mini|370px|Kurzstreckenwettkampf in Hindeloopen 1828 Dieser Artikel behandelt die Geschichte des klassischen Eisschnelllaufs.
Anfänge bis 1850 1763 England: der erste bekannte Eislaufwettkampf wurde in den Fens von Cambridgeshire durchgeführt. Teilnehmer waren zwei Läufer aus dem englischen Adel und der Sieger erhielt ein Preisgeld von 10 Guineen. Die Laufstrecke soll 15 Meilen (ca. 24 Kilometer) lang gewesen sein und der Gewinner benötigte dafür 46 Minuten. Später entwickelten sich daraus die “Fen skating” genannten Wettbewerbe, die bis etwa 1890 durchgeführt wurden.
Um 1800 In den Provinzen Friesland und Groningen wurden während der Frostperioden auf zugefrorenen Wasserflächen vielfach von Wirten und Besitzern der Imbiss- und Kaffeebuden Schlittschuhläufe organisiert, um den Besuch ihrer Einrichtungen sowie einträgliche Wetteinnahmen zu fördern. Es wurden vor Tausenden von Zuschauern Kurzstreckenrennen über 140 Meter für Frauen und 160 Meter für Männer ausgetragen. Als Gewinne wurden gelegentlich Gegenstände aus Gold oder Silber, wie etwa 1803 in Sneek eine silberne Tabakdose ausgelobt. Bald wurden jedoch auch Geldpreise üblich, die im 20. Jahrhundert 120 bis 150 Gulden betragen konnten. Sehr gute Läufer konnten sich damit ein kleines Vermögen erlaufen.
1801 In Groningen wurde erstmals ein überliefertes Wettrennen zweier Frauen über 30 englische Meilen durchgeführt.
1805 In Leeuwarden wurde ein Kurzstreckenrennen mit 130 weiblichen Teilnehmern geführt, wobei zuvor bezweifelt wurde, dass Frauen speziell im Hinblick auf ihre Kleidung auch Rennen laufen können.
1821 Newmarket, England: ein Mann bot demjenigen 100 Guineen, der eine Meile auf dem Eis mit fliegendem Start in drei Minuten durchlaufen könne. John Gittam von Nordelph schaffte dies 7 Sekunden unter der Zeit. Eine Generation später wagte William Smart die gleiche Wette für zweieinhalb Minuten, braucht dann jedoch zwei Sekunden mehr.
1823 London: ein für jedermann offenes Schlittschuhrennen wurde durchgeführt. Es gab kein Preisgeld, demnach war dies eines der weltweit ersten überlieferte Amateurrennen.
Frühe Entwicklungen in einzelnen Ländern England mini|Fen Skater an der Wendemarke der Doppelbahn Im Jahre 1763 wurde in den Fens von Cambridgeshire erstmals ein bekannter Eislaufwettkampf durchgeführt. Zwischen etwa 1850 bis 1890 wurden Wettbewerbe ausgetragen, bei denen auch Preise zu gewinnen waren. Die Landeigner und Adligen, die die Wettkämpfe ausrichteten, erhoben Teilnahmegebühren, aus denen das Preisgeld in der Größenordnung von etwa £ 10 gewonnen wurde.
Als Laufbahn wurden Strecken von 660 Yards auf dem Eis abgemessen und mit Markierungen in zwei Bahnen geteilt. An den Enden befanden sich Wendemarken, die beispielsweise aus Fässern mit einer eingesteckten Fahne bestehen. Die Bahn hatte damit etwa die Form einer Haarnadel, die Biegung an den Wendemarken war dabei nicht geteilt.
Die Wettbewerbe wurden im K.-o.-System ausgeführt, wobei von etwa 16 bis 32 Wettbewerbern Läuferpaarungen ausgelost wurden, deren Gewinner in der nächsten Runde gegen den Gewinner einer anderen Paarung antritt. Von den ausgelosten Läuferpaaren startete jeder auf seiner zugewiesenen Seite und lief an der Wendemarke auf die andere Bahn hinüber. Für ein Eineinhalb-Meilen-Rennen absolvierten die Läufer zwei Runden, wobei sie dreimal die Wendemarken umliefen. Bei 16 Teilnehmern musste der Endsieger dann insgesamt 6 Meilen gelaufen sein.
mini|hochkant|William See und William Smart mini|hochkant|James Smart Von dem Preisgeld bekam der Gewinner die Hälfte, und der Rest wurde an die anderen Läufer anteilsmäßig je nach ihrem Fortkommen im Wettbewerb verteilt. Die Gewinner lokaler Wettkämpfe wurden dabei auch eingeladen, an größeren Wettbewerben mit Eisläufern des ganzen Fen-Gebietes teilzunehmen. Es gab auch Frauenwettbewerbe, die jedoch nicht so große Aufmerksamkeit und Preisgelder bekamen wie die Männer.
Neben den allgemein organisierten Wettkämpfen forderten herausragende Läufer auch zu Einzelkämpfen um einen ausgesetzten Geldbetrag heraus. So wurde im Cambridge Chronicle von 1853 berichtet, dass die Brüder Larman und Robert Register einen Wettlauf gegen ein anderes Läuferpaar um ein Preisgeld von £ 20 anboten. Drei Jahre später tat sich zudem Larman Register mit seinem Herausforderer William „Turkey“ Smart zusammen, um mit ihm als Team Wettläufe anzubieten. Der überragende englische Läufer der damaligen Zeit, William “Turkey” Smart, gewann von 1854 bis 1868 fast sämtliche Rennen in England; lediglich 1867 sorgt sein Schwager William See für die einzige Niederlage von Smart.
1878 gewann der Neffe von William Smart, George “Fish” Smart, sein erstes Rennen und blieb in England bis 1889 bis auf wenige Ausnahmen bei mehreren hundert Wettbewerben unbesiegt. Anschließend übernahm sein jüngerer Bruder James Smart die Vorherrschaft in den englischen Eislaufwettbewerben.
1879 veranstaltete der englische Verband die erste Meisterschaft von Großbritannien über eineinhalb englische Meilen für Berufsläufer, desgleichen 1880 eine erste Meisterschaft von Großbritannien für Amateure.
Bis 1885 konnte vor allem der überragende James Smart bei gelegentlichen Wettkämpfen in den Niederlanden „Weltrekorde“ und eine „Weltmeisterschaft“ auf „internationalem“ Niveau für sich verbuchen. Trotz der frühen und respektablen Tradition des Eisschnelllaufes in England fand dies keine Fortsetzung auf internationalem Niveau in die darauf folgende Zeit. Ein wesentlicher Grund dafür war, dass zu jener Zeit für Laufwettbewerbe nur Natureis zur Verfügung stand, und dem standen speziell in England, durch den Golfstrom bedingt häufige milde Winter entgegen, die zu oft jahrzehntelangen Pausen des Wettkampfbetriebes führten. In den Annalen der ISU zu den regulär anerkannten Weltrekorden (seit 1891), den Olympischen Winterspielen (seit 1924) und Weltmeisterschaften (seit 1996) trat bislang kein einziger Läufer aus Großbritannien erfolgreich in Erscheinung (Stand 2011).
Norwegen Am 1. März 1863 tragen in Kristiania (dem späteren Oslo) 70 Akteure das erste dort überlieferte Wettrennen aus. Angeblich feuerten 10.000 Zuschauer die Läufer an. Der anfänglich bekannteste und erfolgreichste Läufer, der auch in anderen Ländern antritt, war Axel Paulsen, der 1872 in Kristiania in 11:11,0 Minuten über 5000 Meter die erste Bestzeit auf einer der heute üblichen Strecken aufstellt. Um die Jahrhundertwende löste Oscar Mathisen Paulsen als erfolgreichsten Läufer ab. Norweger zeigten sich hinsichtlich der gelaufenen offiziellen Bestzeiten, beginnend mit Oskar Fredriksen 1890, bis zum Zweiten Weltkrieg als die erfolgreichsten Eisschnellläufer. Nur der Niederländer Jaap Eden und der Finne Clas Thunberg konnten auf diesem Niveau zwischenzeitlich mithalten. Weitere besonders erfolgreiche norwegische Läufer aus dieser Epoche waren Ivar Ballangrud und Hjalmar Andersen.
Niederlande mini|Gemälde von Andreas Schelfhout, ca. 1850
1882 Gründung des Niederländischen Eislaufverbandes. In den Niederlanden begünstigte das ausgedehnte Grachtensystem das Schlittschuhlaufen bei genügend kalter Witterung.
mini|hochkant|Weltmeister Jaap Eden, hier bereits mit „Norweger-Schlittschuhen“ mini|links|Wettkampfbahn Grote Wielen / Leeuwarden 1885 mini|10. Elfstädte-Tour (1954)
1885 In Leeuwarden wurde ein Wettlaufen über vier Runden zu jeweils einer englischen Meile durchgeführt. Es siegte der Niederländer Pieter Bruinsma gegen die Konkurrenz aus Norwegen, Kanada und Großbritannien. Die besten Norweger um Paulsen und Hagen fehlten allerdings auf Grund anderer Verpflichtungen.
Am 22. Januar stellte Wiebe H. Vries in Heerenveen mit 58,0 Sekunden über 500 Meter die erste Weltbestzeit eines niederländischen Läufers auf einer der heute üblichen Strecken auf.
1886 Hamar: Jaap Eden wurde Weltmeister durch Sieg auf drei von vier Laufstrecken.
1887 Slikkeveer: Der erste Schnelllaufwettkampf auf einer niederländischen Doppelbahn wurde durchgeführt.
1888 In Amsterdam wurden Titelkämpfe der Berufsläufer durchgeführt, bei denen Harald Hagen aus Norwegen als Sieger hervorging. In Trondheim gab es im selben Jahr am 12. Februar ein erstes Frauenwettrennen über die heute üblichen Strecken. Die Norwegerin Line Bye lief 86,2 Sekunden über 500 Meter.
1889 Der Amsterdamer IJsclub veranstaltete vom 8. bis 10. Januar die ersten noch „inoffiziellen“ Weltmeisterschaften. Der Russe Panschin siegte über die halbe und über eine ganze englische Meile, der Amerikaner Donoghue über drei englische Meilen.
1896 St. Petersburg: Jaap Eden wurde Weltmeister durch Sieg auf drei von vier Laufstrecken.
1909 In Leeuwarden startet am 2. Januar der erste Lauf der Elfstedentocht über fast 200 Kilometer.
Deutschsprachiger Raum Bereits frühzeitig war in den großen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ein reges Interesse am Eisschnelllauf vorhanden, das sich zunächst in Veranstaltungen mit internationalen und nationalen Beteiligungen niederschlug. Es dauerte dann jedoch noch etwa 20 Jahre, bis deutsche Eisschnellläufer bedeutende Erfolge auf internationalem Niveau erzielten.
Nationaler Verband 1888 Gründung des Deutschen Nationalen Eislauf Verbandes
1890 Der Deutsche Eissport-Verband (DEV) wurde als Nachfolger des Deutschen Nationalen Eislauf Verbandes gegründet und vertritt zunächst die Interessen aller Eissportarten in Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg.
1911 Der Schweizer Eislauf-Verband wurde gegründet. Er war neben dem Eiskunstlauf auch für den Eisschnelllauf zuständig.
1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der DEV aufgelöst und als Nachfolger fungierte zunächst die Deutsche Eis- und Rollsport Arbeitsgemeinschaft (DERAG) und später die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Eissport (DAGE).
1949 wurde der DEV in Mannheim wiedergegründet und als dessen Pendant 1954 der Deutsche Eislauf-Verband der DDR (DELV)
Im Laufe der Zeit verlor der DEV zunehmend an Bedeutung, da sich mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB), der Deutschen Eislauf-Union (DEU), der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), dem Deutschen Eisstock-Verband (DESV) und dem Deutschen Curling-Verband (DCV) fünf Einzelsportarten-Verbände gründeten und der Arbeit des DEV somit die Grundlage entzogen war.
1965 Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) wurde gegründet. Gründungspräsident war Ludwig Schwabl.Der Spiegel 6/1966 „Millionen für Medaillen“.
1990 Auflösung des DELV der DDR.
Organisationen und Veranstaltungen 1869 Wien: Am 24. Jänner wurde das erste Wiener Eisrennen durchgeführt. Sieger im Hauptlauf um den Preis des Jockey-Clubs war der preußische General Artur Graf Schlippenbach.
1872 Frankfurt: Der erste überlieferte Eisschnelllaufwettkampf in Deutschland wurde am 2. Januar durch den Frankfurter Schlittschuhclub veranstaltet. Die Ergebnisse sind nicht überliefert.
Wien: Vom 5. bis 7. Januar wurde der erste internationale Eissporttag (Kunst- und Schnelllaufen) durchgeführt, wobei eigentlich nur österreichische und deutsche Läufer beteiligt waren. Im Schnelllaufen siegte wie schon 1869 Artur Graf Schlippenbach, der zu dieser Zeit auch der beste deutsche Kunstläufer war.
1884 Hamburg: Der Hamburger Schlittschuh-Club von 1881 und der Schlittschuhläuferverein von Altona 1876 schrieben gemeinsam das erste internationale Preisschlittschuhlaufen für Schnelllauf und Kunstlauf auf der Heiligengeistfeld-Eisbahn aus.Die Eisbahn auf dem Heiligengeistfeld war witterungsabhängig; es war eine von mehreren „Spritzeisbahnen“ in Hamburg. Trotz der hohen Eintrittspreise sollen zehntausende Zuschauer die Veranstaltung besucht haben.
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