Der Reinhardswald ist ein über 200 km² großes und bis hohes Mittelgebirge des Weserberglands im Landkreis Kassel, Nordhessen (Deutschland). Davon sind 183 km² Teil des gemeindefreien Gebiets Gutsbezirk Reinhardswald.

Als Ort von Sagen und Legenden, wie Grimmscher Märchen, und besonders durch das Dornröschenschloss Sababurg ist der Reinhardswald überregional bekannt.

Geographie Lage mini|Tal der Weser mit Reinhardswald Der Reinhardswald befindet sich im Norden von Nordhessen zwischen Kassel und Bad Karlshafen sowie Hann. Münden und Hofgeismar. Im Norden und Osten stößt das Waldgebiet an die Weser und im Südosten und Süden an die Fulda, beide Flüsse bilden hiesig die Grenze zu Niedersachsen. Im Westen grenzt er teils an die Esse und im Nordwesten an die Diemel.

An den Reinhardswald schließen sich jeweils jenseits der Weser der Solling im Norden, der Kiffing im Nordosten und der Bramwald im Osten an. Im Südosten befindet sich jenseits der Fulda der Kaufunger Wald; nicht weit entfernt ragt südwestlich des Reinhardswaldes oberhalb des Kasseler Talkessels der Habichtswald auf.

Naturräumliche Zuordnung mini|Der Reinhardswald im Niedersächsischen Bergland Der Mittelgebirgszug bildet in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Weser-Leine-Bergland (Nr. 37) und in der Haupteinheit Solling, Bramwald und Reinhardswald (370) die Untereinheit Reinhardswald (370.4). Die Landschaft fällt nach Süden bis Südsüdosten in die Untereinheit Mündener Fulda-Werra-Talung (370.6) ab und nach Osten und Norden in die Untereinheit Weserdurchbruchstal (370.3). Nach Westen fällt sie in die Untereinheit Hofgeismarer Rötsenke (343.4) ab, die in der Haupteinheitengruppe Westhessisches Bergland (34) zur Haupteinheit Westhessische Senke (343) zählt.

Berge Zu den im Reinhardswald gelegenen Bergen und Erhebungen und deren Ausläufern gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders genannt laut ): Staufenberg (472,2 m) Gahrenberg (472,1 m) Hahneberg (460,8 m) Junkernkopf (ca. 453 m) Mühlenberg (439,0 m) Langenberg (ca. 435 m) Kleiner Staufenberg (421,0 m);Staufenberg-Südkuppe Großer Pinnacker (400,0 m);Hahneberg-Ostsporn Ahlberg (394,6 m) Steinhäufe (391,1 m) Knotberg (388,0 m) Olbenberg (371,1 m) Papenköpfe (367,8 m) Steinkopf bei Hilwartshausen (353,2 m) Osterberg (340,6)Topographische Karte vom Geoportal Hessen Sandkopf (340,1 m) Staufenküppel (333,8 m) Kuhberg (326,0 m) Grunewaldskopf (324,9 m) Burgberg der Sababurg (ca. 315 m) Kuhläger Kopf (290,5 m) Große Beckerseite (281,4 m) Heegeberg (280,2 m) Sieburg (274,2 m) Ischenberg (271,8 m) Steinkopf bei Wülmersen (271,1 m) Steinkopf in Fuldatal (ca. 250 m) Klipsberg (241,5 m) Sonderkopf (235,0 m) Brautstein (209,4 m) Kleiner Pinnacker (197,6 m);Hahneberg-Südostsporn Moosberg (185,0 m) Assaburg (163,5 m)

Gewässer Unmittelbar östlich des Reinhardswaldes fließt die tief ins Tal eingeschnittene Weser, südöstlich die ebenso tief im Tal verlaufende Fulda, westlich die kleine Esse und nordöstlich die Diemel. Die Holzape ist das längste Fließgewässer innerhalb des Mittelgebirges, durch das neben zahlreichen anderen Bächen auch die Holzkape, die Lempe und der Osterbach fließen. Zudem gibt es viele Teiche und Tümpel.

Ortschaften mini|Blick vom Tierpark Sababurg nach Nordwesten zur Sababurg mini|Gottsbüren, Ortsteil von Trendelburg mini|Hutebaum im Urwald Sababurg Im Reinhardswald liegen nur zwei Ortschaften: Trendelburg-Gottsbüren Hofgeismar-Beberbeck (Gehöft-Ansiedelung)

An den Rändern oder nahe dem Reinhardswald liegen: im Norden: Bad Karlshafen und Bad Karlshafen-Helmarshausen im Osten die Wesertaler Ortsteile Gewissenruh, Gieselwerder und Gottstreu sowie Reinhardshagen im Südosten Hann. Münden im Süden die Fuldataler Ortsteile Wilhelmshausen und Knickhagen sowie Immenhausen-Holzhausen im Südwesten Immenhausen, Immenhausen-Mariendorf und Grebenstein-Udenhausen im Westen Hofgeismar-Hombressen, Hofgeismar-Schöneberg und Trendelburg-Friedrichsfeld

Etwas weiter vom Reinhardswald entfernt liegen: im Westen Grebenstein, Hofgeismar und Trendelburg im Süden Kassel

mini|Hutewald im Reinhardswald

Beschreibung Der Reinhardswald umfasst eine sehr weitläufige, sanft gewellte, zumeist dicht bewaldete und seit Jahrhunderten nahezu unbewohnte Buntsandsteinhochfläche, die etwa 200 bis maximal hoch aufragt und nach Westen hin leicht geneigt ist. Seine beiden höchsten Berge, die jeweils stark bewaldet sind, heißen Staufenberg () und Gahrenberg ().

Mit über 200 km² Fläche ist der Reinhardswald eine der größten Waldflächen und eines der am wenigsten besiedelten Gebiete Deutschlands; innerhalb Hessens stellt er das größte in sich geschlossene Waldgebiet dar, in dem insbesondere Buchen und Eichen gedeihen. Außerdem gab es weit ausgedehnte Hutewaldflächen bzw. -wälder.

Geschichte Allgemeines Der Reinhardswald war einst Reichsforst. Den Nordteil zwischen Weser und Diemel schenkte Kaiser Heinrich II. der Abtei Helmarshausen; der Südteil kam an das Bistum Paderborn. Die ersten Siedlungen in der Region, wie die Königsgüter Hofgeismar und Herstelle waren an abseits des Waldes gelegenen Flüssen entstanden. Von dort aus kam es zu ersten Rodungen des Waldrandes zwecks Mastweidewirtschaft. Am Westrand des Reinhardswaldes lag nahe Mariendorf das einstige Töpferei-Dorf und die heutige Wüstung Reinersen. Im Hochmittelalter kamen die Herren von Schöneberg im Reinhardswald zu davor winzenburgischen Lehensrechten. In einer Rodungsphase legten sie mit Billigung ihrer Lehnsherren, der Grafen von Dassel, Orte im bisherigen Waldinneren an. Dabei handelte es sich um Hagenhufendörfer. Wegen der gegenüber den früher angelegten Siedlungen benachteiligten Lage und wegen des politischen Rückzuges der Gründungsterritorialherren fielen sie jedoch bald wieder wüst. Landgraf Heinrich von Hessen kaufte 1305 von Konrad von Schöneberg dessen Hälfte des Waldes und Bischof Balduin von Paderborn verpfändete 1355 auch seinen Teil an Hessen. Der Forst blieb danach hessischer Besitz und wurde für die Landgrafen, besonders für Philipp den Großmütigen, eine beliebte Wildbahn.

Im und am Reinhardswald wurde über Jahrhunderte Bergbau betrieben. Belege für Braunkohlen-Abbau am Gahrenberg (von 1842 bis 1970 im Untertagebergbau) lassen sich schon zur Zeit des Landgrafen Wilhelm IV. ab 1575 finden. Eine frühe Gewinnung von Alaunerde und Quarzsand, der in der Glashütte von Hann. Münden weiterverarbeitet wurde, ist nachgewiesen. Um 1592 war eine Gewerkschaft in Holzhausen bekannt. Aus dem Zeitraum zwischen 1611 und 1666 sind weitere Zeugnisse des Bergbaus belegt.

Weit ausgedehnte Hutewälder und alte Bauernhöfe und Gehöfte zeugen von der landwirtschaftlichen Tradition im Reinhardswald.

Herkunft des Namens Zur Herkunft des Namens „Reinhardswald“ gibt es mehrere Theorien. Jacob Grimm hat in einem Aufsatz über die Herkunft hessischer OrtsnamenJacob Grimm, 1840, Über hessische Ortsnamen, Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 2, S. 142 ff. vier Möglichkeiten aufgezählt: In einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs II. von 1019 wird der südliche Teil des Reinhardswaldes dem Bistum Paderborn geschenkt. Der Wald wird über die Dörfer, die ihn umgeben, beschrieben. Eines dieser Dörfer ist das heute wüste Reginhereshuson, das in der Nähe von Mariendorf lag. In einer zweiten Urkunde, in der Kaiserin Agnes 1059 den Wald an das Bistum Paderborn zurückgibt, wird der Wald als foresto Reginhereshuson bezeichnet, woraus dann später der Name Reinhardswald entstanden sei. Grimm bezweifelt, dass ein kleines Dorf einem so großen Wald seinen Namen gegeben habe – eher sei das Gegenteil wahrscheinlich. Die Bezeichnung in der Urkunde von 1059 sei ein Irrtum, der auf die Urkunde von 1019 zurückgehe. Der Name stamme von einem früheren Besitzer mit Namen Reginhart, Reinhart oder Reinart. Allerdings ist kein solcher Besitzer überliefert. Die Namen vieler Wälder stammen von Tieren ab, wie z. B. beim Habichtswald oder beim Spessart (ehemals Spechtshart). Der Name Reinhardswald könne daher von der Fabel Reineke Fuchs stammen. Grimm kann allerdings keine Spuren dafür finden, dass die Fabel einen Bezug zur Wesergegend habe. Die von Grimm bevorzugte Erklärung geht auf die einzelnen Wortbestandteile ein. Die Silbe „hard“ beziehungsweise „hart“ bezeichne dabei bereits einen Wald, was die dritte Silbe überflüssig mache. Der erste Teil, in seiner alten Form „ragin“, später „regin“ und dann „rein“, sei eine Verstärkung, und mache aus dem Wald einen „großen Wald“.

Professor BonnemannAlfred Bonnemann: Der Reinhardswald, Verlag der Weserbuchhandlung, Hann. Münden, 1984, 2. Auflage: Selbstverlag Forstgutsbezirk Reinhardswald, 2016. bezeichnete die erste Theorie als die heute anerkannte.

Die Schreibweise des Namens variierte: Reynhartiswald (1303), Reynerswolt (1304), Reinhartswalt (1304, 1369), Reynerswelt (1312), Reinhardswald (1359).Oskar Hütteroth, Die Reinhardswalddörfer Holzhausen, Knickhagen, Wilhelmshausen in der Vergangenheit und Gegenwart, 1911.

Sagen Es gibt mehrere Sagen über die Entstehung des Reinhardswaldes, von denen hier die beiden bekanntesten beschrieben sind:

Variante 1: Graf Reinhard war ein Spieler und Trunkenbold. Eines Nachts spielte er mit dem Bischof von Paderborn. Nachdem er all sein Geld verloren hatte, setzte er seine gesamten Besitztümer auf ein Spiel, das er verlor. Er bat den Bischof um Gnade und dieser gewährte ihm noch eine weitere Ernte, woraufhin er Eicheln säte. Diese populäre Variante wird auch von einer Theatergruppe aufgeführt. Variante 2: Graf Reinhard beherrschte das mächtige, mit Dörfern dicht besetzte Waldgebiet, wurde aber wegen Erpressungen und Räubereien zum Tod verurteilt. Auf sein Flehen wurde ihm gestattet, noch einmal die Huten zu bestellen und abzuernten. Listig besäte er nach Zerstörung der Dörfer die Acker der Bauern mit Eicheln, deren Früchte erst reiften, nachdem er längst gestorben war. So entstand der Reinhardswald.

Der Judenbaum im Reinhardswald mini|Inzwischen durch eine Stele ersetzte Gedenktafel, die an den Judenbaum erinnerte. Auf der Stele wird die Behauptung, Droste-Hülshoffs Novelle basiere auf dem Mord im Reinhardswald, nicht mehr aufrechterhalten. Etwa einen Kilometer westlich des Knotberggipfels befindet sich der sogenannte Judenbaum. Hier wurde am Heiligabend des Jahres 1668 der jüdische Händler Samuel von Schwartzkirchen Opfer eines Raubmordes. Bereits 40 Jahre später wurde die Eiche, bei der dies geschah, als Judenbaum in der Schleensteinschen Landkarte vermerkt. Nachdem dieser Baum abgestorben war, fielen mehrere an dessen Stelle gepflanzte Bäume Vandalismus zum Opfer, wobei wegen Hakenkreuzschmierereien eine antisemitische Motivation offenkundig war. Im Jahr 2020 wurde eine im Urwald Sababurg gezogene Eiche an derselben Stelle gepflanzt und eine Informationsstele aufgestellt. Die Initiative dazu ging vom Forstamt Reinhardshagen und der Evangelischen Akademie Hofgeismar aus.

Verschiedentlich wurde gemutmaßt, ob die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff von diesem Baum und dem damit verknüpften Ereignis zu ihrer Novelle Die Judenbuche (1842) inspiriert worden ist. Tatsächlich hatte sie den Reinwaldswald bereist, und in dieser Zeit gab es in den Dörfern des Reinhardswaldes einen Förster namens Friedrich Mergell und einen weiteren mit Namen Carl Friedrich Mergell. Die Ähnlichkeit mit dem Namen der Hauptperson der Judenbuche, Friedrich Mergel, ist offensichtlich.

Trotzdem hatte Droste-Hülshoff ganz offenkundig nicht in erster Linie das Geschehnis im Reinhardswald vor Augen, als sie ihre Novelle schrieb, denn sie siedelte sie nicht nur eindeutig im „gebirgichten Westfalen“ an, sondern auch die zugrunde liegende Handlung hatte sich tatsächlich im Dorf Bellersen bei Brakel (bei Droste-Hülshoff mit B. abgekürzt) gerichtsaktenkundig abgespielt.

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