Wappen Zirkel 164x240px 227x227px Basisdaten Universität: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Gründung: 19. Dezember 1841 Gründungsort: Bonn Dachverband: Wingolfsbund Farben: schwarz-weiß-gold Burschenband: 100x100px Fuchsenband: 100x100px Motto: Di henos panta! (griech.: Durch Einen Alles!) Wahlspruch: „Fromm, Frisch, Froh, Frei“ Website: http://www.bonner-wingolf.de/ Der Bonner Wingolf ist eine christliche, überkonfessionelle Studentenverbindung. Wie alle Wingolfsverbindungen lehnt der Bonner Wingolf Duell und Mensur ab. Er wurde am 19. Dezember 1841 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gegründet.Geschichte des Bonnenser Wingolf. In: Aus dem Wingolf, Marburg 1860, S. 55 f. Er gilt damit als die älteste Wingolfsverbindung. Vorläufer war eine Theologenvereinigung, deren Anfänge bis in die 1820er Jahre reichen. Die Verbindung nahm den Wahlspruch „Fromm, Frisch, Froh, Frei“ in Anlehnung an Turnvater Jahn und dessen Turnerbewegung an. Er trug als erster die Farben schwarz-weiß-gold, die später zu den Bundesfarben des Wingolfsbundes wurden, deren Gründungsmitglied er ist.

Geschichte Von der Gründung bis zur Auflösung im Sommersemester 1849 Gegen Ende der 1820er Jahre entstand in Bonn zunächst eine Vereinigung von Studenten, weit überwiegend Theologen, die sich einig waren in der Verwerfung des Duells. Der regelmäßige Treffpunkt wurde Theologenkneipe genannt, was sich auf den Verein übertrug. Wohl prominentestes Mitglied war Gottfried Kinkel. Ende der 1830er Jahre spaltete sich die Theologenkneipe in eine ältere und eine jüngere Theologenkneipe. Während Erstere bald einging, prosperierte Letztere.Hans Waitz: Geschichte des Wingolfsbundes aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt, Johannes Waitz und Wingolfsverlag m. b. H., Darmstadt Wolfratshausen 1926, S. 39 f. mini|links|Die Stifter des Bonner Wingolf Engelbert und Reinhardt auf dem 65. Stiftungsfest 1906 Der Verein hatte regen Austausch mit verwandten Vereinen in Jena und Halle.Otto Imgart, Der Urwingolf am Rhein in den 30er und 40er Jahren Wolfratshausen Wingolfsverlag mbH Wolfratshausen 1927, S. 5 u. 7.

Im Wintersemester 1841/42 entstand aus dieser Vereinigung eine Verbindung, die sich ab dem 30. November 1841 Wingolf nannte. Die förmliche Gründung erfolgte am 19. Dezember 1841.Otto Imgart, Der Urwingolf am Rhein in den 30er und 40er Jahren Wolfratshausen Wingolfsverlag mbH Wolfratshausen 1927, S. 6. Als Erkennungszeichen trug die Verbindung zunächst einzig ein schwarzes Barett. Die Stifter waren Christian Bickenbach (Theologe), Otto Ludolf Brockhaus, Richard Engelbert, Ernst Jungk, Otto Reinhardt, Albrecht Schöler, Clamor Topp und Karl Friedrich Zickwolf. Engelhardt und Topp hatten zuvor wesentlichen Anteil an der Gründung eines gleichgerichteten Vereins in Halle.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 15f Am ersten offiziellen Vereinsabend am 7. Januar 1842 wurden weiter Willibald Beyschlag und Friedrich Wilhelm Becker aufgenommen.Sekretärsbericht von 1842 in Giesecke/Trautner Aus den Anfängen des Wingolf (1841-1849), S. 48 ff. Zahlreiche weitere Mitglieder der Theologenkneipe, darunter auch Gustav Wurm sowie Mitglieder des gleichgerichteten Vereins in Halle, traten der neuen Verbindung in den folgenden Semestern bei. Schoeler, Wolters, Beyschlag und Wurm gehörten zudem dem von Johanna und Gottfried Kinkel gegründeten Maikäferbund an.

400px|mini|Die „jüngere Theologenkneipe“ im SS 1841|alternativtext=

Die Verbindung verwarf das Duell und stellte sich unter die Prinzipien Sittlichkeit, Wissenschaftlichkeit und Geselligkeit. Schoeler zählte zu den Prinzipien auch ausdrücklich Religiosität.Hans Keller: Geschichte des Bonner Wingolfs. in: Hans Waitz: Geschichte der Wingolfsverbindungen, Verlag alter Wingolfiten: Darmstadt 1914, S. 78, das Tagebuch Schoelers vom 30. Januar 1842 zitierend. Nur wer die Duellverwerfung für sich persönlich als verbindlich anerkannte, konnte Vollmitglied der Verbindung werden.August Grashoff (Bo42): Bonner Erinnerungen Herbst 1842 bis Herbst 1846. In: Mitteilungsblatt des Bonner Wingolf, 1927, S. 4. Als Zweck ihrer Vereinigung stellten sie das Bestreben auf, ein studentisches Gemeinschaftsleben zu führen, das auf einem religiösen Grunde beruhe. Dies gerade sollte das unterscheidende Merkmal sein, aber Religiosität fasste man nicht in speziell christlichem Sinne auf, sondern in einem mehr praktischen, als Sittlichkeit, die von religiöser Gesinnung getragen wird. Daneben wurde gefordert, dass man für alles Hohe und Schöne den Sinn offen habe und es zum Gegenstand seiner Liebe und seines Studiums mache.Jakob Engelbert, Richard Engelbert, der Diakonievater, Ein Lebensbild, Duisburg 1920, S. 22 Zu den wöchentlichen Vereinsabenden und Kneipen, kamen Semestereröffnungs- und Schlusskommerse sowie jeweils ein Erbauungskränzchen (Andacht) und im Winter das groß begangene Stiftungsfest.

Dabei verstand sich die Verbindung von Anbeginn nicht als konfessionell gebunden. Im Sommersemester 1843 war annähernd ein Viertel der Mitglieder nicht evangelischen Glaubens. Es wird die Neuaufnahme vieler Katholiken vermerkt. Auch katholische Theologen waren unter den Mitgliedern.Otto Imgart, Der Urwingolf am Rhein in den 30er und 40er Jahren Wolfratshausen Wingolfsverlag mbH Wolfratshausen 1927, S. 9. Darunter befand sich auch der spätere bekannte Altkatholik und Bürgermeister von Boppard Joseph Syrée.

Schon weil an der damaligen evangelischen Fakultät in Bonn fast die Hälfte der Studenten aus dem Ausland kam, hatte die Verbindung von Anbeginn zahlreiche Ausländer in ihren Reihen, darunter u. a. Engländer, ein Franzose, Finnen und Schweizer.August Grashoff (Bo42): Bonner Erinnerungen Herbst 1842 bis Herbst 1846. In: Mitteilungsblatt des Bonner Wingolf, 1927, S. 2 u. 4 ff. Auch pflegte man freundschaftliche Beziehungen zu der als gleichberechtigt anerkannten Concordia Utrecht.Otto Imgart, Der Urwingolf am Rhein in den 30er und 40er Jahren Wolfratshausen Wingolfsverlag mbH Wolfratshausen 1927, S. 10. Bereits zum Ende des Sommersemesters 1842 verließen mehrere Mitglieder Bonn in Richtung Berlin. Die Verbindung beschloss deshalb in Berlin eine Filialverbindung zu gründen. Damit von Anbeginn eine gewisse Leitung vorhanden war, wurde Zickwolf zum Sprecher bestimmt, der auch am 9. Februar 1843 die Gründung des Berliner Ablegers am 28. Januar 1843 nach Bonn meldete. Dabei handelte es sich jedoch nur um einen Vorläufer des späteren Berliner Wingolf, dessen Gründung erst am 11. August 1843, nunmehr bereits unter Leitung des ebenfalls zur Bonner Verbindung gehörenden, Gräbers erfolgte.Hans Keller: Geschichte des Bonner Wingolfs. In: Hans Waitz: Geschichte der Wingolfsverbindungen, Verlag alter Wingolfiten: Darmstadt 1914, S. 86.Hans Waitz: Geschichte des Wingolfsbundes aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt, Johannes Waitz und Wingolfsverlag m. b. H., Darmstadt Wolfratshausen 1926, S. 44.

Am 5. Juli 1844 spaltete sich der Hallenser Verein. Die wingolfitische Richtung wurde von dem auch zur Bonner und Berliner Verbindung gehörenden Rohde angeführt, der 1. Sprecher wurde.Fr. Büchsel: Geschichte des Halenser Wingolf. In: Hans Waitz: Geschichte der Wingolfsverbindungen, Verlag alter Wingolfiten: Darmstadt 1914, S. 441. Die Germania pflegte im Weiteren nur noch zu diesem Verein, der sich ab dem 20. Dezember 1844 Wingolf nannte, Beziehungen.

Im Verlauf des Sommersemesters 1844 benannte sich die Verbindung in Germania um.Otto Imgart, Der Urwingolf am Rhein in den 30er und 40er Jahren Wolfratshausen Wingolfsverlag mbH Wolfratshausen 1927, S. 10. Laut Grashof, lag der Grund darin, dass man sich an dem männlichen Genus des Namens Wingolf gerieben habe.August Grashoff (Bo42): Bonner Erinnerungen Herbst 1842 bis Herbst 1846. In: Mitteilungsblatt des Bonner Wingolf, 1927, S. 1. Schoeler meint, dass der Name Germania für die Öffentlichkeit schlicht geläufiger gewesen sei. Einig sind sich beide darin, dass ein Richtungswechsel damit nicht verbunden gewesen sei.

Als sich vom 27. bis 31. Mai 1844 die Verbindungen aus Berlin, Halle und Erlangen (Uttenruthia) in Schleiz trafen, um einen näheren Zusammenschluss zu vereinbaren, war auch der Bonner Wingolf eingeladen. Weshalb er nicht erschien, verliert sich im Dunkel der Geschichte. WaitzHans Waitz: Geschichte des Wingolfsbundes aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt, Johannes Waitz und Wingolfsverlag m. b. H., Darmstadt Wolfratshausen 1926, S. 48. behauptet unter Bezugnahme auf Luthardt, ihm sei die persönliche Zusammenkunft mit anderen Vereinen verboten gewesen. Diese Behauptung scheint jedoch zweifelhaft, weil an anderer Stelle berichtet wird, dass Vertreter nach Erlangen entsandt wurden und der Uttenruthia als Geschenk ein Gedenkbuch mit dem Titel überreichten: „Die Wingolfiter in Bonn ihren Brüdern in Erlangen zur Feier des 100. Universitätsjubiläums im August 1843“.Otto Imgart, Der Urwingolf am Rhein in den 30er und 40er Jahren Wolfratshausen Wingolfsverlag mbH Wolfratshausen 1927, S. 9. Als widerlegt kann inzwischen die weitere Behauptung gelten, die Einladung an Bonn sei dort nicht eingetroffen (So immer wieder in den Geschichtstabellen der Mitgliederverzeichnisse des Wingolfsbundes „Vademecum Wingolfiticum“ abgedruckt. Der Brief befindet sich im Archiv des Bonner Wingolf.) Die Verbindung akzeptierte die Beschlüsse aus Schleiz und erklärte, dass Mitglieder aus den Bruderverbindungen „per se“ aufgenommen seien. Sie wird deshalb zu den Gründungsverbindungen des Wingolfsbundes gerechnet.

Später jedoch trübte sich das Verhältnis zu Erlangen und Halle zunehmend. Rege Kontakte und Mitgliederaustausch bestanden jedoch weiterhin mit Berlin.

Im Jahre 1845 legt die Verbindung als erste die Farben schwarz-weiß-gold an, was später durch Berlin und Halle, 1850 auch durch den aus der Erlanger Uttenruthia entstandenen Erlanger Wingolf übernommen wurde. Heute tragen 22 der 35 aktiven Wingolfsverbindungen diese Farben. mini|260px|Couleurkarte des Bonner Wingolf von 1905|alternativtext=|links