Mayday ist das internationale Notsignal im Sprechfunk. Es wird weltweit im mobilen Seefunkdienst, mobilen Flugfunkdienst, bei Eisenbahnen und im BOS-Funkdienst verwendet und hat im Funkverkehr oberste Priorität.
Ursprung mini|hochkant|Das Grabmal von Frederick Mockford
Der Ausdruck Mayday wird weitläufig Frederick Stanley Mockford (1897–1962) zugeschrieben, der als leitender Funkoffizier am Flughafen London-Croydon mit starker Verbindung zum Flughafen Le Bourget nahe Paris gebeten worden sein soll, ein Wort zu finden, das einerseits eine Notlage anzeigte, andererseits aber auch von jedem, Piloten und Bodenpersonal, gleichermaßen sicher verstanden würde.John Hart: The National CV of Britain. Tadley 2012. Wie eine Reihe anderer Zeichen im internationalen Kommunikationswesen, etwa Pan-pan und Sécurité, wird auch Mayday auf das Französische zurückgeführt: Die Schreibung, welche im Englischen die Interpretation als ‚Maifeiertag‘ nahelegt, wird dabei als phonetische Wiedergabe eines Hilferufs [], und dieser entweder als Befehlsform (jussiver Infinitiv) M’aider, möglicherweise verkürzt aus Venez m’aider! ‚Kommt mir helfen!‘Michèle Fruyt, Les deux types de motivation dans certaines langues indo-européennes (français, latin, …) in: Paul Valentin/Michèle Fruyt (Hrsg.), Lexique et Cognition, Paris 1998, ISBN 2-84050-109-0, S. 55 oder als Imperativ M’aidez! ‚Helft mir!‘ aufgefasst.Broder Carstensen/Ulrich Busse/Regina Schmude, Anglizismenwörterbuch. Der Einfluß des Englischen auf den deutschen Wortschatz nach 1945, Bd. 1 (A–E), Berlin 2001, ISBN 3-11-017169-4, S. 891“May Day” Is Airplane SOS, in: The Wireless Age, June 1923, S. 52.Das Handbuch Martin Haspelmath et al. (Hrsg.): Language Typology and Language Universals – Sprachtypologie und sprachliche Universalien – La typologie des langues et les universaux linguistiques. Band 2/2. Berlin / New York 2001, ISBN 3-11-017154-6, S. 1602 bezeichnet m’aidez! als Pseudo French ‚Pseudo-Französisch‘, wohl wegen des dem Imperativ vorangestellten Pronominalobjekts, welches im älteren Französisch allerdings möglich war, vgl. Jean Girodet: Pièges et difficultés de la langue française. Paris 2007, S. 1036; Georg Radisch: Die Pronomina bei Rabelais. Ein beitrag zur französischen grammatik des XVI. jahrhunderts. Leipzig 1878, S. 23.
Seefahrt Das Sprechfunk-Notzeichen MAYDAY zeigt einen Seenotfall an und leitet die Seenotmeldung ein. Seenotfall bedeutet, dass ein Wasserfahrzeug auf See in Not oder eine Person in Lebensgefahr ist und sofortige Hilfe benötigt.
Beispiele für Seenotfälle Wassereinbruch mit akut drohendem Sinken; Überfall durch Piraten; Kollision mit drohendem Sinken; Strandung mit drohendem Sinken; Schlagseite mit drohendem Sinken; Feuer an Bord; Mann über Bord; manövrierunfähiges Treiben mit drohender gefährlicher Strandung oder Kollision, Querschlagen und Kentern durch Brecher. Ob ein Seenotfall vorliegt, entscheidet der verantwortliche Schiffsführer nach seiner subjektiven Sicht. Objektiv gesehen kann das Vorliegen eines Notfalls von der Erfahrung der Crew und der Ausrüstung des Schiffes abhängen.
Alarmierung Im Seefunk erfolgt der Seenotverkehr über folgende Medien: UKW-DSC Kanal 70 (156,525 MHz) (nur digitaler Selektivruf) UKW Kanal 16 (156,80 MHz) (gesprochene Meldung) GW/KW-DSC 2182 kHz (Grenzwelle) 4125, 6215, 8291, 12290, 16420 kHz (Kurzwelle), ggf. auf dem Arbeitskanal einer Küstenfunkstelle
Notrufe in Küstennähe oder via Satellitentelefon können auch erfolgen über Telefon +49-421-53687-0 (Seenotrettungsleitstelle der DGzRS in Bremen) Kurzwahl 124 124 aus allen deutschen Mobilfunknetzen (nur von See oder in Küstennähe aus deutschen Mobilfunknetzen)
DSC-Funk mini|Modernes UKW-Funkgerät mit gut sichtbarer Distress-Taste unter einer roten Abdeckklappe Heute erfolgt der Notruf meist über ein DSC-Gerät und nach den Regeln der Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO Funk). Neben den ausrüstungspflichtigen Schiffen (SOLAS) verfügen mittlerweile alle modernen Charterschiffe über ein UKW-Gerät mit DSC-Controller.
Die Notruftaste ist meist mit „Distress“ in rot beschriftet und unter einer Abdeckklappe vor Falschauslösung geschützt. Als weitere Sicherung muss sie bei einigen Geräten mehrere Sekunden ununterbrochen gedrückt werden.
Das Funksystem sendet eine digitale Seenotalarmierung mit folgendem Inhalt: MMSI des Schiffes Position des Schiffes - moderne Funkgeräte haben deswegen einen GNSS-Empfänger eingebaut, bei älteren musste ein externer NMEA-Empfänger angeschlossen werden Art des Notfalls (englisch: Man over board, Pirates attack, Ship sinking, Fire etc.)
Notmeldung Dem DSC-Notalarm folgt dann der Notanruf, gefolgt von der eigentlichen Notmeldung über Sprechfunk:
{| cellspacing="8" cellpadding="0" class="wikitable" style="font-size: 95%; border: 1px; margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" ! Vorlage !! Beispiel |- |Notanruf Mayday Mayday Mayday This is …………………… (Schiffsname - 3-mal -, Rufzeichen und MMSI) | Mayday Mayday Mayday This is Yacht Holiday Holiday Holiday HBY2384 269787381 |- | Notmeldung Mayday ........................ (Schiffsname, Rufzeichen und MMSI) | Mayday Yacht Holiday HBY2384 269787381 |- | Position _ _ Degrees _ _ Decimal _ Minutes North/South _ _ _ Degrees _ _ Decimal _ Minutes East/West | Position 49 Degrees 54 Decimal 3 Minutes North 005 Degrees 13 Decimal 7 Minutes West (oder) 5 nautical miles south of Lizard Point |- | at _ _ _ _ UTC | at 0815 UTC
(Art des Notfalls) (Art der gewünschten Hilfe) (Weitere Angaben) | Yacht is sinking Require urgent assistance 4 Persons on board. White hull with red stripes and dark sails. |- | Over | Over
Sämtliche Zahlen – sowie Buchstaben in Rufzeichen – werden einzeln buchstabiert. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden Breitengrade immer zweistellig, Längengrade immer dreistellig angegeben. Die obige Beispiel-Längenangabe wird also als „Zero-Zero-Five Degrees, One-Three Decimal Seven Minutes West“ gesprochen.
Sprechfunk ohne DSC Im Non-GMDSS Funkverkehr erfolgen der Notanruf und die Notmeldung in gleicher Weise, nur dass die MMSI weggelassen wird, weil sie zuvor nicht per DSC gesendet wurde. Dies gilt in gleicher Weise auch für Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen.
Empfang eines Notrufes Der Empfang eines Notrufs wird über GMDSS in der Regel von Küstenfunkstellen und/oder MRCC-Seenotleitstellen mit der digital übertragenen Meldung <DISTRESS ACKNOWLEDGE> bestätigt. Diese übernimmt dann die Koordination aller weiteren Aktionen.
Im Non-DSC-Sprechfunk wird der Empfang eines Notrufs mit RECEIVED MAYDAY bestätigt. Die Bestätigung erfolgt normalerweise ebenfalls durch eine Seenotleitstelle. Eine Bestätigung durch eine andere Funkstelle soll nur erfolgen, wenn die Seefunkstelle von der Landfunkstelle dazu aufgefordert wird (weil die Landfunkstelle den Havaristen nicht direkt erreicht) während fünf Minuten keine Bestätigung einer Landfunkstelle eingetroffen ist keine andere Kommunikation mit dem Schiff in Not festgestellt wird.
Auf Kurzwelle senden Schiffe nie eine Empfangsbestätigung über DSC, sondern ggf. nur per Radiotelefonie.
{| cellspacing="8" cellpadding="0" class="wikitable" style="font-size: 95%; border: 1px; margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" ! Vorlage !! Beispiel |- |Empfangsbestätigung Mayday (Name des Schiffes in Not) (oder Rufzeichen) (oder MMSI) | Mayday Yacht Holiday oder HBY2384 oder 269787381 |- | This is (Eigener Schiffsname, Rufzeichen und MMSI) | This is Yacht Helpful HBY3412 269976123 |- | Received Mayday | Received Mayday
Das Signalwort Mayday wird vor jeder Emission verwendet, die im Zusammenhang mit dem Notverkehr steht.
Funkstille Ein Notruf hat Vorrang vor jedem anderen Funkverkehr. Ein Havarist oder die leitende Stelle des Notverkehrs kann während eines laufenden Notverkehrs Funkstille mit dem Ruf SILENCE MAYDAY verlangen. Wie viele Schlüsselwörter des Funks ist auch der Ursprung von SILENCE französisch und sollte entsprechend ausgesprochen werden. (Das französische «Silence!» bedeutet „Ruhe!“.) Die Funkstille kann mit SILENCE FINI aufgehoben werden.
Einen Notruf weiterleiten Als MAYDAY RELAY bezeichnet man die Weitergabe eines Notrufs im Namen eines anderen Schiffes. Dies wird oft von Küstenfunkstellen verwendet, wenn sie Schiffe in der Nähe auffordern wollen, dem Havaristen zu Hilfe zu kommen. Die Küstenfunkstelle hat oft die bessere Kommunikationsinfrastruktur als ein (kleines) Schiff und erreicht mit ihrer Weiterleitung eine größere Zahl von potentiellen Hilfskräften als der Havarist direkt. Umgekehrt kann eine Weiterleitung an die Küstenfunkstelle nötig sein, weil der Havarist außerhalb der direkten Reichweite der Küstenfunkstelle ist oder aber weil die Notlage auf andere Weise als über Funk festgestellt wurde (Beispielsweise Beobachtung von Signalraketen, Rauchtöpfen, Nebelhorn etc.).
Falls möglich, sollte die Weiterleitung des Notrufs per DSC direkt an eine Küstenfunkstelle erfolgen. Diese Funktion wird aber nicht von allen Funkgeräten unterstützt. Auch die Weiterleitung via Radiotelefonie sollte, sofern möglich, direkt an die Küstenfunkstelle gerichtet sein.
{| cellspacing="8" cellpadding="0" class="wikitable" style="font-size: 95%; border: 1px; margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" ! Vorlage !! Beispiel |- |Anruf zum Weiterleiten einer Notmeldung Mayday Relay Mayday Relay Mayday Relay (Name der angerufenen Station) This is …………………… (Ohne MMSI, da kein DSC-Alarm ausgelöst wurde)
Mayday Relay Mayday Relay Mayday Relay Bremen Rescue Bremen Rescue Bremen Rescue This is Yacht Helpful Helpful Helpful HBY3412 |- |Over |Over |- |Antwort der Küstenfunkstelle Mayday (Name der eigenen Station) This is …………………… | Mayday Yacht Helpful This is Bremen Rescue |- | Go Ahead | Go Ahead |- |Weiterleitung des Notrufs (Name der Küstenfunkstelle) This is …………………… (Schiffsname - 1-mal - und Rufzeichen) | Bremen Rescue This is Yacht Helpful HBY3412 |- | Inhalt der Notmeldung We received the following distress message on Channel ……
We received the following distress message on Channel 16 |- | (Inhalt der Meldung) | Mayday Yacht Holiday Holiday Holiday HBY2384 269787381 Position 49 Degrees 54 Decimal 3 Minutes North 005 Degrees 13 Decimal 7 Minutes West at 0815 UTC Yacht is sinking Require urgent assistance 4 Persons on board. White hull with red stripes and dark sails. |- | oder: Eigene Beobachtung Position ……… We observed … | Position 49 Degrees 43 Decimal 50 Minutes North 005 Degrees 13 Decimal 3 Minutes West We observed red flares about 10 nautical miles north of our current position. |- | Over | Over
Wurde die weiterzuleitende Meldung via Funk aufgezeichnet, wird sie möglichst wörtlich weitergeleitet. Kann die zuständige Küstenfunkstelle nicht erreicht werden, wird der Aufruf an All Stations ausgesendet.
Einen Notruf aufheben Sind keine weiteren Hilfsmaßnahmen mehr notwendig, beispielsweise weil der Überbordgegangene wieder aufgenommen werden konnte oder weil ein Alarm versehentlich ausgelöst wurde, kann derjenige, der den Alarm ausgelöst hat, Entwarnung geben:
{| cellspacing="8" cellpadding="0" class="wikitable" style="font-size: 95%; border: 1px; margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" ! Vorlage !! Beispiel |- |Annullieren eines Alarms 3× All Stations | All Stations All Stations All Stations |- | This is (3× Eigener Schiffsname, Rufzeichen und MMSI) | This is Yacht Holiday HBY2384 269787381 |- | Please cancel my distress alert of _ _ _ _ UTC | Please cancel my distress alert of 0815 UTC |- | Over | Over
Danach sollte für eine gewisse Zeit der Funkverkehr überwacht werden, um auf eventuelle Rückfragen reagieren zu können.
Rechtliche Konsequenzen