Kirchleus (oberfränkisch: KäaleusE. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 200. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „käʳleus“.) ist ein Gemeindeteil der Großen Kreisstadt Kulmbach im Landkreis Kulmbach (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Kirchleus hat eine Fläche von 6,818 km² und ist in 666 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Welzmühle.
Geografie Das Pfarrdorf liegt im tief eingeschnittenen Tal des Geretsbachs, der in den Leßbach mündet, einen linken Zufluss der Rodach. 1 km westlich befindet sich der Knock (), 0,8 km nordöstlich der Stennesberg (), beides Anhöhen der Kirchleuser Platte, die Teil des Obermainischen Hügellandes ist. Beim Stennesberg gibt es einen Baum, der als Naturdenkmal registriert ist. Im Wesentlichen ist der Ort von Acker- und Grünland umgeben.
Die Bundesstraße 85 führt nach Weißenbrunn (4,2 km nordwestlich) bzw. nach Kulmbach zur Bundesstraße 289 (7,5 km südöstlich). Die Kreisstraße KU 33 führt nach Schimmendorf (2,6 km südwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Unterdornlach (2,4 km südöstlich), nach Gössersdorf zur Kreisstraße KC 6 (2,4 km nordöstlich) und zu einer Gemeindeverbindungsstraße bei Esbach (1,6 km nordöstlich).
In Kirchleus beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr 801 Millimeter.
Geschichte Der Ort wurde 1148 als "Liůbisse" erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von dem slawischen Personennamen *Ľub-šь (*Ľubišь, *Ľuběšь o. ä.) ab.E. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 78ff.Ernst Schwarz: Sprache und Siedlung in Nordostbayern. (Erlanger Beiträge zur Sprach- und Kunstwissenschaft 4). Nürnberg 1960, S. 243 Daraus lässt sich schließen, dass die ersten Siedler Slawen waren. Darauf weisen auch die Namen der angrenzenden Flurstücke hin, die ebenfalls slawische Namen haben (Diebitzen, Geritzen). In einer Urkunde aus dem Jahr 1249 wurde der Ort „Kerleuß“ genannt, was deutlich macht, dass er bereits zu dieser Zeit eine Kirche hatte. Die ursprüngliche Kirche war der Heiligen Maria Magdalena geweiht. Der Slawensiedlung folgte die Ansiedlung fränkischer Bauern. Dabei bürgerte es sich ein, die ältere Siedlung „Oberleus“ zu nennen (im Volksmund auch „Kalfeggn“ genannt) und die jüngere „Unterleus“.Manfred Voigt: Kirchleus, S. 1–3. Das Dorf unterstand ursprünglich den Herren von Plassenberg und ab 1248 dem bambergischen Amt Stadtsteinach. 1524 fiel es an das Fürstentum KulmbachManfred Voigt: Kirchleus, S. 7–12. und wurde 1528 wie das gesamte Fürstentum evangelisch.Manfred Voigt: Kirchleus, S. 15–22. Ab 1575 hatte der Ort eine Dorfschule. Sie wurde nach knapp 400 Jahren 1969 aufgelöst.Manfred Voigt: Kirchleus, S. 157 f.
Kirchleus wurde im Dreißigjährigen Krieg geplündert und zerstört.Manfred Voigt: Kirchleus, S. 23–31.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Kirchleus 46 Anwesen. Das Hochgericht übte das bayreuthische Stadtvogteiamt Kulmbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Kulmbach. Grundherren waren das Fürstentum Bayreuth (9 Anwesen; Kastenamt Kulmbach: 1 Hufschmiede, 1 Tropfhaus, 5 Tropfhäuslein; Markgräflicher Lehenhof Bayreuth: 1 Halbhof; Bürgerhospital Kulmbach: 2 Gütlein), das Hochstift Bamberg (14 Anwesen; Langheimer Amtshof: 6 Höfe, 2 Halbhöfe, 1 Gut, 1 Gütlein, 3 Sölden, 1 Försterwohnung), das Rittergut Kirchleus (21 Anwesen; Amt I: 1 Wirtschaft mit Bräuhaus und Hofrait, 4 Güter, 1 Gütlein, 1 Söldengut, 1 Tropfhäuslein, 4 Häuser, 1 Wohnhäuslein; Amt II: 1 Hof, 1 Schenkstatt, 6 Sölden), das Rittergut Steinenhausen (1 Wirtshaus, 1 Sölde). Außerdem gab es ein Schloss mit Ökonomiegebäuden, eine Kirche, ein Pfarrhaus mit Hofrait, ein Schulhaus mit Hofrait und ein Hirtenhaus.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 608 f.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Kulmbach.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 759. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Kirchleus gebildet, zu dem Einsiedel, Esbach, Holzmühle, Lösau, Mühlberg, Schimmendorf, Straß, Wehrhaus und Welzmühle gehörten. 1812 entstand die Ruralgemeinde Kirchleus, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurden drei Ruralgemeinden gebildet: Kirchleus mit Welzmühle, Lösau mit Einsiedel, Esbach, Holzmühle und Wehrmühle, Schimmendorf mit Mühlberg und Straß.Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 794. Die Ruralgemeinde Kirchleus war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kulmbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach (1919 in Finanzamt Kulmbach umbenannt). 23 Anwesen unterstanden bis 1848 in der freiwilligen Gerichtsbarkeit dem Patrimonialgericht Kirchleus, 2 Anwesen ebenfalls bis 1848 dem Patrimonialgericht Steinenhausen. Ab 1862 gehörte Kirchleus zum Bezirksamt Kulmbach (1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kulmbach (1879 in das Amtsgericht Kulmbach umgewandelt).Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 758 f. Die Gemeinde hatte eine Fläche von 6,824 km².
Am 1. November 1919 wurde im Niklashof eine Polizeistation eingerichtet, deren Bezirk fast deckungsgleich mit dem Pfarrsprengel Kirchleus war. Am 1. Juli 1928 wurde der Posten wieder aufgehoben; die Orte wurden von Weißenbrunn aus betreut.Manfred Voigt: Kirchleus, S. 99.
Die Gebietsreform in Bayern sah vor, größere Gemeinden zu bilden. Für Kirchleus bedeutete dies am 1. Januar 1976 den Verlust der politischen Selbständigkeit. Die Mehrheit der Bevölkerung entschied sich für eine Eingliederung in Kulmbach. Im Gespräch war auch die Bildung einer neuen Gemeinde mit weiteren Dörfern nördlich von Kulmbach oder die Eingliederung nach Weißenbrunn. Seitdem wird das Dorf durch einen Ortssprecher vertreten.Manfred Voigt: Kirchleus, S. 159f.
Baudenkmäler Haus Nr. 34: Ehemaliges Schloss der Freiherren von Guttenberg, zweigeschossiger Mansardwalmdachbau mit Sandsteingliederung, 1740; Nebengebäude, wohl 18./19. Jahrhundert, Haus Nr. 41: Ehemalige Brauerei, zweigeschossiger Zweiflügelbau mit rundbogiger Toreinfahrt, Walmdach, bezeichnet „1770“ und „1865“, Haus Nr. 53: Ehemaliges Herrenhaus, zweigeschossiger Walmdachbau, 17./18. Jahrhundert, Haus Nr. 59: Zweigeschossiges Haus, im Obergeschoss mit vier zu sechs Fenstern; wohl 17./18. Jahrhundert. Erdgeschossfenster mit gefasten Gewänden; Walmdach,A. Gebeßler: Stadt und Landkreis Kulmbach, S. 65. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Haus Nr. 63: Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Maria-Magdalena, im Kern spätgotische Chorturmkirche, 1774–76 barockisiert; mit Ausstattung; Kirchhof mit Grabmälern und Ummauerung-
Einwohnerentwicklung Gemeinde Kirchleus Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 320 414 439 429 433 456 435 418 412 405 364 354 338 336 371 367 336 302 282 377 390 380 315 270HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 58 64 66 64 66 68 64 66 Quelle Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 758. Ernst Schwarz: "Sprache und Siedlung in Nordostbayern", S. 243.
Ort Kirchleus Jahr 1809 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2007 Einwohner 316 320 430 430 395 332 327 386 308 265 249 288Häuser 58 65 64 67 63 54 74 Quelle Rüdiger Barth, S. 725.
Bürgermeister Johann Wagner (????–1842) Johann Adam Stumpf (1842–1854) Andreas Limmer (1854–1866) Johann Bauer (1866–1882) Johann Häublein (1882–1894) Ernst Grethlein (1894–1906) Johann Wilhelm Beck (1906–1933) Ferdinand Kern (1933–????) Ernst Ruppert (????–1945) Hans Häublein (1945–1948) Ernst Ruppert (1948–1965) Hans Lerner (1966–1975) Gerhard Limmer Richard Ströbel
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Maria Magdalena.
Persönlichkeiten Johann Christian Kapp (1764–1793), klassischer Philologe
Literatur
Ernst Schwarz: Sprache und Siedlung in Nordostbayern (= Erlanger Beiträge zur Sprach- und Kunstwissenschaft. Band IV). Nürnberg 1960, S. 243.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Kulmbach) Kategorie:Ort im Landkreis Kulmbach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kulmbach) Kategorie:Ersterwähnung 1148 Kategorie:Gemeindegründung 1812 Kategorie:Gemeindeauflösung 1975 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kulmbach