mini|Carl Panzram Carl Panzram (* 28. Juni 1891 in Minnesota; † 5. September 1930 im Bundesgefängnis Leavenworth, Kansas) war ein US-amerikanischer Serienmörder.
Leben
Kindheit und Jugend
Carl Panzram wurde als Sohn preußischer Einwanderer auf einer Farm in Polk County, nach anderen Angaben im benachbarten Marshall County (Minnesota) geboren. Zusammen mit seinen Geschwistern, fünf Brüdern und einer Schwester, musste er bereits in jungen Jahren auf der Farm arbeiten und bekam kaum die nötige Zuwendung seiner Eltern. Selbst seine Brüder verprügelten ihn oft. Im Jahr 1898 verließ der Vater plötzlich die Familie und kehrte nie wieder zurück. Ohne den „Ernährer“ in der Familie und trotz harter Arbeit lebte die Familie Panzram bald unter der Armutsgrenze.
Seine erste Straftat beging Panzram 1902, als er gerade 11 Jahre alt war. Er brach in ein Nachbarshaus ein und entwendete eine Faustfeuerwaffe. Als seine Brüder den Diebstahl bemerkten und ihn mit der Waffe antrafen, prügelten sie ihn fast zu Tode. Die Tat hatte auch juristische Konsequenzen, als Panzram deswegen verhaftet wurde und am 11. Oktober 1903 in die Minnesota State Training School nach Red Wing eingewiesen wurde, eine Anstalt für straffällig gewordene Jugendliche, in der bis zu 300 Jungen zwischen 10 und 20 Jahren untergebracht waren. Bereits am Tag seiner Ankunft in der Schule soll Panzram, wenn man seinen späteren Angaben Glauben schenkt, von einem Anstaltsleiter in dessen Büro sexuell missbraucht worden sein.
In den kommenden Monaten lernte Panzram zwar lesen, was er auf der Familienfarm kaum konnte, war aber auch der unbarmherzigen Strenge von Lehrern und Schulleitern ausgesetzt. Er begann zu lügen und erzählte den Lehrern, was diese hören wollten. Wenn sich Panzram oder einer seiner Mitschüler den Anordnungen widersetzte, wurden sie mit Holzlatten und anderen Gegenständen geschlagen oder zum Teil auch missbraucht. Insgeheim sann er auf Rache, die in der Nacht auf den 7. Juli 1905 ihr Ventil fand, als er ein Feuer in einem der Schule angeschlossenen Schuppen legte. Ein großer Teil des Schulgebäudes brannte nieder. Zwar wurde niemand beim Löschen des Feuers verletzt; den Brandstifter konnte jedoch auch niemand bestimmen.
Im Herbst 1905 wurde Panzram aus der Schule entlassen und kehrte nach Hause auf die Farm zurück. Da einer seiner Brüder ertrunken war, musste nun Carl seiner gesundheitlich schwer angeschlagenen Mutter helfen. Im Januar 1906 wurde Panzram auf Bewährung aus der Red Wing Training School entlassen, wo er eingesperrt worden war, weil er Geld aus der Brieftasche seiner Mutter gestohlen hatte. Hier hätte er beinahe seinen ersten Mord begangen. Als seine Lehrerin ihn nach einem Streit mit einer Holzlatte geschlagen hatte, organisierte Panzram eine Waffe und betrat seine Schule mit der Absicht, damit seine Lehrerin zu töten. Doch fiel die Waffe vor der Lehrerin aus seiner Hose auf den Klassenboden, so dass das Attentat gescheitert war. Panzram wurde der Schule verwiesen. Zwei Wochen nach dem Mordversuch, Anfang Februar 1906, nahm der 14-jährige Panzram Abschied von zu Hause und begann nun seine jahrelange Reise.
Erste Straftaten
Panzrams erstes Ziel war Montana. In einem Viehwagen reiste er als „blinder Passagier“ durch den Mittleren Westen und hielt sich mit Diebstählen finanziell über Wasser. In der ersten Phase seiner Flucht soll er nach seinen Angaben von einer Gruppe ebenfalls heimatloser Männer sexuell missbraucht worden sein.
Im Sommer 1906 wurde Panzram in Butte (Montana) wegen Einbruchdiebstahls verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr in der Montana State Reform School in Miles City (Custer County) verurteilt. Da der 14-Jährige physisch schon stark einem Erwachsenen ähnelte, genoss er unter den ebenfalls jugendlichen Insassen und dem Wachpersonal schon bald den Ruf eines Kriminellen. Hier beging Panzram sein erstes nachweisbares versuchtes Tötungsdelikt, als er einen Aufseher, der ihn des Öfteren verprügelt hatte, mit einer Holzlatte niederschlug. Zur Strafe musste er deswegen einige Zeit in Isolationshaft verbringen.
1907 gelang Panzram mit einem anderen Häftling, Jimmie Benson, die Flucht aus Miles City. Mit Benson als Komplizen brach er in Terry, einer Kleinstadt in Prairie County, in ein Waffenlager ein und erbeutete einige Waffen. In den kommenden Wochen zogen Panzram und Benson entlang der amerikanisch-kanadischen Grenze eine Spur der Zerstörung, da sie mehrfach in Läden einbrachen und Gebäude, darunter vor allem Kirchen, niederbrannten. In Fargo (North Dakota) trennten sich die beiden, nicht ahnend, dass sie sich in einigen Jahren wiedersehen würden. Um die Polizei, die Panzram hinter sich vermutete, abzuschütteln, kehrte er 1907 nach Montana zurück und meldete sich, obwohl noch minderjährig, in Helena zur United States Army.
Er wurde daraufhin im Dezember 1907 nach Fort William Henry Harrison in Lewis and Clark County versetzt, wo er als Infanterist eingesetzt wurde. Doch die Armee mit ihrer Disziplin war für Panzram nicht das Richtige, da er oft durch Insubordination auffiel und Befehle missachtete. Im April 1908, nach nur vier Monaten bei der Armee, brach er in das Quartier eines Quartiermeisters ein und stahl Kleidung im Wert von rund 90 US-Dollar. Er versuchte daraufhin, Fahnenflucht zu begehen, wurde jedoch von der Polizei aufgegriffen und ins Gefängnis gesperrt. Am 20. April 1908 kam es vor einem Militärgericht zu einem kurzen Prozess, in dem Panzram zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt wurde. Die Unterschrift unter Panzrams Urteil setzte der damalige Kriegsminister und künftige US-Präsident William Howard Taft.
Militärgefangene mussten, egal aus welchem Bundesstaat sie kamen, ihre Strafe im United States Military Prison in Leavenworth in Kansas absitzen. In einem Viehwagen und mit wenig Wasser und Nahrung ausgestattet, wurde Panzram mit einer Gruppe anderer Häftlinge auf den 1000 Meilen langen Weg geschickt. Anfang Mai 1908 kam der Zug in Leavenworth an, wo Panzram wiederum nicht sein wahres Alter von 17 Jahren verriet und sich älter machte. Darum musste er, wie seine Mitgefangenen auch, harte körperliche Arbeit in einem Steinbruch verrichten. Dabei trug er 24 Stunden täglich eine 50 pounds (ca. 23 kg) schwere Eisenkugel am Bein. Während der Arbeit, die 10 Stunden täglich und sieben Tage in der Woche zu verrichten war, herrschte absolute Stille. Wenn ein Gefangener sprach, wurde er geschlagen und danach in Einzelhaft gesteckt. Dies passierte auch Carl Panzram mehr als einmal. Wie in der Jugendstrafanstalt in Minnesota legte er auch hier eines Nachts in einer Werkstatt Feuer und verursachte dabei einen Schaden von 100.000 Dollar. Auch wenn Panzram oft an Flucht dachte, war dies in Leavenworth ein Ding der Unmöglichkeit, da die Mauern 40 Fuß (12 Meter) hoch waren und ein Fundament von 20 Fuß (6 Meter) hatten.
Wegen guter Führung wurde Panzram bereits 1910 aus Leavenworth entlassen.
Panzrams Taten
Nach Panzrams Entlassung aus Leavenworth lässt sich sein Leben über einen Zeitraum von knapp einem Jahr nur fragmentarisch rekonstruieren. Als gesichert gilt, dass er mit dem Zug als „blinder Passagier“ durch alle südwestlichen US-Bundesstaaten reiste. Um sich finanziell über Wasser zu halten, brach er in Wohnhäuser ein und stahl alles, dessen er habhaft werden konnte. Auch setzte er vor allem im Sommer Felder und in Blüte stehende Äcker in Brand und vernichtete so die Existenzgrundlage zahlreicher Farmer. Um die Polizei zu verwirren, nahm er immer wieder andere Identitäten an. Darum wurde nicht Carl Panzram, sondern ein gewisser Jeff Baldwin wegen Einbruchdiebstahls in Rusk im US-Bundesstaat Texas verhaftet. Doch konnte Panzram bereits nach wenigen Tagen aus dem nur mäßig gesicherten Bezirksgericht von Cherokee County entkommen. Ebenso gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis in Fresno (Kalifornien), wo er im Sommer 1911 unter dem Pseudonym Jefferson Davis wegen des Diebstahls eines Fahrrads eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten hätte verbüßen sollen. Bereits nach 30 Tagen konnte er entkommen und floh nach Norden. Als er in einem Frachtwaggon auf eine Gruppe weiterer blinder Passagiere traf, zwang er sie mit vorgehaltener Waffe zur Herausgabe ihrer Wertsachen, vergewaltigte einen von ihnen und warf die Gruppe aus dem fahrenden Zug in den sicheren Tod.
Obwohl Panzram gewiss auch aus anderen Gefängnissen mit Erfolg entkommen konnte, sind nur noch seine Fluchten aus The Dalles (Oregon) und Harrison (Idaho) belegt. Im Frühjahr 1913 wurde er wegen schweren Raubs in Chinook im US-Bundesstaat Montana verhaftet und am 27. April 1913 zu einer einjährigen Freiheitsstrafe im Gefängnis von Deer Lodge verurteilt. Panzram gab Jahre später zu, dass ihm einmal, als er sich in einem Bordell versteckte, die Brieftasche gestohlen und er sich mit Tripper infiziert hatte. Er wurde paranoid und behauptete, die Polizei sei ihm ständig auf der Spur, könne ihn aber nie fassen. 1913 wurde er unter dem Decknamen „Jack Allen“ in The Dalles, Oregon, wegen Straßenraubs, Körperverletzung und Sodomie verhaftet und brach nach zwei Monaten aus dem Gefängnis aus. In Harrison, Idaho, wurde er unter dem Decknamen „Jeff Davis“ erneut verhaftet, entkam jedoch aus dem Bezirksgefängnis. Am 7. April 1913 wurde Panzram unter dem Decknamen „Jeff Davis“ in Malta, Montana, verhaftet: „Ein Mann, der sich als Jeff Davis ausgab, wurde am Montagmorgen wegen Ruhestörung verhaftet und ins Bezirksgefängnis gebracht. Im Laufe des Tages traf aus Chinook die Information ein, dass er dort gesucht wurde, weil er in eine Zahnarztpraxis eingebrochen war und einen pelzgefütterten Damenmantel und eine Tube Gold gestohlen hatte. Ein Beamter aus Chinook verfolgte Jeff am Dienstag. Der fragliche Mantel wurde in Malta für 5 Dollar verkauft, und es sieht so aus, als hätten die Beteiligten anstelle des Mantels Erfahrung im Wert von 5 Dollar gekauft.“Das Unternehmen. [Band, (Harlem Montana) 10. April 1913, Bild 8] In Chinook, Montana, wurde er unter dem Decknamen „Jefferson Davis“ wegen Einbruchs zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, das er im Staatsgefängnis von Montana absitzen sollte.