Rosso – Farbe des Todes (Originaltitel: Profondo rosso) ist ein italienischer Giallo aus dem Jahre 1975 von Dario Argento mit David Hemmings, Daria Nicolodi und Gabriele Lavia in den Hauptrollen. Er wurde auch als Deep Red aufgeführt und wird in Deutschland mittlerweile unter dem Originaltitel vermarktet. In den Hauptrollen sind David Hemmings und Daria Nicolodi zu sehen. Die Musik steuerte die Progressive-Rock-Band Goblin bei. Schnittfassungen reichen von 85 bis 126 Minuten.„grausam verstümmelt“, Bracken. Gekürzt wurden insbesondere humoristische Einlagen.

Handlung Ein Medium namens Helga Ulmann (deutschsprachig, in der englischen Fassung aus Lettland) tritt in einem vollbesetzten, rot ausgekleideten Theater bei der „Parapsychologischen Konferenz“ auf. Dabei nimmt sie telepathisch eine böse, mörderische Präsenz wahr und wird hysterisch. Sie meint, die Person habe bereits getötet und würde es erneut tun. Währenddessen steht einige Reihen weiter hinten jemand auf und verlässt den Saal. Marcus, ein englischer Musiker, studiert mit einer Jazz-Gruppe ein Stück ein. Danach trifft er sich am Abend auf einer leeren Piazza mit dem volltrunkenen Pianisten Carlo, einem Alkoholiker, der förmlich im Rinnstein liegt. Während sie reden, hören sie einen entfernten Schrei über der Stadt. An einer Edward Hoppers Gemälde Nighthawks nachempfundenen Bar vorbei, in der alle den Atem anzuhalten scheinen„Not only does most of the film take place at night and the streets are barely populated. Even the few people that walk through the streets of Argento's ghost world come to resemble mannequins trapped in time.“, Gonzalez (s. Weblinks).vgl. Brown.Vgl. auch Gottfried Helnwein: „Boulevard of Broken Dreams“, 1984 (Gonzalez, s. Weblinks). geht er die wenigen Meter zu seiner Wohnung, ein Stockwerk über Helga. Von dem Platz aus beobachtet er, wie Helga hoch über ihm an einem Fenster um Hilfe ruft, von innen dagegen gepresst wird und von dem Mörder buchstäblich aus der Fensterscheibe gehackt. Bestürzt rennt er in die Wohnung. Er verpasst den Mörder nur um Sekunden, macht in der Wohnung der Kunstsammlerin mehrere Gemälde mit Gesichtern aus und sieht den mutmaßlichen Täter unten den Platz verlassen.

Die Polizei kommt dazu, später die hübsche, ehrgeizige Journalistin Gianna, die bei der Séance zum Publikum zählte. Marcus glaubt, einen entscheidenden Hinweis im Apartment der Ermordeten übersehen zu haben und gibt dies dem Inspektor zu verstehen. Gianna macht einen Schnappschuss von ihm, der später auf der Titelseite veröffentlicht werden wird. Für Marcus folgen vier Stunden unergiebige Formalitäten auf dem Revier. Marcus hängt sich aus Neugier selbst an den Fall. Er geht zurück zu Carlo, noch am Brunnen vor der StatuePiazza CLN in Turin, siehe Bild.Gonzalez (s. Weblinks). und kaum mehr ansprechbar. Carlo gegenüber schildert er die Vorfälle und erwähnt das Bild, das vom Tatort verschwunden zu sein scheint. Auf der Beerdigung freundet er sich mit Gianna an. In ihrem reparaturbedürftigen Fiat Nuova 500 stellt sich heraus, dass beide single sind. Seine Zerstreutheit und „Nervosität“ sei aber der Künstlernatur zuzuschreiben. Am Ort der Séance redet er mit Psychologieprofessor Giordani über Helga. Marcus sucht erneut Carlo auf, trifft aber nur seine senile Mutter Marta an, einen früheren Filmstar. Carlo ist in der Wohnung seines transvestitischen Geliebten und wie üblich volltrunken. In einer sehr ruhigen Einkaufspassage sprechen sie erneut über seine Wahrnehmung am Abend des Mordes. Carlo rät seinem Freund, die Nachforschungen einzustellen.

Durch den Vorhang sieht man Marcus zuhause am Klavier komponieren. Auf dem Dach scheint etwas herumzuschleichen. Der Mörder ist in seiner Wohnung, er schafft es jedoch, die Tür vor sich zu verrammeln, und er sieht etwas. Als Gianna anruft, droht der Killer ihm noch durch die Tür und sucht das Weite. Professor Giordani hat ein zeitgenössisches, populäres Hexerei-Buch entdeckt, Verfasser Amanda Righetti, aus dem er eine Legende über ein Spukhaus mit den Taten in Zusammenhang bringt. Marcus entnimmt ein Foto. Dann ruft er aus einer lauten Kneipe Gianna in ihrer immens geschäftigen Redaktion an, sie verstehen sich aber kaum. Die Schriftstellerin Amanda wird derweil in ihrem Haus auf dem Land ermordet, indem sie zuletzt in heißem Badewasser ertränkt wird. Sterbend versucht sie im Wasserdampf mit dem Finger an der Wand etwas niederzuschreiben. Marcus hinterlässt dort seine Fingerabdrücke und beginnt sich zu wundern, wie ihm der Mörder immer einen Schritt voraus sein kann.

Marcus spürt einem exotischen, importierten Baum auf dem Foto hinterher, und flüchtet teilweise auch vor der Polizei. Prof. Giordani kann in Amandas Badezimmer, nachdem er wieder heißes Wasser in die Badewanne einlaufen ließ, die letzte Schrift von Amanda lesen. Giordani wird aber dann bei sich zuhause das nächste Opfer des Mörders, wobei zunächst eine mechanische Puppe auf ihn zukommt. Marcus macht die verfallene Villa ausfindig und lernt den Verwalter und seine Tochter kennen. Tagsüber erkundet er das Haus auf zahllosen Irrwegen, und schabt eine furchterregende kindliche Wandmalerei unter frischem Putz hervor. Gianna besucht ihn, gemeinsam sind sie ratlos, planen einen Urlaub im Libanon, Gianna tanzt aus der Wohnung, er telefoniert ergebnislos herum. Auf dem Foto bemerkt er ein Fenster des Hauses, das in der Gegenwart fehlt, und schließt auf die Existenz eines verborgenen Raumes. Am Abend versucht er mit dem Pickel über die Fassade dorthin zu klettern, wobei er sich fast das Genick bricht, irrt dann aber über die dunklen Flure dorthin, bricht durch eine Wand, entdeckt eine mumifizierte Leiche, und wird im selben Moment von hinten niedergeschlagen. Gianna rettet ihn aus der Villa, die nun lichterloh in Flammen steht. Die Beweisstücke sind vernichtet; allerdings hat just in diesen Tagen die Tochter des Hausmeisters ein ähnliches Bild gemalt. Sie sah das Motiv bei einer Strafarbeit in den Archiven der Leonardo da Vinci-Schule, sagt sie.

Dort angekommen wird Gianna beim Versuch, die Polizei anzurufen, niedergestochen (überlebt aber): „alles für eine blöde Story“. Er findet in Bücherregalen und inmitten verstaubter Aktenordner die Vorlage des Bildes, welches Carlo als Kind gemalt hatte. Carlo lauert ihm bereits auf. Die Polizei kommt dazu, auf der Flucht wird Carlo von einem Müllwagen erfasst und zu Tode geschleift. Marcus hatte jedoch zweierlei übersehen: Carlo war zum Zeitpunkt des ersten Mordes bei ihm, und das vermisste Bild war in Wirklichkeit ein Spiegel, in dem er den wirklichen Täter sah, der flach an der Wand stand. In Helgas Wohnung wird er von hinten attackiert. Der Angreifer ist Carlos Mutter, schrill geschminkt und in einem Ledermantel. Zuletzt wird die Kindheitserinnerung Carlos klar, wie seine Mutter an Weihnachten zu dem Lied seinen Vater erstach, wohl die zuvor gefundene Leiche, in dem betreffenden Gebäude. Er wollte sie schützen. Nach einem Handgemenge im Treppenhaus verfängt sie sich mit ihrer Halskette im Fahrstuhl und wird, als Marcus den Fahrstuhl in Gang setzt, geköpft.

Entstehung und Veröffentlichung Wie Dario Argento bekundete in einem Interview, dass er mit seinem Drehbuchautoren gezielt auf der Suche nach Schmerzerfahrungen war, die aus dem normalen Leben vertraut sind. Wie es sich anfühlt, erschossen zu werden, könne man zwar intellektuell nachvollziehen, aus eigener Erfahrung kennen es jedoch die wenigsten.Smuts, s. Weblinks.

Die Aufnahmen fanden in Rom und in Turin statt.IMDb, „Filming locations for Profondo rosso“.vergleiche zu den Drehorten die italienischsprachige Wikipedia.

International lief Profondo rosso am 7. März 1975 in Italien an.IMDb, „Release dates for Profondo rosso“. In der Bundesrepublik Deutschland hatte der Film seine Premiere erst am 24. April 1991 auf Video.

In der ursprünglichen Kinoversion bewegte sich Hemmings Abbild in der Spiegelung auf der Blutlache im Abspann noch. In der R1 DVD wurde sein Bild eingefroren.IMDb, „Alternate versions for Profondo rosso“. An der Rekonstruktion war William Lustig beteiligt, vgl. vgl. Dallmann.

Besetzung und Synchronisation Der Film wurde zweimal synchronisiert. Die erste Synchronfassung wurde 1991 für die VHS-Veröffentlichung des Filmes erstellt und war an einigen Stellen gekürzt, welche später nachträglich synchronisiert wurden. Die zweite Synchronfassung entstand 2021 bei der Mixwerk Synchron. Gerd Naumann schrieb das Dialogbuch und führte Dialogregie. Die Veröffentlichung der zweiten Synchronfassung sollte bereits 2021 erfolgen, musste aber verschoben werden.

RolleDarstellerSynchron­sprecher (1991)Synchron­sprecher (2021)Marcus DalyDavid HemmingsKlaus NietzNachsynchro: Gerhart HinzePeter LontzekGianna BrezziDaria NicolodiAngela StresemannNachsynchro: Monika BarthGundi EberhardCarloGabriele LaviaNicolas KönigNachsynchro: Nils RiekeBastian SierichHelga UlmannMacha MérilReinhilt SchneiderIlka TeichmüllerSupt. CalcabriniEros PagniKai Henrik MöllerNachsynchro: ditoBernd VollbrechtAmanda RighettiGiuliana CalandraCarla BeckerDiana BorgwardtProf. GiordaniGlauco MauriGerhard LippertNachsynchro: Michael BidellerJürgen KluckertBardiPiero MazzinghiHelgo LiebigLutz RiedelMarta, Carlos MutterClara CalamaiUrsula VogelKerstin Sanders-DornseifCarlos VaterAldo BonamanoLothar HinzeFloristAttilio DottesioElviraLiana Del BalzoSabine HahnLuise LunowCarlo als JungeJacopo MarianiGärtnerFurio MeniconiLothar GrütznerRonald NitschkeOlgaNicoletta ElmiKeren HochbergAssistent des InspektorsSalvatore PuntilloDirk MüllerPolizei­agentPiero VidaMarko BräutigamPolizei­agent MingozziFulvio MingozziUwe JellinekPolizei­fotografDante FiorettiMassimo RicciGeraldine HooperTomas KrögerNachsynchro: Jannik EndemannChristian ZeigerKonferenz­besucherBruno Di LuiaTilmar KuhnPietro ValgoiFranco VaccaroBernd EggerTV-SprecherHarry KühnPriesterUri FaberProstituierte #1Daniela KälinProstituierte #2Heike Beeck

Kritiken Der Film erhielt überwiegend gute Kritiken.

Das Lexikon des internationalen Films spricht von einem mythischen Thriller, dessen befremdliche Farbdramaturgie für Genrefans von Interesse sei; was die substanzielle Inhaltslosigkeit jedoch nicht überdecken könne.

Jay Seaver kritisierte auf der ehemaligen Filmwebsite eFilmCritic.com: „Richtig Sinn ergibt das nicht.“

Michael Mackenzie schrieb auf seiner ehemaligen Filmwebsite LandofWhimsy.com, der Zuschauer werde als Kamera in den Film gesetzt. Argentos Kamera implementiere in Bezug auf die Subjektivität ein extrem flexibles Regelwerk. Mal enthalte sie uns Informationen vor, mal verrate sie uns etwas, was die Charaktere nicht wissen können. Die Kamera selbst sei als unabhängige Wesenheit unterwegs. Das Whodunit lasse sich nicht fairerweise lösen; der Zuschauer werde auf Armlänge zu den Figuren gehalten.vgl. Mackenzie (s. Weblinks).

Shane M. Dallmann stellte 2000 auf ImagesJournal.com fest, dass der Film die Zuschauer genau in Balance halte, indem er ihnen genug Absonderlichkeit biete, ohne sie komplett aus der Ebene der Realität zu verstoßen. Obwohl das Übernatürliche nie konkret auftrete, befänden sich die Charaktere nicht in der erkennbaren Welt des Zuschauers, sondern in einer Welt, die von den Creative Arts diktiert werde.

Neil Young's Film Lounge bemängelte 2001, dass sich Film zwar seriös gebe, aber ungewollt an die Grenzen der Parodie reiche. Beispielsweise führt der Professor bei der Messe der Parapsychologen an: „Telepathie ist verbreitet unter den ‚Schmetterlingen, Termiten und Zebras“. Trotz unfreiwilliger Komik falle es schwer, wenn man gerade einen Kopf an einer Tischplatte zerschmettert gesehen habe.

Filmkritiker Ed Gonzalez sprach 2001 von einem selbstreferentiellenvgl. Smuts (s. Weblinks). Film, der dem Zuschauer regelmäßig zuwinke. Der Killer scheine immerzu überall zu sein und Argento verdächtige immer jeden. Er interpretiert das Werk auch als Merkmal des Geschlechterkampfs. 2005 lobte er den Film im Slant Magazine als zweitbesten Horrorfilm des Jahres 1975.