Cronheim ist ein Gemeindeteil der Stadt Gunzenhausen im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Bayern. Die Gemarkung Cronheim hat eine Fläche von 7,667 km². Sie ist in 921 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 8324,83 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Filchenhard.
Geografie und Verkehr Das Pfarrdorf Cronheim liegt im Westen des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen im Fränkischen Seenland, etwa sieben Kilometer westlich von Gunzenhausen. Nördlich grenzt der Cronheimer Wald an, durch den teilweise der Deutsche Limes-Radweg führt. Im Westen verläuft die Grenze zum Landkreis Ansbach. Nördlich des Ortes verläuft die Staatsstraße 2219. Durch den Ort fließt der Kröttenbach.
Die Staatsstraße 2219 (Deutsche Limes-Straße) führt nach Unterschwaningen bzw. nach Unterwurmbach, die Kreisstraße WUG 25/AN 60 nach Stetten bzw. nach Großlellenfeld. Gemeindeverbindungsstraßen verlaufen nach Laufenbürg und nach Filchenhard.
Cronheim hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Pleinfeld-Nördlingen (Teil der alten Linienführung der historischen Ludwig-Nord-Süd-Bahn). Der zuvor im Personenverkehr stillgelegte Streckenabschnitt Gunzenhausen-Nördlingen wurde im Dezember 2024 bis Wassertrüdingen reaktiviert, Cronheim wird stündlich bedient.
Ortswappen Blasonierung: „In Rot zwei voneinander abgewendete goldene Büffelhörner“, die auch als Hifthörner angesehen werden können. Das Wappen ist dem Ritterwappen der Herren von Cronheim entliehen.Heimatbuch der Stadt Gunzenhausen. Gunzenhausen 1982, S. .
Geschichte Vorgeschichte Die Gegend um Cronheim war bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit bewohnt. Davon zeugen eine Schanze im Norden der Gemarkung und zwei Grabhügel, die bislang nicht erforscht sind. An den Obergermanisch-Raetischen Limes angrenzend kreuzten sich im 2. Jahrhundert im Ort zwei römische Militärstraßen.
Frühmittelalter bis Hochmittelalter mini|Wappenstein der „alten Burg“ Cronheim mini|hochkant|Teile der alten Umfassungsmauer. Im Hintergrund die Kirche Maria Magdalena Gebietsstrukturreformen, gefördert durch die Kirchenpolitik Karls des Großen, bescherten dem Kloster Heidenheim, das im Gebiet um Cronheim etwa 400 Meter südlich vom heutigen Schloss Cronheim einen Meierhof unterhielt, die geistliche Vorherrschaft. Nach Degener geht der Ortsname in der Form Craigenheim (1272) auf Cracho oder Crajo (Krähe) zurück.Jahrbuch für fränkische Landesforschung. Degener, 1953, Bände 13–14, S. 28. Mone hingegen erkennt einen keltischen Ursprung des Ortsnamens, hergeleitet von crah, cray – Dorf des crechel als germanisiertes Diminutiv – kleines Dorf.Franz Joseph Mone: Celtische Forschungen zur Geschichte Mitteleuropas, Freiburg im Breisgau, 1857, S. 59 Er bezieht sich dabei auf die Form von Chregehen (um 1140). Cronheim war Teil des Sualafeldgaus, der wohl bereits von den Alamannen gegründet worden war, bevor er unter fränkische Hoheit gelangte. Weltlicher Herrscher des Gaus war um diese Zeit Graf Hermoin, dem 802 Graf Erlvin folgte. Eine Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs an Bischof Gebhard von Eichstätt vom 17. Mai 1053 beschreibt ein Gebiet, welches zwar Cronheim nicht beinhaltet, jedoch dessen Nachbardorf Swiningen (Schwaningen). Schwaningen zählte dabei zum Sualafeldgau des Gaugrafen Chuno (aus dem Hause Lechsgemünd).Jahresbericht des Historischen Vereins im Rezat-Kreis, Band 6, S. 29
Im Mittelalter gab es in Cronheim ein freies, reichsunmittelbares Rittergut. Dazu gehörten sämtliche Rechte der Dorfherrschaft nebst der niederen Gerichtsbarkeit.Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Roth-Schwabach: Mikrokosmos Cronheim: ein Dorf, drei Religionen. 2000, S. 38. Es ist sicher, dass die Adelsherrschaft Cronheim auch halsgerichtliche Rechte besaß. Der Gerichtshof befand sich offenbar beim Amtsknechthaus, wie aus einem Schreiben um 1907 hervorgeht; darin steht: „Ausserhalb des Hofes“, gemeint ist dabei der Hof des Pfarrhauses, „befindet sich ein anderer Brunnen, im ehemaligen Gerichtshof.“ Dies bezieht sich auf den Brunnen des Amtsknechtshauses (altes Schulhaus), das südlich des Pfarrhauses stand.Karl Ried: Cronheim, ein ehemaliger Adelssitz, Eichstätt 1934, S. 371 Ein Wappenstein der Herren von Kronheim, der im Innenhof des Schlosses Cronheim eingemauert ist, zeigt vier senkrechte Striche, die zumeist in älteren Schriften als Jahreszahl „1111“ gelesen wurden. Zutreffenderweise wäre dies der älteste schriftliche Beleg der Verwendung arabischer Ziffern in Deutschland. Heute wird deshalb eher davon ausgegangen, dass es sich dabei schlicht um eingemeißelte Kerben ohne weitere Bedeutung und nicht um eine Jahreszahl handelt.Karl Ried: Cronheim ein ehemaliger Adelssitz, Eichstätt 1934 Als Erbauer der ersten Burg in Cronheim wird „Burchardus de Chregehen“, der um 1140 als Zeuge einer Schenkung des Wolftrigel und Diemo von Fronhofen, die im 'Schenkungsbuch' Propstei BerchtesgadenAntiquitates Nordgavienses oder Nordgauische Alterthümer und Merkwürdigkeiten, Band 2, S. 427. Schenkungsbuch online auftrittBayerische Akademie der Wissenschaften: Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte, Band 1, München 1856, angenommen. Er hatte wohl vom König die Erlaubnis erhalten, in Cronheim ein befestigtes Allodium zu errichten. Als Baujahr werden unterschiedliche Angaben von 1110,Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 2, S. 366. 1111 bis 1140 gemacht.Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Roth-Schwabach: Mikrokosmos Cronheim: ein Dorf, drei Religionen. 2000 Wohl Burchhards Söhne, Marcward und dessen Bruder Adilbert von Craginhei, unterwarfen sich angeblich um 1160 einem Schiedsurteil des Grafen Ludwig von Oettingen zu Gunsten des Klosters AuhausenMikrokosmos Cronheim: ein Dorf, drei Religionen, Seite 22. Neueste Untersuchungen legen jedoch nahe, dass diese Urkunde erst um 1228 ausgestellt worden ist.Markus Schäfer: „Wer waren Marquard und Adilbert von Cronheim“, 2018, auf „Gertrud von Kreinheim“ (Cronheim), wohl eine Tochter Burchards, wurde zur Zeit, als Herrad von Landsberg (* zwischen 1125 und 1130; † 25. Juli 1195) Äbtissin des Klosters Hohenburg auf dem Odilienberg war, als Ordensschwester genannt.Dionys Albrecht: History von Hohenberg oder St Odilien Berg, Strassburg 1751, S. 318 In Folge der staufischen Reichspolitik wurde angeblich um 1180 die Pfarrkirche St. Maria Magdalena gegründet.
Spätmittelalter hochkant|mini|Wappen der Herren von Kronheim Am 1. April 1263 bezeugte Ritter (milites) V̊ollandus de Creinhein eine Schenkung des gräflich oettingischen Schenks Rabeno von Ehringen an das Kloster Auhausen mit Einwilligung des Grafen Ludwig von Oettingen.Württembergisches Urkundenbuch, Band VI., Nr. 1708, Seite 110–111. 1271 erschien erneut Uhland von Cronheim („Volnand von Kregenheim“) als Zeuge bei Verkäufen des Klosters Auhausen von Gütern in Dürrenzimmern an das Kloster Zimmern.Historologia Oettingana, Wallerstein, Band 4, 1774, S. 339. Ihm folgte in einer Urkunde vom 9. Juni 1272 ein „Ludwig von Craigenheim“ (Cronheim). Dieser tauschte mit Bischof Hildebrand von Eichstätt die beiden Pfarrkirchen St. Peter und St. Walburg in der Gemeinde Stetten gegen Güter in „Norsteten“.H. Schlund: Stetten. Ein Dorf zwischen Altmühl und Hahnenkamm. Hrsg. Obst- u. Gartenbauverein Stetten-Maicha, von 1983. Rossmeissl erkennt in Ritter Wolframus de Creigenheim, der 1285 als Zeuge einer Urkunde erschien, den Letzten des Geschlechts im Mannesstamm.Mikrokosmos Cronheim: ein Dorf, drei Religionen – Seite 25 Ob der am 8. August 1335 bezeugte Edelknecht „Heinrich von Kreinheim“ (Cronheim), der die Auslösung des Dorfes Schrappach vom Abt und Konvent des Klosters Ebrach durch Hermann Irrer beurkundete, noch dazu gezählt werden darf, ist nicht weiter erforscht.Urkunde Signatur BU 2194, Staatsarchiv Würzburg Johann von Absberg († 1356) stiftete 1300 einen Jahrtag in der Kirche zu Cronheim. Er war mit einer von Cronheim verheiratet. miniatur|Eppelein von Gailingen Hans von Cronheim wird als Helfer des am 15. Mai 1381 hingerichteten Raubritters Eppelein von Gailingen,Historische Nachricht von dem Ursprunge und Wachsthum des Heil. Röm. Reichsfreier Stadt Nürnberg. S. 173, Frankfurt und Leipzig, 1752. der bei Wald sein Versteck hatte, genannt.Christian Wilhelm Schirmer: Geschichte des Rittersitzes und Pfarrdorfes Illesheim, königl. Landgerichtes Windsheim, Nürnberg 1842, S. 18 (Hans von Kräenheim) In den Prozessakten über Eppelein von Gailingen ist vermerkt, dass dieser zusammen mit seinem Schwiegersohn Hermann von Bernheim und dessen Bruder Dietrich zeitweise bei Hans von Cronheim beziehungsweise dem Ortspfarrer von Cronheim, einem Vetter der Bernheimer, Unterschlupf fand. Die Geschichte von Eppelein von Gailingen wurde 2008 unter dem Titel Ekklins Knecht verfilmt.Ekkelins Knecht, Drehbuch: Peter Klewitz; Regie: Reinhard Kungel; Kamera: Nico Michel; Schnitt: Eberhard Nuffer; Laufzeit: 110 Minuten Hans von Cronheim, gespielt von Klaus Jugl, wird darin als Verräter des Eppelein dargestellt, was den wirklichen Geschichtsverlauf wohl nicht korrekt wiedergibt.
1383 verkaufte Hans von Cronheim seine Güter zu Streitdorf/Streudorf, Mörsach und Höhenberg an das Stift Herrieden; zwei Jahre später bestätigte der Eichstätter Bischof Friedrich IV. Graf von Oettingen dem Stift diesen Besitz. 1399 verbürgte sich Hans von Cronheim, zusammen mit Ritter Erhard von Markhüngen(?), Konrad und Craft von Lentersheim (Gefolgsmann des Nürnberger Burggrafen Friedrich VI.) und einem „Wüzichen von Mittlburg“ (Middelburg (Röckingen), für den Kaufvertrag des Klosters Herrieden über die Vogtei Crailsheim.Bayerische Annalen. Blatt für Vaterlandskunde, Zweyter Jahrgang 1834. Erste Hälfte, S. 1034 Die konfliktreiche Zeit und das Aufkommen von Feuerwaffen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts veranlassten Hans von Cronheim, den Rossmeissl mit dem 1375 urkundlich in Erscheinung getretenen Hanns Ammon von Lephenburg gleichsetzt, einen wehrhafteren Gebäudekomplex zu schaffen. Zu diesem Zweck erweiterte er die Ringmauerern des bereits befestigten Allodiums, das von nun an als Vorburg gegen Osten diente. Die alte Burg diente inzwischen überwiegend als Pfarrhaus, das an das Bistum Eichstätt vermietet wurde. Die dazugehörende Zehntscheuer wurde wohl im Zusammenhang mit dem Ausbau der Vorburg errichtet. Diese wurde sowohl vom Ortsadel als auch von der Kirche genutzt. Der Wohnturm wurde mehrfach um- und ausgebaut und eigentlicher Sitz der Ortsherrschaft. Die vergrößerte Anlage wurde 1397 auf ihre Wehrfähigkeit geprüft. Bei einem Konflikt mit seinen Verwandten Heinrich und Hartung von Wiesenthau wurde die mit Korn gefüllte Zehntscheuer niedergebrannt. Der Wohnturm des Schlosses und das Herrenhaus des befestigten Allodiums scheinen zunächst verschont geblieben zu sein. Wie es scheint, gelang es dem Wiesenthauer, sich auch das Schloss Cronheim anzueignen, was aus einer Urfehde aus dem Jahr 1403 hervorgeht. Das Raubrittertum der Wiesenthauer blieb nicht ohne Folgen. 1403 zog der Nürnberger Burggraf Johann III. gegen ihn aus und brannte das Schloss Cronheim nieder. Warum Hans von Cronheim seine Burg an Heinrich von Wiesenthau verlor, ist nicht bekannt. 1408 saß er jedoch wieder auf Cronheim, vermutlich zunächst im Herrenhaus des Allodiums, bis der Wohnturm wieder im bescheidenen Maß aufgebaut worden war. Zu dieser Zeit ist auch eine vom Bistum betriebene Ziegelei in Cronheim erwähnt.Mikrokosmos Cronheim: ein Dorf, drei Religionen – Seite 35