Unter den literarischen Wettbewerben in Rheinland-Pfalz gab es bis 2011 vier pfälzische Mundartwettbewerbe, die regelmäßig ausgetragen wurden. Den Anfang machte 1953 der Pfälzische Mundartdichterwettstreit in Bockenheim an der Weinstraße. Später hinzu kamen der Mundartdichter-Wettstreit Gonbach (Gonbach, 1984), der Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe (Dannstadt-Schauernheim, 1988) und der Sickinger Mundartdichter-Wettstreit (Verbandsgemeinde Wallhalben, 1991). Der Gonbacher Wettbewerb fand 2011 letztmals statt, so dass nur drei Konkurrenzen übrig blieben.
Alle vier Wettbewerbe beschäftigen sich mit den pfälzischen Dialekten und werden für Pfälzer Mundartdichter angeboten. Die jeweiligen Juroren sind unabhängige Fachleute, beispielsweise Dialektologen, Germanisten oder Pädagogen mit entsprechenden Fächern. Ihre bei der Prämierung von Bewerbertexten gefundenen Ergebnisse gelten als richtungweisend, wenn es um die Geschichte, den aktuellen Gebrauch und die Zukunft der regionalen Mundart sowie um die Entwicklung der Mundartdichtung geht.
Charakterisierung Keiner der pfälzischen Mundartwettbewerbe macht thematische Vorgaben. Sie sind offen für solche Mundartdichter, die Pfälzer Mundart schreiben und sprechen können. Die Teilnehmer müssen nicht in der Pfalz geboren sein; üblicherweise bewerben sich auch Dichter aus anderen deutschen Gegenden oder aus Übersee. Hierzu zählt beispielsweise der US-Staat Pennsylvania, wo ein pfälzischer Auswandererdialekt, das Pennsylvania Dutch, überdauert hat.
Die Wettbewerbe unterscheiden sich beispielsweise bei Wettbewerbssparten, bei Anforderungen an die Form der Beiträge und bei Beurteilungskriterien.
Pfälzischer Mundartdichterwettstreit Der Pfälzische Mundartdichterwettstreit in Bockenheim an der Weinstraße verfügt über einen eigenen Artikel:
Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe Überblick mini|Hauptstraße 139, die Alte Schule mini|Dannstadter Höhe 2018 Der Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe wird jährlich durch die vorderpfälzische Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim und die Volkshochschule des Rhein-Pfalz-Kreises gemeinsam ausgeschrieben. Regelmäßig wird die Endrunde im Mai in der Teilgemeinde Dannstadt ausgetragen, wo in der Hauptstr. 139 das Kulturhaus Zentrum Alte Schule zur Verfügung steht, dessen Hauptgebäude, das ehemalige Schulhaus, als Baudenkmal eingestuft ist. Im Zusammenhang mit einem Vereinsjubiläum fand der 25. Wettbewerb ausnahmsweise in der wenige Kilometer entfernten verbandsangehörigen Gemeinde Rödersheim-Gronau statt.
Geschichte Der Name des drittältesten pfälzischen Wettbewerbs ist von der Dannstadter Höhe abgeleitet, die für ihre vom Gemüseanbau bestimmte Landwirtschaft bekannt ist. Die Höhe heißt ihrerseits nach dem ursprünglich größeren Ort der heutigen Doppelgemeinde Dannstadt-Schauernheim; der Ausdruck Höhe ist zu relativieren, die geologische Aufschüttungsterrasse liegt tatsächlich nur wenige Meter über dem Höhenniveau der umgebenden Rheinebene.
1988 wurde der Mundart-Wettbewerb Dannstadter Höhe ins Leben gerufen und findet seitdem jährlich statt. Vorangegangen war ein überaus erfolgreicher Mundart-Wettbewerb anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Männergesangvereins „Frohsinn Rödersheim“ im Jahr 1987. In den ersten Jahren war der Termin an das größte Volksfest von Dannstadt-Schauernheim, das Radieselfest, gekoppelt; 1991 wurde der Mundartwettbewerb auf ein von diesem Fest getrenntes Datum gelegt. Besonderen Einsatz bei der Einrichtung des Wettbewerbs zeigte Meinolf Schmid, der damalige Direktor der Kreisvolkshochschule, der von Beginn an und auch in seinem Ruhestand der Jury angehört; 1997 wurde er mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz geehrt. Nikolaus Hofen, der von 1988 bis 2018 den Juryvorsitz innehatte, erhielt anlässlich der 20. Austragung 2007 die Verdienstmedaille des Landes.
Seit Beginn an müssen die Teilnehmer des Mundartwettbewerbs einen Bezug zur Pfalz haben und sich der Region zwischen Rhein und Haardtgebirge verbunden fühlen, dort wohnen müssen sie jedoch nicht. Inzwischen kommen die Preisträger aus dem gesamten Raum zwischen Neckar und Saar, Bien- und Odenwald.
2024 und 2025 pausierte der Wettbewerb. Auch 2026 fand die Veranstaltung nicht statt. Sie muss damit als eingestellt gelten.
Vorrunde Der Mundart-Wettbewerb Dannstadter Höhe findet jährlich statt. In zwei Kategorien können die Teilnehmer ihre Beiträge schriftlich einreichen: Dichtung in Mundart (1988 bis 2017 unter dem Begriff „Lyrik in Mundart“) und Prosa in Mundart (seit 1989). Einsendeschluss ist jeweils der 1. April eines Jahres. Jeder Teilnehmer darf maximal zwei Beiträge pro Kategorie einreichen. Aus den eingereichten Beiträgen wählt eine unabhängige Jury von Mundart-Experten die besten Gedichte und Prosatexte aus. Bei der Bewertung achtet die Jury insbesondere auf den Inhalt, Dialekt und die Klarheit des Beitrags. Die Autoren der ausgewählten Beiträge sind alle Preisträger. Wer den Wettbewerb gewinnt, hängt vom Auftritt der Autoren beim Finale ab.
Finale Geht ein Autor als Preisträger aus der Vorrunde hervor, so muss er seinen Beitrag persönlich beim öffentlichen Finale der Jury vortragen. Das Finale findet jedes Jahr im Mai im Zentrum Alte Schule im Ortsteil Dannstadt statt. Um den Pfälzer Dialekt als gesprochenen Dialekt lebendig zu halten, kommt dem mündlichen Vortrag seit 2018 noch mehr Bedeutung zu. Das Ergebnis des Vortrags fließt zu einem Viertel in das Endergebnis mit ein. Wesentlicher Bestandteil des Finales sind die Vorträge der Preisträger und die anschließende Preisverleihung. Darüber hinaus gibt es traditionell ein festliches musikalisches Rahmenprogramm mit Bezug zur Mundart. Anlässlich des Ortsjubiläums 1250 Jahre Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim in den Jahren 2017 und 2018 wurde beim Mundart-Wettbewerb Dannstadter Höhe 2018 ein kurzes Theaterstück in Pfälzer Mundart aufgeführt, das eine alte Dorfsage aus Dannstadt in Szene gesetzt hat.
Haupt- und Sonderpreise Anfangs waren nur Gedichte zugelassen, doch bereits im zweiten Jahr wurde neben dem Preis für Lyrik auch ein Prosa-Preis ausgelobt. Noch ein Jahr später (1990) kam der Sonderpreis des Kultur- und Heimatkreises Dannstadter Höhe hinzu. Dieser Sonderpreis würdigt den Teilnehmer, dessen Mundart-Beitrag Kultur, Leben, Tradition oder Brauchtum der Pfalz als Region in besonderer Weise widerspiegelt. 1993 und 1994 gab es einen Sonderpreis des damals in Speyer ansässigen cjm-Verlags. Ein einziges Mal wurde 1996 ein Preis für Kindergedichte ausgeschrieben. Zum 11. Wettbewerb 1998 wurde der bis dahin vorgeschriebene Endreim für Gedichte aufgehoben. In den Jahren 2001 bis 2009 wurde beim Dannstadter Wettbewerb auch ein Preis für eine „szenische Darstellung“ vergeben. Außerdem wird inzwischen auch ein Publikumspreis vergeben. Die jeweils ersten drei Plätze sind mit Geldpreisen dotiert, ab dem vierten Platz gibt es Sachpreise. Der Kultur- und Heimatkreis Dannstadter Höhe vergibt ab 2020 den Pälzer Gutsel-Orden. Dieser Preis wird einer Person zuerkannt, die sich aktuell in herausragender Weise für die Pfälzer Mundart einsetzt bzw. lange Zeit eingesetzt hat.
Jury mini|Jurysprecher Michael Landgraf
Die Entscheidung über das Wettbewerbsergebnis fällt eine Jury, die ehrenamtlich und unabhängig tätig ist. Sie setzt sich aus Fachleuten zusammen, von denen einige schon seit der Anfangszeit des Wettbewerbs amtieren, mancher sogar selbst mehrfach ausgezeichneter Mundartdichter ist.
Jurymitglieder sind bzw. waren
seit 1988: Josef Schwing (Neuhofen), Sprachwissenschaftler und Dialektologe seit 2007: Norbert Stuck (Haßloch), Lehrer, Experte für Laienspiel seit 2016: Ralf Frohnhäuser (Rödersheim-Gronau), Lehrer seit 2016: Michael Landgraf (Neustadt an der Weinstraße), Dozent und Schriftsteller, seit 2018 Jury-Sprecher seit 2020: Juliane Kerzel-Kohn (Freinsheim), Leitung Volkshochschule Rhein-Pfalz-Kreis seit 2021: David Emling (Bellheim), Autor seit 2022: Uli Valnion (Mutterstadt), Musiker, Sänger, Liedermacher seit 2023: Harald Schneider (Schifferstadt), Schriftsteller 1988–2021: Nikolaus Hofen (Rödersheim-Gronau), Germanist, Akademischer Direktor am Institut für Germanistik der Universität Koblenz-Landau i. R., Mundartautor, Jurysprecher 1988–2018 1988–2006: Karl-Jörg Walter † (Neustadt-Geinsheim), Lehrer, Mundartautor 1988–2013: Hedy Heller (Dannstadt-Schauernheim), Kultur- und Heimatkreis Dannstadter Höhe 1988–2014: Meinolf Schmid (Dudenhofen), Volkshochschuldirektor i. R. 1989–2020: Bruno Hain † (Böhl-Iggelheim), Sprachwissenschaftler und Dialektologe, Mundartautor 1995–2013: Anneliese Thürwächter (Billigheim), Lehrerin i. R., Mundartautorin 2010–2018: Joachim Roßhirt (Speyer), Buchhändler 2018–2020: Martina Gemmar (Steinweiler), Diplom-Pädagogin und Autorin 2021–2022: Renate Flesch (Stelzenberg), Diplombibliothekarin
Seit 2018 unterstützen die jeweiligen Sieger des Vorjahres die Jury während des aktuellen Mundart-Wettbewerbs.
Austragung Die eingereichten Beiträge verteilen sich auf zwei literarische Sparten: Lyrik (seit 1988; seit 1998 auch Gedichte ohne Endreim) und Prosa (seit 1989). Von 2001 bis 2009 war auch die Sparte szenische Darstellung ausgeschrieben. Sie wurde so verhalten und manchmal qualitativ unzureichend umgesetzt, dass sie nach neun Jahren wieder aus dem Angebot genommen wurde. 2022 wurde erstmals die Sonderkategorie Lied ausgeschrieben.
Jeder Bewerber kann pro Kategorie bis zu zwei Beiträge einreichen, aber nur einmal pro Wettbewerb mit einem Preis ausgezeichnet werden. Erstmals bei der 22. Austragung (2009) wurde in der Vorauswahl sowohl das Gedicht als auch der Prosatext eines Teilnehmers für preiswürdig erachtet; der Bewerber Albert H. Keil trat schließlich in der Kategorie Lyrik an, in der er den dritten Rang erreichte.
Die Jury trifft nach einem Punktesystem eine Vorauswahl für die Endrunde. Ausgezeichnet werden in der Regel die fünf bis zehn besten Gedichte und die fünf besten Prosatexte, wobei Thema und Inhalt, Reinheit der Mundart sowie Vortragskunst die Bewertung beeinflussen. In der Sonderkategorie Lied werden bis zu drei Preisträger ausgewählt. Ein zusätzlicher Preis des Kultur- und Heimatkreises Dannstadter Höhe e. V. wird einem Teilnehmer zuerkannt, „dessen Mundarttext in Lyrik, in Prosa oder als szenische Darstellung Kultur, Leben, Tradition oder Brauchtum der Region in besonderer Weise spiegelt.“ Gelegentlich verleiht die Jury aus unterschiedlichen Gründen einen Extrapreis, so 2007 und 2008. Seit 2021 vergibt der Kultur- und Heimatkreis Dannstadter Höhe als Sonderpreis den Pfälzer Gutselorden. Dieser Preis zeichnet eine Person aus, die sich in außergewöhnlicher Weise um die Pfälzer Mundart verdient gemacht hat bzw. macht. Die Teilnahme am Mundart-Wettbewerb Dannstadter Höhe ist keine Voraussetzung.
Gewinner