Muggensturm ist eine Gemeinde im Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg.

Geographie Geographische Lage Muggensturm liegt in der Rheinebene am Fuße des Schwarzwaldes. Durch den Ort zieht sich die Grenze zwischen dem Hardtrücken im Nordwesten und der Kinzig-Murg-Rinne im Südosten.Förderverein 900-Jahrfeier Oberweier e. V.: Oberweier Stadt Gaggenau Im Wandel der Zeit 1102-2002, Metz-Verlag, Gaggenau, 2002, ISBN 3-927655-42-2, S. 26 Zentral durch den Ort fließt der verdolte, über 27 km lange Federbach, in dessen Einzugsbereich der Federbachbruch, ein 43 ha großes Naturschutzgebiet (hiervon 22,8 ha NiedermoorThemenpark Umwelt) liegt. Am südöstlichen Rand des Ortes fließt der Neugraben.

Eine Exklave bildet das Gelände im Hirschgrund, das sich über die B 462 hinaus bis in das Rastatter Gewerbegebiet „Im Wöhr“ erstreckt.

Zu den benachbarten Orten zählen Ötigheim, Bietigheim, Malsch, Waldprechtsweier, Oberweier, Bischweier, Kuppenheim und Rastatt.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Muggensturm gehören das Dorf Muggensturm und das Haus Ziegelhütte in der Steinhardt. Im Gemeindegebiet liegen die Wüstungen Eichelbach und Frierlinde.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 180 f.

Geschichte Ersterwähnung und Name mini|hochkant=0.8|Urkunde der Ersterwähnung Muggensturms Der Ort wird 1193 erstmals in einer Urkunde von Papst Coelestin III. als Mugetstrum erwähnt und ist 1219 als ebersteinisches Dorf belegt. Der Wandel der Schreibung des Ortsnamens hin zu Muggensturm wie auch seine Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, jedoch gibt es mehrere Theorien zum Ortsnamen. Eher an eine Heldensage erinnert die Geschichte, dass Angreifer in die Flucht geschlagen wurden, indem Bienenkörbe von der Stadtmauer geworfen wurden.

Weit verbreitet ist die Erklärung durch die hohe Anzahl von Stechmücken (Dialekt: Mugge) im Federbachbruch. Der Oberrhein war lange Malariagebiet, und auch heute findet in diesem Gebiet noch eine Intensive Schnakenbekämpfung durch die KABS statt. Aber auch ein keltischer Ursprung des Namens kann in Betracht gezogen werden: keltisch mug = Schwein, oder eine Anlehnung an den Namen des Flusses Murg. Eine weitere Deutung ordnet die Herkunft des Ortsnamens einer Person zu: „Muccos Turm“.

Vom Dorf zur Stadt der Ebersteiner Das ursprüngliche Muggensturm lag in einem Sumpfgebiet erhöht auf einer Hurst in der Kinzig-Murg-Rinne zwischen dem Federbach im Norden und dem Neugraben im Süden. Dieser strategische Vorteil begünstigte wohl die schnelle Entwicklung zur befestigten Stadt mit Burg.

Von besonderer Bedeutung für die Ortsgeschichte ist eine Urkunde aus dem Jahre 1298, in der Graf Heinrich von Eberstein seinen Hof von Eichelbach nach Muggensturm verlegte. Er forderte das Kloster Herrenalb ebenfalls auf, seinen Hof in den Schutz der Burg Muggensturms zu verlegen, vermutlich nachdem das Geschlecht des Konrad von Eichelbach um 1285 endete, und um den Verlust der nahen Stadt Kuppenheim an die Markgrafen von Baden im Jahr 1283 durch eine Neugründung zu kompensieren.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Rastatt und Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (Hrsg.): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg – Der Landkreis Rastatt. Band 2, Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-1364-7, S. 275.

Im 14. Jahrhundert wurde Muggensturm vermutlich zur Stadt erhoben (eine Ernennungsurkunde ist nicht überliefert) und verfügte über eine Burg mit Stadtmauer und zwei Stadttoren (oberes und unteres Tor). Die Stadtmauer verlief außerhalb der Kreuzstraße im Süden, der Hauptstraße im Westen, wo sich in den Burgwiesen die Ringmauer der abgegangenen Burg anschloss, der Lindenstraße im Norden, und der Kirchstraße im Osten. Aber schon 1387 verkaufte der stark verschuldete Graf Wolf von Eberstein seine Hälfte der Burg und Stadt Muggensturm an den Markgrafen Rudolf VII.von Baden. Trotzdem ließ der Markgraf den Grafen in seinem Teil der Muggensturmer Burg bis zu seinem Ableben nach 1395 wohnen. Die Besitzverhältnisse im geteilten Muggensturm bargen immer wieder Konfliktpotential und sorgten für Auseinandersetzungen zwischen den Badenern und den Ebersteinern, bis 1660 mit dem Tod des Grafen Casimir von Eberstein das Geschlecht im Mannesstamm ausstarb.

Neuzeit Wurde Muggensturm in einer Beschreibung von Sebastian Münster im Jahr 1575 noch als Stettlin beschrieben, sprechen andere Quellen nur noch vom Flecken. Vermutlich war den Badenern eine zweite Stadt neben dem benachbarten Kuppenheim, das zu dem Zeitpunkt schon Oberamtsstadt der Markgrafschaft Baden-Baden war, zu viel.

Aufgrund der fast vollständigen Zerstörung Muggensturms durch bayrische Truppen im Dreißigjährigen Krieg lässt sich vermuten, dass eine Stadtbefestigung zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr gegeben war. Beim Durchzug der Bayern unter Tilly 1622 brannten 80 Häuser, 59 Scheunen und Stallungen ab. Auch wurden beide Schafhöfe des Markgrafen und des Grafen von Eberstein mit Häusern und Scheunen großteils zerstört. Kuppenheim dagegen wurde von seiner Stadtmauer vor einer Brandschatzung geschützt und hatte dabei deutlich weniger Schäden zu verzeichnen.

Der Ort wurde auch während des Pfälzischen Erbfolgekrieges schwer getroffen und 1691 wurden erneut Teile des Ortes zerstört. Auch während des Spanischen Erbfolgekrieges entstanden Schäden an Häusern und auf den Feldern und in der St. Margaretenkapelle hausten Truppen. Ebenfalls der Polnische Erbfolgekrieg und die Koalitions- und Napoleonischen Kriege trafen den Ort, wobei die Schafhofgebäude besonders gefährdet waren.

In den Jahren 1787 und 1788 wurden die Reste der Stadtmauer und der -Tore verkauft, da sie nicht mehr notwendig waren und sogar im Weg standen. Heute sind noch zwei restliche Stellen der Mauer übrig: Die Südwand des Gasthauses zum Kreuz wurde im Erdgeschoss auf die Stadtmauer aufgesetzt, und ein etwa ein Meter starker Mauerzug ist an der Rückseite der zu einem Haus der Wilhelmstraße gehörigen Scheuer im Garten sichtbar. Vermutlich wurden weitere Mauerreste auch als Fundament für spätere Wohnbebauung genutzt, dies ist jedoch nicht dokumentiert.

Ab 1800 1804 bezeichnet Johann Wilhelm Schmidt ebenso wie 1814 J.B. Kolb Muggensturm als einen Marktflecken. Wo dieser Markt abgehalten wurde, ist unklar. Es finden sich lediglich hinweise auf einen Jahrmarkt an der St. Margarethenkapelle. Dagegen beschwerten sich sämtliche Muggensturmer Wirte über zu hohe Abgaben, obwohl Muggensturm ein wenig besuchter Ort ohne Wochenmärkte war.

mini|hochkant|Der spätere Kaiser Wilhelm I. 1849 beim Gefecht vor Muggensturm Während der Badischen Revolution kam es am 29. Juni 1849 zu Gefechten an der Murglinie zwischen den Revolutionären und preußischen Truppen, bei Muggensturm an der Brücke über den Federbach sowie an der Straße nach Kuppenheim und Bischweier. Gegen die preußische Übermacht errangen die Revolutionstruppen im Vorfeld der Festung Rastatt kurzfristige Teilerfolge. Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., beobachtete den Kampf von der Margarethenkapelle und entging dabei knapp dem Tod.Gunter Kaufmann: Der Endkampf an der Murg. In: Landkreis Rastatt. Heimatbuch 1/1974, S. 94 An die im Muggensturmer Gewann Hirschgrund gefallenen preußischen Soldaten des 25. Preußischen Infanterie-Regiments erinnert ein Denkmal auf Ötigheimer Gemarkung.

Der Schulunterricht fand zunächst im Rathaus statt, bis am 8. September 1888 die Hebelschule (Alte Schule) und 1909 die Schillerschule (Neue Schule, Schulstraße 10) eingeweiht wurden. Beide wurden 1973–74 im Zuge der Altdorfsanierung abgebrochen.

Im Jahr 1950 ließ sich der damals im Motorsport sehr erfolgreiche Sport- und Rennwagenhersteller Veritas in Muggensturm nieder. Allerdings meldete das Unternehmen noch im selben Jahr Konkurs an. Tatsächlich befand sich der Firmenstandort auf der Gemarkung der Gemeinde Bietigheim. Als offizielle Firmenadresse wurde jedoch Veritas Badische Automobilwerke G. m. b. H. Rastatt-Baden, Werk Muggensturm verwendet.

Die Gemeinde Muggensturm benannte 2006 eine Straße nach dem Rennsportwagen. Die „Veritasstraße“ verbindet seither durch eine am 4. Oktober 2006 eröffnete Bahnunterführung die Draisstraße mit der Vogesenstraße.

Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Quelle bis 1961: Ortschronik und ab 1961: Statistisches Landesamt Baden-Württembergstatistik-bw.de abgerufen am 25. Dezember 2020.

Religion und Kirchen

Katholische Kirche

1366 erste Erwähnung der „Messe zu Mukensturne“ 1379 Gründung einer Pfarrei mit Gottesdienst in der Burgkapelle. Die St. Georgs-Kapelle außerhalb der Stadtmauer gehörte ebenfalls dazu. 1731 Eine neue Kirche wird als „Königin der Engel und dem Heiligen Georg“ geweiht. 1856 Umbau und Vergrößerung der Kirche 1904 Abbruch der Kirche und Umzug in eine Notkirche 1907 Einweihung der neuen Kirche „Maria Königin der Engel“ mit zwei Seitenaltären und einem Notaltärchen (für das Schutzengelchörchen) der Gebrüder MoroderWerner Scheurer: Die Altäre der Offenburger Altarbauer Moroder. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 147–182, hier: S. 171. 1950 Glockenweihe der neuen Glocken 2007 100-jähriges Jubiläum der Kirche „Maria Königin der Engel“ (Quellen unterChristian Jung, Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm. verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 181–188100 Jahre Maria Königin der Engel. JMW Will GmbH, 2007, ISBN 978-3-00-021114-0; S. 136)

Evangelische Kirche 1928 Errichtung eines Gemeindehauses 1932 Genehmigung zur Einrichtung einer evangelischen Kirchengemeinde 1944 Zerstörung der Kirche bei einem Luftangriff 1953 Eröffnung der neuen Kirche „Zum guten Hirten“ 1960 Glockenweihe dreier Glocken 1977 Gründung der Evangelischen Kirchengemeinde Bietigheim-Muggensturm (mit Ötigheim) (Quelle unterChristian Jung, Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm. verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 189, 190)

Neuapostolische Kirche 1953 erster Gottesdienst in Muggensturm im Gasthaus „Zur Post“ 1966 Eröffnung der Kirche in der Bahnhofstraße 59 (inzwischen aufgegeben) (Quelle unterChristian Jung, Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm. verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 190)

Jüdische Gemeinde 1701 lebte eine jüdische Familie in Muggensturm, 1715 zwei, 1764 drei und 1789 lebten 17 Personen jüdischen Glaubens in Muggensturm.Christian Jung, Ernst Schneider: Tradition durch Erinnerung - Die Geschichte von Muggensturm. verlag regionalkultur, 2019, ISBN 978-3-95505-126-6, S. 80–88 Ab Ende der 1830er Jahre existierte eine Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles Bad an der Ecke Wilhelmstraße 2/Hauptstraße 44. Diesen einstöckigen Schopf oder Holzremise verkaufte die Witwe von Alt Vogt Lorenz Dahringer am 30. April 1834 an die Israelitische Gemeinde in Muggensturm. 1913 Auflösung der jüdischen Gemeinde 1972 Abbruch der seither als Scheune genutzten Synagoge

St.-Margarethen-Kapelle

erbaut vermutlich im zehnten Jahrhundert bis ca. 1300 Dorfkirche des abgegangenen Ortes Eichelbach danach Nutzung als Wallfahrtskapelle heute Friedhofskapelle des Muggensturmer Friedhofes

Politik Gemeinderat mini|hochkant|Rathaus mit Brunnen Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleich seit 1999):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Ergebnis der Gemeinderatswahlen 2024 mit Vergleichsangaben von 2019 – Muggensturm