Das Infanterie-Regiment „Herzog von Holstein“ (Holsteinisches) Nr. 85 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee, der am 27. September 1866 in Münster aufgestellt wurde und später Garnisonen in Rendsburg, Kiel und Eckernförde hatte. 1919 wurde das Regiment aufgelöst und hatte bis dahin an etlichen Schlachten in drei Kriegen teilgenommen.

Geschichte Das Infanterie-Regiment Nr. 85 wurde gemäß der A.K.O. vom 27. September 1866 aus dem Bestand der bisherigen Regimentern der 13. Division aufgestellt.

Regimentsname mini|110px|Übersicht der Holsteinische Gebiete, Herzogtum = Gelb Am 11. Juli 1867 erhielt das Regiment die Bezeichnung Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 85, nach der Region, aus der es sich im Bereich des Herzogtums von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg hauptsächlich rekrutierte.

Zur Vorgeschichte der Regimenter mit Namensbestandteil Holstein ist bekannt, dass bereits früher solche Regimenter aufgestellt wurden, die neben Infanterie teils auch andere Truppengattungen wie beispielsweise Kavallerie ausgerichtet waren. Es sind auch Regimenter aus anderen Regionen bekannt, die ebenfalls Holstein als Namensbestandteil haben, weil es zeitweise üblich war, Namen und Adelsstand der jeweiligen Regimentschefs oder Regimentsinhabern beizufügen oder die Namen im Zuge von Heeres- und Regimentsreformen zu ändern. Zusätzlich sind Regimenter als Alt-Holstein und Neu-Holstein oder Jung-Holstein bekannt, siehe: Erläuterung der Systematik.

Kaiser Wilhelm II. gab dem Regiment am 27. Januar 1889 den endgültigen Namen Infanterie-Regiment „Herzog von Holstein“ (Holsteinisches) Nr. 85. Mitglieder des holsteinischen Herzogsgeschlechts hatten dem brandenburgisch-preußischen Haus seit Generationen Kriegsdienste geleistet, und Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein wurde à la suite des Regiments gestellt.

mini|110px|Regimentsfahne Fahne Der Verleihung der Fahnen erfolgte am 24. Juni 1867 und am 10. Oktober 1894. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurden die Fahnen mit eisernen Kreuzen und schwarz-weißen Bändern ausgezeichnet. Der Stock der Fahne des II. Bataillons wurde zweimal von einer Gewehrkugel getroffen. Er erhielt an den verletzten Stellen silberne Ringe mit den Inschriften: „Failly, den 1. September 1870“ und „Artenay, den 3. Dezember 1870“. Zum Gottesdienst standen die Fahnen am Altar der Garnisonskirche Rendsburg. Nach Ende des Weltkrieges wurden die Fahnen ins Zeughaus Berlin überführt.

Erste Aufstellung Nach dem Deutschen Krieg waren die Einheiten der abgebenden 13. Division im westfälischen Münster stationiert. Aus diesen Beständen wurde wie folgt für Infanterie-Regiment Nr. 85 abgegeben. 25. Infanterie-Brigade 1. Westfälisches Infanterie-Regiment Nr. 13 5. Westfälisches Infanterie-Regiment Nr. 53 26. Infanterie-Brigade 2. Westfälisches Infanterie-Regiment Nr. 15 6. Westfälisches Infanterie-Regiment Nr. 55

Die Einheiten hatten für die Abgaben aus ihren Kompanien je Bataillon eine 5. Kompanie gebildet. Letztere hatten die etatmäßige Zahl an Unteroffizieren und zwei Drittel der etatmäßigen Zahl an Gemeinen. Diese zwölf Kompanien wurden von ihren Regimentern bekleidet und am 5. November in Münster i. W. (Hauptquartier der 13. Division) zusammengezogen und bewaffnet. Die zum neuen Regiment versetzten Offiziere wurden gleichfalls dorthin beordert. Am 10. November 1866 wurden die neue Regimenter zu den Garnisonen überführt.Alfred Cramer: Geschichte des Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15. Berlin 1910. Verlag R. Eisenschmid. Verlagsbuchhandlung für Militärwissenschaft.

Verbleib Nach dem Waffenstillstand zog die 18. Armee über Namur und überquerte am 15. November die Maas bei Dave (heute ein Teil Namurs). In Malmedy wurden von den Kompanien befehlsgemäß Vertrauensleute gewählt. Am Nachmittag des 21. Novembers erreichte das Regiment Deutschland, durchquerte die Eifel und überschritt am 29. bei Bonn den Rhein. Im Anschluss der Abnahme des Vorbeimarschs des Regiments an der Rheinbrücke durch den Divisionskommandeur, Freiherr von Massenbach, wurden die älteren Regimentsjahrgänge sowie die im Westen Beheimateten aus dem Regiment entlassen. Am 20. Dezember wurde dem Regiment die Ehre zuteil, am Schloss Wilhelmshöhe vor Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg im Parademarsch vorbeimarschieren zu dürfen. In Hannöverisch Münden wurden die Bataillone am 23. bzw. 24. Dezember in den Zug verladen und trafen am 25. bzw. 26. in Rendsburg ein.

Bewaffnung und Ausrüstung

Uniform Das Regiment war Bestandteil der Preußischen Armee und trug die entsprechende Infanterieuniform. Neben der schwarz-weiß-roten Reichskokarde führte es die schwarz-weiße Landeskokarde am Helm und an der Mütze. Die Schulterklappen waren, wie bei allen Linien-Infanterie-Regimentern des Korps ab 1890, weiß mit roter Nummer, die brandenburgischen Aufschläge weiß mit gelber Paspel. Die gelblichen Knöpfe waren aus Tombak.

Hauptbewaffnung das Regiment wurde mit dem Gewehr 88 und dem Seitengewehr 71 bewaffnet. Ab 1906 verwendete man das Gewehr 98 ab 1909 wurde eine Kompanie zu einer MG-Kompanie umgebildet als erste neue Waffe im Stellungskrieg setzte das Regiment ab Januar 1915 den Minenwerfer ein des Weiteren die Soldaten des Regiments ab Januar 1915 wurden mit Handgranaten ausgerüstet ab Sommer 1915 gehörten die Gasschutzmittel zur Standardausrüstung im Graben ab Juli 1916 wurden im Regiment Flammenwerfer verwendet ab Juni 1917 das Maschinengewehr MG 08/15

Garnisonen und Standorte Im Verlauf der Geschichte hatte das Regiment mehrere Garnisonen und weitere Standorte, die unter anderem bei Kriegsgeschehen auch temporär bezogen wurden. Die Garnisonen des Regiments waren oft prägend für die Ortsbilder und gleichzeitig gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor in den jeweiligen Orten. Nachfolgend eine Übersicht. 1866–1871 Rendsburg (I., II.) Eckernförde (III.) 1872 Rendsburg (I.) 1872–1896 Neumünster (II.) 1871 Kiel (III.) 1896 Rendsburg (I., II.) Kiel (III.)

Das Regiment war ab dem 11./12. August in Altona, wo es zum Teil in der örtlichen Kaserne und zum Teil in Bürgerquartieren untergebracht war. Nach kurzer Zeit wurden die ersten Krankheitserscheinungen bei Soldaten festgestellt. Die Choleraepidemie von 1892 entwickelte sich in den darauf folgenden Tagen. Um das Regiment vor weiteren Erkrankungen zu schützen, ließ man es biwakieren. Über die Erkrankungen in den Truppenteilen wurden genaue Aufzeichnungen angefertigt, die später zur wissenschaftlichen Auswertung des Epidemieverlaufes genutzt wurden.Schumburg, Die Choleraerkrankungen in der Armee 1892–1893 und die gegen die Ausbreitung und zur Verhütung der Cholera in der Armee getroffenen Massnahmen, Verlag August Hirschwald, Berlin, 1894, Seiten 7 ff.

Bekannte Einsätze des Regiments

Deutsch-Französischer Krieg mini|Carl Röchling: Tod des Majors von Halden (Schlacht bei Gravelotte, 18. August 1870) Das Regiment erhielt am 16. Juli 1870 den Befehl zur Mobilmachung und traf am 1. August mit der Bahn in Worms ein. Zusammen mit dem 2. Schlesische Grenadier-Regiment Nr. 11 bildete es die 36. Infanterie-Brigade innerhalb der 18. Division unter Karl von Wrangel. Diese wiederum gehörte zum IX. Armee-Korps unter General der Infanterie von Manstein und zur 2. Armee unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl von Preußen.

Das Regiment kämpfte bei Colombey, bei Gravelotte und bei Noisseville, nahm an der Belagerung von Metz teil, und focht bei Orléans und Le Mans.

Das Vorgehen des Füsilierbataillons am 18. August bei Gravelotte wurde auf einem Schlachtengemälde festgehalten und hing bis zur Auflösung des Regiments in dessen Offizierskasino. Danach kam es in die Obhut der Stadt Rendsburg.

Die Kriegsverluste des Regiments waren erheblich: gefallen verwundet vermisst gesamt Offiziere 20 29 0 49 Unteroffiziere und Gemeine 389 883 12 1.284Gesamt409912121.333

Für die bei der Schlacht von Le Mans erbeuteten Geschütze schenkte der preußische König Wilhelm dem Regiment einen Geschütz-Douceur-Gelder-Fonds und Prinz Friedrich Karl stiftete für diesen 6.000 Mark. Die Zinsen sollten zu Gunsten von Kapitulanten und Unteroffizieren verwendet werden.

Den Kommandeur der Division schenkte dem Regiment seine Epauletten sowie seinen Feldzugsdegen, die dann im Offizierskasino verwahrt wurden. Auch wurde das Offizierskasino mit einer reichhaltigen Bibliothek ausgestattet.

Erster Weltkrieg Die Mobilmachung bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs dauerte für das Regiment vom 2. bis zum 6. August 1914. Dann wurde es nach Aachen verlegt. Zusammen mit dem Infanterie-Regiment „Graf Bose“ (1. Thüringisches) Nr. 31 bildete es die 36. Infanterie-Brigade innerhalb der 18. Division, die als Teil des IX. Armee-Korps unter Ferdinand von Quast zur 1. Armee unter Generaloberst Alexander von Kluck gehörte.

Offizier Mann Pferde MG Verpflegungsstärke 83 3.241 237 Gefechtsstärke 75 2997 6

1914 Von Aachen rückte das Regiment am 11. August zuerst in Richtung Lüttich vor. Am 18. August erhielt es in der Schlacht an der Gette seine Feuertaufe. Es kämpfte danach in der Schlacht bei Mons bei Obourg, in Château-Thierry gegen eine abgesessene französische Kavallerieeinheit und in Courgivaux, bevor die 1. Armee zurückgezogen wurde.

Nach einem Gefecht beim Überqueren der Aisne bei Vic-sur-Aisne traf der erste, 570 Mann starke Ersatz ein. Mit der Eroberung Autrêches, als letztmals Tambours verwendet wurden, endete für das Regiment der Bewegungskrieg und es ging zum Stellungskrieg um Moulin-sous-Touvent über. Bis Oktober 1915 lag das Regiment dort im Abschnitt Touvent Ferme.

1915 Abseits des Abschnittes wurde am 11. Januar wurde das aus dem I. Bataillon (I./85) des Regiments, dem I./Res 86, dem II./163 und der Maschinengewehr-Abteilung Nr. 75 als Regiment „Richelot“ zur Verfügung der in Terny-Sorny stationierten 5. Infanterie-Division zur Verfügung gestellt. Diese zog mit ihm in die erste Schlacht von Soissons des Weltkriegs.

Das Reserve-Bataillon nahm am 16. März neben anderen Reserven an einer Parade vor dem Kaiser in Blérancourt teil.

Aus dem eintreffen Ersatz des 30. März wurde aus den Kompanien 13. und 14., das IV. (Halb-)Bataillon des Regiments gebildet.

Am 18. Juli wurde der Führer des III. Bataillons, Major Walter von Kielmannsegg, zum Kommandeur des Füsilier-Regiments „Königin“ (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86 ernannt.

Im September hatte der Feind, unter den Feldherren Joffre und French, einen Durchbruchsversuch über zwei Positionen, Artois und Champagne, unternommen. Mitte Oktober, die Schlachten näherten sich ihrem Ende, wurde die 18. Infanterie-Division Bestandteil der 3. Armee und in die Schlacht in der Champagne versetzt. Das Regiment kam südlich Sainte-Marie-à-Py zum Einsatz. Keine zwei Wochen darauf wurde auch der Führer des III. Bataillons zu Beginn des Krieges, Major Wilhelm Hagedorn, zum Kommandeur eines Regiments, dem Infanterie-Regiment „Bremen“ (1. Hanseatisches) Nr. 75, ernannt.

1916 Der seit dem 17. April vorbereitete Gasangriff, das Unternehmen Neue Feldküche, konnte wetterbedingt jedoch vorerst nicht ausgeführt werden. Die Artillerien schwiegen vom 23. April (Ostersonntag) bis Anfang Mai. Die Aktivitäten ließen in Erwartung des Wetterumschwungs, deutlich nach. Etwa einen Monat später, am 19. Mai, ergaben sich endlich für das Unternehmen günstigere Wetterbedingungen. Bedingt durch die lange Vorbereitung war der Feind jedoch vorbereitet. Durch das Abbrennen von Strohfeuern wurde durch deren Wärme das Gas über ihn hinweggetragen.

Das V. Reserve-Korps löste am 10. Juni das IX. Armee-Korps ab.