Das Kleinkastell am Hinteren Seeberg war eine römische Fortifikation des Rätischen Limes, der im Jahre 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes erlangte. Das Kleinkastell wurde dicht an der römischen Reichsgrenze errichtet und befindet sich heute auf der Gemarkungsfläche von Schamhaupten, einem Ortsteil der Gemeinde Altmannstein im Landkreis Eichstätt, Bayern.

Lage und Forschungsgeschichte miniatur|links|Lage zum Limes miniatur|links|Das Kastell und sein weiteres Umland

Das Lager liegt auf einer Höhe von rund 440 Meter am Ostrand des Steinsdorfer Grundes, einem Trockental, rund 30 Meter hinter der Limesmauer entfernt. Wenige Meter östlich der Anlage soll der kaum untersuchte und vom ORL hier verortete Wachturm Wp 15/22 gelegen haben. Das nächstliegende Kleinkastell GüßgrabenBei war rund 2,5 Kilometer in nordwestlicher Richtung entfernt. Das Kleinkastell am Hinteren Seeberg wurde von der Reichs-Limeskommission (RLK) erstmals ergraben. Falls sich Wp 15/22 tatsächlich am gleichen Ort befunden hat, konnte vom Kastell aus nur über den vermuteten Wachturm Wp 15/21, der in rund 480 Meter Höhe auf der gegenüberliegenden, westlichen Talseite gelegen haben soll, Verbindung mit der Limesturmkette entlang der Rätischen Mauer aufgenommen werden. In der Forschung wird daher als weiterer möglicher Standort von Wp 15/22 auch ein rund 300 Meter höher gelegener Punkt an einem Limesknick besprochen, der noch am östlichen Aufstieg zum Hinteren Seeberg lag. Hier fand bereits der damalige Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission eine rechteckige, zwei Meter tiefe Grube.Hermann Kerscher: Zum Verlauf des raetischen Limes durch den Köschinger Forst – Ein Überblick anhand von Airborne Laserscan-Daten. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2006. S. 103 f. Vorteil dieses Standorts wäre unter anderem gewesen, dass das tiefer gelegene Kleinkastell am Hinteren Seeberg Sichtverbindung zur Turmkette nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten gehabt hätte. Die tiefe Lage des Kleinkastells im Talgrund könnte ein Hinweis darauf sein, dass hier, ebenso wie im nächstgelegenen westlichen Tal, ein antiker Limesdurchgang war, der überwacht werden musste.

Baugeschichte mini|rechts|300px|Grundriss des Kleinkastells

Die archäologischen Sondierungen im Kastell beschränkten sich bisher lediglich auf Erkenntnisse zu seiner Gesamtgröße und einige wenige Schnitte im Inneren. Es wurde festgestellt, dass das kleine, in Stein ausgebaute Lager einen quadratischen Grundriss von 17 × 17 Metern und der erhaltene Wall eine Breite von rund 1,5 Metern besitzt. Im Westen und Osten konnten zwei Tore festgestellt werden, die nach innen und außen hervorspringende Wangen besaßen. Die Innenbebauung war höchstwahrscheinlich in Holzbauweise errichtet worden.

Es gibt Hinweise, die darauf deuten, dass in der Nähe Eisenerzgewinnung betrieben wurde.

Kleinkastelle gehörten neben den Türmen zu den wesentlichen Stützpunkten der römischen Truppe direkt hinter dem Limes. Ihre konkrete Nutzung ist in der Regel jedoch unbekannt.

Nachkastellzeitliche Nutzung Neben anderen Kleinteilen wurden hier, wie bei dem Heiligtum am Weinberg bei Eining, eigentümliche frühmittelalterliche Eisenkreuze aufgefunden. Gleiche Befunde gab es auch in den ehemaligen römischen Thermen von Bad Göggingen.Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 150. Dort wurde ein früher christlicher Kultbau des 7. Jahrhunderts entdeckt, zu dem ebenfalls diese meist eisernen Kreuze gehörten. Damit war eine zweifelsfreie Altersbestimmung dieser christlichen Symbole möglich. Es zeigte sich, dass einige antike Stätten, die im 7. Jahrhundert noch in einem mehr oder minder guten Zustand erhalten waren, als Orte der christlichen Religionsausübung genutzt wurden. Die Archäologen Thomas Fischer und Konrad Spindler könnten sich sogar vorstellen, dass diese frühen christlichen Zeugnisse vor der allgemeinen Missionierung auf ein Überleben der romanischen Restbevölkerung hindeuten, auch wenn zu dieser Zeit die letzten Kastelle schon sehr lange verlassen waren.Thomas Fischer, Konrad Spindler: Das römische Grenzkastell Abusina-Eining. Theiss, Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0390-3, S. 102.

Limesverlauf ab dem Kleinkastell am Hinteren Seeberg

+Spuren des Limes zwischen den Kleinkastellen am Hinteren Seeberg und Hienheim ORLORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limeskommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes Name/Ort Beschreibung/Zustand KKKK = nicht nummeriertes Klein-Kastell. Kleinkastell am hinteren Seeberg siehe oben Wp 15/22Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm. „Hinterer Seeberg“ An diesem Punkt zieht der nur sehr flach erhaltene Schuttwall des Limes, der in diesem Bereich auch Teufelsmauer genannt wird, nach Südosten. Der offenbar rund 30 Meter hinter der Limesmauer gelegene Wp 15/22 wurde nur unzureichend ergraben und ist heute nicht mehr zu sehen. Sein genauer Standort wird heute erneut diskutiert. Der Archäologe Wilhelm Schleiermacher hatte noch 1959 berichtet, dass fast zwei Meter hinter der raetischen Mauer „die stark ausgebrochenen Reste eines kleinen Steinturmes“ lagen.Wilhelm Schleiermacher: Der römische Limes in Deutschland. Ein archäologischer Wegweiser für Autoreisen und Wanderungen. Mann, Berlin 1959, S. 201. Der Turm bot nach Meinung des ORL in seiner tiefen Lage am Osthang des Hinteren Seebergs seiner Wachmannschaft keine weite Fernsicht und war offenbar insbesondere zur Überwachung des Steinsdorfer Grundes errichtet worden. Die Wachmannschaften konnten im Westen zu dem rund 30 Meter höher gelegenen Wp 15/21 auf der anderen Seite des schmalen Tales hinaufblicken und nach dorthin Signale senden. Kontakt zu dem östlicher gelegenen Wp 15/23, der weiter zurückgesetzt nahe am höchsten Punkt des Hinteren Seebergs stand, konnte es aus topographischen Gründen nicht geben. Sichtverbindung bestand zu dem nahen Kleinkastell am Hinteren Seeberg. In der Forschung wird als weiterer möglicher Standort von Wp 15/22 auch ein rund 300 Meter höher gelegener Punkt an einem Limesknick besprochen, der noch am östlichen Aufstieg zum Hinteren Seeberg lag. Hier fand bereits der damalige Streckenkommissar der RLK eine rechteckige, zwei Meter tiefe Grube. Vorteil dieses Standorts wäre die Sichtverbindung nicht nur nach Westen, sondern auch zum höher gelegenen östlichen Wp 15/23 gewesen.Wp 15/22 bei . Wp 15/23 „Hinterer Seeberg“ mini|links|Die Lage von Wp 15/23 mini|Limesprofil bei Wp 15/23 Kurz vor dem letzten Anstieg zum höchsten Punkt des Hinteren Seebergs auf 492 Höhenmetern macht der sich sanft im Gelände abhebende römische Grenzwall einen deutlichen Knick und orientiert sich dabei bis Wp 15/27 in leicht nordöstliche Richtung. Im obersten Bereich der Bergkuppe ist der topographisch günstige Wachturmstandort durch die RLK nachgewiesen worden. Der ältere Holzturmhügel mit Ringgraben blieb in einem guten Zustand erhalten und wird von der im ersten Jahrzehnt des 3. Jahrhunderts errichteten Limesmauer überlagert. In seinem Inneren waren noch die vier tragenden Eckpfostengruben zu beobachten. Weniger deutlich sichtbar ist heute das östlich gelegene, 7,4 × 6,75 Meter umfassende Steinturmfundament, an das die später errichtete Limesmauer angebaut worden ist. Die Palisade lag an dieser Wachturmstelle etwas vor der Raetischen Mauer.Thomas Fischer, Erika Riedmeier-Fischer (Hrsg.): Der römische Limes in Bayern. Pustet, Regensburg, 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 151. Für den Archäologen Dietwulf Baatz stellte sich 1993 der Steinturm als Schutthügel dar.Dietwulf Baatz: Der römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. Mann, Berlin 1993, ISBN 3-7861-1701-2, S. 316.Holzturm Wp 15/23 bei ; Steinturm Wp 15/23 bei . Wp 15/24 Die Turmstelle wird nur vermutet. Der flache Schuttwall des Limes ist im Gelände zu erkennen.Wp 15/24 ungefähr bei . Wp 15/25 „Kesselberg“ mini|links|Die Lage von Wp 15/25 und 26 mini|rechts|Turmgrundriss und Profil Der sich leicht im Gelände abzeichnende Limeswall schneidet in diesem Bereich den Südhang des nördlich aufragenden, 497 Meter hohen Kesselberges. Nachdem der Wall den nachgewiesenen Standort des rund 462 Meter hoch gelegenen Wp 15/25 passiert hat, stößt er an den Steilhang hinab in das Schambachtal. Weder im Hangbereich noch im Talgrund sind sichtbare Spuren der Teufelsmauer erhalten geblieben. Der Holzturmhügel wird von der Limesmauer geschnitten. Westlich dieses Platzes wurden die Fundamente des 4,5 × 3,6 Meter großen Steinturms freigelegt, an den die später errichtete Limesmauer angebaut worden ist. Der Verlauf der Palisade wurde an dieser Stelle durch die RLK nicht geklärt.Steinturm Wp 15/25 bei ; Holzturm Wp 15/25 bei . Schleiermacher schrieb 1959: „Von Wp. 15/25 ist der Steinturm fast völlig verschwunden, der Hügel des Holzturmes jedoch noch gut sichtbar.“Wilhelm Schleiermacher: Der römische Limes in Deutschland. Ein archäologischer Wegweiser für Autoreisen und Wanderungen. Mann, Berlin 1959, S. 202. Wp 15/26 „Schambachtal“ mini|Die Lage von Wp 15/26 mit Limesmauer und älterer Palisade Diese Turmstelle, welche bereits zur Zeit der RLK von der Verbindungsstraße Schamhaupten nach Sandersdorf (heute Bundesstraße 299) teilweise überlagert wurde, befand sich im Talgrund der Schambach, die an dieser Stelle von Nordwesten nach Südosten in das ehemalige römische Reichsgebiet fließt. Das Flüsschen bildet in seinem weiteren Verlauf schon nach kurzer Zeit eine liegende S-Kurve, die im 90-Grad-Winkel nach Osten weist. Bereits am unteren Ende dieser Kurve verlässt die Schambach wieder römisches Gebiet, da der Limes in einem großen, von Westen nach Südosten laufenden Bogen nur einen kleinen Teil des Schambach-Nordufers für Rom sicherte.