mini|Viktor von Ebner-Rofenstein mini|Das Professorenkollegium der medizinischen Universität Wien, Kreidezeichnung von Olga Prager, Wien 1908–1910. Im Dekanatszimmer der medizinischen Fakultät der Universität Wien.Das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien 1908-1910 Viktor von Ebner-Rofenstein (* 4. Februar 1842 in Bregenz, Kaisertum Österreich; † 20. März 1925 in Wien) war ein österreichischer Histologe.
Leben Anton Gilbert Victor Ebner-Rofenstein war der Sohn des Vorarlberger Kreishauptmanns Johann Nepomuk von Ebner-Rofenstein. Er studierte zunächst an der Universität Innsbruck und wurde 1860 mit dem Grafen Arthur von Enzenberg im Corps Chinesia aktiv.Mitglieder der Chinesia (VfcG) Er wechselte an die Georg-August-Universität Göttingen, wo er im Wintersemester 1861/62 der Burschenschaft Hannovera beitrat.Henning Tegtmeyer: Mitgliederverzeichnis der Burschenschaft Hannovera zu Göttingen 1848–1998. S. 11. An der Universität Wien schloss er das Medizinstudium 1866 mit der Promotion ab. 1868 wurde er Assistent bei dem Physiologen Alexander Rollett in Graz. Er habilitierte sich 1870 in Innsbruck für Histologie und wurde Privatdozent für Histologie und Entwicklungsgeschichte.Heinz-Peter Schmiedebach: Ebner, Viktor von. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 333. 1873 folgte er dem Ruf der Universität Graz als a.o. Professor für Histologie, Embryologie und Entwicklungsgeschichte. 1885 wurde er Ordinarius. Schließlich wurde er 1888 in Wien Nachfolger des Histologen Carl Wedl. Im akademischen Jahr 1907/08 war er Rektor der Universität Wien.Inaugurationsrede: Das Strukturproblem der lebenden Substanz. Das Innsbrucker Corps Rhaetia – seit 1913 Traditionsträger der Chinesia – verlieh ihm 1914 die Mitgliedschaft.Kösener Corpslisten 1960, 74/164 Nach 34 Amtsjahren wurde er 1922 emeritiert. Er starb mit 83 Jahren und wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 31 B, Reihe 12, Nr. 32) bestattet.
Bedeutung Als Wissenschaftler befasste sich Ebner-Rofenstein mit der mikroskopischen Analyse der verschiedenen menschlichen Gewebe, wie dem Bindegewebe, den Muskelfasern, Knochen und Zähnen. Er erreichte die Loslösung der Histologie von der Anatomie und Physiologie sowie deren Anerkennung als selbständiges Prüfungsfach in der neuen Studienordnung von 1903. Er beschäftigte sich mit zahlreichen histologischen und zoologischen Fragestellungen. Ihm gelang es erstmals, die Sertoli-Zellen von den Spermatogonien im Hoden abzugrenzen. Die seromuköse Drüsenendstücke mit ihren halbmondförmigen Endkappen werden nach ihm als Giannuzzi-Ebnersche-Halbmonde, die Spüldrüsen in den Geschmacksknospen als Ebnersche Spüldrüsen, die Anlagerungslinien zwischen Dentin und Zahnzement als Ebner-Linien bezeichnet.
Ehrungen mini|Ehrengrab Hofrat (1877) Präsident des naturwissenschaftlichen Vereins (1877) Korrespondierendes (1882) und wirkliches (1890) Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (1920) Zwei Nominierungen für den Medizinnobelpreis Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 31 B) Ebner-Rofenstein-Gasse in Hietzing (1936)
Schriften Untersuchungen über den Bau der Samencanälchen und die Entwicklung der Spermatozoiden. Leipzig 1871. Die acinösen Drüsen der Zunge. Graz 1873. Über den feineren Bau der Knochensubstanz. Sitzungsbericht der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe, 1875. Mikroskopische Studien über Wachsthum und Wechsel der Haare. Sitzungsbericht der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe, 1876. Untersuchungen über die Ursachen der Anisotropie organisierter Substanzen. Leipzig 1882. Über den feineren Bau der Skelettheile der Kalkschwämme. Sitzungsbericht der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe, 1887. Histologie der Zähne. In: Julius Scheff (1846–1922): Handbuch der Zahnheilkunde. Leipzig / Wien 1890. Über den Bau der Chorda dorsalis der Fische. Sitzungsbericht der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-naturwissenschaftliche Classe, 1896. Albert von Kölliker (Hrsg.): Handbuch der Gewebelehre. Band 3, 6. Auflage, 1889–1892.
Literatur J. Schaeffer: Victor von Ebner zum Gedächtnis. Anatomischer Anzeiger 62 (1927), S. 1 ff.
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Bd. 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993. Reinhard Hildebrand: Rudolf Albert Koelliker und seine wissenschaftlichen Kontakte zum Ausland. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 2 (1984), S. 101–115; hier: S. 110.
Weblinks
Ole Daniel Enersen: bei whonamedit.com
Einzelnachweise
Kategorie:Anatom Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Graz) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Rektor (Universität Wien) Kategorie:Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Lieben-Preisträger Kategorie:Burschenschafter (19. Jahrhundert) Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Stifter eines Corps Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1842 Kategorie:Gestorben 1925 Kategorie:Mann Kategorie:Absolvent der Universität Wien