mini|Logo der Stadt Waibstadt mini|Zentrum von Waibstadt Waibstadt (kurpfälzisch: Waibschd) ist eine Stadt mit etwa 5800 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Die Stadt ist Mitglied und Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Waibstadt, sowie Sitz des Zweckverbandes Hochwasserschutz „Einzugsbereich Elsenz-Schwarzbach“. Des Weiteren gehört die Stadt der Tourismusregion Brunnenregion an.
Geographie Lage und Naturraum Waibstadt liegt im Schwarzbachtal im nördlichen Kraichgau, etwa 20 km südöstlich von Heidelberg und etwa 6 Kilometer nördlich von Sinsheim.
Die durchschnittliche Höhe beträgt 218 m ü. NHN. Mit 154 m ü. NHN liegt der tiefste Punkt der Stadt in der Gemarkung Schwarzspiegel entlang des Schwarzbaches. Mit einer Höhe von 308 m ü. NHN ist der höchste Punkt der Stadt entlang der Gemarkungsgrenze zu Sinsheim erreicht.
Die Gemarkung erstreckt sich über 2557 Hektar. Davon sind 15,1 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 54,1 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 29,6 Prozent sind bewaldet.
Die 40 Hektar große „Waibstädter Schwarzbachaue“ steht als natürliche Talaue mit Feuchtbiotopen und Wiesenflächen sowie einer Orchideenwiese, die fünf Arten der in Deutschland vorkommenden Orchideen aufweist, unter Naturschutz. Das Zwärenbrüchle in Daisbach ist als flächenhaftes Naturdenkmal eingestuft. Des Weiteren hat Waibstadt Anteil an den Landschaftsschutzgebieten Neckarbischofsheimer Höhen, einer typischen Landschaft des Kraichgau-Hügellandes, und Elsenztal, die zum Naturpark Neckartal-Odenwald gehören.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Nordwesten an Neidenstein, im Nordosten an Helmstadt-Bargen, im Osten an die Stadt Neckarbischofsheim, im Süden an die Stadt Sinsheim und im Westen an Zuzenhausen und Eschelbronn.
Stadtgliederung Die Stadt Waibstadt besteht aus den beiden Stadtteilen Daisbach und Waibstadt. Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens.
Zum Stadtteil Daisbach gehört das Gehöft Ursenbacherhof (früher Bleihof). Zum Stadtteil Waibstadt gehören die Siedlung BernauDas Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 416–417. und weitere Aussiedlerhöfe.
Geschichte mini|hochkant|„Brunnenweible“, das Wahrzeichen des Ortes Bis zum 18. Jahrhundert mini|Waibstadt in einer Karte des Stüber Zent von 1748 Archäologische Funde und Befunde weisen darauf hin, dass es bereits in der Römerzeit auf der Gemarkung der Stadt eine Besiedlung gegeben hat. Hinweise liefern unter anderem ein im 17. Jahrhundert gefundener Votivstein, der bis 1882 als Weihwasserbecken in der katholische Stadtpfarrkirche diente und später in die großherzogliche Sammlung nach Karlsruhe gebracht wurde. 1988 wurde auf einem Feld ein großer Kellerraum entdeckt. Dieser gehörte vermutlich zu einer Villa-Rustica, die zusammen mit weiteren, in der näheren Umgebung gelegenen Gutshöfen landwirtschaftliche Produkte für die am weiter östlich verlaufenden Neckarlimes stationierten Auxiliartruppen erzeugte.
Die erste urkundliche Erwähnung als Weibestat erfolgte im Jahr 795 im Lorscher Codex. In der fränkischen Zeit wurde Waibstadt mit Wehrtürmen und einer Stadtmauer befestigt und um 1200 von den Staufern die Stadtrechte und in diesem Zusammenhang mit dem kaiserlichen Privileg ausgestattet den Status einer „Freien Reichsstadt“ verliehen. 1241 wurde Waibstadt im Reichssteuerverzeichnis als freie Reichsstadt erwähnt mit der Bemerkung „Weibestat combusta est“ (Waibstadt ist verbrannt). Die Stadt und alle Dokumente wurden durch diesen schweren Brand vernichtet, worauf das Stadtrecht nach dem Vorbild von Wimpfen im Jahre 1347, auf Drängen des Fürstbischofs von Speyer Gerhard von Ehrenberg, von Kaiser Ludwig IV. bestätigt wurde und dieser den Fürstbischof als Schutzherrn der Stadt einsetzte. mini|Stadtbild Waibstadt 1727 Die meiste Zeit seiner Geschichte war Waibstadt vom Kaiser verpfändet, zunächst an das Hochstift Speyer, dann an die Herren von Helmstatt und kurze Zeit an die Kurpfalz. In dieser Zeit entstanden einige Herrenhäuser, die heute noch erhalten und von privaten Eigentümern bewohnt sind. Ab dem 17. Jahrhundert lag das Pfand wieder bei Speyer. 1608 erwarben die Freiherren von Degenfeld ein freiadliges Gut in Waibstadt. Der dreistöckige, verputzte Barockbau mit Türmchen ist unter dem Namen "Degenfeldsches Schlössle' bekannt.
Während des Dreißigjährigen Kriegs schlug im Jahr 1622 Johann T'Serclaes von Tilly als oberster Heerführer der katholischen Liga Aufgrund der strategisch guten Lage der Stadt, der üppigen Weinvorräte sowie der katholisch gebliebenen Bevölkerung in der calvinistisch gewordenen Kurpfalz, in Waibstadt sein Hauptquartier auf, um von dort die Belagerung und Eroberung Heidelbergs (Residenzstadt der Kurpfalz) vorzubereiten. Nach dem Westfälischen Frieden bemühte sich die Stadt wiederholt erfolglos, sich selbst auszulösen und wieder reichsunmittelbar zu werden. Der letzte Prozess wurde bis ins Jahr 1774 geführt.
19. und 20. Jahrhundert Zum Teil im 17. Jahrhundert und endgültig im 19. Jahrhundert wurden die Stadtbefestigungen abgetragen. 1803 gelangte Waibstadt zu Baden und wurde 1807 Sitz eines eigenen Amtes. Bereits 1810 wurde das Oberamt Waibstadt wieder aufgelöst und die Stadt dem Bezirksamt Neckarbischofsheim zugeordnet. Ab 1857 gehörte Waibstadt zum Bezirksamt Sinsheim. Nach einer großen Brandkatastrophe 1889 besuchte Großherzog Friedrich I. die Stadt.
Während des Kulturkampfes war Waibstadt Ort einiger Auseinandersetzungen zwischen Politik und Kirche. Das nationalliberale Kabinett der badischen Landesregierung, vor allem aber Innenminister August Lamey, brachte einige kirchenfeindliche Reformen auf den Weg. Unter anderem wurde 1864 die kirchliche Schulaufsicht abgeschafft und 1867 ein staatliches Kulturexamen für angehende Pfarrer eingeführt. 1869/1870 folgte die Einführung der Zivilehe sowie 1876 die Simultanschule.
Im Zuge der Auflösung der kirchlichen Schulaufsicht beschloss die Erzdiözese Freiburg unter Erzbischof Hermann von Vicari „freie Konferenzen“ ihrer Geistlichen, um weitere Maßnahmen im Umgang mit den kirchenfeindlichen Reformen festzulegen. Die erste Konferenz überhaupt fand im August 1863 in Waibstadt statt. mini|Stadtansicht aus dem Jahr 1840 Besonders unter Pfarrverweser Antonius Knörzer fand der Kulturkampf in Waibstadt seinen Höhepunkt. So wurde Knörzer angeblich von Bistumsverweser Lothar von Kübel als „Perle in meinem Sprengel“ betitelt. Durch seine scharfsinnigen Predigten und Aktionen gegen den nationalliberalen Bürgermeister Carl Ludwig Völker eskalierte der Kulturkampf in Waibstadt völlig. Erst als Knörzers Nachfolger Wilhelm Seilnacht in Waibstadt Pfarrer wurde, beruhigte sich die Stimmung in Waibstadt wieder.
Während des 2. Weltkrieges wurde Waibstadt kaum angegriffen. Bei einem kleineren Fliegerangriff auf die Bahnlinie gingen die Fensterscheiben in der Marienkapelle zu Bruch. Die darin befindlichen Personen wurden nur leicht verletzt. Bis auf wenige Angriffe auf die Bahnlinie blieb die Stadt dank dem damaligen Bürgermeister Anton Hofherr unversehrt und ohne größere Schäden. Hofherr fingierte in den letzten Kriegstagen einen Funkspruch, der die in Waibstadt stationierten Wehrmachtseinheiten auffordert, sich bei Neckarelz zu sammeln. Ohne den Funkspruch zu überprüfen, zogen die Truppen bis zum Ostermontag 1945 ab. Daraufhin ließ er den weit sichtbaren Kirchturm und die Häuser im Stadtgebiet mit weißen Fahnen beflaggen und übergab die Stadt den aus Epfenbach anrückenden amerikanischen Truppen.
Schreckensherrschaft der „Mori-Bande“ Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Waibstadt kam am 5. April 1945 Maurice Thomas (genannt Mori) mit seiner Bande, bestehend aus Polen, Tschechen und Russen, in Waibstadt an. Er fuhr mit einer schwarzen Limousine vor, beflaggt mit französischer Flagge und stellte sich als Lagerkommandant für die hier lebenden Ausländer vor. Infolge der zügigen Absetzung des amtierenden Bürgermeisters Anton Hofherr durch die US-Militärregierung und die Einsetzung des von Mori beeinflussten Lumpensammlers und Analphabeten Josef Fehl konnte Mori schnell in Waibstadt und Umgebung eine Schreckensherrschaft etablieren. Josef Fehl wurde am 5. September 1898 in Obergimpern geboren und war ab 1931 in Waibstadt gemeldet. 1932 wanderte er nach Chicago aus, saß dort im Gefängnis und wurde 1936 abgeschoben. Ab 1937 war er wieder in Waibstadt gemeldet. Durch seinen Aufenthalt in den USA besaß er einen Stempel mit der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Deshalb wurde er von der US-Militärregierung als Bürgermeister akzeptiert.
Die Hauseigentümer wurden von der Mori-Bande aus ihren Häusern mit Gewalt vertrieben und bei Widerstand von seinen Schlägern verprügelt. Wer erneut Widerstand leistete, wurde verhaftet und in seinem „privaten Konzentrationslager“, in einer von ihm besetzten Villa in der Amalienstraße gefoltert. Am 21. April 1945 wurde der Schulrat Otto Werner aus Daisbach entführt. Augenzeugen berichteten, dass er im Garten der Villa ein Loch ausheben musste. Danach hörten sie drei dumpfe Schläge und ein Stöhnen. Nach der Exhumierung war zu erkennen, dass der Mann lebend begraben wurde. Wenige Tage später sollen Mori und seine Bande den Bürgermeister von Eschelbronn Georg Armleder mit vorgehaltener Pistole aus dem Rathaus entführt und ihm den Schädel eingeschlagen haben. Seine Leiche wurde ein Jahr später in Neckargemünd gefunden. Hinzu kommen unzählige Gräueltaten, wie das Auspeitschen von Männern vor der anwesenden Familie, oder Folter, die jeden willkürlich treffen konnte.
Auf Druck des damaligen Waibstadter Stadtpfarrers Maier wurde die Schreckensherrschaft am 25. April 1945 durch die US-Militärregierung beendet. Ein Großaufgebot von bewaffneten US-Soldaten umstellte die Stadt. Mori und seine Bande wurden verhaftet und in das Militärgefängnis Heidelberg gebracht. Bürgermeister Fehl wurde des Amtes enthoben und wegen Amtsmissbrauchs in Heidelberg inhaftiert.
Fünf Monate nach der Verhaftung von Mori wurde in Hilsbach eine fünfköpfige Familie „nach Mori-Handschrift“ ermordet. Unsicherheit und Angst breitete sich in der Bevölkerung aus. Jedoch versicherten die Amerikaner, dass Mori tot sei. Er sei auf der Flucht beim Grenzübertritt nach Frankreich erschossen worden. Es gibt Vermutungen, dass dem nicht so war, denn die kanadische Botschaft in Köln bestätigte, dass Mori in Kanada wegen eines dort begangenen Totschlags im Jahr 1952 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.
Jahre später konnte die Identität des Mori geklärt werden. Es handelte sich um einen SS-Mann, der bereits 1943 vom deutschen Kriegsgericht zu einer KZ-Strafe im Lager Mosbach verurteilt worden war. 1944 war er aus dem KZ in Mosbach verschwunden und wurde von der Gestapo gesucht. Nach seiner Flucht lebte er zwei Jahre in einem stillgelegten Steinbruch in Helmhof und wurde dort von Josef Fehl mit Lebensmitteln versorgt.Christian Laier: Als "Mori" in Waibstadt mordete in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 23. März 2021, abgerufen am 23. April 2021.mini|Schwarzbachaue (Im Hintergrund der Mühlbergwald)
Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1950 wurden die Stadtrechte formell erneut verliehen. Am 1. Juli 1971 wurde Daisbach eingemeindet. Im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform wurden 1973 der Landkreis Sinsheim aufgelöst und die Stadt dem neugebildeten Rhein-Neckar-Kreis angegliedert. 1975 wurde der Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt gegründet. Das Wachstum der Stadt war begleitet von Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau der Realschule, einer Sport- und Schwimmhalle und der Erweiterung der Stadthalle. 1987 wurden erstmals mehr als 5000 Einwohner in Waibstadt gezählt.
Einwohnerentwicklung