Die Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Dresden e.V. ist ein Diakonissenhaus in der Äußeren Neustadt in Dresden zwischen Bautzner Straße und Holzhofgasse. Sie gehört zu den ältesten Diakonissenanstalten DeutschlandsUnser Diakonissenhaus. S. 1. und wurde 1965 das 36. Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry.150 Jahre. S. 53.

Geschichte Von der Gründung bis 1933 mini|Das erste Diakonissenhaus auf der Böhmischen Gasse. Die Diakonissenanstalt wurde von den vier adeligen Frauen: Wilhelmine von Brause, Freifrau Henriette Dorothea von Wirsing, Ulrike von Leipziger und der Gräfin Charlotte Louise von Hohenthal ins Leben gerufen. Rat holte man sich unter anderem bei Theodor Fliedner, Pfarrer der Kaiserswerther Diakonie, nach deren Muster die Dresdner Diakonissenanstalt schließlich auf der Böhmischen Gasse 13 (heute Nr. 30) in der Antonstadt entstand. Fliedner weihte das neue Gebäude am 19. Mai 1844 ein und stellte zwei Schwestern seiner Diakonie für die Dresdner Anstalt frei. Das erste Gebäude der Dresdner Diakonissenanstalt war ein eingeschossiges Haus, in dem sechs Krankenbetten Platz hatten.Ein Streifzug durch die Geschichte. S. 3. Im Jahr 1855 erfolgte die erste Schwesterneinsegnung.

In der Dresdner Neustadt lebten damals die sozial schwächsten Bevölkerungsschichten. Da auf der Neustädter Seite kein Krankenhaus existierte, wurde die Diakonissenanstalt bald zur zentralen Anlaufstelle für die Kranken. Der Erstbau der Diakonie war bereits 1846 zu klein geworden, sodass die Diakonissenanstalt das bebaute Schenksche Grundstück am heutigen Standort erwarb. Am 3. Oktober 1846 bezog die Anstalt die neuen Räume.

Der Ruf der Diakonissenanstalt als wohltätige Einrichtung gelangte bis 1856 sogar in Reiseführer der Stadt Dresden. Friedrich Gottschalck fasste die Arbeit der Diakonissenanstalt in seinem Stadtführer Dresden, seine Umgebungen und die sächsische Schweiz zusammen:

mini|Die Diakonissenanstalt auf der Bautzner Straße im Jahr 1863. Im Jahr 1856 wurde Pastor Heinrich Fröhlich Leiter und erster Rektor der Einrichtung. Seine Frau Hedwig, die zuvor in der Diakonie Kaiserswerth tätig gewesen war, wurde Oberin der Schwesternschaft. Im selben Jahr begann der Bau der Anstaltskirche im Turmhaus, der ein Jahr später geweiht wurde.

Erste Tochteranstalten wurden auch aufgrund fehlender Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Mutterhausgelände ab 1863 eröffnet. Die erste Tochteranstalt wurde 1863 die Diakonissenanstalt Bethesda in Niederlößnitz, das erste Siechenhaus Sachsens.150 Jahre. S. 43. Untergebracht wurden hier sowohl geistig als auch körperlich behinderte Menschen, aber auch Altersschwache und Epileptiker. Im Jahr 1864 entstand in unmittelbarer Nachbarschaft zum Siechenhaus das Magdalenenasyl „Talitha kumi“ als „Besserungsanstalt für sittlich gefährdete junge Frauen“.Frank Andert (Redaktion); Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2., leicht geänderte Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2006, S. 128–129. Das Magdalenenasyl benannte man später nach der Frau von Pastor Fröhlich in „Hedwig-Fröhlich-Haus“ um. Im Jahr 1937 musste das Haus aufgegeben werden. Im Jahr 1865 wurde, ebenfalls in der Niederlößnitz, das Luisenstift übernommen und von 1868 bis 1870 neu gebaut. Es entstanden zudem Erholungshäuser in Graal-Müritz, Bärenfels und Bad Oppelsdorf. Letzteres fiel am Ende des Zweiten Weltkriegs den Bomben zum Opfer. Zudem entstand in Radebeul 1892 die „Marienschule“, die 1926 offiziell als Gewerbliche Fachschule für Hausangestellte und Krankenpflegerinnen anerkannt wurde. Ein Schwestern-Erholungsheim wurde mit dem Haus Salem 1920 in der Niederlößnitz eingeweiht. Im Jahr 1897 eröffnete die Diakonissenanstalt eine Filiale in Zwickau.Ein Streifzug. S. 5. Partnermutterhaus der Dresdner Diakonissenanstalt war seit der Gründung 1854 die Diakonissenanstalt Neuendettelsau bei Nürnberg.Ein Streifzug. S. 4.

Während des Ersten Weltkriegs arbeiteten die Diakonissen in Lazaretten, bzw. nahmen ihren Dienst in Indien und Tansania auf. Im Jahr 1927 waren in der Dresdner Diakonissenanstalt 761 Diakonissen tätig, die von 198 Anwärterinnen in ihrer Arbeit unterstützt wurden.Ein Streifzug. S. 7. Bis zum Jahr 1934 stieg die Zahl der Schwestern auf insgesamt 1031 an. Im Jahr 1928 erwarb die Diakonissenanstalt Grundstücke gegenüber dem bis 1893 neu gebauten Krankenhaus. In die Kuppelvilla, die 1945 zerstört wurde, zog die 1927 gegründete, staatlich anerkannte Krankenpflegeschule der Anstalt ein. Das „Schwanenhaus“ auf dem gleichen Grundstück erwarb die Anstalt 1928 und nutzte es als Altenheim für betagte Schwestern.

Die Diakonissenanstalt von 1933 bis 1945 Ausführliche Zeugnisse über die Diakonissenanstalt während der Zeit des Nationalsozialismus gingen bei der Zerstörung der Anstalt 1945 verloren bzw. wurden nachträglich vernichtet.Ein Streifzug. S. 9. Aus den wenigen erhaltenen Schriften wird deutlich, dass der Glauben der Anstaltsleitung, auch nach 1933 seine Arbeit fortsetzen zu können, bald zerstört wurde. Obwohl sich die Dresdner Diakonissenanstalt nicht in den Kirchenkampf einmischte, „stand [sie] innerlich … auf Seiten der Bekennenden Kirche.“ Die „Braunen Schwestern“ der NS-Schwesternschaft ersetzten in den meisten Städtischen Krankenhäusern die dort tätigen Diakonissen, und die Ausbildung in der Krankenpflegeschule musste sich nach 1933 an den Richtlinien der staatlichen Einrichtungen orientieren. Einrichtungen wie das Magdalenenasyl wurden beschlagnahmt und mussten so aufgegeben werden. Das Luisenstift in Radebeul wurde an den Staat zwangsverkauft. Andere Einrichtungen wie „Bethesda“ oder die Marienschule in Radebeul wurden 1937 zu Lazaretten umfunktioniert. Ein Teil der in „Bethesda“ untergebrachten Menschen mit Behinderung fiel dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer. Wenige, vor allem jüngere Bewohner der Heime überlebten durch den Einsatz der Diakonissen die Zeit des Nationalsozialismus. Die Diakonissen „flüchteten mit ihnen in abgelegene Orte und kleine Häuser – nach ‚Haus Böhme‘ in Dresden-Loschwitz, einem abseits liegenden Erholungshaus der Diakonissenanstalt, und in die kleinen Einrichtungen der Inneren Mission in Kemnitz bei Löbau und Oppach in der Oberlausitz. Auf diese Weise konnten einige Menschen mit Behinderung vor dem Tod gerettet werden.“Ein Streifzug. S. 10. Wie „Bethesda“ und die Marienschule diente auch das Diakonissenkrankenhaus ab 1939 als Lazarett, blieb jedoch im Gegensatz zu anderen Einrichtungen im Besitz der Diakonissenanstalt. Die Mitarbeiterinnen unterstanden jedoch der Wehrmacht.

Von 1945 bis zur Gegenwart mini|hochkant|Haupteingang zum Diakonissenkrankenhaus Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurden über 75 % aller Gebäude der Diakonissenanstalt zerstört, Menschen kamen jedoch nicht zu Schaden. Das „Schwanenhaus“ brannte kurz nach Kriegsende durch Brandstiftung vollständig aus. Bereits 1945 wurde der Betrieb in den wenigen erhaltenen Gebäuden wieder aufgenommen. Das Krankenhaus war zu 60 % zerstört worden und verfügte zu diesem Zeitpunkt über 45 Betten.Ein Streifzug. S. 13. Die Diakonissenhauskirche erlitt ebenfalls starke Schäden. Zunächst erfolgten ausschließlich Sicherungsarbeiten und die Schuttberäumung, ein Wiederaufbau wurde von der Anstaltsleitung als „nicht günstig, wenn nicht gar gefährlich“ eingeschätzt.Grund war unter anderem die Vorstellung, dass sich die Stärke der Diakonissenanstalt nicht aus seinen Gebäuden, sondern aus seinen Diakonissen ergibt. Inwieweit jedoch eine diakonische Arbeit nach dem Krieg überhaupt noch möglich war, konnte man unmittelbar nach der Zeit der Unterdrückung nicht abschätzen bzw. sah eher negative Voraussetzungen dafür als gegeben an. Ein Streifzug. S. 14. In den folgenden Jahren trat die Diakonissenanstalt mit ihrem Bestreben, ein evangelischer Orden zu werden, immer mehr in die Isolation auch zur evangelischen Landeskirche. Erst unter dem 1958 neu eingeführten Rektor Hans Kircheis öffnete sich die Diakonissenanstalt wieder, der Ordensgedanke wurde im Hinblick auf die Hauptaufgabe des diakonischen Einsatzes der Schwestern aufgehoben. In der Folge der Öffnung gegenüber Landeskirche und Öffentlichkeit erfolgte auch der Wiederaufbau der Diakonissenanstalt. Das erste Vorhaben war ab 1961 der Wiederaufbau der Kirche, der 1962 abgeschlossen wurde. Es folgte der Wiederaufbau des Krankenhauses in mehreren Etappen (1965–1967, 1974–1980, 1991, 1998). mini|hochkant|Nagelkreuz Von besonderer Bedeutung war dabei die Beteiligung einer Gruppe von Freiwilligen aus Coventry, die in einem mehrmonatigen Aufenthalt 1965 dabei halfen, einen Teil des Krankenhauses wieder aufzubauen. Das Coventry-Dresden-Projekt war auf Anregung von Richard Crossman vom Dompropst von Coventry Williams mit Hilfe von Aktion Sühnezeichen und der Diakonissengemeinschaft organisiert worden.Zu den auch politischen Hintergründen siehe Merrilyn Thomas: Communing with the enemy: covert operations, Christianity and Cold War politics in Britain and the GDR. Frankfurt etc.: Peter Lang 2005, ISBN 978-3-03910-192-4 sowie Oliver Schuegraf: Vergebt einander, wie Gott euch vergeben hat: Coventry und die weltweite Nagelkreuzgemeinschaft. Frankfurt, M: Lembeck 2008, ISBN 978-3-87476-564-0, S. 45–51. Daran erinnert das Nagelkreuz von Coventry in der Diakonissenhauskirche, das Propst Williams am 9. September 1965 überreichte.

In den 1980er-Jahren nahm die Zahl der Diakonissen soweit ab, dass es nicht mehr möglich war, den Dienst in den Gemeindestationen (Diakonissen waren auch außerhalb des Krankenhauses in der Gemeindepflege eingesetzt) wie bisher erfolgt, weiterzuführen. Nach und nach mussten daher die Gemeindestationen aufgegeben werden. Nach der politischen Wende 1989/90 erfolgten Renovierungsmaßnahmen an der Kirche und Modernisierungsmaßnahmen im Krankenhaus. Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Diakonissenanstalt entstand 1994 ein neues Logo, das seitdem unter dem Motto Zuwendung – unser Leben unter anderem an den Gebäuden der Anstalt zu finden ist.Ein Streifzug. S. 25. Ende der 1990er-Jahre plante die Diakonissenanstalt eine Erweiterung ihrer altersgerechten Wohnräume im Zuge der Altenpflege. Ein für den Bau neuer Wohnungen erworbenes Grundstück brachte die Anstalt in Zahlungsschwierigkeiten und in der Folge kurz vor die Insolvenz.Ein Streifzug. S. 28. Infolgedessen wurde 1998 der Verein „Diakonissenschwesternschaft Dresden e.V.“ gegründet, der die Diakonissenschwesternschaft juristisch selbstständig werden ließ. Deren Vermögen war bis dahin Bestandteil der Anstalt gewesen.Ein Streifzug. S. 29. Die drohende Insolvenz konnte bis 2000 abgewendet werden. Das Elbhochwasser 2002 überflutete rund 50 % des Geländes der Anstalt. Die anschließenden Renovierungsarbeiten dauerten bis 2004. Das Mutterhaus untergliedert sich heute in die:

Diakonissenschwesternschaft: Die Diakonissen stellen ihr Leben in den Dienst Gottes und bleiben unverheiratet. Sie tragen die traditionelle Schwesterntracht, also ein blaues Kleid mit weißer Haube oder ein blaues Kostüm. Diakonische Schwestern- und Bruderschaft: Sie versteht sich als Dienstgruppe. Seit 1982 nennt sich die Diakonische Schwesternschaft „Diakonische Schwestern- und Bruderschaft“, da zu dem Zeitpunkt zwei Krankenpfleger als Brüder aufgenommen wurden.Ein Streifzug. S. 23. Evangelische Mitarbeitergruppe: Sie entstand aus der Mitarbeiterschaft der Diakonissenanstalt.

Jede Gruppe hat unterschiedliche Lebens- und Dienstformen und eine unterschiedliche rechtliche Stellung innerhalb der Diakonissenanstalt.

Gebäude Krankenhaus mini|Einfahrt zur Notaufnahme und Blick auf das Krankenhaus der Diakonissenanstalt