mini|hochkant|Rüdiger Döhler, 2017 Rüdiger Döhler, genannt Roger Döhler (* 24. August 1948 in Rochlitz; † 28. September 2022 in Plau am See), war ein deutscher Orthopäde und Chirurg. Er veröffentlichte unter anderem zur Medizin- und Studentengeschichte.

Leben Werdegang

Döhler wuchs im sächsischen Erlau und in Hohen Neuendorf auf. 1958 floh seine Familie nach Bremerhaven.Nordsee-Zeitung, 30. März 1963. Nach dem Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule ging er in der Crew X/67 als Reserveoffizieranwärter (San) zur Bundesmarine. Als Seekadett entlassen, studierte er mit einem Bundeswehr-Stipendium an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Medizin. Seit Januar 1969 Fuchs im Corps Palaiomarchia-Masovia, wurde er im Juni 1969 recipiert.Kösener Corpslisten 1981, 76/191 Nach dem Physikum wechselte er an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Da er 1973 für den SC zu Kiel Vorortsprecher des Kösener SC-Verbandes werden sollte, kehrte er zum Sommersemester 1972 in den Norden zurück. Nach zwei Semestern an der Universität Hamburg beendete er das Studium in Kiel. Nach dem Staatsexamen im Januar 1975 wirkte er als Medizinalassistent in Kiel (Innere Medizin), Bremerhaven (Chirurgie) und Essen (Pathologie). Döhler wurde 1976 an der Kieler Chirurgie bei Gert Zierott zum Dr. med. promoviert.Dissertation: Die intraoperative bakterielle Kontamination und ihre Beeinflussung durch intraoperative Spülungen mit Kochsalzlösung und Kanamycin in Hinblick auf die postoperative Heilung der Operationswunde. Am Universitätsklinikum Essen blieb er nach der Approbation noch ein Jahr bei Lutz-Dietrich Leder, um sich mit den Grundlagen der Knochentumoren vertraut zu machen. Von April 1977 bis November 1979 war er Assistenzarzt bei Günther Heinemann in der Chirurgie des Klinikum Minden. Seine Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie absolvierte er 1983 bei Walter Blauth am Universitätsklinikum Kiel.

1984 ging Döhler nach Schottland und war dort Research Fellow mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der University of Edinburgh bei Sean P. F. Hughes. Klinisch tätig war er als Honorary Registrar am Princess Margaret Rose Orthopaedic Hospital und als Locum Lecturer in der Royal Infirmary.R. Döhler: Orthopädie in Schottland. Mitteilungsblatt der DGOT 1/1986, S. 51–54. Das Royal College of Surgeons of Edinburgh verlieh ihm 1999 die Fellowship.

Im Jahr 1985 wurde Döhler Oberarzt in der Landeshauptstadt Kiel.Zu Fuß durch Knoydart oder Schottland für Fortgeschrittene. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 78 (WS 1985/86), S. 2303–2304. Um sich der operativen Behandlung von Skoliose, Spondylitis und Spondylolisthesis zu widmen, war er ab 1988 bei Hans-Henning Matthiaß im Universitätsklinikum Münster tätig.„Dieser Beruf ist phantastisch!“ Arzt mit Leib und Seele: Dr. Rüdiger Döhler, Freund klarer Worte und guten Miteinanders. Schweriner Volkszeitung vom 21. Juli 2005 1990 beendete er seine Tätigkeit in der Orthopädie. Bei Friedrich Hennig in der Asklepios Klinik Altona wurde er 1992 auch Chirurg.R. Döhler: Leserbrief zum Bericht über die erste Sitzung der Kommission Gesamtorthopädie. Orthopädie Mitteilungen 4/1992, S. 284–286. Im Jahr darauf erlangte er die Schwerpunktbezeichnung Unfallchirurgie. Seine Forschungsarbeit setzte er bei Werner Lierse in der Anatomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf fort. 1993 erfolgte seine Habilitation.Habilitationsschrift: Untersuchungen zur neurovaskulären Versorgung kortikalen Knochens. Histologie und elektronenmikroskopische Funktionsanalyse an Ratte und Maus. Hamburg 1991 Von der Universität Hamburg wurde er zum Privatdozenten ernannt.

In Mecklenburg-Vorpommern beteiligte sich Döhler ab 1995 als Chefarzt gemeinsam mit seiner Frau Marlo am Aufbau des neuen Krankenhauses in Plau am See. Schwerpunkte waren die Polytraumaversorgung, die Endoprothetik und die Septische Chirurgie.Erste Übung für den Krisenfall war erfolgreich. Schweriner Volkszeitung vom 27. April 2001 Seit 1996 an die Charité umhabilitiert, baute er ab 1998 mit Jacek Kotas und Robert Jäckel das in Mecklenburg-Vorpommern erste Zentrum für Handchirurgie mit Replantationsdienst auf.Wolfram Hennies: Im Zentrum: Verletzungsfolgen. 8. Plauer Knochensymposion am Klinikum Plau am See. SVZ vom 8. Mai 2006 2006 wurde Döhler von der Universität Greifswald zum außerplanmäßigen Professor ernannt.Plauer Zeitung vom 15. Februar 2006 (PDF; 1,8 MB)

Im Januar 2008 wechselte er in den Dienst des Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses Hamburg (BUK), das ihn für einige Monate als Durchgangsarzt an das Klinikum Elmshorn und dann an das BG Reha-Zentrum City Hamburg abstellte. Für die Marseille-Kliniken AG war er 2010 als designierter Ärztlicher Direktor am Centro Médico La Paz in Bata, Äquatorialguinea. Ab Januar 2011 war er im BUK Hamburg für Forschung und Lehre zuständig.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2013 fuhr Döhler bei vier Reisen auf der Deutschland als Schiffsarzt mit.

Ab 2014 lebte Döhler mit seiner Frau wieder in Plau am See. Er starb am 28. September 2022 nach langer, schwerer Krankheit.

Engagement mini|Unfallchirurgie beim Bussard Mit dem damaligen Plauer Bürgermeister Hans-Heinrich Jarchow begründete Döhler 1996 die Patenschaft des Plauer Krankenhauses für den Sanitätsabschnitt der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern.Plauer Zeitung, 17. Dezember 1996 Er förderte die zivil-militärische Zusammenarbeit mit dem Plauer Krankenhaus und der Universitätsmedizin Greifswald.

Für den Adler- und Falkenhof Burg Wredenhagen half Döhler einem Tierarzt in Röbel/Müritz bei der Versorgung von verletzten Greifvögeln. Von 1999 bis 2004 wurden 32 Vögel einer Osteosynthese unterzogen,Windkraftanlagen werden zur Gefahr für Adler. SVZ vom 2. Mai 2002Wenn die Natur unter die Räder kommt. Focus Nr. 39/13 vom 23. September 2013, S. 111 23 konnten wieder ausgewildert werden. Mit einem Stuttgarter Unfallchirurgen operierte er im März 2001 am Saddam Center for Reconstructive Surgery in Bagdad.Katja Haescher: Patientin aus dem Irak erhielt im Plauer Klinikum zwei künstliche Hüftgelenke. SVZ 2001 Für das Friedensdorf International und die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ operierte er in Plau Patienten aus Polen, der Ukraine, Zentralasien und Afrika.Ärzte helfen Schwerbehinderten. SVZ vom 11. März 2004Zum ersten Mal im Leben ohne Krücken unterwegs. 13-jährige Usbekin erneut in Plau operiert. SVZ vom 3. November 2004

Die Gründungsversammlung vom Förderverein der Plauer Marienkirche wählte Döhler am 7. September 2007 zum Vorsitzenden. Er konnte dieses Ehrenamt wegen kurzfristiger beruflicher Veränderung nicht antreten, blieb dem Verein aber verbunden.

Musikalisches Wirken Döhler spielte Klavier, häufig musizierte er mit Christiane Klonz Klavier zu vier Händen. Mit dem Collegium Musicum Parchim wurde Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert für Cembali c-Moll (BWV 1060) aufgeführt; am Reformationstag 1999 in der Marienkirche Plau und zu Bachs 315. Geburtstag in der Georgenkirche Parchim.Plau: Volle Stadtkirche beim Chor- und Orchesterkonzert. SVZPeter Richter: Hommage an großen Musiker [Bach]. Großartiges Konzert in der Parchimer Kirche. SVZ 21. März 2000 Mit zwei Kollegen aus Mecklenburg gründete er das Mecklenburger Ärztetrio,Das Mecklenburger Ärztetrio. Rüdiger Döhler, Wolfgang Thiess und Frieder Rohn. NDR 1 Radio MV, 11. Juli 2004, 19.05 bis 20.00 Uhr. ein Klaviertrio, das regional mit klassischen Werken konzertierte.Beate Penke: Liebe zur Musik eint Ärztetrio. Benefizkonzert am 8. Mai in Zickhusen. SVZ vom 4. Mai 2004 Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie 2001 trat er mit dem Collegium Musicum Parchim im Konzerthaus Berlin auf, wo er den 1. Satz von Bachs Cembalokonzert d-Moll BWV 1052 begleitet vom Orchester der Universität Magdeburg unter der Leitung von Günther Hoff spielte. Im folgenden Frühjahr spielte dieselbe Besetzung Barockmusik im Pantheon in Rom, in der Basilika San Francesco in Assisi und der Magdeburger Kirche St. Petri.

Sonstiges Döhler segelte in Kieler Wochen, in der 39. Nordseewoche (Rund Skagen) und in der Cowes Week 1975 (Fastnet Race). Im August 1982 segelte er von Oban (Argyll and Bute) durch den Kaledonischen Kanal über die Nordsee nach Skagen und Kiel.Corpszeitung der Altmärker-Masuren, Nr. 71 (SS 1982), S. 2002–2003. Seit 1980 Ehrenritter des Johanniterordens, betreute er von 1982 bis zur Wende die Krankenhäuser des Ordens in Stendal und Genthin. Als Rechtsritter schied er 1990 auf eigenen Antrag aus dem Orden aus. Er betrieb den Wiederaufbau des Corps Masovia Königsberg zu Potsdam und war 2001 bis 2006 Vorsitzender des Altherrenvereins.Verzeichnis sämtlicher Mitglieder des Corps Masovia 1823 bis 2005. Potsdam 2006 1993 wurde er im 1. Zerstörergeschwader von Kapitän zur See Jörg Owen zum Flottenarzt der Reserve befördert. 1994 hospitierte er am National Naval Medical Center. Er erhielt das Abzeichen für seefahrendes Personal in Silber und war ab 2003 Regimentskommandeur des Lazarettregiments 71 (na).Als Oberfeldwebel nach fünf Feldzügen und Gefangenschaft heimgekehrt, gab Döhlers Vater dem Sohn die Vornamen von Joachim Rüdiger von der Goltz und Rüdiger von Starhemberg.Marc Ebel, Arno Roßlau: Die Reserveorganisation im Verantwortungsbereich des Sanitätskommandos I 1963 bis 2007. Kiel 2007 Mit der Auflösung der Reservelazarettorganisation wurde er im Dezember 2007 von Berndt Röder und Arno Roßlau im Hamburger Rathaus verabschiedet. Für seine Wikipedia-Arbeit zu den Trägern des Bundesverdienstkreuzes dankte ihm Bundespräsident Joachim Gauck 2014 mit der Einladung zum Adventskonzert im Schloss Bellevue. Zum 75. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats hielt Döhler am 21. Juli 2019 eine Gedenkrede in der Hinrichtungshalle in der Gedenkstätte Plötzensee.Semesterbericht des Corps Saxo-Borussia Heidelberg, Nr. 132, S. 31–50.1944–2019 – in Gedenken an den 20. Juli 1944. Corpszeitung der Saxonia Göttingen, Nr. 178, November 2019, S. 45–50.

Privates

Aus der ersten Ehe mit der Cellistin Engel von Bülow aus der aufgrund der Bodenreform 1945 enteigneten Linie Beyernaumburg hatte Rüdiger Döhler zwei Töchter und einen Sohn. In zweiter Ehe war er mit Marlo, geb. Kröpelin, verheiratet.

Mitgliedschaften und Ehrenämter Mitglied des Academischen Clubs zu Hamburg (seit 1992)Der Academische Club zu Hamburg, Mitgliederverzeichnis 2013 Landesarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe Schleswig-Holstein (1986–1990) Beirat Chirurgische Allgemeine, seit der Gründung 2000 Beirat awiso, seit der Gründung 2005 Vorsitzender des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung (2009–2022)

Veröffentlichungen (Auswahl) Pathologie, Chirurgie und Orthopädie Zeitschriftenartikel mit C. Stambolis und W. Havers: Wilms-Tumor mit Budd-Chiari-Syndrom und rechtsatrialem Tumorthrombus. pädiatrische praxis 20 (1978), S. 243–247; chirurgische praxis 25 (1979), S. 95–99. mit G. Heinemann: Eventration des Zwerchfells mit ipsilateraler Nebenlunge und intestinaler Nonrotation. Z Kinderchir 25 (1978), S. 258–262. mit C. Stambolis und L.-D. Leder: Massive Leberzellnekrosen bei Herzinsuffizienz. Medizinische Welt 11 (1979), S. 393–396, PMID 431370. mit G. Heinemann: Angeborene Zwerchfell-Eventration. Fortschritte der Medizin 97 (1979), S. 1769–1771. PMID 540896 mit G. Zierott: Intraoperative Spülungen mit Kochsalzlösung und Kanamycin in Hinblick auf die Wundheilung. chirurgische praxis 25 (1979), S. 571–575. mit G. Heinemann, W. Busanny-Caspari, M. D. Farrar: Chondrosarcoma of the first metatarsal – primary or secondary to enchondroma? Arch Orthop Traumat Surg 95 (1979), S. 221–225, doi:10.1007/BF00460122. mit D. Harms: Intraossäre Lipome. Z Orthop 119 (1981), S. 138–141, doi:10.1055/s-2008-1051435. mit M. Mann: Die Hüftluxation beim Spina bifida-Kind und ihre Behandlung. Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 11/1981, S. 548–551.