Der Tunnel Altengronauer Forst (auch Altengronauer-Forst-Tunnel oder Altengronau-Tunnel) ist ein 2353 m langer Eisenbahntunnel der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg. Er liegt südöstlich des Ortsteils Altengronau der hessischen Gemeinde Sinntal und trägt daher seinen Namen. Etwa in der Mitte des Tunnels verläuft die Landesgrenze zwischen Hessen und Bayern. Das Bauwerk ist damit auf der Schnellfahrstrecke der nördlichste Tunnel in Bayern. Er ist jedoch nicht zugleich der südlichste Tunnel in Hessen (dies ist der Tunnel Roßbacher Forst), da die Strecke die bayerisch-hessische Grenze dreimal schneidet.
Verlauf Die Tunnelröhre verläuft in südwestlicher Richtung. Die Röhre unterquert dabei den rund 400 m hohen Steinkopf.Helmut Maak: Der Entwurf der Neubaustrecke Hannover – Würzburg, Streckenabschnitt hessisch/bayerische Landesgrenze – Würzburg. In: Die Bundesbahn, Jahrgang 53 (1977), Heft 12, S. 883–893, Die Trasse läuft bis Baukilometer 252,528 in einer Rechtskurve von 7.000 m Radius, an die sich ein Übergangsbogen bis km 252,843 anschließt. Im restlichen Verlauf liegt der Tunnel in einer Gerade. Das Nordportal liegt auf , das Südportal auf 276 m Höhe. Die Längsneigung liegt bei 8,33 bzw. 12,00 Promille. (In der Bauphase lag der Tunnel zwischen den Baukilometern 251,457 bis 253,790.) Die Überdeckung liegt bei bis zu rund 120 m.
Der Tunnel durchschneidet in einem kurzen Abschnitt bei Jossa hessisches Staatsgebiet. Die bayerisch-hessische Landesgrenze verläuft im Bereich des Tunnels in einem schleifenden Schnitt und schneidet diesen bei Baukilometer 254,5. Sie liegt am Südportal etwa 300 m östlich der Strecke.Werner Möhrke: Der Eisenbahntunnel „Altengronauer Forst“. In: Mayreder Zeitschrift, 27. Jahrgang, Juni 1982 Südlich schließt sich ein Einschnitt bis zur Hangbrücke Dittenbrunn anDeutsche Bundesbahn, Bundesbahndirektion Nürnberg, Projektgruppe Hannover–Würzburg Süd der Bahnbauzentrale (Hrsg.): Neubaustrecke Hannover–Würzburg. Der Südabschnitt Fulda–Würzburg, Broschüre (40 S.), April 1986, S. 23, in dem auch der Roßbacher-Forst-Tunnel liegt, nördlich folgt die Sinntalbrücke Zeitlofs. Im Bereich des Südportals des Altengronauer-Forst-Tunnels sowie im Roßbacher-Forst-Tunnel liegt die Überleitstelle Altengronauer Forst. Die Röhre durchquert vorwiegend Schichten des Unteren und Mittleren Buntsandsteins.Joachim Seyferth: Die Neubaustrecken der Deutschen Bundesbahn (Schiene-Buch 1). Josey-Verlag, Wiesbaden 1983, ISBN 3-926-66900-4, S. 39.
Geschichte Planung Der Tunnel lag im Bereich der Planungsgruppe Süd der Neubaustrecke.Friedrich Karl Blindow: Vortriebsmethoden im Tunnel Altengronauer Forst. In: Deilmann-Haniel GmbH (Hrsg.): unser Betrieb: Werkzeitschrift für die Unternehmen der Deilmann-Haniel-Gruppe, Nr. 34, August 1983, Dortmund, S. 25 f.
Der Tunnel wurde gegenüber der ursprünglichen Planung verlängert. Ende 1977 war eine Länge von 2354 m für das Bauwerk geplant. Während die Trasse (Rechtskurve, Gerade) dabei dem später realisierten Bauwerk entsprach, wich die geplante Gradiente von 9,23 Promille, die zum Südportal hin in ein Gefälle von 12,00 Promille übergehen sollte, von dem später realisierten Entwurf ab. Nach dem Planungsstand von 1981 war eine Länge von 2330 m für das Bauwerk vorgesehenHelmut Maak: Neubaustrecke Hannover–Würzburg, Baubeginn im Südabschnitt. In: Die Bundesbahn. Jg. 57, Nr. 10, 1981, , S. 801–806., nach dem Stand von 1983 eine Länge von 2333 m.
Bau Der Bauauftrag wurde am 3. Juni 1981 mündlich erteilt. Als Beginn der Arbeiten wurde dabei der 22. Juni 1981 festgelegt. Beauftragt wurde eine Arbeitsgemeinschaft der Unternehmen Mayreder, Kraus & Co, Beton- und Monierbau, Dyckerhoff & Widmann, E. Heitkamp sowie Wix & Liesenhoff. Die Bauarbeiten begannen am 22. Juni 1981. (Eine andere Quelle spricht von einem Baubeginn im Mai 1981.Belter: Tunnelbau Schlag auf Schlag. In: Der Eisenbahningenieur, 34 (1983), Heft 1, S. 37) Die Tunnelpatin Lore Linkerhänger, die Ehefrau des damaligen Leiters der Bahnbauzentrale Frankfurt, löste am 6. Oktober 1981 am Südportal die erste Sprengung aus.Ausbau macht Fortschritte. In: Nürnberger Zeitung, 2. März 1983 Der Tunnel wurde in Spritzbetonbauweise von beiden Seiten aufgefahren. Von Süden wurde dabei ein reiner Sprengvortrieb gefahren, von Norden ein kombinierter Spreng- und Fräsvortrieb.
Die Errichtung des Tunnels wurde mit 61 Mio. D-Mark (etwa 31 Mio. Euro) veranschlagt. Insgesamt wurde während des Vortriebs rund eine halbe Million Kubikmeter Buntsandstein ausgebrochen. Die Bauzeit lag bei 34 Monaten. Um hohe Böschungen zu vermeiden, wurde der südlich angrenzende Tunnel Roßbacher Forst verlängert. In einem anschließenden Damm wurde ein Teil des Tunnelausbruchs verwendet. Während der Bauphase fielen 580.000 Kubikmeter Abraum an. Hergestellt wurde ein Ausbruchsquerschnitt zwischen 101 und 145 m². Die Bauphase verlief ohne größere Unfälle.DB-Neubaustrecke ein weiteres Stück vorangekommen. In: Brückenauer Anzeiger, 2. März 1983
Der Tunnel wurde am 1. März 1983 1.800 m nördlich des Südportals durchgeschlagen.Deutsche Bundesbahn, Projektgruppe H/W Süd der Bahnbauzentrale (Hrsg.): Realisierungsstand im Südabschnitt der Neubaustrecke Hannover - Würzburg (Stand: Dezember 1983). Presseinformation (zwei Seiten), Nürnberg, 1983 (?), zwei A4-SeitenFür den 2333-Meter-Tunnel ist heute Durchschlag. In: Main-Echo Gemünden, 1. März 1983 Die Tunnelpatin setzte dabei nach einem 1,7-Kilometer-Marsch durch den Tunnel eine Teilschnittmaschine in Gang, mit der die Kalotte durchgebrochen wurde. Der Durchschlag erfolgte zwei Monate früher als ursprünglich vorgesehen. Er wurde als fünfter Tunnel der Neubaustrecke durchschlagen.Von Hessen nach Bayern durch eine 2333 Meter lange Röhre.... In: Main-Echo Aschaffenburg, 3. März 1983 Zu diesem Zeitpunkt waren im Südabschnitt neun weitere Tunnel vergeben bzw. im Bau und zwei weitere (Tunnel Einmalbergtunnel und Dittenbrunner Höhe) bereits fertiggestellt.
Technik Im Tunnel stehen vier Vorsignale und vier Blockkennzeichen.
Literatur Eisenbahntunnel Altengronauer Forst. In: Tunnel, Heft 2/1982, S. 84–94.
Weblinks
Bilder Tunnelportale auf eisenbahn-tunnelportale.de
Einzelnachweise
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