Der Königsbach (auch Luderbach, Erlenbach; früher auch Frauenbach) ist ein Fließgewässer in Hessen. Er ist ein etwa 13,7 km langer orographisch linker, geographisch südlicher Zufluss des Mains. Das Quellgebiet des Bachs liegt bei der Stadt Dreieich im Landkreis Offenbach, die Mündung befindet sich im Stadtgebiet von Frankfurt am Main. Durch Aufstauung des Königsbachs im Frankfurter Stadtwald entstand in den 1930er Jahren das flächenmäßig größte Stillgewässer Frankfurts, der Jacobiweiher. Vom Quellgebiet bis zur nördlich davon gelegenen Frankfurter Stadtgrenze trägt der Bach den Namen Luderbach; der Unterlauf des Gewässers auf Frankfurter Stadtgebiet wird offiziell Königsbach genannt.

Namen Der Bach wurde erstmals im Jahr 1128 als „Kunigsbach“ urkundlich erwähnt. In der Urkunde belehnte der römisch-deutsche König Lothar III. den Vogt Konrad von Hagen mit sieben Mansen Land zwischen dem südmainischen Dorf Schwanheim und dem Königsbach.Hermann Mayenschein, Michael Uhlig: Zwischen Sandhof und Mainfeld. Geschichte und Gegenwart des ehemaligen Dorfes und heutigen Stadtteils Niederrad, S. 14. Herausgegeben von der Frankfurter Sparkasse von 1822 (Polytechnische Gesellschaft), Frankfurt am Main 1987.Regesta Imperii Online: RI IV,1,1 n. 178, abgerufen am 21. September 2017 Der Name Königsbach bezieht sich auf den auch „Königswald“ oder „Königsforst“ genannten Wildbann Dreieich, dessen nördlichen Teil der Bach durchfließt.Stadt Frankfurt am Main, Forstamt (Hrsg.): Vom Altheeg zum Vierherrnstein – Namen im Frankfurter Stadtwald. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Kreisverband Frankfurt e. V., 1988, S. 70. Weitere Namen mit dem gleichen Bezug sind Königsbrünnchen (vorher Königsbrunnen, von dem die steinerne Fassung mit Wappenreliefs erhalten geblieben ist), Königswiese und Königswiesenweg.

Im Unterlauf trug der Bach ehemals den Namen „Frauwenbach“ (Frauenbach), den zweitältesten urkundlich überlieferten Namen des Gewässers. Einen ersten Hinweis auf diesen Abschnittsnamen gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1193, als Kaiser Heinrich VI. dem vom Deutschen Orden gegründeten Hospital in Sachsenhausen das „Reichsgut am Frauenwege“ (mittellateinisch „allodium nostrum in Frowenwege“ – wörtlich: unser Allod am Frauenweg) schenkte.Hans Pehl: Als sie einst die Stadt schützten – Frankfurts befestigte Gutshöfe. Darin: Kapitel Der Sandhof – ein Ordenshaus mit Vergnügungsbetrieb,. Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-7820-0411-6, S. 56 ff. 1338 übereignete Kaiser Ludwig der Bayer dem Deutschen Orden, der seit dem Hochmittelalter in Sachsenhausen umfangreiche Besitztümer hatte, Güter bei Niederrad bis zum „Frauenbach“.Regesta Imperii Online: RI VII H. 8 n. 401, abgerufen am 21. September 2017

Dass Königsbach und Frauenbach denselben Bach bezeichneten, bezeugen nahezu wortgleich zwei Lehnsurkunden des 15. Jahrhunderts. 1417 verlieh König Sigismund den Brüdern Friedrich und Rudolf von Sachsenhausen als Reichslehen „die Künigsbach, die da leuffet durch des Reichs waldte biß an den Mayn, da sie genandt ist die Frauwenbach, undt die See, die sie da haben.“Zitiert nach: Johann Heinrich Tabor: Vertheidigtes Kayserliche Eigenthum, ohne Ort, 1775, S. 81 ff. OnlineRegesta Imperii Online: RI XI,1 n. 2376, abgerufen am 21. September 2017 König Friedrich III. belehnte im Jahr 1440 Wenzel von Cleen und seinen Mitganerben Wilhelm von Ingelheim mit ihren Reichslehen, darunter „den durch den Reichswald zum Main fließenden, dort Frauenbach genannten Königsbach, einschließlich aller Seen“.Regesta Imperii Online: RI XIII H. 8 n. 1, abgerufen am 21. September 2017

In Johann Hermann Dielhelms Werk Allgemeines Hydrographisches Lexicon aller Ströme und Flüsse in Ober- und Niederdeutschland aus dem Jahr 1743 ist das Gewässer unter der Bezeichnung „Goldbach“ aufgeführt. Dieser Lexikon-Eintrag nennt auch die Namen „Ludersbach“ und „Frauenbach“, außerdem wird der Bachlauf zwischen Neu-Isenburg und Frankfurt kurz beschrieben. In seinem Aufsatz Kurze physisch-geographische Beschreibung der Umgegend von Frankfurt, der 1839 im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst erschien, schreibt Georg Ludwig Kriegk, dass der Bach im Walde „Luderbach“ und im Felde „Goldbach“ heiße. Dort werden Luderbach und Königsbach getrennt behandelt.

Für die in aktuellen Kartenwerken verwendete Bezeichnung „Luderbach“Regionalpark Rhein-Main Südwest GmbH (Hrsg.): Freizeitkarte südlich des Mains, Teil 3, Auflage Juli 2013. wurden unterschiedliche Deutungen angegeben. Möglicherweise stammt die Bezeichnung vom Wort Luder. Nach einer anderen Deutung kommt „Lutterbach“ vom Begriff lauter (für klar), der auch in hessischen Ortsnamen wie Lauterbach und Lauterborn enthalten ist.Stadtgewässer – Flüsse, Bäche, Altarme entdecken, S. 36 f.: Kapitel Königsbach/LuderbachFoto einer Infotafel des Oberforsthaus-Rundwanderwegs in Frankfurt auf Wikimedia Commons

In der Stadt Neu-Isenburg tragen ein um den Bach gelegenes Wohnviertel sowie ein unmittelbar benachbartes, als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesenes Gebiet die Bezeichnung Erlenbachaue,Infotafel der Stadt Neu-Isenburg am FFH-Gebiet Erlenbachaue (Foto auf Wikimedia Commons) auch wenn dieser Name für den Bach sonst nicht überliefert ist.

Das Forstamt der Stadt Frankfurt am Main räumt der urkundlich ältesten Bezeichnung Königsbach Priorität ein, und auch in den von der Stadt Frankfurt herausgegebenen Publikationen wird dieser Name bevorzugt.Stadt Frankfurt am Main, Forstamt (Hrsg.): Vom Altheeg zum Vierherrnstein – Namen im Frankfurter Stadtwald. Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Kreisverband Frankfurt e. V., 1988, Beilage: Stadtwaldkarte

Geographie Allgemeines Der Königsbach/Luderbach (Fließgewässerkennziffer 24798) hat ein oberirdisches Einzugsgebiet von 27,69 km². Es liegt im Rhein-Main-Gebiet nördlich des Rodgaus. Der Bach entwässert über den Main und den Rhein zur Nordsee. Gewässerkundlich wird der Königsbach zu den kleinen Niederungsfließgewässern in Fluss- und Stromtälern gezählt. (PDF; 181 kB) Von der Quelle bis zur Mündung überwindet der Bach 62 HöhenmeterStadt Frankfurt am Main, Umweltamt, Projektgruppe GrünGürtel (Hrsg.): Faltblatt Rundweg im Grüngürtel-Park Oberforsthaus. 1. Auflage. 2009., was bei einer Lauflänge von 13,7 km einem mittleren SohlgefälleSohlgefälle, Spektrum.de von 4,5 ‰ entspricht. Innerhalb der besiedelten Gebiete entlang des Bachlaufs überwiegen Wohn- und Industriebebauung sowie andere versiegelte Flächen. Außerhalb bebauter Gebiete ist die Umgebung des Bachlaufs von Auenlandschaften mit Wiesen und Weideflächen charakterisiert.

Der Königsbach hat entlang seines Verlaufs durch unbebaute Landschaft mehrere natürliche Retentionsräume. Dazu zählen ein Überschwemmungsgebiet in der Gemarkung der Stadt Dreieich, zwei solcher Gebiete auf Neu-Isenburger Terrain sowie eines im Bereich des Frankfurter Stadtteils Sachsenhausen. Bei Hochwasserständen kann die Breite der vom Bach überschwemmten Gebiete zwischen 10 m und maximal 250 m (festgestellt in Neu-Isenburg) schwanken.

Verlauf Von Dreieich bis Neu-Isenburg Über die genaue Lage der Quelle des Königs-/Luderbachs gibt es in der Literatur einschließlich aktueller Kartenwerke voneinander abweichende Angaben. Das in Frage kommende, übereinstimmend angeführte Quellgebiet liegt zwischen den Städten Dreieich im Westen und Dietzenbach im Osten, an dessen westlicher Stadtgrenze entlang auch der weiter südwestlich am Grünen Born entspringende Bieberbach, ein Zufluss der Rodau, verläuft.Regionalpark Rhein-Main Südwest GmbH (Hrsg.): Freizeitkarte südlich des Mains, Teil 2, Juli 2013.

Laut den von der Stadt Frankfurt herausgegebenen Publikationen entspringt der Königsbach in einer Höhe von etwa 157 Metern über Normalnull nordöstlich von Dreieich in der Nähe von Gut Neuhof und fließt von dort aus in nordwestlicher bis nördlicher Richtung. Auf der Liegenschaftskarte des Geoportals Hessen liegt seine Quelle in der Flur Neuhofer Feld gut einen halben Kilometer westsüdwestlich von Neuhof und auch der Landschaftsplan UVF lässt den Königsbach beim Neuhof entspringen., Umlandverbandes Frankfurt, Dezember 2000

Mehrere andere Publikationen, darunter historische Kartenwerke, verlegen das Quellgebiet des Königsbachs etwa einen Kilometer weiter südöstlich, nördlich von dem zwischen Götzenhain und Dietzenbach gelegenen Haus Kir(s)chborn. Nach diesen Angaben entspringt der Königsbach westlich des Wollwiesenteichs am westlichen Ortsrand von Dietzenbach, das vom Bieberbach in südwestlich-nordöstlicher Richtung durchflossen wird.Das Quellgebiet von Königsbach und Bieber auf steine-in-der-dreieich.de. Lageplan auf Grundlage einer Karte, herausgegeben von der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformationen (abgerufen am 2. Juli 2015) Der betreffende Gewässerabschnitt wird in Teilen der Literatur als „Gewässerverbindung“ in einem Grabensystem sowie als „Wasserscheide“ angesprochen (→ Flussbifurkation).Wilhelm Ott: Isenburger Oberwald, Kapitel Grabensystem zwischen Kirchborn und Neuhof auf steine-in-der-dreieich.de (abgerufen am 2. Juli 2015) Auch eine topografische Karte der Umgegend von Frankfurt aus dem Jahr 1865 zeigt das Quellgebiet des Bachs im Bereich von Kirschbornweiher und Kirschborn-Wiese zwischen Götzenhain und Dietzenbach ohne Darstellung einer eindeutig auszumachenden einzelnen Quelle. Ebenso zeigt der WRRL-Viewer eine Verbindung zwischen dem Luderbach und dem linken Quellbach des Bieberbaches an.Quellgebiet des Königs-/Luderbaches auf dem WRRL-Viewer

Der weitere Bachverlauf wird in der Literatur ab dem nordöstlich von Gut Neuhof gelegenen Flurstück Schweinhecke einheitlich dargestellt. Beginnend an der Schweinhecke bis zum östlichen Ortsrand von Neu-Isenburg liegt der Lauf des Königsbachs durchgehend in Naturschutzgebieten, darunter die Luderbachaue nordöstlich von Dreieich.Die auf kreis-offenbach.de (abgerufen am 30. Mai 2016) Bei der Seibertswiese fließt ihm von rechts ein knapp 1,8 km langer Bach zu.WRRL-Viewer Dort liegen jeweils etwa einen Kilometer entfernt auf beiden Seiten des Baches Hügelgräber. Der Bachlauf beschreibt danach einen weiten Bogen nach Nordwesten und spaltet sich zuvor in den Flurstücken Bestewiese und Brandwiese (andere Quellen führen dort zusätzlich die Flurnamen „Eckhardswiese“ und „Müllerwiese“ auf)Stadt Frankfurt am Main, Grünflächenamt (Hrsg.): StadtForst Frankfurt Wanderkarte, 2009. in zwei bis drei Arme auf.Die aktuellen Kartenwerke verschiedener Herausgeber weichen auch bei den Flurnamen des Gebiets teilweise erheblich voneinander ab. Kurz vor der Unterquerung der Bundesautobahn 661 und der Bundesstraße 46, unmittelbar nördlich der Anschlussstelle Neu-Isenburg, erreicht der Königsbach das Neu-Isenburger Stadtgebiet.

In Neu-Isenburg mini|In Neu-Isenburg durchfließt der Königsbach den Bansapark, eine im 21. Jahrhundert angelegte Grünanlage an der Bansamühle aus dem 18. Jahrhundert Die Gemarkung von Neu-Isenburg durchfließt der Königsbach an ihrem nordöstlichen Rand in west- und nordwestlicher Richtung. Der Bach ist dort teilweise begradigt und fließt überwiegend in einer etwa 100 Meter breiten, als FFH-Gebiet geschützten Auenlandschaft, der Erlenbachaue. Dieser Flurname sowie die in der Nähe gelegene Straße Am Erlenbach sind die einzigen am Bachlauf selbst sowie aus Literatur und Kartenwerken bekannten Hinweise auf den Namen Erlenbach.