Die dritte Station des Skilanglauf-Weltcups 2005/06 fand im finnischen Kuusamo am 26./27. November 2005 statt. Von den vier Wettkämpfen – jeweils zwei der Männer und Frauen – gewannen die Norweger zwei, außerdem siegten ein Deutscher und eine Tschechin.

Vorfeld Nur eine Woche nach den Rennen im norwegischen Beitostølen fanden die nächsten Wettkämpfe in Skandinavien statt. Gleichzeitig mit den anderen nordischen Skiweltcups – also denen der Skispringer und Nordischen Kombinierer – befanden sich auch die Skilangläufer im finnischen Ruka, einem Wintersportzentrum im Gebiet Kuusamos. Zum vierten Mal bildeten diese drei Disziplinen das Ruka Nordic Opening, das seit 2002 durchgängig im Weltcuport durchgeführt wurde. Nach einer langen Warmperiode bestanden bereits Bedenken, ob die Strecke mit Kunstschnee präpariert werden müsse, doch zwei Wochen vor dem Ereignis fielen zehn Zentimeter Schnee. Zudem versprach die Langzeitwetterprognose eine Kältephase während der Wettkämpfe. Für die insgesamt acht nordischen Wettbewerbe erwarteten die Organisatoren 20.000 Zuschauer und 350 Pressevertreter. Tatsächlich konnten die Rennen ohne Einschränkungen wie geplant stattfinden, die Athleten durften zudem anders als in Beitostølen schon während der Woche auch auf der Fünf-Kilometer-Strecke trainieren, die sich in gutem Zustand befand. Der schwedische Trainer Inge Bråten lobte die Strecken Rukas als die vielleicht besten der Welt, außerdem seien sowohl Schweden als auch Norwegen zufrieden mit dem wärmeren Wetter.

Programm Zeitplan Die ersten Trainings fanden am Donnerstag vor den Wettkämpfen statt, insgesamt standen den Athleten an drei Tagen neun Stunden Trainingszeit zur Verfügung. Von Donnerstag bis Samstag trafen sich immer um 17 Uhr die Mannschaftsführer zu einer Sitzung. Bei den Wettkämpfen begannen immer zunächst die Frauen, ehe die Männer starteten.Ruka Nordic Opening – Ausschreibung (PDF-Datei; 267 kB) auf fis-ski.com.

24. November, 11:00 Uhr–15:00 Uhr: Offizielles Training 24. November, 17:00 Uhr: Mannschaftsführersitzung 25. November, 10:00 Uhr–12:00 Uhr: Offizielles Training 25. November, 17:00 Uhr: Mannschaftsführersitzung 26. November, 09:00 Uhr–10:30 Uhr: Offizielles Training 26. November, 10:30 Uhr–11:32 Uhr: Frauen, klassische Technik, Einzelstart (Intervall von 30 Sekunden), 10 km 26. November, 12:30 Uhr–13:50 Uhr: Männer, klassische Technik, Einzelstart (Intervall von 30 Sekunden), 15 km 26. November, 14:00 Uhr–15:30 Uhr: Offizielles Training 26. November, 17:00 Uhr: Mannschaftsführersitzung 27. November, 11:00 Uhr–12:03 Uhr: Frauen, freie Technik, Einzelstart (Intervall von 30 Sekunden), 10 km 27. November, 12:25 Uhr–13:46 Uhr: Männer, freie Technik, Einzelstart (Intervall von 30 Sekunden), 15 km

Rahmenprogramm Am Mittwoch vor den Rennen, dem 23. November, wurde die Weihnachtsstraße von Kuusamo eröffnet. Passend dazu wählten die Ausrichter den Weihnachtsmann (finnisch: joulupukki) als Maskottchen. Bei der Eröffnung betonte der Stadtratsvorsitzende Markku Heikkilä die Bedeutung des Nordic Openings für Kuusamo, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Bezug auf Öffentlichkeitswirksamkeit; der Abend endete mit einem Feuerwerk. Am Freitag begann das Nordic Opening mit einer Feier, deren Programm im Vorfeld noch geheim gehalten wurde. In Rukas Ski Bistro traten am Wochenende zudem die in Finnland populären Bands und Sänger PMMP sowie Maija Vilkkumaa auf; dazu gab es neben DJs auch traditionelle finnische Musik.

Rennverlauf Männer mini|Tobias Angerer erreichte zweimal das Podium in Kuusamo Mit Tor Arne Hetland und Jens Arne Svartedal, den beiden Besten des ersten 15-Kilometer-Rennens, nahmen auch die Führenden im Distanzweltcup an den Wettkämpfen teil, wobei Svartedal zunächst nur das Klassik-Rennen bestreiten sollte, später aber auch im Freistilwettkampf startete. Aus deutscher Sicht fiel Axel Teichmann ein weiteres Mal – diesmal aufgrund einer Bronchitis – aus, sodass noch fünf seiner Landsmänner auf der anspruchsvollen Strecke am Start waren. Dabei ersetzte der junge Benjamin Seifert zum zweiten Mal den durch eine Grippe geschwächten Franz Göring. Während die Finnen durch ihre nationale Gruppe das zahlenmäßig größte Aufgebot besaßen, stellten die Norweger pro Rennen immerhin sieben Athleten. Am klassischen Wettkampf nahmen 86 Läufer teil, von denen 83 das Ziel erreichten,Men 15 km Classical Individual Results (PDF-Datei; 148 kB) das Freistilrennen beendeten 88 von 92 gemeldeten Athleten.Men 15 km Free Individual Results (PDF-Datei; 126 kB) Die Rennen wurden in der umgekehrten Reihenfolge des jeweils aktuellen Distanzweltcups gestartet.

Anders als beim ersten 15-Kilometer-Rennen setzten beim Klassik-Wettkampf in Kuusamo die ersten Läufer aus der nationalen Gruppe wenige Akzente, der beste Finne war zunächst Olli Ohtonen mit der Startnummer 10, der immerhin kurz in Führung lag. Er wurde von dem US-Amerikaner Carl Swenson abgelöst, der als 28. ins Rennen gegangen war und längere Zeit an der Spitze blieb. Als 59. von 81 Startern unterbot René Sommerfeldt Swensons Zeit knapp um eine Sekunde, ehe Jens Filbrich zwei Startnummern darauf um mehr als eine halbe Minute schneller war. Vincent Vittoz aus Frankreich und der Este Andrus Veerpalu scheiterten knapp an der Vorlage des Deutschen, die nur noch von dessen Landsmann Tobias Angerer und Jens Arne Svartedal aus Norwegen verbessert wurde. Diese beiden Athleten waren bei den Zwischenzeiten eng beieinander; doch nachdem Angerer Filbrichs Bestzeit um acht Sekunden unterboten hatte und auch Svartedal trotz Endspurtes im Ziel 1,7 Sekunden Rückstand auf ihn hatte, stand der zweite Einzelweltcupsieg Angerers fest. Insgesamt hatte der deutsche Sieger auf den Sechsten, den bestplatzierten Finnen Sami Jauhojärvi, nur einen kleinen Vorsprung von guten 13 Sekunden. Nach dem Rennen zeigte sich Svartedal etwas enttäuscht, weil er noch an einen Sieg geglaubt hatte, während Angerer äußerte, dass er für sich „überraschend stark“ gewesen sei. Er habe jedoch schon in der Vorwoche geahnt, dass er in einer guten Form sei. Außerdem sei er in der klassischen Technik derzeit stärker als in der freien. Trotzdem zeigte Angerer sich „sehr glücklich“ über den Sieg, denn er habe gewusst, dass sogar zwei Meter einen Unterschied machen könnten. Sein Anspruch sei es nun, „in jedem Rennen unter die Top Ten zu kommen“.

Dem Vortagesdritten Jens Filbrich wurde die Teilnahme am Freistilwettkampf verwehrt, da sein gemessener Hämoglobin-Wert 17,0 betrug, was nach dem FIS-Reglement der höchste tolerierbare Wert war. Dennoch erhielt der Deutsche eine fünftägige Schutzsperre, weil er keine Ausnahmegenehmigung hatte, obwohl bei ihm schon in den Jahren davor erhöhte, genetisch verursachte Hämoglobin-Werte festgestellt worden waren. Noch in Kuusamo fand eine zweite Dopingkontrolle statt, die negativ ausfiel, sodass Filbrich schon beim nächsten Weltcup wieder an den Start gehen durfte. Die erste Zeit unter 35 Minuten lief beim 15-Kilometer-Freistilrennen der Finne Teemu Kattilakoski mit der Startnummer 45. Der einzige gestartete Liechtensteiner Markus Hasler unterbot diese, seine neue Bestmarke verbesserten jedoch rasch Emmanuel Jonnier aus Frankreich sowie der Tscheche Jiří Magál. Als 67. Athlet kam Tore Ruud Hofstad ins Ziel, der bei jeder Zwischenzeit in Führung gegangen war und auch im Ziel noch 18 Sekunden Vorsprung auf Magál hatte. Journalisten empfingen den Norweger im Ziel mit Glückwünschen, dass er sein erstes Einzelrennen gewonnen habe, wenngleich noch 25 Skilangläufer nach ihm gestartet waren. Der Führende selbst war sich des Sieges jedoch nicht sicher, womit er, so Hofstad, im Nachhinein Recht behielt. Denn obwohl der Franzose Vincent Vittoz mit der Startnummer 85 anfangs bei den Zwischenzeiten einen größeren Rückstand – noch 2,5 Kilometer vor dem Ziel betrug dieser sechs Sekunden – hatte, holte er die Zeit im letzten Teil des Rennens fast auf; nur um acht Zehntelsekunden lag der Vorjahressieger im Ziel hinter Hofstad. Dennoch zeigte sich Vittoz zufrieden mit seinen Ergebnissen, auch dem vierten Rang im Klassikwettkampf, und der Vorbereitung der französischen Mannschaft. Das nächste Ziel sei es, sich auf diesem Niveau zu halten. Noch nach Vittoz kam Tobias Angerer mit einer sehr guten Zeit ins Ziel, er hatte davon profitiert, dass er mehrere Kilometer gemeinsam mit dem Sieger Hofstad gelaufen war; im Ziel schob er sich knapp vor Pietro Piller Cottrer auf den dritten Rang. Angerer, der in den Vorsaisons häufig Pech hatte, zeigte sich mit dem Wochenende in Kuusamo sehr zufrieden und meinte, dass es so weitergehen könne.

Im Gesamtweltcup blieb Tor Arne Hetland an der Spitze, der Sprinter hatte sich mit einem neunten und einem zehnten Rang bei den beiden 15-Kilometer-Rennen gut geschlagen. Sein Vorsprung auf den neuen Zweitplatzierten Tobias Angerer war jedoch auf 39 Punkte geschrumpft, sodass sich dem Deutschen bei den nächsten Rennen die Chance bot, Hetland zu überholen. Mit Jens Arne Svartedal und Vincent Vittoz sowie Tore Ruud Hofstad folgten in der Wertung Athleten, die ebenfalls in Kuusamo auf dem Podium gestanden waren.WORLD CUP STANDING MEN OVERALL (PDF-Datei; 74 kB) Im Distanzweltcup übernahm Tobias Angerer mit 189 Punkten die Führung vor Jens Arne Svartedal, hier fiel Hetland auf den dritten Rang zurück. Im Nationencup blieb Norwegen deutlich an der Spitze, Deutschland hatte das erneut recht erfolglose Schweden überholt und setzte sich auf Rang zwei. Österreich und die Schweiz befanden sich eng beieinander auf den Plätzen zehn und elf.NATION CUP STANDING OVERALL (PDF-Datei; 42 kB)

Frauen mini|Im fünften Rennen der Saison gewann die Norwegerin Marit Bjørgen zum fünften Mal Wie schon in Düsseldorf und Beitostølen verzichteten mit Beckie Scott sowie Sara Renner die beiden besten Kanadierinnen auf den Start; sie bereiteten sich – wie diesmal ihre gesamte Mannschaft – auf ihre Heimweltcups in Vernon und Canmore vor. Ansonsten blieben fast alle Top-Teams ohne Ausfälle und liefen meist in der identischen Besetzung wie in Beitostølen. Die meisten Athleten stellten Norwegen (acht Starterinnen) sowie Finnland (sieben Läuferinnen, dazu elf aus der nationalen Gruppe), aber auch Deutschland und Schweden schickten Kontingente von fünf beziehungsweise vier Athletinnen nach Kuusamo. Dabei musste Schweden auf Anna Dahlberg verzichten, die aus privaten Gründen nicht am Start war. Auch die Schwedin Lina Andersson verpasste wegen Achillessehnenproblemen den Klassikwettkampf; sie fühle sich traurig, weil sie noch größere Hoffnungen an den Wettkampf gehabt habe. Dafür konnte sie im Freistilrennen starten, was zunächst ebenfalls ungewiss war. Von den 72 gemeldeten Athletinnen im Klassikwettkampf und den 74 Sportlerinnen im Freistilrennen kamen jeweils 70 ins Ziel.