Das Telekolleg ist ein Angebot der Erwachsenenbildung, das in mehreren deutschen Ländern seit 1967 den Erwerb der mittleren Reife oder der Fachhochschulreife ermöglicht. Träger und federführend für dieses Bildungsangebot sind der Bayerische Rundfunk (BR) und die Bildungs- und Kultusministerien von BayernZAPO Tele vom 19. November 2002 und Brandenburg.Telekolleg-Verordnung vom 9. Juli 2002 Es handelt sich dabei um ein berufsbegleitendes Bildungssystem, bestehend aus Fernsehsendungen, schriftlichem Studienmaterial und regelmäßigen Unterrichtsveranstaltungen, ausgerichtet auf junge Erwachsene, die sich durch die Kombination aus Selbststudium und Präsenzunterricht höher qualifizieren können.
Geschichte Start 1967 (TK I) bzw. 1972 (TK II) Das Telekolleg I wurde am 2. Januar 1967 zunächst nur in Bayern im Rahmen des BR-„Studienprogramms“ gestartet und bot die Möglichkeit, die mittlere Reife zu erwerben. Es umfasste anfangs insgesamt 455 Fernsehsendungen; Grundfächer waren Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik und Physik; Zusatzfächer: Biologie, Technisches Zeichnen, Wirtschaftsgeographie, Volks- und Betriebswirtschaft, Elektrotechnik, Sozialkunde, Chemie, Technische Chemie und Betriebliches Rechnungswesen.Bayerischer Rundfunk: Winterprogramm 1967/68, S. 106; Prüfungsordnung: GVBl. 1973 S. 135 Ab 1969 beteiligten sich auch die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das SaarlandOrdnungen: GMBl. Saar 1971 S. 297; Amtsbl. 1982 S. 896/904 (mit S3), ab 1976 Nordrhein-Westfalen (mit WDF). Aufgrund nachlassender Nachfrage wurde das Telekolleg I 1984 eingestellt. Bis dahin hatten rund 22.000 Personen über das Telekolleg die mittlere Reife erworben.
1972 begann das Telekolleg II, das in den Ländern Bayern,Bayerischer Rundfunk: Sommerprogramm 1973, S. 93 f.; Prüfungsordnungen: GVBl. 1973 S. 143, GVBl. 1992 S. 562 Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem SaarlandOrdnungen: GMBl. Saar 1975 S. 347/350; Amtsbl. 1980 S. 769/772 in zwei Jahren zur Fachhochschulreife führte, anfangs ergänzt durch das Telekolleg für Erzieher mit dem Abschluss des staatlich anerkannten Erziehers in Bayern.Bayerischer Rundfunk: Sommerprogramm 1973, S. 36 f.; Prüfungsordnung: GVBl. 1973 S. 120 Das Telekolleg II umfasste in der Anfangsphase 325 Fernsehsendungen, wovon 169 vom BR, 104 vom SWF und 52 vom WDR produziert wurden; der Schwerpunkt des Telekollegs für Erzieher lag im Hörfunk. Zunächst gab es nur zwei Lehrgänge (1972/74 und 1974/76); der erste Lehrgang hatte insgesamt über 2.000 Absolventen (ca. 1.500 im Telekolleg II Südwest, 443 im bayerischen Telekolleg II und 556 Erzieher).Franz Hirdina: Das Telekolleg, in: Leo Heimerer (Hrsg.), Berufliche Bildung im Wandel (1983), S. 452–458. Ab der Neuaufnahme des Telekollegs II 1980 beteiligte sich auch Nordrhein-WestfalenAusbildungsordnung Telekolleg II Nordrhein-Westfalen vom 23. April 1980 (GABl. NW. S. 326); Verordnung über die Ausbildung und Prüfung im Telekolleg II Nordrhein-Westfalen (APO-TK II NW) vom 22. September 1994 (GV. NW. S. 938) (zuvor nur Ausstrahlung einzelner Teile im Schulfernsehen) und ab 1992 Brandenburg.Verwaltungsvorschriften zur Ausbildung und Prüfung im Telekolleg II vom 17. Dezember 1992 (ABl. MBJS 1993 S. 2); Verordnung über den Erwerb der Fachhochschulreife im Telekolleg (Telekolleg-Verordnung – TKV) vom 9. Juli 2002 (GVBl. II S. 423) Um die Jahrtausendwende verließen Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland den Verbund, 2014 auch Rheinland-Pfalz.
Am 18. September 1981 beschloss die Kultusministerkonferenz, dass die Abschlüsse des Telekollegs bundesweit anerkannt werden. Anfangs verband die Politik mit dem Telekolleg das Ziel, mehr Bildung für die ländliche Bevölkerung zu bieten. Auch Hausfrauen waren eine Zielgruppe. Alternativ zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Voraussetzung für die Teilnahme wird bis heute auch zum Telekolleg zugelassen, wer vier Jahre einen Familienhaushalt geführt hat.
Neue Struktur ab 2002 2002 wurde das Telekolleg II abgelöst durch das Telekolleg MultiMedial, das nach dem Ausscheiden von Rheinland-Pfalz 2014 von den Kultusministerien von Bayern und Brandenburg zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk veranstaltet wird und in etwas mehr als 16 Monaten zur FachhochschulreifePrüfungsordnung Bayern: GVBl. 2002 S. 857 bzw. in Bayern in 6 Monaten auch zur mittleren ReifeÜbersicht über mittlere Schulabschlüsse an öffentlichen und staatlich anerkannten Schulen, Bekanntmachung vom 30. April 2007, Nr. 5.13 ausbildet.
Bis zu seinem 40. Jubiläum Anfang 2007 hatte das Telekolleg insgesamt ca. 150.000 Teilnehmer, von denen ca. 60.000 die mittlere oder die Fachhochschulreife erworben haben;Monika Damm: Bildungsfernsehen: 40 Jahre Telekolleg in: Focus Online vom 25. Januar 2007. zehn Jahre später waren es mehr als 65.000 Absolventen.Pressemitteilung des BR vom 19. Dezember 2016
Rahmenbedingungen Ein Lehrgang geht über vier Trimester und dauert einschließlich der Abschlussprüfungen 20 Monate und mit dem empfohlenen Vorkurs 24 Monate. Möglich ist auch das sogenannte Splitting, dabei wird die Fachhochschulreife nach zwei Lehrgängen erworben. Voraussetzung für die Teilnahme ist unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mindestens vierjährige einschlägige Berufstätigkeit. Das selbstständige Führen eines Familienhaushaltes wird ebenfalls anerkannt.
Das Telekolleg wird abhängig von der ausgeübten beruflichen Tätigkeit in den Fachrichtungen Technik, Wirtschaft und Sozialwesen angeboten. Auch die Teilnahme an einzelnen Fächern zur Weiterbildung ist möglich. Die Vermittlung der Lerninhalte erfolgt über Lehrbücher (ursprünglich der TR-Verlagsunion), begleitende Fernsehsendungen, Webseiten und Kollegtage, die üblicherweise an 56 Samstagvormittagen in zwei Jahren (incl. Vorkurs) stattfinden.
Der Vorkurs beinhaltet die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Interessenten am Lehrgang „Mittlere Reife“ in Bayern müssen diesen Vorkurs absolvieren. Eine Einzelbelegung ausschließlich des Vorkurses ist nicht möglich. Den Vorkurs gibt es nur in Kombination mit der Fachhochschulreife und Mittleren Reife. Siehe auch den unteren Abschnitt Grundkurse.
Lagen die Kosten anfangs im Jahre 1967 noch bei 25 DM (entspricht heute ungefähr EUR),Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle EUR gerundet und bezieht sich auf Januar . liegen sie 2024 für die Lehrwerke zur mittleren Reife bei etwa 170 Euro, für die Lehrwerke zur Fachhochschulreife bei etwa 350 Euro (Anmelde- oder Lehrgangsgebühren werden nicht erhoben).
Ausstrahlungshinweise Die Telekollegsendungen werden in ARD alpha, dem Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks, ausgestrahlt. Im November 2024 startete der 23. Lehrgang des Telekollegs.BayMBl. 2024 Nr. 209 Die Lehrgänge werden online begleitet.
Kollegtagschulen
Oberbayern Altötting Bad Tölz Freilassing Freising Ingolstadt München Rosenheim Niederbayern Landshut Passau Oberpfalz Amberg Regensburg Weiden Oberfranken Bamberg Bayreuth Hof Mittelfranken Ansbach Nürnberg Unterfranken Aschaffenburg Schweinfurt Würzburg Schwaben Augsburg Donauwörth Neu-Ulm
Brandenburg Oranienburg Königs Wusterhausen
Fernsehlehrgänge Zeitraum 2022–2024Ausstrahlungsplan 2022–2024; siehe auch Ausstrahlungsplan 1998–2000 in Medienwissenschaft (HSK 15.3), S. 2372
Geistes-/gesellschaftswissenschaftlich Deutsch (insgesamt 39 Folgen, mit Volker Matthies,Netzwerk Medien-Trainer: Volker Matthies. BR 2001) Sprachkompetenz (13) 1. Rhetorik – die Kunst der Rede; 2. Das Referat; 3. Die Diskussion; 4. Das Vorstellungsgespräch; 5. Nachricht, Reportage und Feature; 6. Kommentar, Leitartikel und Glosse; 7. Rezension und Kritik; 8. Die Sprache der Werbung; 9. Protokoll und Gesprächsnotiz; 10. Die Textanalyse; 11. Erörterung: Argumente sammeln und ordnen; 12. Textanalyse und Erörterung – Eine Meinung vertreten; 13. Wiederholung und Zusammenfassung Literatur (13) 1. Was ist Literatur? 2. Erzählformen des zeitgenössischen Romans; 3. Der Roman im 20. Jahrhundert; 4. Epische Kurzformen; 5. Drama: Die Klassik; 6. Drama: Das epische Theater; 7. Drama: Das zeitgenössische Theater; 8. Einführung in die Lyrikanalyse; 9. Lyrik heute; 10. Textanalyse am Beispiel Epik; 11. Textanalyse am Beispiel Drama; 12. Kreatives Schreiben; 13. Faszination Literatur Medienkompetenz (13) 1. Mediengeschichte; 2. Printmedien – Nutzung und Informationsgewinn; 3. Hörfunk und Fernsehen; 4. Internet – Nutzung und Informationsgewinn; 5. Analyse journalistischer Darstellungsformen; 6. Objektivität, Subjektivität und Wahrheitsgehalt; 7. Verfälschung, Manipulation und Klischees; 8. Propaganda und journalistische Ethik; 9. Mediendesign; 10. Wirkungen und Probleme der Mediennutzung; 11. Medien verändern die Gesellschaft; 12. Orientierung in der Medienwelt; 13. Zusammenfassung – Medienkompetenz Geschichte (13, BR 2006) 1. Der Versailler Frieden und seine Folgen für Europa; 2. Von Weimar nach Potsdam – Deutschland in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts; 3. Die deutsche Teilung 1945 – 1989; 4. Das vereinte Deutschland; 5. Die Europäische Einigung 1945 bis heute; 6. Verbrechen gegen die Menschlichkeit – Dimensionen des Völkermords; 7. Im Schatten der Atombombe – Kalter Krieg und Ost-West-Konflikt; 8. Die Vereinten Nationen – Vision und Wirklichkeit; 9. Pulverfass Naher Osten – Israel – Palästina – Ölstaaten; 10. Terrorismus – Die neue Form des Krieges; 11. Giganten in Fernost – Japan und China im Aufschwung; 12. Globalisierung – Weltmarkt zwischen Arm und Reich; 13. Der geschundene Planet im 20. Jahrhundert Sozialkunde (13, BR 2005) 1. Recht und Freiheit durch Teilung der Gewalten; 2. Die Qual der Wahl: Spielregeln der Demokratie; 3. Gemeinsam stark: Auf dem Weg zur Bürgergesellschaft; 4. Information oder Leben aus zweiter Hand: Medien und Öffentlichkeit; 5. Kern der Gesellschaft – Die Familie; 6. Glückssache Lernen: Bildung und Chancen; 7. Haben oder Sein – Die Zukunft der Arbeit; 8. Maschen oder Löcher – Das soziale Netz; 9. Grenzenlos – Das neue Europa; 10. Vernetzung und Verstrickung – Globalisierung; 11. Eine Welt – UNO-Arbeit konkret; 12. Krieg oder Frieden: Macht, Glaube, Weltethos; 13. Der Blaue Planet – Von der Schöpfung zur Abschöpfung Psychologie (13, mit Volker Matthies, BR)DGPs: Laudatio für das Telekolleg Multimedial „Faszination Psychologie“ (2004). 1. Einführung in die Psychologie; 2. Wahrnehmung und Handlungssteuerung; 3. Lernen und Gedächtnis; 4. Denken und Problemlösen; 5. Motivation und Emotion; 6. Persönlichkeitspsychologie; 7. Gruppe, Konflikt, Mobbing; 8. Sprache und Kommunikation; 9. Entwicklungspsychologie; 10. Pädagogische Psychologie; 11. Klinische Psychologie; 12. Personalauswahl und Rechtspsychologie; 13. Markt-, Werbe- und Konsumentenpsychologie frühere Folgen mit Gabriele Garsoffky (WDR 1989) Wirtschaft (insgesamt 20) Volkswirtschaftslehre (13, mit Tobias Ranzinger, BR 2001) 1. Die Volkswirtschaft in Zahlen; 2. Der Markt – Treffpunkt von Angebot und Nachfrage; 3. Der Wirtschaftskreislauf; 4. Das Volkseinkommen und seine Verteilung; 5. Der Staat; 6. Die Soziale Marktwirtschaft; 7. Grundtatsachen der Konjunktur; 8. Wirtschaftspolitische Zielsetzungen; 9. Ökonomie und Ökologie; 10. Wettbewerb und Konzentration; 11. Arbeitsmarktpolitik; 12. Geldwert und Preisstabilität; 13. Außenwirtschaft frühere Folgen mit Jörg Cossardt (WDR 1986; Rede und Gegenrede mit Olaf Ploetz und Richard Rogler) Betriebswirtschaftslehre (7, mit Daniela Worel, BR 2001) 1. Der Alltag eines Unternehmers; 2. Unternehmenspolitik und Unternehmensführung; 3. Visionen – Ziele – Strategien; 4. Konstitutive Unternehmensentscheidungen; 5. Betriebliche Funktionen; 6. Betriebliches Rechnungswesen; 7. Controlling frühere Folgen (Betriebswirtschaftslehre und betriebliches Rechnungswesen) mit Wolfgang Weber (WDR)
Mathematisch/naturwissenschaftlich/technisch Biologie (13, mit Julia Fischer, BR 2006)