Das Großherzoglich Mecklenburgische Grenadier-Regiment Nr. 89 war ein Infanterie-Verband der preußischen Armee.

Geschichte mini|hochkant|1701–1901 Jubiläum der Errichtung des Strelitzer-Bataillons

Die im Jahr 1701 gestiftete Strelitzer Leibgarde zu Fuß, aus der das II. Bataillon des Großherzoglichen Grenadier-Regiments Nr. 89 hervorging, hatte bereits im Spanischen Erbfolgekrieg gekämpft.Paul von Abel: Stammliste der Königlich Preußischen Armee. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1905, S. 131. In Folge des 1788 abgeschlossenen Subsidientraktates zwischen Herzog Friedrich Franz zu Mecklenburg und dem niederländischen Erbstatthalter Prinz Wilhelm von Oranien, dienten die mecklenburgischen Truppen bis Januar 1796 im holländischen Sold. Nach einigen Jahren der Ruhe, kam es im November 1806 zur Besetzung des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin durch das französische 8. Armeekorps. Das Herzogtum verlor damit vorerst seine Eigenständigkeit. Daraufhin wurden die mecklenburgischen Truppen entlassen und zur Abgabe ihrer Waffen gezwungen, nur die Offiziere und Unteroffiziere konnten ihre Blankwaffen behalten. Mit der Wiedereinsetzung des Herzoges erhielt das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin am 27. Mai 1807 seine Eigenständigkeit zurück.Claus Dieter Hoppe, Cornelia Nenz, Detlef Weiß: Franzosenzeit in Mecklenburg. Hinstorff Verlag, Rostock 2007, S. 33. Im März des darauffolgenden Jahres trat das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin dem Rheinbund bei. Daraufhin formierte sich die Mecklenburgische Brigade zu vier Bataillonen mit je sechs Kompanien. Am 25. Februar 1809 erließ Friedrich Franz I. die „Patentverordnung wegen der Rekrutenaushebung“, in dessen Folge die Militärstruktur und das Militärrecht nach französischem Vorbild verändert wurde. Das Jahr 1809 brachte weitere Änderungen mit sich. So formierte sich am 11. März die Infanterie-Kontingent-Brigade, die im Jahr 1812 während des Russland-Feldzuges fast vollständig vernichtet wurde. Im März 1813 erfolgte der Austritt von Mecklenburg-Schwerin aus dem Rheinbund. Mecklenburg-Strelitz folgte am 30. März 1813 mit seiner Austrittserklärung.

Von 1815 bis 1866 gehörten die Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz dem Deutschen Bund an. Mit Bildung des Norddeutschen Bundes gingen 1867 grundlegende militärische Umstrukturierungen einher. In diesem Zusammenhang traten die mecklenburgischen Verbände im selben Jahr dem IX. preußischen Armeekorps bei. Mecklenburg-Schwerin schloss am 24. Juli 1868 mit Preußen eine Militärkonvention, die den Übertritt der Offiziere in die preußische Armee regelte.Klaus-Ulrich Keubke: Eingereiht nach Rang angetreten, Der Übertritt der mecklenburgischen Offiziere in die preußische Armee 1868. In: Mecklenburg-Magazin. Nr. 21, 1995, Landesverlags- und Druckgesellschaft, Schwerin, S. 6. Mecklenburg-Strelitz schloss seinerseits am 9. November eine Militärkonvention mit Preußen. Am 11. September 1868 fand in Groß Rogahn eine Parade der 17. Division vor König Wilhelm I. statt, diese besiegelte symbolisch den Beitritt zur preußischen Armee. Auf Grundlage der am 19. und 23. Dezember 1872 geschlossenen Militärkonventionen traten die mecklenburgischen Truppenverbände zum 1. Januar 1873 vollständig in den Etat der preußischen Armee. Besoldung und Versorgung der Soldaten gingen in die Verantwortung der preußischen Armee über, wie auch sämtliche Ausrüstung der Truppenverbände. Die Großherzöge gaben zwar ihre Befehlsgewalt ab, die Eigentumsrechte an den Militärbauten und Liegenschaften blieben von der Konvention aber unberührt. Das Regiment wurde nachfolgend in die preußische Armee eingegliedert. Den mecklenburgischen Regimentern wurde auch weiterhin der Namenszusatz „Großherzoglich Mecklenburgisch“ zugestanden, ebenso zeigte der Helmbeschlag weiterhin das mecklenburgische Landeswappen und die Kokarde die Landesfarben.

Am 3. Juni 1882 feierte das Regiment seinen 100. Geburtstag. Das II. (Strelitzer-)Bataillon konnte 1901 bereits sein 200-jähriges Bestehen feiern.

1904 wurde die Werder-Kaserne in Schwerin erbaut. Die in der Stadt gelegenen alten Quartiershäuser gehörten nunmehr der Vergangenheit an. Auf dem zugehörigen neuen großen Exerzierplatz an der Kaserne, dem Übungsgelände Monumentenberg und im Buchholzer Wald erhielten die Schweriner Grenadiere zukünftig ihre Ausbildung.

Nach den Jahrzehnten der Ruhe folgte der im August 1914 beginnende Erste Weltkrieg, eine für die Völker Europas bis dahin nicht gekannte Katastrophe prägte die nächsten Jahre des Krieges. Das Regiment beteiligte sich ausschließlich am Kampfgeschehen der Westfront. Nach dem Waffenstillstand im November 1918 wurden die Reste des Regiments auf das Reichsgebiet verlegt. Die spätere Demobilisierung des Regiments erfolgte in den Heimatgarnisonen Schwerin und Neustrelitz. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles endete am 28. Juni 1919 der erste globale Konflikt des 20. Jahrhunderts.

Stamm und Formierung Stamm Mecklenburg-Schwerin Mit herzoglicher Order vom 3. April 1782 und auf Initiative des Erbprinzen Friedrich Franz I. begann die Neuordnung der mecklenburgischen Truppen. Die neue Struktur sollte sich an den preußischen Militärverbänden orientieren. Neben der Leibgarde zu Pferde formierten sich drei Infanterieregimenter, gegliedert in jeweils fünf Kompanien. Die Reorganisation betraf auch das im Jahr 1759 errichtete Infanterie-Regiment „von Both“, aus dem später das III. Bataillon des Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadier-Regiments Nr. 89 hervorging. Das 1810 gestiftete Grenadier-Garde-Bataillon bildete später den Stamm des I. Bataillons. Nicht nur die preußische Militärstruktur wurde übernommen, auch die Ausbildung der Soldaten erfolgte nach preußischem Reglement. Nach dem Tod seines Onkels Herzog Friedrich von Mecklenburg im Jahr 1785 übernahm Herzog Friedrich Franz I. die Führung über die militärischen Verbände. Regimentskommandeur Hartwig Ulrich von Both (1712–1795) wurde daraufhin vom Herzog zum Generalleutnant befördert und sein Regiment erhielt die Bezeichnung Grenadier-Regiment „von Both“.

Friedrich Franz II. legte den Stiftungstag des Regiments später auf den 3. April 1782 fest, dem Beginn der Reorganisation der mecklenburgischen Truppen.

Im Folgenden die Chronologie der Aufstellungen und Umstrukturierungen der Stammeinheiten des Grenadier-Regiments Nr. 89.

1759 – Das Infanterie-Regiment „von Both“ wurde errichtet. 1760 – Die Leibgarde zu Pferde wurde auf 230 Mann verstärkt, Chef der Leibgarde wurde Oberst Otto von Barsse. 1785 – Infanterie-Regiment „von Both“ wurde zum Grenadier-Regiment „von Both“ erhoben. 1795 – Grenadier-Regiment „von Both“ wurde unter Führung des Obersten Leopold Winter gestellt und erhielt die Bezeichnung Grenadier-Regiment „Winter“. 1800 – Grenadier-Regiment „Winter“ wurde unter Führung des Obersten/Generalmajor Karl Friedrich Dietrich von Hobe († 1805) gestellt und erhielt die Bezeichnung Grenadier-Regiment „von Hobe“. 1805 – Grenadier-Regiment „von Hobe“ wurde mit dem Leib-Grenadier-Regiment vereinigt und jeweils zum II. und I. Bataillon formiert. 1806 – Mecklenburg verlor seine Selbständigkeit, die Truppen wurden entlassen. 1808 – Die Mecklenburgische Brigade wurde aufgestellt, zu vier Bataillonen. 1809 – Das I. Bataillon wurde aufgelöst, II und III. Bataillon wurden als I. und II. Bataillon in das Infanterie-Kontingent-Regiment eingegliedert. 1810 – In Ludwigslust wurde das Grenadier-Garde-Bataillon aus dem Mannschaftsbestand der Leibgarde zu Pferde errichtet. Das Bataillon gliederte sich in drei Kompanien. 1813 – Das Grenadier-Garde-Bataillon wurde auf vier Kompanien gebracht, im selben Jahr wurde das Infanterie-Regiment mit seinen zwei Bataillonen wiedererrichtet. 1821 – Der Regimentsverband wurde aufgelöst, folgende Formierung zum I. und II. Musketier-Bataillon. 1850 – Die Mecklenburger Truppen bildeten die Großherzog Mecklenburgische Division, das Grenadier-Garde-Bataillon und das I. Bataillon wurden nachfolgend eingegliedert. 1857 – Aus dem I. Bataillon wurde das II. Bataillon, das Grenadier-Garde-Bataillon erhielt ab diesem Zeitpunkt die Zusatzbezeichnung des I. Bataillons. 1863 – Aus dem Grenadier-Garde (I.)-Bataillon und dem II. Bataillon wurde das 1. Infanterie-Regiment errichtet. 1867 – Das Großherzoglich Mecklenburgische Grenadier-Regiment Nr. 89 wurde am 1. Oktober errichtet.

Aus dem Grenadier-Garde (I.)-Bataillon des 1. Infanterie-Regiments ging das I. Bataillon hervor, das II. Bataillon bildete den Stamm für das III. Bataillon.

Stamm Mecklenburg-Strelitz Die Folgen des Hamburger Vergleichs und die daraus resultierende Landesteilung führten im neu entstandenen Herzogtum Mecklenburg-Strelitz zur Bildung eines eigenen Militärkontingents.

Das II. Bataillon des Grenadier-Regiments Nr. 89 hatte seinen Stamm in der Leibgarde zu Fuß, welche am 23. März 1701 von Herzog Adolf Friedrich II. zu Mecklenburg-Strelitz gestiftet wurde. In Folge des Todes Adolf Friedrichs III. rückte im Dezember 1752 jedoch das Schweriner Militär in Mecklenburg-Strelitz ein. Der Schweriner Herzog Christian Ludwig II. wollte damit seine Interessen durchsetzen. Die Krise konnte schließlich auf diplomatischem Wege gelöst werden, indem Adolf Friedrich IV. für mündig erklärt wurde. Aus diesen Erfahrungen heraus wurde 1755 die Leibgarde zu Fuß um eine neu formierte Grenadierkompanie verstärkt.

1821 hatte Mecklenburg-Strelitz ein lediglich 720 Mann starkes Bataillon unter Waffen.Gustav Hempel: Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Mecklenburger Landes. Verlag Edmund Frege, Güstrow 1837, S. 279 f. Aus diesem Mecklenburg-Strelitzschen Infanterie-Bataillon formierte sich 1867 das II. Bataillon des „Grenadier-Regiments Nr. 89“.Das Königlich Preußische stehende Heer, Geschichte der Infanterie-Regimenter und der Jäger Bataillone. (Hrsg.) Simon Schropp Hof-Landkarten-Sammlung, Berlin 1869, 321 ff. Nachfolgend die chronologische Übersicht von Aufstellungen und Umstrukturierungen der Strelitzer Stammeinheiten des Grenadier-Regiments Nr. 89.

1701 – Errichtung der Leibgarde zu Fuß. 1703 – Vermehrung der Leibgarde zu Fuß auf ein Regiment, gegliedert in sieben Kompanien. 1705 – Auflösung des Regiments, die Leibkompanie blieb bestehen. 1755 – Die Leibgarde wurde um eine Grenadier-Kompanie vermehrt, sie führte die Bezeichnung Grenadier-Korps.Klaus-Ulrich Keubke, Ralf Mumm: Mecklenburgische Militärgeschichte 1701–1918. Schriftenreihe zur Geschichte Mecklenburgs (Hrsg.) APH, Schwerin 2000, S. 16 f. 1766 – In die Leibgarde wurden zwei Füsilier-Kompanien eingegliedert. 1772 – Verminderung der Leibgarde auf eine Kompanie. 1806 – Aufstellung eines Bataillons zu vier Kompanien, die Leibgarde wurde in die 1. Kompanie eingegliedert. 1812 – Das Bataillon wurde in das 127. französischen Linien-Regiment eingegliedert. 1813 – Aus den Resten des Mannschaftsbestandes wurde ein Infanterie-Bataillon zu zwei Kompanien errichtet. 1821 – Das Infanterie-Bataillon wurde um zwei Kompanien vermehrt. 1867 – Eingliederung in das Großherzoglich Mecklenburgische Grenadier-Regiment Nr. 89.

Formierungen ab 1867 17. Februar 1916 – Das II. Bataillon wurde bei Miraumont aufgerieben, restlicher Mannschaftsbestand wurde in einer Kompanie formiert. 17. Oktober 1918 – Reste des I. Bataillons wurden mit dem III. Bataillon vereinigt. 2. November 1918 – Reste des Regiments in einem Bataillon formiert, gegliedert in eine Grenadier-Kompanie und eine MG-Kompanie. 6. November 1918 – Das am 2. November formierte Bataillon wurde auf vier Grenadier-Kompanien und eine MG-Kompanie verstärkt. 31. Dezember 1918 – Aus der 1.(Leib-)Kompanie und der 2. Kompanie des I. und III. Bataillons sowie aus der 3. und 4. Kompanie des II. Bataillons wurde ein Heimatschutz-Bataillon formiert, welches dem Befehl von Major von Brockhausen unterstand.Gerhard Donat: Lützows wilde verwegene Schar. Das Mecklenburgische Grenadier Regiment 89 in beiden Weltkriegen. Biblio Verlag, Osnabrück 1990, S. 19 f.

Abtretungen und Aufstellungen