mini|„Dingo“ mit ungewöhnlicher Schnauzenmusterung Die Vermischung von Dingos mit anderen Haushunden ist ein laufender Prozess, der die Populationen wild lebender Haushunde in Australien betrifft. Der Bestand an wild lebenden Haushunden in Australien ist heute womöglich so hoch wie noch nie zuvor, allerdings ist der Anteil der sogenannten „reinen“Da nicht klar ist, wie weit die Vermischung von Dingos und anderen Haushunden geht, und auch keine Einigkeit darüber besteht, welche Hunde als reine Dingos gelten und welche nicht, wird der Begriff rein in diesem Artikel in Anführungszeichen gesetzt. Dingos (Hunde mit ausschließlich Dingos als Vorfahren) in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen und gilt weiterhin als sinkend.

Durch die fortschreitende Paarung von Dingos mit anderen Haushunden weist die heutige Population wild lebender Haushunde (d. h. die Population der Mischlingshunde) auf dem australischen Kontinent eine größere Palette an Fellfarben und Körperformen auf als vor dem Beginn der europäischen Besiedlung. Die Auswirkungen dieses Prozesses sind nicht klar, und die Möglichkeit potentieller Probleme sowie der Wunsch, den „reinen“ Dingo zu erhalten, führen oft zu einer starken Ablehnung dieser Vermischung.

Ursachen, Grad und Formen der Vermischung Der Dingo ist nach heutigem Kenntnisstand schon vor Jahrtausenden als Haushund zusammen mit Seefahrern nach Australien gekommen und verwilderte dort. Er existiert auf dem Kontinent schon seit mindestens 3500 Jahren, was durch sowohl archäologische als auch genetische Untersuchungen und Funde erwiesen ist. Ebenso wird angenommen, dass es danach vor Ankunft der Europäer zu keinen nennenswerten Einführungen anderer Haushunde gekommen ist.

Mit der Besiedlung des australischen Kontinents durch die Europäer im 18. Jahrhundert kamen auch ihre Haushunde nach Australien. Seitdem gerieten immer wieder Hunde in die Wildnis (absichtlich und unbeabsichtigt) und gründeten verwilderte Populationen, besonders dort, wo die Anzahl der Dingos durch den Menschen reduziert wurde. Es gibt zwar wenige Berichte über solche Aussetzungen; dass sie geschahen, wird allerdings durch Berichte über frei lebende Haushunde bestimmter Rassen, die in entlegenen Gebieten gesichtet oder eingefangen wurden, unterstützt. Die Ausbreitung von Farm- und Weideaktivitäten im 19. Jahrhundert führte zur weiteren Verbreitung von anderen Haushunden sowohl aus dem Hausstand des Menschen als auch in verwilderter Form. Eine Vermischung mit den einheimischen Dingos findet vermutlich schon seit der Ankunft der ersten Haushunde im Jahr 1788 statt.Fleming, Corbett, Harden and Thomson (2001)

Ursachen und Formen mini|Roter Australian Cattle Dog, eine Rasse, die durch die Vermischung von australischen Dingos und anderen Haushunden entstand Nach heutigem Wissensstand vermischen sich Dingos leicht mit anderen Haushunden, daher wird heute oft der Begriff „wilder Hund“ für die Benennung aller Dingos, verwilderter Haushunde und Mischlinge benutzt, da die Grenzen zwischen diesen nicht klar sind.

Eine Vermischung von Dingos mit anderen Haushunden ist keineswegs grundsätzlich ungeplant, und Dingos wurden zur Zucht einiger Hunderassen verwendet. Diese Zuchtversuche gab es bereits vor der Mitte des 19. Jahrhunderts. Als erfolgreich galt bisher aber nur die Zucht des Australian Cattle Dog. Eventuell hat auch der Kelpie Dingovorfahren, was aber nicht nachgewiesen ist.

Gelegentlich wird behauptet, die Vermischung und Aufzucht von Mischlingen in der Wildnis sei ein seltenes Phänomen aufgrund angeblich radikaler Unterschiede in Verhalten und Biologie und der Härte der Wildnis. Es ist aber bekannt, dass es immer wieder Hunde gibt, die zwar aus dem Hausstand des Menschen stammen, es aber dennoch schaffen, auf sich allein gestellt auch durch Jagd zu überleben und sich fortzupflanzen. Eberhard Trumler war der Meinung, dass Mischlinge aus Dingos und Schäferhunden gute Überlebenschancen in der Wildnis haben könnten. Ebenso berichtete bereits Alfred Brehm über Verpaarungen zwischen Dingos und anderen Haushunden beiderlei Geschlechts. Es gibt auch Berichte, nach denen sich dingoartige wilde Hunde mit festgebundenen weiblichen Haushunden gepaart haben.

mini|links|350px|Diagramm zur Vermischung von Dingos mit Haushunden (nach Corbett 1995a) Die Rate der Vermischung steigt, wenn Dingos von urbanen Zentren aufgrund der Aussicht auf leicht erreichbare Nahrung angezogen werden. Da sich aber die Interaktionen zwischen Dingos und anderen verwilderten Haushunden im Busch stark von denen an urbanen Plätzen unterscheiden, gilt dies auch für die Rate der Vermischung. Es ist bekannt, dass immer wieder Haushunde im Busch verloren gehen. Es wird aber angenommen, dass die Verhaltensunterschiede zwischen Dingos und Haushunden groß genug seien, um diesen Hunden die Eingliederung in die Dingogesellschaft und damit eine Fortpflanzung zu erschweren, besonders in entlegeneren Gebieten. Eine weitere Verbreitung von Mischlingen könnte durch die geringeren Verhaltensunterschiede die Vermischung beschleunigen und teilweise den höheren Anteil von Mischlingen in Südostaustralien erklären. Am wahrscheinlichsten ist, dass das territoriale Verhalten von etablierten Dingorudeln, das alle fremden Hunde vom Rudel und damit von der Fortpflanzung abhält, die Rate der Vermischung zügelt. Dadurch, dass Menschen Dingos als Haustiere halten (beispielsweise in Ost-Australien), die das Heim ihres Menschen als Ausgangsbasis für Streifzüge benutzen oder von ihren Besitzern ausgesetzt werden, nimmt die Häufigkeit des Kontakts zwischen Dingos und anderen Haushunden zu, da diese die Verhaltensweise, die eine Fortpflanzung und damit Vermischung zügeln würden, nicht erlernt haben. Viele solcher Mischlinge werden von ihren Besitzern ausgesetzt und wandern in den Busch ab, wo sie sich mit „reinen“ Dingos vermischen können. Zudem können Mischlinge nachweislich entstehen, wenn Hütehunde sich mit Dingos vermischen; selbst mit solchen Hunden, die eigens zur Bekämpfung von Dingos angeschafft wurden, ist dies möglich.

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die bekannten Tötungsmethoden zur Kontrolle von Dingos und anderen wilden Hunden den Prozess der Vermischung effektiv verlangsamen konnten. Es scheint eher, dass sie den Prozess der Vermischung beschleunigen, da sie traditionelle Rudelstrukturen aufbrechen und dadurch einige Mechanismen zur Populationskontrolle verschwinden.

Grad der Vermischung Dingoproben, die in den 1960er und 1970er Jahren gesammelt wurden, deuteten darauf hin, dass die Hälfte der wilden Hunde im südlichen Australien Dingomischlinge waren; Untersuchungen in den frühen 1980er Jahren bestätigten den Trend zunehmender Vermischung. Ausgehend von Schädelmerkmalen fand man, dass in den Hochländern des Südostens der Anteil an „reinen“ Dingos von etwa 49 % in den 1960er Jahren auf etwa 17 % in den 1980er Jahren gesunken ist. Bei Untersuchungen im Jahr 1985 waren in Südost-Australien nur 55 % von 407 untersuchten „Dingos“ keine Mischlinge. 36 % waren Dingomischlinge und der Rest wilde Hunde anderer Herkunft. Mitte der 1980er Jahre wurde der Anteil an „reinen“ Dingos bzw. Dingomischlingen in Zentralaustralien (basierend auf Schädelmerkmalen) auf 97,5 % bzw. 2,4 % geschätzt, in Süd-Ost-Australien dagegen auf 55,3 % bzw. 33,92 %. Man schloss aus diesen Ergebnissen, dass gemischte Populationen dort zu erwarten sind, wo menschliche Siedlungen existieren und wilde Hunde verbleiben, und dass Mischlinge in abgelegenen Gebieten seltener sind. Gebrochene Färbungsmuster, rötlich mit weiß, schwarze oder bläuliche Flecken, völlig schwarz, braun oder bläulich, schwarz-weiß und geschecktes Streifenmuster waren im zweiten Gebiet ebenfalls weit zahlreicher (34,8 %) als im ersten (5,7 %). In Südost-Australien gab es in Bezug auf die Häufigkeit der Färbungen keinen Unterschied zwischen Gebieten nahe Farmland und Wald. Viele dieser Farbvariationen tauchten auch in Kreuzungsexperimenten von rötlichen Dingos mit verschiedenfarbigen anderen Haushunden auf. Insgesamt bestanden in Ost- und Süd-Australien in den 1980er Jahren etwa 50 % der Population aus Mischlingen. Je nach Gebiet ging man dabei in Südostaustralien von einem Anteil an „reinen“ Dingos von mindestens 22 % bis maximal 65 % aus. Mitte der 1990er Jahre wurden 100 Hundeschädel aus dem Queensland Museum gemessen und analysiert, um die Häufigkeit von Dingos in den Hundepopulationen Queenslands zu ermitteln. Die höchste Häufigkeit (95 %) wurde bei Schädeln aus Zentral-Queensland festgestellt, und die höchste Häufigkeit an anderen Haushunden und Dingomischlingen (50 %) fand man im Südosten des Landes. K’gari hatte nur einen geringen Anteil an Dingomischlingen (17 %), die hauptsächlich auf die Südhälfte der Insel beschränkt waren. Zur Jahrtausendwende konnten bei Vermessungen von 180 Schädeln aus sieben Hauptgebieten Australiens nur 74 % der Schädel als Dingoschädel klassifiziert werden, und keine der Populationen enthielt nur Dingoschädel. Bei einer Untersuchung in New South Wales stammten laut Laurie Corbett sogar alle untersuchten Proben von Mischlingen.

mini|Vermutete Verbreitung von Dingomischlingen im Jahre 2009 Mischlinge aus Dingos und anderen Haushunden gelten heute als in allen Populationen existent; ihr Anteil gilt als steigend, und vollkommen „reine“ Populationen existieren möglicherweise nicht mehr. Wie weit diese Vermischung allerdings genau geht, ist nicht bekannt. Die Vermischung hat möglicherweise einen so hohen Grad erreicht, dass es große Populationen gibt, die nur noch aus Mischlingen bestehen. Traditionelle Methoden zur Identifizierung von Dingos, Dingomischlingen und anderen Haushunden (basierend auf Schädelmerkmalen, Fortpflanzungsmustern und Fellfarben) deuten ebenfalls darauf hin, dass Vermischung weit verbreitet ist und in allen Populationen in Australien vorkommt, besonders im Süden und Osten. Basierend auf Schädelmerkmalen gibt es in New South Wales nur noch wenige „reine“ Dingos, und in den Hochländern des Südostens könnte die „reine“ Form lokal ausgestorben sein. Auch in für „reine“ Dingos als sicher geltenden Regionen, wie dem Kakadu National Park und anderen Teilen im Northern Territory, existieren Mischlinge bzw. tauchen an den Berührungszonen von Buschland und Ortschaften auf. Ebenso wurden Mischlinge im nördlichen Australien und in entlegenen Gebieten beobachtet.

Der Anteil von Mischlingen an der Gesamtpopulation des Festlands wurde bereits auf ca. Dreiviertel geschätzt. Laut einigen Quellen besteht die Hundepopulation in Südwestaustralien und entlang der Ostküste heute zu 90 % aus Mischlingshunden, laut anderen besteht sie entlang der Ostküste zu 80 % aus Mischlingen und nur noch 15 % bis 20 % der Dingos in Südost-Australien und Südost-Queensland sollen „rein“ sein. Im Südwesten von Australien und im Inland von Queensland sind die Dingos vermutlich noch zu 90–95 % „rein“. Genetische Untersuchungen der letzten Jahre kamen zu dem Ergebnis, dass die Population wilder Hunde im Gebiet der südlichen Blue Mountains zu 96,8 % aus Dingomischlingen besteht. Die Angaben (bzw. Schätzungen), wie viele Mischlinge es insgesamt in Australien gibt, sind hoch, aber nicht einheitlich. Manchmal tauchen Angaben auf, nach denen die meisten Populationen zu 80 % aus Mischlingen bestehen oder dass 80 % oder 90 % aller wilden Hunde Australiens Dingomischlinge seien. Es wird angenommen, dass die Vermischungsrate hoch ist, aber eine Quantifizierung wird durch das Fehlen verlässlicher Tests behindert.