranski; * 2. Januar 1897 in Sofia, Bulgarien; † 19. Juni 1979 ebenda) war ein bulgarischer Physikochemiker, der von 1944 bis zu seinem Tod hauptsächlich in Berlin lebte, wo die wichtigsten Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere lagen. Stranski leistete grundlegende theoretische Arbeiten zur Oberflächenchemie und zum Kristallwachstum, weshalb er oft als der „Vater der Kristallwachstumsforschung“ bezeichnet wird. Einer der grundlegenden Mechanismen des Kristallwachstums, das Stranski-Krastanow-Wachstum, oder auch die Kossel-Stranski-Theorie sind noch heute mit seinem Namen verbunden.
Leben Stranski wurde als Sohn des bulgarischen Hofapothekers Nikola I. Stranski und dessen Ehefrau Maria, geborene Krohn, einer Deutschbaltin aus der seinerzeit russischen Provinz Livland, geboren. Er besuchte die Volksschule und die halbklassische Abteilung des I. Knabengymnasiums zu Sofia, 1915 legte er die Reifeprüfung ab. Er begann zunächst ein Medizinstudium, wechselte dann zum Fach Biologie und nahm 1918 ein Chemiestudium an der Universität Wien auf, das er später an der Universität Sofia fortsetzte und dort mit dem Diplom abschloss. An der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin wandte er sich der physikalischen Chemie zu und wurde 1925 zum Dr. phil. promoviert.
Nach seiner Aufnahme als auswärtiges Mitglied in die Bulgarische Akademie der Wissenschaften im Jahre 1966 besuchte Stranski wieder öfter seine Heimat. Bei einem dieser Besuche verstarb er in Sofia. Beigesetzt wurde er auf dem Waldfriedhof Dahlem in BerlinHans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 588. (Feld 012-349).
Wissenschaftliche Laufbahn Ab 1926 war er als Dozent für Physikalische Chemie an der Universität Sofia tätig. Hier wurde er 1929 zum außerordentlichen Professor berufen. Mit einem Stipendium der Rockefellerstiftung arbeitete er von 1929 bis 1930 als Gastwissenschaftler bei Max Volmer am Institut für Physikalische Chemie der Technischen Hochschule Berlin. Von 1935 bis 1936 war er als Abteilungsleiter am Physikalisch-technischen Institut des Urals in Swerdlowsk (UdSSR) tätig. 1937 berief ihn die Universität Sofia zum ordentlichen Professor. Von 1941 bis 1944 hatte er eine Gastprofessur am Institut für Physikalische Chemie an der Technischen Hochschule Breslau inne. 1944 berief ihn die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zum Wissenschaftlichen Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem, dem späteren Fritz-Haber-Institut. Von 1953 bis zu seiner Emeritierung 1970 war er Leiter einer selbständigen Abteilung und stellvertretender Direktor des Instituts.
1945 wurde er als Nachfolger von Max Volmer zum ordentlichen Professor und Direktor des Instituts für Physikalische Chemie der Technischen Universität Berlin berufen. 1951–1953 war er Rektor der Hochschule. 1963 wurde er emeritiert.
Wissenschaftliche Auszeichnungen und Mitgliedschaften mini|hochkant|Grabstätte auf dem Waldfriedhof Dahlem Galvani-Medaille der Universität zu Bologna, 1938 Silberne Hofmann-Medaille der Deutschen Chemischen Gesellschaft, Berlin, 1939 Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, 1940Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 234. Kyrillus-Methodius-Preis für Wissenschaft der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, 1940 Dr. rer. nat. h. c. der Universität Breslau, 1940 Auslandsmitgliedschaft der Kungliga Vetenskaps- och Vitterhetssamhället i Göteborg, 1940 Ehrendoktor der Freien Universität Berlin - Ehrendoktorwürde der FU-Berlin, Verleihung am 19. Juni 1954 1954 Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, 1954 Seit 1959 Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, MünchenBayerische Akademie der Wissenschaften: Prof. Dr. Ivan Stranski, Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften - verstorbene Mitglieder (S) Benennung eines neuen Minerals aus der Tsumeb Mine in Namibia durch Hugo Strunz als Stranskiit, 1960 EhrensenatorVerleihung der akademischen Würde Ehrensenator an Herrn Professor Dr. phil. habil. Johannes Erich Heyde und Herrn Professor Dr. rer. nat. h.c. Dr. rer. nat. h.c. Dr. phil. Iwan N. Stranski durch die Technische Universität, Berlin, 15. Juli 1963. In: Technische Universität Berlin: Akademische Reden 24, Berlin: 1963. der Technischen Universität Berlin 1963 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 1964 Dr. Ing. E. h. der Technischen Hochschule zu Aachen, 1964 Dr. techn. h. c. der Technischen Hochschule zu Wien, 1964 Auswärtige Mitgliedschaft der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Sofia, 1966 Mitgliedschaft der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle, 1966
Trivia Zwei Forschungsinstitute in Deutschland tragen seinen Namen: Das I.-N.-Stranski-Institut für Metallurgie in Oberhausen sowie das Stranski-Laboratorium für Physikalische und Theoretische Chemie der Technischen Universität Berlin (von 1967 bis 2001 Iwan-N.-Stranski-Institut).
Literatur
Ivan S. Gutzow: Prof. Dr. Ivan N. Stranski (1897–1979): one of the Founders of Present-day Theory of Crystal Forms, Crystal Nucleation and Growth, in: Crystal Research and Technology 32 (2006), S. 753–758.
Weblinks
Biografie in der Festschrift 125 Jahre Technische Universität Berlin Eintrag zu Iwan Nicola Stranski im Catalogus Professorum der TU Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Physikochemiker Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Breslau) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Sofia) Kategorie:Rektor einer Universität in Deutschland Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Kungliga Vetenskaps- och Vitterhetssamhället i Göteborg Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Ehrensenator der Technischen Universität Berlin Kategorie:Ehrendoktor der Freien Universität Berlin Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Wien Kategorie:Ehrendoktor der Universität Breslau Kategorie:Ehrendoktor der RWTH Aachen Kategorie:Bulgare Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1979 Kategorie:Mann