thumb|Manuela Henkel gewann den nicht zum Weltcup gehörenden Nachtsprint Der vierte Ort, in dem Rennen des Skilanglauf-Weltcups 2005/06 ausgetragen wurden, war das kanadische Vernon, wo der Weltcup am 10./11. Dezember 2005 gastierte. Dort triumphierten in vier Wettkämpfen zweimal Norwegen, einmal Deutschland und einmal Kanada.
Vorfeld Im Mai 2004 wurde angekündigt, dass die beiden kanadischen Städte Vernon sowie Canmore in der olympischen Saison die ersten kanadischen Skilanglauf-Weltcups seit mehr als zehn Jahren austragen werden. Für die Mittelstadt Vernon war dies der erste und bisher auch einzige Weltcup überhaupt; zuvor hatte nur das umliegende Skigebiet Silver Star in der Saison 1991/92 Rennen der höchsten Wettkampfklasse ausgetragen. Die insgesamt etwa 50 Kilometer langen gespurten Loipen lagen circa 1700 Meter über dem Meeresspiegel und somit auf gleicher Höhe wie die olympischen Strecken von Pragelato bei Turin. Diesen Umstand nutzten einige Teams, um in Kanada ein Trainingslager mit den Weltcups zu verbinden. Da ein weltcupfreies Wochenende zwischen Kuusamo und Vernon lag, reisten viele Nationen schon sehr frühzeitig zu den Wettkämpfen an, Norwegen etwa schon fast zwei Wochen vor den Rennen; auch die schwedischen und deutschen Sportler flogen acht Tage vor dem ersten Wettbewerb nach Kanada. Die finnische Mannschaft verzichtete dagegen ganz auf die Reise, nur einige Sprinter nahmen auf eigene Kosten an den Wettkämpfen teil. Am 7. Dezember gewannen Manuela Henkel sowie Björn Lind einen nicht zum Weltcup gehörenden Nachtsprint im Skigebiet Silver Star, der als Vorbereitung für den Weltcupsprint betrachtet wurde.
Im Frühjahr 2005 hatte die FIS eine sprintspezifische Regeländerung beschlossen, die beim Sprint von Vernon erstmals zum Einsatz kam. Von nun an qualifizierten sich nicht nur die besten 16 Athleten des Prologes für das Viertelfinale, sondern die besten 30. Dies zog auch eine weitere Änderung des Sprintreglements nach sich; zum ersten Mal liefen im Viertelfinale sechs statt zuvor vier Läufer gegeneinander. Der norwegische Sprinttrainer Ulf Morten Aune befürchtete, dass es besonders in den Freistilsprints eng werden könnte, wenn nur zwei von sechs Athleten ins Halbfinalen kämen.
Programm Zeitplan Das erste offene Training fand am Mittwoch vor den Wettkämpfen statt, insgesamt standen den Athleten an vier Tagen 32 Stunden Trainingszeit zur Verfügung, davon jedoch nur etwa die Hälfte auf den Wettkampfstrecken. Freitag und Samstag trafen sich immer um 17 Uhr die Mannschaftsführer zu einer Sitzung. auf fis-ski.com.
Alle Zeiten Ortszeit (9 Stunden hinter MEZ)
9. Dezember, 14:00 Uhr–15:00 Uhr: Testwettkampf 10. Dezember, 11:00 Uhr–12:30 Uhr: Verfolgung der Männer (2 × 15 Kilometer), Massenstart 10. Dezember, 13:30 Uhr–14:15 Uhr: Verfolgung der Frauen (2 × 7,5 Kilometer), Massenstart 11. Dezember, 11:00 Uhr: Sprint-Qualifikation Frauen und Männer (1,1 Kilometer/1,3 Kilometer), freie Technik, Intervallstart (30 Sekunden) 11. Dezember, 13:00 Uhr: Sprint-Finalrunden Frauen und Männer (1,3 Kilometer), freie Technik, Massenstart 11. Dezember, 18:00 Uhr: Bankett
Rahmenprogramm In den Wochen vor den Weltcuprennen bemühte sich die Stadt Vernon, Skilanglauf auch bei den Schülern zu popularisieren, indem sie zwei Schulprogramme ins Leben rief, die den Schülern die Sportart näher bringen sollten. Zum einen handelte es sich dabei um The World Cup Challenge Passport, bei dem Kinder aus sieben Schulen Aufgaben zu dem Ereignis lösen konnten; zum anderen gab es ein Adopt-a-Nation-Programm, das Schulklassen aufforderte, sich besonders für eine selbst ausgewählte Mannschaft zu interessieren und dieser beispielsweise beim Training zuzuschauen. Die Tourismus- und Sportministerin Olga Ilich lobte die Programme als „großartigen Weg, um Schüler in den Geist des Weltcups einzuführen.“ Im Solvereign Lake Nordic Centre fand am Samstag parallel zu den Wettkämpfen zwischen 9:30 Uhr und 15 Uhr ein Rotary Festival in einem Zelt statt, bei dem unter anderem der englisch-kanadische Lobpreismusiker Graham Ord auftrat. Zudem konnte an den beiden Renntagen im Rotary-Festival-Zelt gegessen werden, morgens wurde beispielsweise ein Pfannkuchenfrühstück serviert. Im Biathlonbereich des Nordic Centres gab es am Wochenende ein Canadian Brain Drain für Kinder. Nach den Wettbewerben fanden am Sonntag noch eine Grill- und Tanzparty für die freiwilligen Helfer sowie ein Athletenfest statt, bei dem die Medaillen und Aufzeichnungen für die jeweils zehn besten Sportler vergeben wurden. Letzteres war jedoch nur für Eingeladene zugänglich.
Rennverlauf Männer thumb|Deutscher Fünffachsieg in der Verfolgung, angeführt von Tobias Angerer, der zwischenzeitlich auch neuer Gesamtweltcupführender wurde Da ganze Teams nicht nach Kanada reisten, so etwa die Finnen um Sami Jauhojärvi oder die Esten um Andrus Veerpalu, fielen schon einige der favorisierten Athleten aus. Daneben gab es aber auch einige Einzelsportler, die nicht an den Wettkämpfen von Vernon teilnahmen, weil sie nicht nominiert wurden oder krank waren wie beispielsweise der Russe Wassili Rotschew oder Jörgen Brink aus Schweden. In die deutsche Mannschaft kehrte dagegen Jens Filbrich zurück, nachdem seine Schutzsperre von Kuusamo abgelaufen war und eine zweite Dopingprobe negativ blieb. Insgesamt starteten 66 Sportler in der Verfolgung – davon kamen 60 ins Ziel – und 62 im Sprint. Es gab jedoch viele Läufer, die nur in einem der beiden Rennen starteten, um in diesem größere Chancen zu haben. Dazu zählte zum Beispiel der Gesamtweltcupführende Tor Arne Hetland, der die Verfolgung ausließ oder der Franzose Vincent Vittoz, der auf den Sprint verzichtete. Das größte Aufgebot stellte Gastgeber Kanada mit acht beziehungsweise elf Athleten, die jedoch größtenteils chancenlos blieben.
Nach dem Ausfall Tor Arne Hetlands bot sich zwei Athleten die Gelegenheit, die Führung im Gesamtweltcup zu übernehmen. Neben Hetlands Landsmann Jens Arne Svartedal war dies auch der Deutsche Tobias Angerer. Die Verfolgung selbst verlief auf den ersten 15 Kilometern, die in der klassischen Technik gelaufen wurden, ohne Vorentscheidung. Beim Wechsel der Skier lagen nahezu alle Favoriten innerhalb von sieben Sekunden beisammen, es führte Svartedal, der so das virtuelle gelbe Trikot trug. Lediglich der US-Amerikaner Carl Swenson, der in den Distanzwettkämpfen von Kuusamo zweimal eine starke Leistung gezeigt hatte, musste frühzeitig aufgeben; außerdem war Skating-Spezialist Tore Ruud Hofstad weit zurückgefallen und hatte als 57. fast vier Minuten Rückstand auf seinen führenden Landsmann. Die schnellste Wechselzeit mit 28,9 Sekunden hatte Iwan Alypow aus Russland, der so auf Svartedal fast sechs Sekunden gutmachte. Auch auf den vier Freistilrunden kam keine entscheidende Attacke, sodass einige bereits zurückgefallene Athleten wieder aufschließen konnten. Dies galt beispielsweise für den Italiener Giorgio Di Centa – er lief die schnellste Zeit auf den letzten 15 Kilometern – oder den Tschechen Jiří Magál, deren Stärken in der freien Technik lagen. Zwar versuchten Vincent Vittoz und der Italiener Pietro Piller Cottrer noch einmal, sich abzusetzen, doch auch sie wurden wieder eingeholt. Bei Kilometer 23, also etwa zur Hälfte der Skating-Distanz, war Angerer in einen Sturz mit Frode Estil verwickelt und fiel so um einige Ränge auf den 25. Platz zurück. Doch der Deutsche konnte sich auf den letzten Kilometern wieder nach vorne laufen und lag anderthalb Kilometer vor dem Ziel etwa auf Position acht. Schließlich sprintete die führende Zwanzigergruppe um den Sieg, dabei setzte sich Tobias Angerer etwas ab und gewann mit einer guten Sekunde Vorsprung. Dahinter komplettierten die weiteren deutschen Starter Axel Teichmann, Andreas Schlütter, Jens Filbrich sowie René Sommerfeldt den ersten deutschen Fünffachsieg im Skilanglauf-Weltcup, bei dem die besten fünfzehn Sportler alle innerhalb von zehn Sekunden ins Ziel kamen. Die Taktik war dabei, dass Angerer und Teichmann um den Sieg sprinten sollten und die anderen drei Deutschen das Feld „abschirmten“. Nach dem Rennen zeigte sich Angerer besonders mit den Skating-Skiern zufrieden, im Klassikteil hätte er Probleme mit den Skiern bei den Abfahrten gehabt, am Feld dranzubleiben. Im Kampf um den Gesamtweltcup triumphierte Angerer außerdem; da Svartedal als 19. nur wenige Punkte sammelte, ging der Deutsche mit 61 Punkten Vorsprung auf Tor Arne Hetland in den Sprint. Mit dem gelben Trikot, so Angerer nach dem Wettkampf, sei für ihn „ein Traum in Erfüllung“ gegangen.
thumb|Tor Arne Hetland gewann den Sprint und übernahm sowohl im Gesamt- als auch im Sprintweltcup die Führung Auf den Sprint verzichteten einige Distanzläufer wie Vincent Vittoz, dafür nahmen fast alle Athleten aus der Sprintweltklasse teil. Da zum ersten Mal die neue Regelung eingesetzt wurde, dass sich 30 Athleten für den Sprint qualifizieren, gab es im Prolog kaum Favoritenausfälle. Keiner der neun Norweger und nur einer der sechs Schweden, Anders Högberg, verpasste den Sprung ins Viertelfinale; dafür fielen acht der elf angetretenen Kanadier aus. Tobias Angerer wahrte die Chance, die Spitze im Gesamtweltcup zu verteidigen, indem er 15. wurde, seine Teamkollegen Axel Teichmann und Benjamin Seifert scheiterten jedoch an der Qualifikationshürde. Während die beiden Schweizer Sprinter Christoph Eigenmann sowie Peter von Allmen als 27. und 29. knapp weiterkamen, schieden die zwei Österreicher Martin Stockinger und Thomas Stöggl aus. Der Sieger des Sprints von Düsseldorf, Peter Larsson aus Schweden, profitierte von der neuen Regel – als Siebzehnter hätte er in der Vorsaison die nächste Runde verpasst. Sein Teamkollege Björn Lind gewann dagegen den Prolog vor zwei Norwegern.Men 1.3 km Sprint F Results – Qualification In jedem der fünf Viertelfinals kamen jeweils nur zwei der sechs Athleten weiter, sodass nun viele Läufer ausscheiden mussten. Neben den norwegischen Sprintern Johan Kjølstad und John Kristian Dahl betraf dies auch die Gesamtweltcupaspiranten Jens Arne Svartedal und Tobias Angerer, wobei der Deutsche die Halbfinals als Dritter in seinem Lauf nur knapp verpasste und schließlich Rang 13 belegte. Auch der Schweizer von Allmen schied aus, sein Teamkollege Eigenmann schaffte dafür die Qualifikation für die Vorschlussrunde – als einziger Athlet, der nicht aus Norwegen oder Schweden kam; diese beiden Nationen stellten neun der zehn Halbfinalstarter. In den beiden Halbfinals à fünf Athleten qualifizierten sich immer die ersten beiden für das A-Finale und die dritt- sowie viertklassierten Sportler für das B-Finale. Eigenmann kam so noch ins B-Finale, wurde dort Siebter und erfüllte so bereits die Olympianorm. Peter Larsson erreichte zwar immerhin den guten achten Rang, verlor aber dennoch die Führung in der Sprintwertung. Die Entscheidung um den Sieg fiel schließlich im A-Finale zwischen zwei Schweden (Björn Lind und Mikael Östberg) sowie zwei Norwegern (Tor Arne Hetland und Ola Vigen Hattestad). Es setzte sich schließlich Hetland durch, der den lange führenden Björn Lind kurz vor dem Ziel abfing und mit den hundert Punkten sowohl in Sprint- als auch Gesamtweltcup die Spitze übernahm. Lind konnte sich Rang zwei sichern und damit seinen bisher besten Platz belegen, dahinter reihten sich Hattestad und Östberg ein. Nach dem Wettkampf meinte der norwegische Sieger: „Herrlich! Ich hatte einen perfekten Lauf. Das war der perfekte Plan.“