Die Maersk Alabama ist ein Containerschiff, das für die Reederei Mærsk Line Limited, einer Tochterfirma der dänischen A. P. Møller-Mærsk aus Kopenhagen fuhr. Das Schiff ist mittlerweile unter dem Namen Tygra in Fahrt. Es wurde im April 2009 durch einen Piratenangriff vor der somalischen Küste international bekannt. Die Piraten nahmen dabei den Kapitän des Schiffs als Geisel, der schließlich in einer gewaltsamen Aktion durch Spezialkräfte der US-Navy befreit wurde.

Geschichte Das Schiff wurde 1998 unter der Baunummer 676 auf der Werft der taiwanischen China Shipbuilding Corporation in Keelung für die A. P. Møller-Mærsk Group gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 27. Mai 1998, abgeliefert wurde das Schiff am 22. Dezember 1998. Das Schiff kam als Alva Maersk unter dänischer Flagge in Fahrt. Im November 2004 wurde das Schiff in Maersk Alabama umbenannt und unter US-amerikanische Flagge gebracht. Die Umbenennung in Tygra und Registrierung in Liberia erfolgte im März 2016.

Festsetzung 2004 Das Schiff wurde 2004 im Zusammenhang mit einem Betrugsfall in Kuwait an die Kette gelegt. Dabei soll die Verschiffung hochwertiger Güter nur vorgetäuscht worden sein. In diesem Zusammenhang wurde die A. P. Møller-Mærsk Group in Kuwait auf Schadensersatz für den Verlust von Gütern verklagt, die nicht existiert haben sollen, und das Schiff wurde beschlagnahmt, bis im April 2004 die Gruppe 1,86 Millionen US-Dollar Entschädigung bezahlte.

Piratenangriff und Geiselnahme des Kapitäns im April 2009 Am 8. April 2009 wurde die Maersk Alabama auf der Fahrt nach Mombasa um 07:30 Uhr Ortszeit von somalischen Piraten in 310 sm Entfernung von der Küste Somalias angegriffen. Dies war bereits der sechste Angriff in dem Gebiet innerhalb einer Woche.Angriff auf „Maersk Alabama“: Vier Piraten gegen US-Kriegsschiff. In: Stern.de vom 9. April 2009, abgerufen am 27. November 2013.. Meldung des Wissenschaftszentrums Nauticus vom 11. Dezember 2009, abgerufen am 27. November 2013 (englisch). Als Mutterschiff und damit als Ausgangspunkt für ihren Angriff nutzten die Piraten die Win Far 161, ein taiwanisches Fischereischiff mit 30 Mann Besatzung, das sie zwei Tage zuvor nördlich der Seychellen in ihre Gewalt gebracht hatten.Chiang Huang-chih: Does MOFA care about ‘Win Far’? In: Taipei Times vom 7. September 2009, abgerufen am 10. Dezember 2013 (englisch)

Der Kapitän des Containerschiffs, Richard Phillips, hatte zuvor per E-Mail mehrere Warnungen vor Piratenangriffen erhalten, die mit der dringenden Empfehlung verbunden waren, mindestens 600 sm Abstand zur somalischen Küste zu halten. Er wies jedoch seine Besatzung an, den Kurs nicht zu ändern. TV-Beitrag der Sendung Anderson Cooper 360° auf CNN vom 8. Oktober 2013, abgerufen am 29. November 2013 (englisch).

Der Frachter kam aus Salala im Oman, hatte Dschibuti angelaufen und war unterwegs nach Kenia.Dramatischer Kampf mit Piraten vor somalischer Küste. In: Hamburger Abendblatt, 9. April 2009. Die Ladung bestand vor allem aus Lebensmitteln des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen für mehrere Länder in Ostafrika.„Maersk Alabama“: Piraten nehmen Kapitän von US-Frachter als Geisel. In: Focus, 9. April 2009.

Kaperung Als die Piraten sich in unmittelbarer Nähe des Schiffs befanden, wies der Kapitän den größten Teil der 20 Mann starken Besatzung an, sich unter Deck einzuschließen, wo von einem Besatzungsmitglied kurz zuvor ein besonders geschützter Raum eingerichtet worden war.Shane Murphy: „I’m Your Worst F**king Nightmare“. In: GQ vom 18. November 2009, abgerufen am 10. Dezember 2013 (englisch). Den mehrfach trainierten Verhaltensanweisungen im Falle eines Piratenangriffs folgend wurden zunächst Leuchtraketen abgeschossen, um andere Schiffe und patrouillierende Militärflugzeuge auf den Angriff aufmerksam zu machen. Phillips blieb mit drei Seeleuten auf der Brücke. Mit Hilfe einer Enterleiter gelangten die ersten beiden Piraten an Bord des Schiffes und kurz darauf auf die Brücke, wo ihnen Phillips unbewaffnet und ohne Widerstand entgegentrat.

Unter Deck hatte die Besatzung Kontrolle über den Maschinenraum und das Ruder. Durch mehrfaches hartes Umlegen des Ruders versuchte die Besatzung, die beiden weiteren Piraten am Verlassen ihres Bootes und am Entern des Schiffes zu hindern, was jedoch misslang. Allerdings lief das Boot der Seeräuber durch die erzeugten Wellen voll, kenterte und ging verloren. Nach 20 Minuten wurde der Schiffsmotor gestoppt und kurz darauf stellte die Besatzung die Stromversorgung auf dem Schiff ab und unterbrach die Dieselzufuhr zum Notstromgenerator, was den Piraten die Orientierung auf dem Schiff und die Suche nach den Besatzungsmitgliedern erschwerte. Die Piraten schickten einen der auf der Brücke gebliebenen Seeleute unter Deck, um die restliche Besatzung zu holen. Er schloss sich jedoch der im dunklen Schiffsinneren versteckten Gruppe an.Crewman’s e-mail gives harrowing details of hijacking. In: CNN vom 20. April 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).

Der Mannschaft gelang es, einen der Piraten in einen Maschinenraum zu locken und ihn zu überwältigen.Colin Freeman: Captain Phillips interview: „I didn’t care if I died“. In: The Telegraph vom 8. Oktober 2013, abgerufen am 30. November 2013 (englisch). Der Pirat wurde zwölf Stunden lang von der Besatzung festgehalten. Nach Verhandlungen zwischen den Seeräubern und der Besatzung wurde ein Austausch der von beiden Seiten gehaltenen Geiseln und die Übergabe von Nahrungsmitteln, Treibstoff und eines Rettungsbootes vereinbart. Mit diesem wollten die vier Piraten, deren eigenes Boot zu Beginn des Angriffs gesunken war, fliehen. Zusätzlich übergab der Kapitän den Piraten 30.000 US-Dollar aus dem Schiffstresor.Adam Goldman: . In: Leader-Post, 12. Oktober 2012 (englisch).

Flucht der Piraten und Entführung des Kapitäns Die Piraten nahmen Kapitän Phillips als Geisel in ein kleines Rettungsboot, zu dessen Nutzung er sie überredet hatte und das von der Besatzung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Treibstoff ausgestattet wurde. Phillips sollte den Piraten zeigen, wie sie mit dem Boot ablegen und an die Küste fliehen könnten, und sich anschließend gegen den vierten Piraten austauschen lassen, der sich noch in der Gewalt der Besatzung befand.. In: Süddeutsche Zeitung, 15. April 2009. Als das Ablegen nicht gelang, ließ eine Abordnung der Besatzung das Freifallrettungsboot des Schiffes zu Wasser und bewegte sich darin mit dem vierten Piraten auf das kleinere Rettungsboot mit dem Kapitän und den drei Piraten zu, um die Boote und die Geiseln zu tauschen. Der Austausch scheiterte jedoch, als der gefangene Seeräuber zwar übergeben, Phillips jedoch nicht freigelassen wurde. Die Zeit von diesem Mittwoch bis (Oster-)Sonntag verbrachte Phillips mit seinen Entführern auf dem Boot.Marc Engelhardt: US-Kapitän in Piratenhand. In: taz, 9. April 2009, abgerufen am 21. September 2019.

Verfolgung durch US-Kriegsschiffe Der Zerstörer Bainbridge erreichte die Maersk Alabama in der Nacht zum 9. April 2009, um deren Besatzung zu unterstützen.. In: Süddeutsche Zeitung, 9. April 2009. Ein Seeaufklärer des Typs P-3 Orion lieferte gleichzeitig Videoaufnahmen aus der Luft.Obama promises united effort against piracy. In: USA Today vom 12. April 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).

Da den Piraten eine Flucht mit dem langsamen Rettungsboot nicht möglich war, hielten sie den Kapitän des Containerschiffes in dem Rettungsboot weiterhin als Geisel und verlangten Lösegeld sowie ein Schnellboot. Von dem US-Zerstörer in der Nähe des Rettungsbootes aus traten die US-Marine und ein Verhandlungsteam der Bundespolizei FBI in Kontakt mit den Seeräubern.US-Militär verstärkt Präsenz vor Afrika. In: Deutsche Welle, 10. April 2009, abgerufen am 21. September 2019.

Phillips’ Fluchtversuch Die Maersk Alabama setzte am 10. April 2009 ihre Fahrt nach Mombasa fort. Am selben Tag scheiterte ein Fluchtversuch des festgehaltenen Kapitäns Phillips. Er versuchte, mit einem Sprung aus dem Boot seinen Entführern zu entkommen. Die Piraten feuerten daraufhin Schüsse ab und nahmen ihn wieder an Bord.. In: Süddeutsche Zeitung, 10. April 2009. Am 10. April erreichte außerdem die Fregatte Halyburton die Seeregion, das amphibische Angriffsschiff Boxer wurde ebenfalls dorthin beordert.. In: n-tv, 10. April 2009.

Unterstützungsversuch für die Piraten durch weitere gekaperte Schiffe Nachdem die vier Piraten im Rettungsboot um Unterstützung bei ihrem Fluchtversuch gebeten hatten, setzten sich am 10. April 2009 mit ihnen verbündete Piraten mit vier weiteren entführten Schiffen vor der Küste Somalias in Bewegung, darunter das deutsche Containerschiff Hansa Stavanger einschließlich der an Bord als Geiseln genommenen Besatzung. Der Unterstützungsversuch scheiterte jedoch, da die Piraten das Rettungsboot nicht fanden.Doku über „Hansa Stavanger“-Entführung: „Die echten Bosse sitzen auf den Bahamas“. In: Süddeutsche Zeitung vom 7. Dezember 2013.

Befreiung durch Navy SEALs mini|Der Kapitän der Maersk Alabama, Richard Phillips (rechts), nach seiner Rettung mit Frank Castellano, dem Kommandanten der Bainbridge

In der Nacht zum 12. April 2009 sprangen Angehörige der Antiterror-Spezialeinheit SEAL Team Six mit dem Fallschirm ab und wurden von der Bainbridge aufgenommen.Katja Gelinsky: Drei Kopfschüsse in rauher See. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. April 2009, abgerufen am 21. April 2009. Im Laufe des Tages näherte sich das Rettungsboot mit den Piraten und der Geisel bis auf weniger als 50 km der somalischen Küste unweit von Garacad (Mudug),Piraten mit US-Kapitän nähern sich der Küste. In: Die Welt, 12. April 2009, abgerufen am gleichen Tag. einem Piratenstützpunkt etwa 125 km südlich von Eyl. Die Möglichkeit einer Verschleppung der Geisel auf das Festland verschärfte die Situation. An Land wären die Chancen auf eine schnelle Befreiung stark gesunken, da es im Hinterland der Küste viele unzugängliche Bergdörfer und Höhlen gibt. Als das Boot der Piraten am 12. April 2009 durch hohen Seegang in Gefahr geriet, ließen sie sich von dem Zerstörer in ruhigere Gewässer schleppen. Der US-Marine gelang es so, näher an das Boot mit dem entführten Phillips heranzukommen. Abdiwali Abdiqadir Muse, der von der Besatzung einige Tage zuvor verletzte Pirat, kam zu Verhandlungen, ärztlicher Versorgung und einem Telefonanruf an Bord der Bainbridge. Als die Piraten merkten, dass der Zerstörer ihr Boot wieder aufs offene Meer zog, wurde die Lage für die Geisel zunehmend kritischer.

Am Abend des 12. April 2009 wurde Kapitän Phillips vom Team der Navy SEALs unverletzt gerettet. Dabei wurden drei der vier Piraten getötet.Stephanie McCrummen, Ann Scott Tyson: Navy Kills 3 Pirates, Rescues Ship Captain. In: The Washington Post, 12. April 2009, abgerufen am gleichen Tag. Da die Militärs zu dem Urteil gekommen waren, dass sich Phillips in unmittelbarer Lebensgefahr befand, hatten sie sich zum Eingreifen entschlossen. Drei Kampfschwimmer töteten vom Heck der Bainbridge aus 25 m Entfernung die drei Piraten an Bord des Rettungsbootes mit mehreren gleichzeitigen Schüssen. Zwei der Entführer hatten an der hinteren Luke des Rettungsbootes gestanden, der dritte Pirat war mit auf den gefesselten Phillips gerichtetem AK-47-Sturmgewehr im Inneren des Bootes sichtbar. Unmittelbar nach den Tötungen wurde Phillips befreit.Stephanie McCrummen, Ann Scott Tyson: Navy Kills 3 Pirates, Rescues Ship Captain off Somalia’s Coast. In: Washington Post, 13. April 2009, abgerufen am 29. November 2013 (englisch).Robert D. McFadden und Scott Shane: In Rescue of Captain, Navy Kills 3 Pirates. In: New York Times, 12. April 2009, abgerufen am 29. November 2013 (englisch).

mini|hochkant|Das Rettungsboot der Maersk Alabama, in dem Kapitän Phillips fünf Tage lang festgehalten wurde, wird an Bord der Boxer gebracht.