mini|300px|Graz um 1880 In der Geschichte von Graz, der Landeshauptstadt der Steiermark, sind erste Besiedlungen bereits für die Zeit um 3000 v. Chr. belegt.
Steinzeit
Geschichtlich nachweislich ist eine Besiedelung des Gebietes um den Grazer Schlossberg bereits seit der Kupfersteinzeit (um 3000 v. Chr.). Funde von Steingeräten im Bereich der Sackstraße, welche um das Jahr 2000 v. Chr. datiert werden können, lassen darauf schließen, dass es eine Siedlung südlich des Schlossberges gegeben haben könnte.
Während der Urnenfelderkultur sind für die Grazer Gegend mehrere Befestigungen nachgewiesen. Die verschiedenen Volksstämme standen einander zwar zum Teil feindlich gegenüber, aber die Gesellschaft begann sich zu politisieren und zu spezialisieren.
Römerzeit
Das Grazer Feld war in der römischen Kaiserzeit eine dicht besiedelte Agrarlandschaft, wie zahlreiche Funde beweisen. Die größte bekannte römische Anlage in der Steiermark befand sich im Bereich des heutigen Flughafens Graz-Thalerhof und wurde bei dessen Ausbau in den 1940er Jahren völlig zerstört.Walter Brunner im Auftrag der Stadt Graz, Kulturamt (Hrsg.): Geschichte der Stadt Graz. 4 Bände. Eigenverlag der Stadt Graz, Graz 2003, ISBN 3-902234-02-4. Als Kontinuität aus der Antike sind hier aber überregionale Verkehrswege erhalten geblieben: der im Mittelalter als „strata hungarica“ bekannte (von Osten, aus Pannonien kommend, bei St. Leonhard in das Grazer Feld führend und weiter nach Westen die Mur überquerend), und die Römerstraße, die heutige Alte Poststraße, die in Nord-Süd-Richtung das Grazer Feld durchquert und sich mit der strata hungarica am Steinfeld (im Bereich der heutigen Reinighaus-Gründe) kreuzt.
Slawen, Awaren, Baiern; Stadtname
Im 6. Jahrhundert drangen Slawen mit den Awaren in das dünnbesiedelte Land ein und gründeten das Fürstentum Karantanien auf dem Gebiet des heutigen Kärntens, der Steiermark und der Krain.
Slawen errichteten an diesem Ort später auch eine Burg – grad im Altkirchenslawisch, ‚kleine Burg, befestigter Ort‘. Daraus leitet sich der Ortsname ‚Graz‘ ab, dessen frühere Schreibweisen Gratz und bis ins 19. Jahrhundert Grätz waren, ehe die Schreibung der Aussprache angepasst wurde. Im Mittelalter wurde die Stadt zur Unterscheidung von Windisch-Grätz in der Untersteiermark regelmäßig als Bayrisch-Grätz oder Bairisch-Grätz bezeichnet,Christian Weyers: Ortsnamendeterminierung: Der Typ Alhama de Aragón in der kastilischen Toponymie (= Romanistik in Geschichte und Gegenwart. Band 13. Beiheft, ). Habil.-Schrift, Technische Univ., Dresden 2000 (),Romanistik in Geschichte und Gegenwart (= Romanistik in Geschichte und Gegenwart. Bd. 13). Buske Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-87548-408-8, S. 136, Anm. 303. im 16. Jahrhundert dann auch oft Grätz in Steyr (lateinisch Gratia Styriae oder Graecium Styriae) – noch heute heißt die Stadt im Slowenischen Gradec.
Die Slawen wurden ab dem 8. Jahrhundert von den Baiern und Franken christianisiert und allmählich assimiliert, die Awaren um das Jahr 800 von Karl dem Großen politisch und militärisch ausgeschaltet.
In der Biedermeierzeit entbrannte seit 1790 ein heftiger Streit um die richtige Schreibung des Stadtnamens: Grätz oder Graz.
Ungarische Eroberung mini|220px|Schlacht auf dem Lechfeld in einem historisierenden Gemälde von Michael Echter
Im Laufe der Ungarneinfälle zu Beginn des 10. Jahrhunderts versuchten die Ungarn im Gebiet der heutigen Steiermark Fuß zu fassen. Fränkische und baierische Grundherren, Adelige und Geistliche wurden vertrieben oder ermordet. Viele Orte wurden in Brand gesteckt und damit vernichtet.
Nachdem Otto der Große in der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 die Ungarn endgültig besiegt hatte, wurde die baierische Besiedlung des Gebiets fortgesetzt. Zur Abwehr weiterer Angriffe bildete der Kaiser in den Randgebieten Grenzmarken, die Markgrafen unterstellt waren. Auf Grazer Gebiet erstreckte sich die Mark an der mittleren Mur.
Eppensteiner, Lambacher, Traungauer
Von 970 bis 1035 waren die Eppensteiner die Herren der Mark an der mittleren Mur. Ab dem Jahre 1035 übernahm das Geschlecht der Grafen Wels-Lambach die Markgrafenwürde für das steirische Gebiet (inkl. Graz), die Eppensteiner durften aber ihr Landeigentum (Karantanien) behalten. Nur 15 Jahre dauerte die Herrschaft der Wels-Lambacher, danach war dieses Geschlecht erloschen. Die Otakare aus dem Traungau, Traungauer genannt, folgten ihnen. Deren Sitz war in Steyr.
1122 war ein entscheidendes Jahr für die Steiermark. Die Eppensteiner starben aus und der Grundbesitz ging auf die Traungauer über. Zu dieser Zeit war aber das Grazer Gebiet noch nicht im Besitz der Traungauer, es gehörte von der Mur bis vor Sankt Ruprecht an der Raab dem Hochfreien Bernhard von Stübing, einem Enkel des Pfalzgrafen Aribo. Auf dem Schlossberg wurde durch seine Dienstmannen eine romanische Herrschaftsburg errichtet. Doch auch die zivile Stadt begann sich zu entwickeln; direkt unterhalb der neuen Burg, auf dem Gebiet des heutigen Freiheitsplatzes, wurde zwischen den Jahren 1125 und 1130 der dazugehörige Meierhof gegründet. Dies hatte zur Folge, dass auch ein eigenes Gewerbe- und Marktzentrum im Bereich der heutigen Sackstraße entstand. Dieser Gassenmarkt hatte eine Länge von ca. 180 Metern. Damit war für Graz der Grundstein gelegt, eine zentrale Rolle in der zukünftigen Steiermark einzunehmen. Die größere Bedeutung schlug sich auch darin nieder, dass es immer häufiger in Urkunden Erwähnung fand.
Auch die planmäßige Besiedlung des Grazer Beckens wurde in dieser Zeit begonnen.
Erstmalige urkundliche Erwähnung
Die erste Nennung dürfte sich auf einer undatierten Urkunde des Markgrafen Leopold befinden, mit der er seinem Ministerialen Rüdiger einige Güter bei Hartberg überließ, die nach dessen Tod an das Stift Rein fallen sollten. Diese Urkunde existiert nicht mehr im Original, es gibt nur noch eine Abschrift aus dem 15. Jahrhundert davon. Dieses Schriftstück dürfte erst im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts verfasst worden sein, doch der Inhalt ist auf 1128/29 zu datieren. Mündliche Zusagen erst viel später niederschreiben zu lassen, war zu jener Zeit durchaus üblich. Die erste gesicherte Erwähnung von Graz stammt aus dem Jahre 1140, als Udalrich von Graz die Errichtung des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu St. Marein an der Feistritz (heute: Abtei Seckau) durch Adalram von Waldeck in einem Dokument bezeugte.
Graz fällt an Markgraf Ottokar III. mini|Wappen der Steiermark
Regalien, die bisher in diesem Gebiet dem König gehörten, wie die Berghoheit, Juden- und Münzregal, Maut- und Zollstätten, konnte Leopolds Sohn, Ottokar III., für das im Entstehen begriffene Land für sich gewinnen. Auch die Landgerichtsbarkeit ging auf ihn über. Mit der Annahme eines Hauswappens (Panther) und der Bezeichnung des Markgrafen als princeps (Fürst) in den Jahren um 1160 wurden auch die Äußerlichkeiten für eine abgeschlossene Landesbildung erfüllt, nachdem es ihm bis 1156 gelungen war, die Erben Bernhards von Stübing auszuschalten und das gesamte Grazer Gebiet der Aribonensippe abzunehmen. In die Zeit um 1160 fällt auch die Gründung des zweiten, großen Grazer Marktes auf dem Boden des heutigen Hauptplatzes, der damals aber bis zur Landhausgasse reichte.
Als Ottokar III. 1164 starb, schien alles dafür zu sprechen, dass dieser Aufschwung nur von kurzer Dauer sei, denn er hinterließ nur einen gerade einjährigen Sohn, Ottokar IV., für den seine Witwe Kunigunde die Regentschaft übernahm. Doch die Steiermark blieb eine Einheit. Als letzte seiner Marken hatte sich die Karantanische Mark vom Herzogtum Kärnten abgespalten. Ottokar I. aus der baierischen Grafenfamilie der Traungauer, sowie seine Nachfolger waren ab 1056 Markgrafen der Karantanischen Mark. Kaiser Friedrich Barbarossa erhob die Karantanische Mark, die nach der Stammburg zu Steyr auch Steiermark genannt wurde im Jahr 1180 zum selbständigen Herzogtum, das den Mark-Namen behielt.
Die Georgenberger Handfeste
Da Ottokar IV. kinderlos blieb und sich den Aussatz zugezogen hatte, nahm er Kontakt mit dem babenbergerischen Herzog Leopold V. auf. Sie trafen sich auf dem Georgenberg bei Enns und schlossen 1186 einen Erbvertrag, in welchem der Traungauer den Babenberger als seinen Erben bestimmte.
Erste Stadtmauer und Wappen
Um 1233 gibt es die ersten Aufzeichnungen, die von einer Ummauerung des Marktes sprechen.
Alle für eine Stadt notwendigen äußerlichen und rechtlichen Merkmale hatte Graz nun gesammelt: einen Markt, eine eigene Gerichtsbarkeit und eine Befestigung. Auch erste Vorstädte begannen sich zu entwickeln, also ein Gebiet um die Stadtmauern, das von der Stadt abhängig war. So erhielt Graz um 1245 auch sein Wappen, das an das steirische angelehnt war: In Grün ein aufrecht nach rechts schreitender, silberner, goldbewehrter, mit einer goldenen, dreiblättrigen Laubkrone gekrönter Panther ohne Hörner, aus dessen Leibesöffnungen rote Flammenzungen schlagen.
Graz als Residenz der Habsburger mini|Karl II.
1379 wird Graz Residenz der Habsburger – die Habsburger wohnten in der Grazer Burg und regierten von dort aus Innerösterreich, zu dem die Steiermark, Kärnten und Teile des heutigen Italiens (Triest und Inneristrien) und Sloweniens (Krain und die Untersteiermark) gehörten.
Während der Regierungszeit (1435–1493) von Kaiser Friedrich III (V) wurden einige bauliche Maßnahmen gesetzt, die bis heute das Stadtbild von Graz prägen: Unter anderem wurden Stadtburg und gotische Pfarrkirche, der heutige Dom, erneuert und die Stadtmauer erweitert. Nach seinem Tod folgte sein Sohn Maximilian auf dem Thron. Aus dessen Regierungszeit stammt eine weitere bekannte Sehenswürdigkeit von Graz, die Doppelwendeltreppe in einem Trakt der Grazer Burg.
Im Jahre 1497 wurden alle jüdische Gemeinden auf Befehl Maximilian I. aus der Steiermark vertrieben. So mussten auch die Juden in Graz die Stadt verlassen.
→ Siehe: Geschichte der Juden in der Steiermark
Graz bleibt (neben Wien und Innsbruck) bis ins Jahr 1619 habsburgische Residenzstadt.
Reformation und Bildung Nach ersten evangelischen Einflüssen in den 1520er Jahren wurde die Bevölkerung unter dem Apotheker und Bürgermeister Simon Arbeiter mehrheitlich evangelisch. Bemühungen des evangelisch gewordenen Hans III. Ungnad von Weißenwolff, Freiherr von Sonnegg um Religionsfreiheit schlugen fehl – trotz seines Einflusses als Landeshauptmann der Steiermark (1530 ff.), Oberster Feldhauptmann und von 1542 bis 1544 zusätzlich Statthalter des Erzherzogtums Österreich unter der Enns bei König Ferdinand I.
Landesherr auf der Grazer Burg war Erzherzog Karl II., der von 1564 bis 1590 die habsburgischen Länder Innerösterreichs regierte. Seine eigene Residenzstadt ist eine lutherischen Hochburg geworden. Er muss gegenüber dem lutherischen Adel Zugeständnisse machen. Die Brucker Religionspazifikation von 1578, die im Brucker Libell enthalten ist, entstand während der Amtszeit des Landeshauptmanns Hans von Schärffenberg und verschaffte den Evangelischen Freiraum.Ulrich Becker: Die Reformation, Website museum-johaneum.at (Abschnitt: In der Defensive − Der katholische Landesherr, 2025)
Eine neue evangelische Kirchenordnung wurde von dem aus Rostock stammenden Theologen David Chyträus geschaffen. Bedeutend vor 1600 war auch die Stiftsschule in Graz, die eine hochwertige evangelische Bildung anstrebte. Der sächsische Mathematiker Hieronymus Lauterbacht entwickelte eine Säulensonnenuhr, die als naturwissenschaftliches Lehrmittel benutzt wurde. Von 1594 bis 1600 lehrte der Süddeutsche Johannes Kepler, der Begründer der modernen Astronomie, an der Stiftsschule, danach wurde er aus Glaubensgründen ausgewiesen. In: keplerraum.at, abgerufen am 4. Dezember 2017. Diese Hochschule war das protestantische Gegenstück zur Universität Graz.Ulrich Becker: Die Reformation, Website museum-johaneum.at (Abschnitt: Wissen ist Macht − Lutherischer Bildungsvorsprung, 2025)
Universität, Gegenreformation und Toleranzpatent