mini|Residenz Burg Altena Die Grafschaft Altena war ein ab der Bergischen Erbteilung von 1161 im Entstehen begriffenes Territorium im Heiligen Römischen Reich. Die Grafschaft umfasste ungefähr Besitzschwerpunkte und Rechte im Gebiet der heutigen Ortschaften Neuenrade, Lüdenscheid, Plettenberg und Meinerzhagen an der Volme. Der Mittelpunkt war die heutige Stadt Altena an der Lenne.
Geschichte Entstehung Das Gebiet der späteren Grafschaft Altena gehörte vermutlich seit der Heirat von Adolf von Huvili (Hövel) (= Adolf II. von Berg) aus dem Haus der Grafen von Berg mit Adelheid von Arnsberg in den 1120er Jahren zur Grafschaft Berg.Hermann Bollnow: Die Grafen von Werl. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte des 10.–12. Jahrhunderts. Ostsee-Druckerei und Verlag, Stettin 1930 (Greifswald, phil. Dissertation, 1930). Somit hatte das Haus Berg seine Besitzungen in das Gebiet des heutigen Ruhrgebiets und des Sauerlandes ausgedehnt.Jens Friedhoff: Burg Altena. In: Jens Friedhoff: Theiss Burgenführer Sauerland und Siegerland. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1706-8, S. 22 f.
Nach Darstellung des Historikers Johann Diederich von Steinen (1685–1759) sollen die Brüder Adolf und Eberhard, Nachfahren des Grafen von Kleve und Teisterband, dieses Gebiet um 1108 im Bereich der Lenne von Kaiser Heinrich V. für treue Dienste erhalten haben und dort die Burg Altena errichtet haben.Johann Diederich von Steinen: Westphälische Geschichte. Meyer, Lemgo 1755.Paul Derks: Der Burgen-, Orts- und Flurname Altena und seine Verwandten. Namen – Namengeschichte – Namenauslegung. Ein Forschungs-Bericht. (PDF; 696 kB) In: Essener Linguistische Skripte. Jg. 0, H. 1, 2000, , S. 31–205.Museen der Burg Altena: .
Von Steinen verwarf damit die Darstellung von Levold von Northof. Dieser legte den Bau der Burg Altena auf das Jahr 1000 und Otto III. zurück und behauptete, es handele sich bei den Gründern und Urvätern der Märker um zwei Brüder einer Linie der römischen Ursini.Levold von Northof: Chronik der Grafen von der Mark und der Erzbischöfe von Cöln. Aus Handschriften verbessert und vervollständigt von Karl Ludwig Philipp Tross. Selbstverlag des Herausgebers, Hamm 1859.
Die eigenständige Grafschaft Altena entstand aufgrund einer Erbteilung 1161, durch die sich mit Eberhard I. von Berg-Altena eine Nebenlinie von den Grafen von Berg abspaltete. Dieser Familienzweig nannte sich Grafen von Altena; ihr Sitz war die Burg Altena.
Altenaische Erbteilung
Eberhard I. von Berg-Altena starb am 23. Januar 1180. Spätestens in diesem Jahr kam es zwischen seinen Söhnen Arnold von Altena und Friedrich von Berg-Altena, deren Verhältnis nicht ganz spannungsfrei gewesen zu sein scheint, zu einer Erbauseinandersetzung, in deren Folge die väterliche Erbmasse akribisch geteilt wurde. Nach Uta Vahrenholt-Huland war Friedrich von Altena der Initiator der Erbteilung, für deren Art es in Westfalen kein Beispiel gibt. Im Gegensatz zur Berg-Altenaischen Territorialteilung von 1161 handelt es sich hier um eine Gemengeteilung. Gerechtsamkeiten, Alloden und Lehen wurden peinlich genau nach folgendem Teilungsprinzip getrennt:
Beide Brüder besaßen gemeinsame, unteilbare Rechte an demselben Objekt. Beide Brüder verfügten über getrennte Rechte an demselben Besitz. Beide Brüder hatten verschiedene Güter oder Rechte an demselben Ort. Beide Brüder besaßen Rechte und Besitzungen in benachbarten Orten.
Nach diesem Teilungsmodus ging man auch bei der Aufteilung der Grafschaft Hövel zu Werke, die hierbei, genau wie die Grafschaften Bochum und Altena, zersplittert wurde. Die Großgrafschaft Hövel bestand aus drei Comitaten, den Grafschaften Warendorf, Ahlen und Unna. Warendorf und Ahlen lagen nördlich der Lippe im Bistum Münster, das Comitat Unna hingegen südlich der Lippe. Die Comitate wurden nun zwischen den Brüdern geteilt. Der Go Warendorf fiel Arnold zu, der Go Telgte gelangte an Friedrich.
Im Falle des Comitats Ahlen kam der Go Rinkerode, in dem auch die alte Hauptburg Hövel lag, die sich zuvor in Arnolds Besitz befunden hatte, an Friedrich von Altena. Der Go Ahlen wurde Arnold zugeteilt. Bei der Teilung des Comitats Unna erhielt Arnold den Go Benker Heide, Friedrich den Go Unna. Im Go Benker Heide, unmittelbar an der Lippe, nur wenige Kilometer von seiner ehemaligen Burg Hövel entfernt, lag Nienbrügge – lateinisch auch Novus Ponte genannt.
Vermutlich erst in den neunziger Jahren wurde auch die Grafschaft Bochum geteilt. Hierbei erhielt Friedrich den größeren Go Bochum. Arnold wurde mit dem kleineren Go Hattingen und der anschließenden Vogtei der Reichsabtei Essen abgefunden. Außerdem bekam er noch die Krumme Grafschaft zugesprochen.
Auch bei der Teilung der Grafschaft Altena war Arnolds Teil der Kleinere. Ihm fiel der Go Elsey zu, die Zwergherrschaft Osteric/Oesterich und der nördliche Teil der ehemals arnsbergischen Hälfte des 1103 zwischen Köln und Arnsberg geteilten Comitats Menden. Friedrich bekam den Südteil, wie auch den Go Iserlohn und den großen Go Lüdenscheid. Auch die altenaischen Rechte an der Grafschaft Valbert-Plettenberg wurden Friedrich übertragen.
Die Altenaische Teilung war kein Prozess, der in einem Zuge durchgeführt wurde, sondern zog sich vermutlich bis in die neunziger Jahre hin. Als Friedrich von Altena 1199 starb, muss er jedoch unumkehrbar vollzogen gewesen sein. Ansonsten hätte Friedrichs Sohn, Adolf I. Graf von Altena, der spätere Adolf I. von der Mark, wohl kaum unwidersprochen das Erbe des Vaters antreten können.
Obwohl Arnold und Friedrich, beide zu gleichen Teilen, ihre Stammburg Altena von Köln zu Lehen trugen, zog sich Arnold schon früh daraus zurück. Er verkaufte seinen Anteil nicht an seinen Bruder, sondern an seinen Lehnsherrn, den Erzbischof Philipp von Heinsberg. Nach Philipps Tod gelangte der Anteil der Burg dann wieder an ihn zurück, bis er sie 1200 an Adolf von Altena veräußerte, den ehemaligen Kölner Erzbischof und Herzog von Westfalen. Der Verkauf seines Burganteils ist möglicherweise als feindlicher Akt gegen seinen Bruder zu sehen, da der Erzbischof den Anteil an Fremde belehnte, die nun neben Friedrich auf der Burg Einzug hielten.
Genauso ist allerdings denkbar, dass der Erzbischof der eigentliche Initiator der Altenaischen Erbteilung war. Das Todesjahr Eberhards, das Jahr 1180, ist zugleich das Jahr, in dem Kaiser Friedrich Barbarossa aufgrund des Spruchs sächsischer Fürsten mit der Gelnhäuser Urkunde seinem Vetter Heinrich dem Löwen, dem damals mächtigsten Reichsfürsten, u. a. das Stammesherzogtum Sachsen entzog. Ein Teil des ehemaligen Sachsen wurde in die Hände des Erzbischofs von Köln gegeben, der von nun an den Titel eines Herzogs von Westfalen führte. Das auf diese Weise entstandene Herzogtum Westfalen umfasste aber bei weitem nicht das ganze sächsische bzw. westfälische Gebiet und hatte somit von nun an das Entstehen bedeutender, konkurrierender Territorien in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu fürchten. Die Altenaische Erbteilung könnte somit eines der Mittel gewesen sein, mit denen Erzbischof und Herzog Philipp von Heinsberg die Entstehung einer großen territorialen Herrschaft in Konkurrenz zu seinem Herzogtum schon im Ansatz zu verhindern suchte. Er könnte also Arnold von Altena zu dem Verkauf genötigt haben.
Dafür spricht auch das weitere Vorgehen Philipps im Hinblick auf die benachbarten Adeligen und ihre Güter. Der Adel dieser Zeit war aufgrund seiner gesellschaftlichen Verpflichtungen und des daraus folgenden ausschweifenden Lebensstils in ständiger Geldnot. Philipp von Heinsberg investierte große Summen, um die Allodien und Lehnsrechte an den Besitzungen solcher Adeliger aufzukaufen. Die so erworbenen Güter belehnte er dann an den Verkäufer zurück, wobei er sich zugleich dessen Vasallentreue sicherte. Auf diese Weise sicherte und vergrößerte er seinen Einfluss, zunächst im Kampf gegen Heinrich den Löwen, später zur Festigung seiner Herrschaft über das Herzogtum Westfalen. So verkaufte auch Friedrich von Berg-Altena das in der Nähe von Nienbrügge gelegene Flurstück Wiseberg, das sein Vater Eberhard für ihn erworben hatte, an den Kölner Erzbischof. Aus diesem Verkauf stammte das Geld für den Ankauf bzw. Auf- und Ausbau der märkischen Besitztümer, den Oberhof Mark und das Gelände des späteren Burghügels, auf dem zugunsten von Friedrichs Sohn Adolf, dem späteren Grafen Adolf I. von der Mark, die Burg Mark errichtet wurde. Auch das Gelände des Oberhofs bzw. der Burg war auf diese Weise in den Besitz des Kölner Erzbischofs gelangt. Philipp hatte die märkischen Güter um 1170 von dem Edelherrn von Rüdenberg Rabodo von der Mark angekauft. Als das Geschlecht derer von Rüdenberg wenig später im Mannesstamm ausstarb, fiel der märkische Besitz an den Kölner Erzbischof zurück, der ihn später an Friedrich von Berg-Altena übergab.
Friedrichs Bruder Arnold verfuhr mit Burg Nienbrügge ganz ähnlich. Der Ausbau Nienbrügges war notwendig geworden, weil Graf Arnold die ehemalige Residenz, Burg Hövel, im Zuge der Altenaischen Erbteilung an seinen Bruder Friedrich von Berg-Altena abtreten musste und auch die Burg Altena für ihn verloren war. Kurz nach ihrer Fertigstellung verpfändete Arnold die Burg Nienbrügge mit den beiden Ackergütern Westerwinkel und Heessen an den Kölner Erzbischof. Philipp von Heinsberg belehnte den Besitz nach Arnolds Vasallenschwur an diesen zurück. So wurde die Burg Nienbrügge wieder an Arnold übergeben, der für den Verkauf 500 Goldstücke erhielt. Nach der Neubelehnung erstellte er für die auf dem Klosterhof Hövel wohnenden Ordensfrauen etwa zwei Kilometer östlich von der Burg Nienbrügge eine neue Unterkunft und unterstellte den weiblichen Orden unter die Hausregel der Zisterzienser. Im Jahre 1193 wurde Arnold wieder Eigentümer der Besitzung. Adolf von Altena, neuer Erzbischof von Köln, unterstützte die Edelleute, die zum Teil eng mit ihm verwandt waren, indem er ihnen die Burgen und Alloden, die Philipp von Heinsberg gekauft hatte, zum Eigentum zurückgab.
In der Folge dieser Erbteilung nutzten beide Brüder die Burg Altena nur noch besuchsweise. Stefan Eismann: Die Burg Altena in Altena, Märkischer Kreis (= Frühe Burgen in Westfalen. Bd. 28, ). Altertumskommission für Westfalen, Münster 2009. Während Arnold sich mit Nienbrügge und Isenberg neue Wohnsitze an der Lippe und in Hattingen errichtete, verfügte Friedrich neben dem eigenen Erbe Burg Hövel möglicherweise noch über die alte Burg Krickenbeck im Rheinland – Erbe seiner Frau Alveradis von Krickenbeck-Millendonk, Tochter des Grafen Rainer – und vielleicht auch schon über den Oberhof Mark, auf dessen Weiden die Burg Mark errichtet wurde.
Die Grafschaften Altena-Isenberg und Altena-Mark
Spätestens seit dem Erwerb des Oberhofes Mark und dem Bau der Burg Mark – vermutlich noch durch Friedrich von Berg-Altena – vor bzw. um 1198 bildete ein Teil von Altena und die Mark eine Doppelherrschaft. Der andere Teil, das arnoldsche Erbe formte die langsam die Grafschaft Altena-Isenberg aus. Deren Grafen Arnold und später Friedrich auch Vögte des Stiftes Essen waren.
Altena-Mark