mini|Marktplatz von Mediaș mit der Margarethenkirche im Hintergrund mini|Der schiefe Trompeterturm der Margarethenkirche Die Margarethenkirche ist die Stadtpfarrkirche der Evangelischen Kirche A.B. in Mediaș in Rumänien, deren schiefer Hauptturm, der Trompeterturm oder Tramiter, auch heute noch das Stadtbild beherrscht. Die Kirche gehört zu den bedeutendsten spätgotischen Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen, von denen einige heute zum UNESCO-Welterbe zählen.Villages with Fortified Churches in Transylvania. UNESCO World Heritage Centre 1992–2010.

Geschichte Die erhaltenen mittelalterlichen Quellen nennen Mediaș zuerst im Jahre 1267, doch es gibt Grund zur Annahme, dass die vermutlich von deutsch-sprechenden Siedlern gegründete Ortschaft älter ist. Die in den Jahren 1971 und 1972 durchgeführten archäologischen Grabungen haben gezeigt, dass in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an der Stelle, wo die Kirche sich heute befindet, ein von den deutschen Bewohnern errichtetes Gotteshaus stand. Die Bevölkerung des Ortes muss schnell gewachsen sein, denn schon etwa 50 Jahre später musste dieser Bau einer Saalkirche mit auffallend langem Hauptschiff weichen. In dem heutigen nördlichen Seitenschiff sind Teile davon erhalten geblieben.

1414 wird die Kirche erstmals als Stadtpfarrkirche unter dem Patrozinium der Hl. Margareta von Antiochia urkundlich erwähnt. Spätestens nach dem Türkeneinfall von 1438 haben die Bewohner von Mediaș mit dem Bau ihrer dritten Kirche begonnen. 1447 wird beurkundet, dass Pfarrer Christian aus Mettersdorf „in porta ecclesiae parochialis beate Margarethe virginis et martyris in oppido Medyes – an der Tür der Pfarrkirche der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Margarethe“ Einspruch gegen ein Unrecht des Weissenburger Bischofs erhoben habe. Die älteste Glocke der Kirche stammt aus dem Jahr 1449 und trägt die Inschrift „o [r]ex gloriae veni cum pace – O König der Ehren, komme mit Frieden“. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde an Chor, Haupt- und südlichem Seitenschiff gebaut. Der Chronist Georg Soterius schrieb im 18. Jahrhundert in seiner „Historia Transilvaniae“, dass an einem Turm der Anlage die Jahreszahl 1482 gestanden habe. Abgeschlossen worden seien die Bauarbeiten im Jahr 1488. Um die gleiche Zeit haben die Einwohner aus Mediaș das sogenannte Kirchenkastell erbaut, eine Wehranlage mit mehrfachen Mauergürteln, Verteidigungsgraben und Wehrtürmen, die heute zum Teil noch erhalten sind. Das war eine für die damalige Zeit kaum vorstellbare finanzielle und auch technische Leistung. Urkundlich erwähnt werden die Befestigungsanlagen schon 1452.

Im Zuge des reformatorischen Bildersturms wurden 1545 die Nebenaltäre und Bilder aus der Kirche entfernt, wohl in Zusammenhang mit der ersten Evangelischen Synode Siebenbürgens, die in diesem Jahr in der Margarethenkirche stattfand. Weitere Reparaturarbeiten an der Kirche sind für 1584, 1606, 1636 und 1668 dokumentiert. Eine kleine Glocke im Geläute der Pfarrkirche mit der Inschrift „Soli Deo Gloria“ trägt das Datum 1587. 1732 wurde die Orgel auf der Westempore wieder hergestellt. 1832 wurden die Pfeiler der Nordseite untermauert. Das Archiv der Stadtpfarrkirche dokumentiert größere Reparaturarbeiten in den Jahren 1888–1892. 1927–1930 wurden umfangreiche Arbeiten zur Befestigung der Fundamente des Trompeterturms durchgeführt. 1971–1972 führten Vasile Crişan und Mariana Beldie-Dumitrache archäologische Grabungen durch. 1973–1974 wurden erneut Stabilisierungsarbeiten an den Fundamenten des Trompeterturms notwendig; die beiden unteren Geschosse wurden mit Spannbeton ummantelt, 1973–1986 fanden weitere Restaurierungsarbeiten statt. 1976–1982 wurde der bedeutende spätgotische Flügelaltar der Kirche in der landeskirchlichen Restaurierungswerkstatt unter Leitung von Gisela Richter restauriert. Im Jahr 1992 erhielt der Mittelschrein des Altars eine Figurengruppe des österreichischen Bildhauers Franz Pichler.Chronik der Stadtpfarrkirche nach:

Seit längerem war bekannt, dass in einer Kammer im Seilerturm‘Forgotten archive’ of medieval books and manuscripts discovered in Romanian church, medievalists.net, Mai 20203Wiebke Tomescheit: Vergessene mittelalterliche Bibliothek entdeckt – Wissenschaftler fühlen sich an „Indiana Jones“ erinnert auf www.stern.de, 15. Mai 2023 eine Anzahl von älteren Büchern lagerte. Der kulturhistorische Wert und der große Umfang dieser kleinen Bibliothek wurde erst im Rahmen einer wissenschaftlichen Aufarbeitung deutlich, die ab dem Juni 2022 stattfand. Nach diesem auch von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Projekt umfasst der Buchbestand insgesamt 139 Buchdrucke von 1470 bis 1600, zwei Bände mit Handschriften aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, ungefähr 60 Dokumente aus dem 14. bis 16. Jahrhundert und mehrere Verwaltungsregister der Kirchengemeinde Mediasch aus dem 17. bis 18. Jahrhundert, die zum Teil mittelalterlicher Handschriften beinhalten. Die meisten davon sind in lateinischer Sprache verfasst.Roger Parvu: Wichtiger historischer Fund im Archiv der Evangelischen Kirche Mediasch auf adz.ro, 20. September 2022 Vermutlich waren diese dort schon deutlich vor dem Ersten Weltkrieg eingelagert und dann vergessen worden.Wiebke Tomescheit: Vergessene mittelalterliche Bibliothek entdeckt – Wissenschaftler fühlen sich an „Indiana Jones“ erinnert auf www.stern.de, 15. Mai 2023 Die Fragmente der mittelalterlichen Handschriften waren teilweise für den Einband jüngerer Werke zweckentfremdet worden und so erhalten geblieben.Hansotto Drotloff: In Mediasch wird ein bedeutender Bücherschatz aus dem 14.-16. Jahrhundert gehoben auf www.siebenbuerger.de, 1. August 2022 Die Entdeckung verursachte ein erhebliches Medieninteresse.

Befestigung und Türme mini|Hermann-Oberth-Schule im Kirchhof Unter dem sogenannten Tor- oder Glockenturm mit seinem hölzernen Wehrgang betritt man heute den Kirchhof. Geht man auf der Nordseite der Kirche weiter, so liegt links davon die 1713 erbaute „alte Schule“, die heutige Hermann-Oberth-Schule. Ihr Gebäude schließt heute den fünften Wehrturm ein, der 1888 bis unter das Schuldach abgetragen worden ist.

Weiter nach Osten steht der sogenannte Seiler- oder Speckturm mit seinen regelmäßig angeordneten vorragenden Gusslöchern. Im 19. Jahrhundert begann man, ihn für die Aufbewahrung von Speckseiten zu benutzen, was sich in seinem Namen niedergeschlagen hat.

Es folgt das Geburtshaus von Stephan Ludwig Roth, einem fortschrittlichen Denker und Kämpfer, der in den Wirren der Revolution von 1848/49 von einem ungarischen Standgericht zum Tode verurteilt und erschossen worden ist.

An der Ostseite der Kirche steht das Pfarrhaus, welches möglicherweise ein altes Kloster gewesen ist. Im Inneren des Hauses befinden sich heutzutage Räumlichkeiten der Kirchengemeinde sowie 2 Pfarrwohnungen. Das sogenannte Musikzimmer verfügt im ersten Stock des Hauses über ein mittelalterliches Kreuzigungsfresko. An einer Wand im Obergeschoss sind Inschriften (Gebete) erhalten geblieben. Dieser Raum wurde früher als ehemaliges Refektorium des Klosters bezeichnet. Bei der Schaffung einer weiteren Wohnung im Obergeschoss in den 1960er-Jahren wurde dieser große historische Raum verbaut. Insgesamt verfügt dieses Haus über mehrere Kreuzgewölbe sowie einige erhalten gebliebene tiefe Fensternischen mit Sitzbänken. Das Haus wurde ungefähr um 1800 mit einer Loggia im spätbarocken-klassizistischen Stil an der Nordseite versehen. Um mehr Platz zu schaffen, hat man das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg nach Norden mit einem einstöckigen Anbau vergrößert. An der Südseite des Pfarrhauses befindet sich der mit einem Pultdach und Zinnen versehene Marienturm, der seinen Namen von einer Kapelle hat, die sich im Erdgeschoss dieses Baus befindet und die nach den Resten der erhaltenen gebliebenen Wandmalereien zu schließen, zu Beginn des 16. Jahrhunderts hier eingerichtet worden war. In der Kapelle befindet sich an der Ostseite ein Rest eines Altars. Im Boden der Marienkapelle befindet sich eine Holzklappe, welche den Zugang zu einer Treppe zur Krypta unter der Kapelle verdeckt. In diesem unterirdischen Raum werden heutzutage unter anderem einige Grabsteine gelagert. Auf der Südseite der Kirche folgt der 1803 erbaute überdachte Treppenaufgang, der eine direkte Verbindung vom Marktplatz der Stadt herstellen sollte. Die letzte Befestigung des hier doppelten Mauerringes ist der Schneiderturm, auch mit Schießscharten und Gußlöchern zur Verteidigung ausgerüstet.

Trompeterturm mini|Der „Turepitz“ auf dem Trompeterturm

1550, als Mediaș das Stadtrecht erhielt, wurde der Trompeterturm („Tramiter“) um drei Stockwerke erhöht. Als Zeichen dafür, dass das Mediașer Gericht auch Todesurteile aussprechen und vollstrecken konnte, wurden die vier kleinen Ecktürmchen errichtet. Durch den Druck der zusätzlichen Stockwerke wuchs die Belastung des Fundaments, so dass dieses nicht mehr standhielt. Der Turm begann sich zu neigen und weicht heute in einer Höhe von 68,50 m um 2,30 m von der Senkrechten ab. Spätestens Mitte des 17. Jahrhunderts musste der Turm mit zwei massiven Schwibbögen nach Nordwesten und Nordosten abgestützt werden. Die Glocken wurden in den benachbarten Turm verbracht, in dem sie auch heute noch erklingen. 1927 bis 1930 erfolgten umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen, erneut im Jahre 1972, die erst zu Beginn der achtziger Jahre abgeschlossen werden konnten. Während bis 1977 die Arbeiten von staatlichen Stellen finanziert wurden, ist die Restaurierung nachher allein mit Hilfe kirchlicher Mittel fortgeführt und abgeschlossen worden. 2015 wurden der Außenputz des Trompeterturms sowie das Dach renoviert.

Seit dem 17. Jahrhundert steht in einer Nische der südöstlichen Ecke des Trompeterturms auf der Höhe der Turmuhr eine hölzerne Figur, der „Turepitz“. Über einen einfachen Mechanismus läutet er mit einer kleinen Glocke die volle Stunde ein. Das stark verwitterte Original aus Eichenholz, auf dem die Jahreszahl 16[…]0 erkennbar ist, wurde 1927 durch eine Rolandsfigur mit Schwert ersetzt. 1982 fertigte Kurtfritz Handel ein dem Original nachempfundenes, farbig gefasstes „Glockenmännchen“ an, das seither als liebenswertes Detail auf dem Turm steht. 2015 wurde der „Turepitz“ im Zuge der Sanierungsarbeiten am Trompeterturm restauriert. Die aus dem Jahr 1751 stammende, seit den 1950er Jahren beschädigte Stundenglocke des Trompeterturms wurde neu gegossen und als Geschenk der Mediascher Partnergemeinde Herrenberg im September 2015 an alter Stelle angebracht.

Ostturm mit Kapelle mini|Ostturm (Marienturm) Der Ostturm der Kirchenburg, der Marienturm, ist mit Zinnen bekrönt und trägt ein Pultdach. In seinem Erdgeschoss befindet sich eine reich mit Fresken ausgestattete kleine Kapelle. Ihre Wände und Gewölbe sind mit einem Rippennetzwerk aus Stuck gestaltet, das Elemente des spätgotischen Flamboyantstils aufgreift.

Im halbzylindrischen Gewölbe bildet das Rippennetz fünf Medaillons mit Inschriftenbändern, in deren Zentrum das Agnus Dei steht. Dieses umgeben Darstellungen der vier Evangelisten in Form hybrider apokalyptischer Figuren in menschlicher Gestalt, der Tetramorph. Auf der Ostwand ist ein Triptychon mit der Darstellung der Dreifaltigkeit in der Bildtradition des sedes gratiae erhalten. Flankiert wird diese von Johannes dem Täufer und dem Lamm sowie einer kaum noch erkennbaren Darstellung der Jungfrau Maria. In ihrer Gesamtheit geben die Fresken das Bildprogramm der Deesis wieder, einer verdichteten Ikonographie des Jüngsten Gerichts. Die Darstellung der Zwölf Apostel an den Seitenwänden, deren jeder Teile des Apostolischen Glaubensbekenntnisses trägt, betont noch die eucharistischen und eschatologischen Anspielungen des Wandfreskos.

Baubeschreibung der Kirche