Das Großherzoglich Mecklenburgische Füsilier-Regiment Nr. 90 „Kaiser Wilhelm“ war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte Die mecklenburgischen Truppen hatten zum Teil schon im Spanischen Erbfolgekriege als niederländische Hilfstruppen gekämpft. In Folge des 1788 abgeschlossenen Subsidientraktates zwischen Herzog Friedrich Franz zu Mecklenburg und dem niederländischen Erbstatthalter Prinz Wilhelm von Oranien, diente das Infanterie-Regiment „von Gluer“ – ab 1790 Infanterie-Regiment „von Pressentin“ – bis 1795 im holländischen Sold. Im November 1806 wurde Mecklenburg-Schwerin vom französischen 8. Armeekorps besetzt und verlor seine Selbständigkeit. Daraufhin wurden die mecklenburgischen Truppen entlassen. Das Regiment hatte seine Waffen abzugeben, wobei man den Offizieren ihre Degen sowie den Unteroffizieren ihre Säbel beließ. Mit der Wiedereinsetzung des Herzoges am 27. Mai 1807 erhielt Mecklenburg-Schwerin seine Eigenständigkeit zurück.Claus Dieter Hoppe, Cornelia Nenz, Detlef Weiß: Franzosenzeit in Mecklenburg. Hinstorff Verlag GmbH, Rostock 2007, S. 33. Im darauffolgenden Jahr trat Mecklenburg-Schwerin zum 22. März 1808 dem Rheinbund bei. Anschließend formierte sich die Mecklenburgische Brigade zu vier Bataillonen mit je sechs Kompanien. Die Struktur entsprach dem französischen Vorbild. Das ehemalige Regiment Erbprinz wurde im Zuge der Neuformation nicht mehr als eigenständiger Verband aufgestellt, sondern als III. Bataillon in die Brigade eingegliedert.Paul von Wrochem: Geschichte des Großherzoglich Mecklenburgischen Füsilier-Regiments Nr. 90. 1788–1888. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1888, S. 40. Am 25. Februar 1809 erließ Friedrich Franz I. die „Patentverordnung wegen der Rekrutenaushebung“. In dessen Folge die Militärstruktur und das Militärrecht nach französischem Vorbild übernommen wurde. Das Jahr 1809 brachte weitere Änderungen mit sich. So wurde am 11. März die Infanterie-Kontingent-Brigade formiert. Die Brigade wurde im Jahr 1812 während des Russland-Feldzuges fast vollständig vernichtet. Im März 1813 erfolgte der Austritt des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin aus dem Rheinbund.

Mit dem Beitritt in den Norddeutschen Bund ging die Neu-Formierung und Verstärkung der mecklenburgischen Truppen einher. Die Infanterie wurde zu einer Brigade aus zwei Regimentern formiert. Diese Formierung erfolgte zum 1. Oktober 1867. Die erste Rekruteneinstellung fand am 1. November statt. Das Regiment hatte danach eine Stärke von 43 Offizieren, 1651 Unteroffizieren und Mannschaften. In der Folge trat die Brigade unter der Bezeichnung 34. Infanterie-Brigade der 17. Division im Verband des IX. Korps bei. Mit dem Beitritt zum Norddeutschen Bund hielt auch die allgemeine Wehrpflicht ihren Einzug. Zudem wurde die preußische Militärgesetzgebung eingeführt. Änderungen zeigten sich auch in Ausrüstung und Uniformierung. Mecklenburg-Schwerin, vertreten durch Gustav von Pritzelwitz, schloss dann am 24. Juli 1868 mit Preußen, vertreten durch Eberhard von Hartmann, eine Militärkonvention, die den Übertritt der Offiziere in die preußische Armee regelte.K. U. Keubke: Eingereiht nach Rang angetreten, Der Übertritt der mecklenburgischen Offiziere in die preußische Armee 1868. Mecklenburg-Magazin, Regionalbeilage der SVZ, Landesverl- u. Druckgesellschaft, Schwerin 1995, Nr. 21, S. 6. Am 11. September 1868 fand daher in Groß Rogahn eine Parade der 17. Division vor König Wilhelm I. statt, welche symbolisch den Beitritt zur preußischen Armee besiegelte.

Auf Grundlage der 1872 geschlossenen Militärkonvention traten die mecklenburgischen Truppenverbände zum 1. Januar 1873 vollständig in den Etat der preußischen Armee. Besoldung und Versorgung der Soldaten gingen in die Verantwortung der preußischen Armee über, wie auch sämtliche Ausrüstung der Truppenverbände. Die Großherzöge gaben folgend ihre Befehlsgewalt ab. Eigentumsrechte an den Militärbauten und Liegenschaften blieben jedoch von der Konvention unberührt. Das Regiment war nunmehr in die preußische Armee eingegliedert worden. In Artikel 9 der Konvention wurde den mecklenburgischen Regimentern auch weiterhin der Namenszusatz „Großherzoglich Mecklenburgisch“ zugestanden.Paul von Schmidt: Der Werdegang des Preußischen Heeres. Verlag von Karl Hermann Düms, Berlin 1903, S. 301.

Wilhelm II. besuchte, wie zu dessen 25-jährigem Thronjubiläum am 16. Juni 1913 angekündigt, am 10. August das Regiment zu dessen 125. Errichtungs-Jubiläum letztmals in den Mauern der Garnison Rostock. Das Regiment bereitete dem Kaiser und Regimentschef einen feierlichen Empfang.Aus Die Woche, Heft 33, 1913

Stamm und Formierung Das Infanterie-Regiment „Jensen“ wurde im Jahr 1748 in Rostock errichtet. 1754 ging der Regimentsführer Oberst Jensen in den Ruhestand. Oberst von Zülow übernahm daraufhin die Position des Regimentschefs.Klaus-Ulrich Keubke, Hubertus Köbke: Mecklenburg-Schweriner Truppen in den Niederlanden 1788–1795. Schriften für Atelier u. Historienmalerei, Schwerin 2003, S. 11f. Ab diesem Zeitpunkt erhielt das Regiment die Bezeichnung Infanterie-Regiment „Jung-Zülow“. Das Regiment gliederte sich nunmehr in fünf Kompanien. Jede Kompanie hatte eine Mannstärke von 80 Mann. Zum 12. März 1763 übernahm Oberst Dietrich von Gluer das Regiment, worauf es die Bezeichnung Infanterie-Regiment „von Gluer“ erhielt. Im Frühjahr 1788 wurde das Regiment um weitere Kompanien vermehrt. Aus denen sich nachfolgend zwei Bataillone formierten. Am 12. Juli desselben Jahres fand dann in Rostock auf dem alten Markt die feierliche Übergabe der Avancierfahne und der Retrierfahne statt. Die Weihe der neuen Fahnen übernahm der Regimentsprediger Georg Belitz. Das Datum dieser Zeremonie wurde später als Stiftungsdatum des Regiments festgelegt. Die Errichtung des Regiments erfolgte allerdings bereits im Jahr 1748. Durch Verfügung vom 15. September 1797 verlieh Herzog Friedrich Franz dem Erbprinzen Friedrich Ludwig das Regiment. Es führte ab diesem Zeitpunkt die Bezeichnung Infanterie-Regiment Erbprinz. Im Laufe seiner Bestehenszeit wurde das Regiment mehrfach neu formiert.

Das Infanterie-Regiment „von Gluer“ bildete den Stamm des „Großherzoglich Mecklenburgischen Füsilier-Regiments Nr. 90“. Ab dem 26. August 1911 führte das Regiment die Bezeichnung „Großherzoglich Mecklenburgisches Füsilier-Regiment Nr. 90 ‚Kaiser Wilhelm‘“.

mini|hochkant|Stammtafel des Regiments Formierungen 1748–1873 1748 – Errichtung Infanterie-Regiment „Jensen“ 1754 – Infanterie-Regiment „Jung-Zülow“ 1763 – Infanterie-Regiment „von Gluer“ 1790 – Infanterie-Regiment „von Pressentin“ 1797 – Infanterie-Regiment „Erbprinz“ 1808 – Formierung zur Mecklenburgischen-Brigade III. Bataillon 1809 – Formierung zur Infanterie-Kontingent-Brigade II. Bataillon 1813 – Formierung zum Infanterie-Regiment II. Bataillon 1821 – II. Musketier Bataillon 1850 – Formierung zur Großherzog Mecklenburgischen Division II. Bataillon 1857 – III. Bataillon 1863 – Formierung zum 2. Infanterie-Regiment III. Bataillon 1867 – am 1. Oktober Formierung zum Großherzoglich Mecklenburgischen Füsilier-Regiment Nr. 90 I. Bataillon

Abtretungen und Aufstellungen Aufstellung Als Folge der Einführung der zweijährigen Dienstzeit für Mannschaften kam es ab 1893 zu einer deutlichen Erhöhung des Personalstandes.

Auf Grundlage der A.K.O. vom 11. August 1893 wurde die Formierung von IV. (Halb-)Bataillonen bei jedem Infanterie-Regiment befohlen, dies hatte bis zum 2. Oktober zu erfolgen. Auf diesen Befehl hin wurde auch im Füsilier-Regiment ein IV. (Halb-)Bataillon formiert.

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges kam es dann zur mehrmaligen Umformierung und Erweiterung des Regiments. So wurde im Februar 1915 das Regiment um eine 13. und 14. Kompanie erweitert. Im darauffolgenden Jahr 1916 wurde jeweils im Juni und zum 1. Oktober das Regiment um eine 2. und 3. Maschinengewehr-Kompanie erweitert. Diese wurden dem II. und III. Bataillon zugeteilt. In der Rostocker Kaserne wurden im Verlauf des Krieges weitere Verbände formiert, so wurde im Oktober 1916 ein Bataillon für das Infanterie-Regiment 409 aufgestellt. Im darauffolgenden Januar 1917 erfolgte die Aufstellung eines weiteren Bataillons, welches folgend an das Infanterie-Regiment Nr. 463 abgegeben wurde. Insgesamt sechs Bataillone wurden im Verlauf des Weltkrieges in der Kaserne Ulmenstraße aufgestellt.

Die letzte Veränderung des eigenen Formationsverbandes erfolgte am 28. August 1918 mit der Aufstellung einer Minenwerfer-Kompanie.

Abtretungen An das 1. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 25 wurden am 30. März 1877 ein Unteroffizier und 5 Füsiliere zur Bildung eines Eisenbahn-Regiments abgegeben. Am 10. April 1881 erfolgte die Abgabe der 3. Kompanie an das neu gebildete Infanterie-Regiment Nr. 128 in Danzig. Die 3. Kompanie wurde zeitnah neu aufgestellt. Am 2. April 1887 erfolgte die Abgabe der 4. Kompanie an die 6. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 137 in Hagenau. Die 4. Kompanie wurde zeitnah neu gebildet. Zum 1. April 1897 wird das 1893 gebildete IV. (Halb-)Bataillon an das Infanterie-Regiment Nr. 162 in Lübeck abgegeben. Am 13. Mai 1915 erfolgte die Abgabe der 13. und 14. Kompanie an das neu aufgestellte „Infanterie-Regiment Nr. 187“ abgegeben wurden.

Standorte mini|Rostock, Kaserne Ulmenstraße mini|Blick vom Exerzierplatz auf das Rostocker Kasernement in der Ulmenstraße 1788–1797 Rostock 1797–1806 Rostock, Waren und Penzlin 1808–1863 Rostock 1857–1863 Schwerin (IV. Bataillon) 1863–1867 Schwerin 1867–1919 Rostock und Wismar

Garnison Wismar 1848 – Neubau eines Garnisons-Hospital in der Altwismarer Straße. 1857 – Neubau der Hauptwache am Markt. 1881 – Umbau Provianthaus zum Quartierhaus I. in der Mühlenstraße. 1882 – Umbau Provianthaus zum Quartierhaus II. in der Scheuerstraße Nr. 2. 1901 – Das Zeughaus in der Ulmenstraße wird zur Kaserne umgebaut. 1903 – Die Offizierspeiseanstalt wird in der Altwismarer Straße erbaut.

Garnison Rostock 1818 – vorhandenes Gebäude am Blücher-Platz wird zur Hauptwache umgebaut. 1878 – Neubau der Infanterie-Kaserne für die Rostocker Füsiliere in der Ulmenstraße. 1908 – Neubau MG-Kompanie-Kaserne Ecke Hansa-/Ulmenstraße.

Die Offizierspeiseanstalt der Garnison Rostock befand sich in der Wismarschen Straße.

Einsatzgeschichte In Diensten der Niederlande