mini|hochkant|Markgraf Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg (1426–1487)- Foto seiner Statue in der Kollegiatkirche Neuenburg (Neuchâtel) neben dem Kenotaph der Grafen von Neuenburg Markgraf Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg (* 1426/27 auf der Burg Rötteln; † 12. April 1487 ebenda) regierte von 1444 bis 1487 die Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg und ab 1447 die Grafschaft Neuenburg am See. Durch seine Stellung im deutschen Reich und seine Verbindungen ins Herzogtum Burgund und zur Eidgenossenschaft wurde er vielfach als Vermittler angerufen.
Die Familie Rudolf stammte aus dem Haus Hachberg-Sausenberg, einem Seitenzweig des Hauses Baden (und damit der Zähringer) und war der Sohn des Markgrafen Wilhelm von Hachberg-Sausenberg und der Elisabeth von Montfort-Bregenz.
Rudolf heiratete 1447 Marguerite de Vienne († 1477), die Enkelin des Grafen Wilhelm III. von Vienne.Sachs S. 571 Nach dem Tod von Rudolfs Schwager und einem Vergleich mit Wilhelm von Vienne zu Mombis erbte Rudolfs Ehefrau Margaretha 1467 die Herrschaft Sainte-Croix und die Herrschaften Louhans, Seurre und Joux.Sachs S. 574
Bekannt sind folgende Kinder:Neben den nachfolgend aufgeführten Kindern gibt es Hinweise auf zwei weitere Kinder aus der Ehe mit Marguerite de Vienne. 1449 wurde demnach eine namentlich nicht genannte Tochter im frühen Kindesalter bestattet. Kurz nach 1450 wurde demnach ein Junge namens Jean geboren über den die Nachrichten nach 1458 abbrechen. Siehe Jaqueline Lonzeron: Les enfants de Rodolphe de Hochberg et les comptes de dépenses de Jean de Fribourg. In: Musée Neuchatelois, 1939, S. 105–109 Digitalisat Katharinaauch Catherine de Hochberg genannt (* 1450; † 1498)Eintrag auf geneall.net ⚭Hochzeit am 9. Mai 1458 Philipp de Neufchâtel-en-Bourgogne, Herr von FontenoySohn des Jean II de Neufchâtel und der Marguerida de Castro. Gérard Pelot: Les derniers grands feux (?) d’une maison comtoise et bourguignonne: Guillaume de Vienne, seigneur de Saint-Georges et de Sainte-Croix, 1362-1437. (PDF; 53 MB) Histoire., Band III, 2012, Stammbaum Neufchâtel (Bourgogne) Philipp von Hachberg-Sausenberg (* 1454; † 1503)
Als Witwer hatte der Markgraf noch folgende Kinder aus zwei unehelichen Verbindungen.
Mit Barbara Ehinger: Barbaraauch Barbe de Hochberg oder Berthe (* 1480; † 1550) 1. ⚭ 9. August 1502 Philipp von ChastelluxEintrag auf genealogieonline.nl; Jaqueline de Rohan. In: Musée neuchâtelois, Juli 1883, S. 195 rero.ch (PDF; 195 MB); Eintrag auf doc.rero.ch; für Philippe war es die 2. Ehe — das Paar hatte 7 Kinder (siehe hierzu auch Anselme de Sainte-Marie: Histoire généalogique et chronologique de la Maison Royale de France. Paris 1783, S. 6, ) 2. ⚭ 1529 Philippe von Champignolles, Herr von Villemolinour-royal-titled-noble-and-commoner-ancestors.com Eintrag auf our-royal-titled-noble-and-commoner-ancestors.com mit Verweis auf Detlev Schwennicke: Europaische Stammtafeln, New Series, Vol. I/2, Tafel 273.
Mit N. Keller: Olivier von Hochberg (* 1484; † 1558)siehe
Der Bischof von Konstanz, Otto III. von Hachberg war ein Onkel von Rudolf IV.
Verwandtschaft mit den Grafen von Freiburg mini|Die Verbindung zwischen den Markgrafen von Hachberg-Sausenberg und den Grafen von Neuenburg/Freiburg Durch die Verwandtschaft mit den Grafen von Freiburg konnte Rudolf das von ihm regierte Territorium deutlich erweitern. Rudolfs Großvater, Rudolf III. von Hachberg-Sausenberg heiratete 1387 in zweiter Ehe Anna von Freiburg. Deren Bruder Konrad wurde 1395 Graf von Neuenburg. Konrads Sohn Johann war 1441 bis 1444 Rudolfs Vormund. Johanns Kinder aus seiner Ehe mit Marie von Chalon-Arlay, der Tochter des Lehensherrn von Neuenburg, verstarben alle bereits im Kindesalter.
Regentschaft Nach der Abdankung des Vaters (1441) zugunsten von Rudolf und dessen Bruder Hugo übernahm zunächst der Onkel, Graf Johann von Freiburg, bis 1444 als Vormund die Regierung.Sachs S. 557 Seit 1441 führte Rudolf den Titel Markgraf von Hachberg-Sausenberg und seit 1447 jenen eines Grafen von Neuenburg am See. Über Rudolfs Bruder Hugo, der 1444 noch zusammen mit Rudolf die Markgrafschaft übernahm, finden sich keine späteren urkundlichen Erwähnungen und es wird daher angenommen, dass er 1445 starb.
Territoriale Expansion Herrschaft Badenweiler Am 8. September 1444 schenkte Johann von Freiburg seinen eben aus der Vormundschaft entlassenen Neffen 2. Grades, Rudolf und Hugo von Hachberg-Sausenberg, seine Herrschaft Badenweiler mit der Burg Baden. Damit entstand aus der Landgrafschaft Sausenberg, sowie den Herrschaften Rötteln und Sausenberg (zusammen Oberamt Rötteln) ein großes weitgehend geschlossenes Herrschaftsgebiet zwischen Basel und Freiburg, das späterhin Markgräflerland benannt wurde.Siehe hierzu auch Hans Jakob Wörner: Das Markgräflerland – Bemerkungen zu seinem geschichtlichen Werdegang. In: Das Markgräflerland. Heft 2/1994, S. 62/63, Schopfheim 1994 Digitalisat der UB Freiburg
Grafschaft Neuenburg am See Bereits im Mai 1450 setzte Johann von Freiburg vor eine Pilgerreise nach Rom Rudolf als alleinigen Erben ein. Auch in der Folgezeit bemühte sich Johann seinen Neffen bereits zu seinen Lebzeiten als Nachfolger zu etablieren, da die Rechtslage einen Erbgang eigentlich ausschloss. So war Rudolf 1454 auch an der Gewährung eines neuen Stadtrechts für Neuenburg beteiligt.Siehe Bauer S. 9–10 Auch Bern wurde als Schutzmacht in die Nachfolgeregelung einbezogen.
Rechtsstellung der Grafschaft Neuenburg Zeitraum Rechtsstellung Anmerkungen 1033 bis 1127 reichsunmittelbares Lehen Belehnung durch Kaiser Konrad II.; nach salischem Recht Reichsmannlehen 1127 bis 1218 Reichslehen unter dem Rektorat von Burgund zwischen dem Reich und dem Lehensnehmer stand das Rektorat unter den Zähringern 1218 bis 1288 reichsunmittelbares Lehen nach dem Absterben der Zähringer entfiel auch das Rektorat 1288 bis 1395 Reichsafterlehen 1288 Rückgabe des Lehens an König Rudolf von Habsburg; Vergabe des Reichslehens durch diesen an Johann I. von Chalon und Weitergabe durch diesen als Afterlehen an die Grafen von Neuenburg 1395 bis 1458 Reichsafterlehen Nach dem Tod der Gräfin Isabella von Neuenburg machte Johann (Jean) III. von Chalon 1395 und 1404 den Heimfall des erledigten Lehens geltend um die Rechtmäßigkeit der Erbfolge von Isabella auf Konrad III. von Freiburg anzufechten.Siehe Johann Jakob Hottinger: Neuenburg in seinen geschichtlichen und Rechtsverhältnissen zur Schweiz und zu Preussen. In: Archiv für schweizerische Geschichte, Band 9 (1853), S. 4–9 doi:10.5169/seals-10643#15 Durch Intervention Berns zugunsten der Grafen von Freiburg und durch die 1416 geschlossene Hochzeit zwischen Johann von Freiburg und Marie von Chalon-Arlay konnte der Konflikt beigelegt werden.
Der Übergang Neuenburgs an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg Nachdem Graf Johann kinderlos starb († 19. Februar 1458) stellte sich der damalige Lehensherr, Louis II. de Chalon wieder auf den Standpunkt, dass das Lehen damit heimgefallen sei. Der von Graf Johann eingesetzte Erbe, Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg, beeilte sich sofort um Aufnahme in das Bürgerrecht der Städte Bern und Solothurn. Am 7. April 1458 wurde Rudolf von Bern als Regent der Grafschaft Neuenburg anerkannt und als Bürger von Bern aufgenommen. Am 10. April huldigte ihm die Bürgerschaft von Neuchâtel. Da auch die Stadt Berner Bürgerrecht hatte, ließ sich Bern die Entscheidung in Streitsachen zwischen Graf und Stadt zusichern und damit eine Art Oberherrschaft.Siehe Anton Philipp von Segesser (Bearbeiter): Amtliche Sammlung der ältern Eidgenössischen Abschiede, Band 2: Abschiede 1421–1477, Luzern 1863, S. 290, Nr. 454 vom 7. April 1458 ULB Düsseldorf Rudolf übernahm aufgrund des Testaments von Johann die Grafschaft Neuenburg mit dem Château de Neuchâtel und weiteren Herrschaften in der Freigrafschaft Burgund. Rudolf anerkannte die Lehenshoheit des Grafen von Chalon und bot diesem am 25. April 1458 die Huldigung an, was aber von diesem abgelehnt wurde.siehe hierzu Hermann Johann Ferderick Schulze-Gaevernitz: Die staatsrechtliche Stellung des Fürstenthums Neuenburg in ihrer geschichtlichen Entwickelung und gegenwärtigen Bedeutung, Jena 1854, S. 42 Google Digitalisat
Rudolf wandte sich zudem an den Testamentsvollstrecker, den Erzbischof von Besançon, Quentin Ménartzu ihm siehe M. Richard: Histoire des diocèses de Besançon et de Saint-Claude Band 2, Besançon 1851, S. 144–157 Digitalisat, der beim Grafen von Chalon zugunsten Rudolfs intervenierte. Louis de Chalon wandte sich nun an Papst Pius II., der 1459 den Entscheid des Erzbischofs bestätigte. Eine Beschwerde des Grafen von Chalon bei Kaiser Friedrich III. als oberstem Lehensherrn blieb ohne Antwort. Derweil konnte Rudolf seine Position in Neuenburg mit Unterstützung Berns festigen. Bern und die Alte Eidgenossenschaft hatten kein Interesse daran, dass eines der mächtigen französischen Geschlechter in der unmittelbaren Nachbarschaft regierte.siehe hierzu Hermann Johann Ferderick Schulze-Gaevernitz: Die staatsrechtliche Stellung des Fürstenthums Neuenburg in ihrer geschichtlichen Entwickelung und gegenwärtigen Bedeutung, Jena 1854, S. 41 Google Digitalisat Rudolf war fortan Bern zu Dank verpflichtet, was auch zu seiner Parteinahme in den Burgunderkriegen führte.
Nach dem Tod der Herzogin Marie von Nemours († 1707), Comtesse de Saint-Pol als Erbtochter des Hauses Orléans-Longueville erhob im Juni 1707 der preußische Gesandte Graf Ernst von Metternich in Neuenburg die preußischen Ansprüche dar, die an die Suzeränitätsrechte des 1530 verstorbenen Philibert von Chalon anknüpften. Die Begründung des preußischen Rechtsanspruchs rollt die ganze Geschichte auf und bezeichnet die Lehensfolge im Jahre 1458 durch Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg als unrechtmäßig.Siehe Peter von Hohenhard: Preußisches Neuenburg und dessen Gerechtsame, Teutschenthal 1708, S. 163ff. Google Digitalisat
Der Diplomat mini|Unterschrift des marquis de Rothelin Rodolphe IV. de Hochberg Rudolf begleitete 1451/52 den deutschen König Friedrich III. auf seinem Zug nach Rom zur Kaiserkrönung. Am 9. Juli 1454 besuchte der burgundische Herzog, Philipp der Gute, den Markgrafen Rudolf IV. auf der Burg Rötteln, die damit für einen Tag den Glanz höfischen Lebens sah. Bereits seit den 1430er Jahren stand Rudolf als Kammerherr und Rat im Sold des Herzogs. Mit dem Herzog war eine größere Reisegesellschaft mit etwa 300 Pferden unterwegs.Die Chronik Erhards von Appenwiler 1439–1471. In: Basler Chroniken, Band 4 (Hrsg. von August Bernoulli), S. 317, ; Übersetzung des lateinischen Eintrags in der Chronik bei Thomas Zotz: Die Burg Rötteln bei Lörrach. In: Burgen und Schlösser, Europäisches Burgeninstitut (Hrsg.), 4/2015, S. 273. () Der Herzog befand sich auf der Rückreise vom sogenannten Türken-Reichstag in Regensburg, den Kaiser Friedrich III. einberufen hatte und der vom 23. April bis 21. Mai 1454 dauerte. Es ging dabei um Pläne zur Rückeroberung von Konstantinopel.der Kaiser nahm am Reichstag nicht teil und es kam zu keinen Beschlüssen über Maßnahmen gegen die Türken; siehe hierzu auch Friedrich III. (HRR)#Friedrichs Untätigkeit bei der Türkenabwehr Die Gesellschaft hatte ihren Weg über Freiburg im Breisgau und Neuenburg am Rhein genommen. Am Folgetag ging es weiter nach Basel und von da nach Neuenburg am See, wobei der Herzog vom Markgrafen begleitet wurde, der ihn auch auf seinem Schloss Neuenburg bewirtete.Thomas Zotz: Die Burg Rötteln bei Lörrach. In: Burgen und Schlösser, Europäisches Burgeninstitut (Hrsg.), 4/2015, S. 273. ()
Rudolf war am burgundischen Hof als marquis de Rothelin eine bekannte Figur, der Herzog Philipp der Gute war namensgebender Taufpate des 1452 geborenen Sohnes Philipp von Hachberg-Sausenberg. 1465 beteiligte Rudolf sich an der Seite von Herzog Philipp an der Adelsrevolte gegen den französischen König Ludwig XI. (Ligue du Bien public). Rudolf war auch Bürger von Bern und Solothurn, womit er in Frankreich, Burgund, Deutschland und der Eidgenossenschaft Verbindungen hatte.