mini|Diemelquelle bei Usseln mini|Diemel in Marsberg mini|Bad Karlshafen: Mündung der Diemel (links) in die Weser
Die Diemel ist ein 110,5 km langer, westlicher und orographisch linker Nebenfluss der Weser in Hessen und Nordrhein-Westfalen in Deutschland. Sie ist der erste, also südlichste, der größeren Weser-Zuflüsse nach der Entstehung derselben durch den Zusammenfluss von Fulda und Werra.
Etymologie In historischen Quellen wird die Diemel ebenfalls als Dimel, Dymel, Dimella, Dimola, Timella oder Diemelstromhttps://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/61100001015; abgerufen am 1. Mai 2021 erwähnt. Nach F. Witt und Ludwig Schneider ist das altsächsische Adjektiv „thimm“ für „dunkel“ der Ursprung des Namens Diemel; die Wurzel findet sich auch im Verb „dimmen“ wieder, das aus dem Englischen stammt und auf dieselbe Wurzel zurückgeht. Namensähnlichkeiten in Flurnamen finden sich für Melbeck in der Lüneburger Heide. Albrecht Greule hingegen geht von einer l-Ableitung der idg. Wurzel *dīmo- für 'dahinjagen' aus im Sinne von 'Wildbach'.
Geographie Verlauf Diemelquelle Die Diemel entspringt im Nordwestteil Nordhessens etwa 300 m nördlich der Grenze zu Westfalen im Nordostteil des Rothaargebirges. Ihre Quelle, die „Diemelquelle“, liegt an der Nahtlinie der Bergregionen Upland und Sauerland, die nordöstliche Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges sind. Sie befindet sich am Südrand des Naturparks Diemelsee knapp 2,5 km südsüdwestlich des Willinger Ortsteils Usseln. Auf rund Höhe entfließt sie dem Nordosthang des hohen Bergs Auf’m Knoll im Westen bzw. dem Nordwesthang des hohen Bergs Kahle Pön im Osten. Vorbei an der Quelle führt der Uplandsteig.
Etwa 150 m südlich der Diemelquelle liegt auf rund Höhe die Quelle eines Rinnsals, das wie der aus der Diemelquelle entspringende Fluss ebenfalls den Namen Diemel trägt und auf dessen Quelle sich laut Diemelkilometrierung die 110,5 km Flusslänge bezieht. Etwa 150 m südsüdwestlich davon steht – auf der zum Berg Auf’m Knoll gerichteten Westschulter von Kahle Pön – direkt nördlich der nordhessisch-westfälischen Grenze die 2014 errichtete Graf-Stolberg-Hütte (ca. ), ein zu Usseln gehörendes Berggasthaus.
Wasserscheide:Die Quellgegend der Diemel liegt auf der Diemel-Eder/Fulda/Weser-Wasserscheide. Dies bedeutet, dass sich die nach Nordosten fließende Diemel direkt in die Weser entwässert, während das Wasser der südlich des Bergs entspringenden Bäche einen Südumweg durch die Wilde Aa (ab Mittellauf Aar genannt), die am wenige Kilometer weiter südwestlich gelegenen Krutenberg entspringt und von dort in östliche Richtungen fließt, sowie durch die Orke, Eder und Fulda zur Weser macht.
Die Quelle der Diemel liegt aber – entgegen anderen Aussagen – nicht an der Rhein-Weser-Wasserscheide, weil diese etwas weiter südwestlich über den Hopperkopf verläuft und dort nach Süden zum Hille- und Ruhrkopf abknickt.
Oberlauf Anfangs fließt die Diemel im nordwestlichen Teil Hessens innerhalb des Landkreises Waldeck-Frankenberg nach Usseln, wo sie erst die Bahnstrecke Wega–Brilon Wald und dann die Bundesstraße 251 unterquert. Dann verläuft sie nordostwärts durch einen Talabschnitt, in dem Hemmighausen (Ortsteil von Willingen), Deisfeld und Giebringhausen (Gemeindeteile Diemelsee) liegen. Nach anschließendem Einmünden des Holzbachs erreicht ihr Wasser von Süden kommend den Diemelsee, in den anfangs die Hagen-Bicke und danach die von Südwesten heran fließende Itter einmündet. Kurz vor der Staumauer der Diemeltalsperre verläuft durch diesen Stausee die nordhessisch-westfälische Grenze, wonach der Fluss fortan in Nordrhein-Westfalen im Hochsauerlandkreis fließt.
Mittellauf Unterhalb der Staumauer durchfließt die Diemel nordöstlich des Eisenbergs () und damit ab Helminghausen einen tief eingeschnittenen Talabschnitt. Es war geplant, dort einen weiteren Stausee zu errichten, was nicht umgesetzt wurde. In diesem Tal gibt es außer Helminghausen keine Dörfer; lediglich Padberg und Giershagen liegen in Talnähe auf Anhöhen. Dort wird die Diemel zuerst von der aus Richtung Süden kommenden Rhene und dann – nach Passieren des vor der Einmündung des Silberbachs befindlichen Werks Marsberg-Giershagen der Wepa Papierfabrik – von der aus westlicher Richtung heran fließenden Hoppecke gespeist. Fortan wird der Fluss von der Oberen Ruhrtalbahn, die ihn zweimal überquert, und von der Bundesstraße 7 begleitet.
Danach verlässt die Diemel den Naturpark Diemelsee, wobei sie südöstlich am Sintfeld vorbeifließt. Sie läuft durch Marsberg, wo die Glinde einmündet, und gelangt nach Westheim. Dort verläuft sie teils auf der nordhessisch-westfälischen Grenze und erreicht die an dieser Grenze in Hessen gelegene Stadt Diemelstadt. Nach Passieren des Guts Billinghausen und Unterqueren der Bundesautobahn 44 (Diemeltalbrücke; 100 m lang) tangiert die Diemel deren Ortsteil Wrexen unmittelbar nördlich, an dessen nordöstlichem Ortsrand die von Süden kommende Orpe einmündet. Nördlich dieser Ortschaft befinden sich die Südausläufer des Eggegebirges, auf dem sich der Südteil des Naturparks Teutoburger Wald / Eggegebirge erstreckt; dessen Südbegrenzung liegt im Diemeltal. Fortan verläuft der Fluss durch die Warburger Börde.
Unterlauf Danach gelangt die Diemel in zunehmend weitläufig werdender Landschaft wieder nach Nordrhein-Westfalen und somit in den Kreis Höxter. Nach Aufnehmen des Hammerbachs unterhalb von Scherfede-West und der Naure nach Ossendorf unterquert sie die Bundesstraße 252. Dann mündet am Südrand der Warburger Kernstadt die von Süden heran fließende Twiste sowie nach Unterqueren der B 7 kurz vor der Uhlenburg der aus derselben Richtung kommende Calenberger Bach ein. Unterhalb davon passiert die Diemel den nördlich gelegenen Desenberg, einem markanten Kegelberg mit der Burgruine Desenberg. Dabei verläuft sie entlang der Bahnstrecke Kassel–Warburg, die den Fluss nach der Diemelmühle einmal überquert. Etwas weiter flussabwärts erreicht sie erneut die nordhessisch-westfälische Grenze, an der vor Haueda die von Norden kommende Eggel einmündet. Dort verlässt die Diemel die Warburger Börde und gelangt in den nordhessischen Landkreis Kassel. In der Liebenauer Kernstadt mündet von Norden der Vombach ein und unmittelbar nach dem unterhalb davon befindlichen Hof Hünscheburg die von Süden kommende Warme. Anschließend erhebt sich gegenüber dem von Norden kommenden Zufluss der Alster der rechtsseitige Hofgeismarer Stadtwald.
Danach mündet bei Stammen die von Süden kommende Esse in die Diemel ein; von Stammen flussabwärts bis zur Diemelmündung verlief früher rechtsseitig entlang des Flusses die von der Bahnstrecke Kassel–Warburg abzweigende Carlsbahn. Die Diemel verläuft dann durch Trendelburg, wo die Burg Trendelburg steht und der Fluss die Bundesstraße 83 unterquert. Anschließend fließt nahe dem Stadtteil Wülmersen die von Südosten kommende Holzape zu. Nach Durchfließen eines Tals am Nordwestrand des Reinhardswaldes, in dem die Sababurg steht, erreicht sie Helmarshausen mit der Krukenburg.
Mündung Nach der letzten Flussschleife unterhalb der Bad Karlshafener Kolonie Nollendorf erreicht die Diemel die Bad Karlshafener Kernstadt, wo sie die am linken Flussufer auf die B 7 treffende Bundesstraße 80 unterquert. Kurz darauf mündet sie beim Weserkilometer 44,68 direkt unterhalb der Hessischen Klippen auf etwa Höhe in die Oberweser. Zwischen Quelle und Mündung ergeben sich etwa 564,4 m Höhenunterschied. An der Mündung hat die Diemel einen mittleren Abfluss von etwa 15,7 m³/s.
Einzugsgebiet und Zuflüsse
Das Einzugsgebiet der Diemel, das zu etwa 70 % in Hessen und zu rund 30 % in Nordrhein-Westfalen liegt, ist 1.761,964 km² groß. Im Westen und Nordwesten grenzt es an die Wasserscheide zwischen den Flusssystemen der Weser und des Rheins.
Zu den Zuflüssen der Diemel gehören flussabwärts betrachtet (Daten – wenn nicht anders genannt – laut im Tabellenkopf genannten Einzelnachweisen): Name Seite Länge(km) Quell- Mündungs- Mündungs-ort (Lage) Stat.(km) EZG(km²) GKZ höhe (m ü. NHN) Mülmecke rechts 4,1 km 619 m 439 m Hemmighausen (u) km 101,1 5,22 km² 44-112 Nerdarbach rechts 1,6 km 539 m 425 m Deisfeld (i) km 99,6 Holzbach links 5,0 km 560 m 380 m Giebringhausen (u) km 94,9 6,579 km² 44-114 Hagen-Bicke links 2,5 km 558 m 376,2 m Giebringhausen (u) km 93,55 4,67 km² 44-132 Itter(Itterbach) links 19,3 km 760 m 376,2 m Giebringhausen (u) km 91,85 52,065 km² 44-14 Twibicke links 2,4 km 435 m 308 m Padberg (u) km 85,4 Rhene rechts 15,0 km 550 m 302,0 m Padberg (n) km 83,95 59,297 km² 44-18 Kalle Boke rechts 2,4 km 411 m 287 m Giershagen (n) km 81,35 44-192 Silberbach rechts 1,9 km 362 m 277 m Giershagen (n) km 79,6 44-194 Hoppecke links 34,7 km 778 m 268 m Bredelar (u) km 78,1 92,371 km² 44-2 Momeke links 4,4 km 460 m 264 m Marsberg (o) km 74,5 44-3122 Grenzbach links 1,7 km 369 m 252 m Marsberg (i) km 73,65 44-3142 Dütlingsbach(Erlenbach) links 4,4 km 460 m 251,5 m Marsberg (i) km 73,5 44-316 Glinde rechts 8,3 km 359,5 m 247,5 m Marsberg (i) km 72,3 35,337 km² 44-32 Hamecke links 2,5 km 421 m 248 m Marsberg (i) km 71,7 44-3312 Staubke links 2,3 km 371 m 245 m Marsberg (i) km 70,1 44-33142 GünneMündliche Überlieferung durch Zeitzeuge Hans Rosenkranz (geb. 1927) rechts 325 m 291 m 230 mMarsbergkm 69 Rummecke links 3,5 km 361 m 234 m Marsberg (i) km 68,9 44-3316 Kallenthal rechts 3,7 km 305 m 228 m Westheim (o) km 67,2 6,538 km² 44-332 Dahlbach links 5,7 km 360 m 218 m Westheim (u) km 64,7 6,47 km² 44-334 Wäschebach links 5,6 km 355 m 211 m Westheim (u) km 62,95 10,286 km² 44-336 Steinbach links 2,7 km 323 m 201 m Scherfede-West (o) km 59,7 44-33922 Pölingserbach links 3,6 km 329 m 201 m Scherfede-West (o) km 59,7 44-33924 Mahnebach links 1,4 km 262 m 200 m Scherfede-West (o) km 59,7 44-33926 Orpe rechts 19,1 km 366 m 196,5 m Wrexen (u) km 59,05 98,137 km² 44-34 Hammerbach links 7,2 km 392 m 192 m Scherfede-West (n) km 57,65 23,363 km² 44-369 Hellbach links 2,4 km 229 m 189 m Scherfede (b) km 53,6 44-3812 Naure links 8,7 km 272 m 176 m Ossendorf (n)an Pfennigsmühle km 51,3 44-382 Ohme links 6,3 km 227 m 175 m Ossendorf (b) km 51,3 13,575 km² 44-384 Kälberbach rechts 5,9 km 249 m 163 m Germete (b) km 48,45 11,088 km² 44-392 Twiste rechts 40,8 km 485 m 159 m Warburg (i) km 46,75 446,731 km² 44-4 Sielheimer Siek(Siekbach) links 6,0 km 233 m 158 m Warburg (i) km 46,25 44-512 Calenberger Bach(Fließ-, Holsterbach) rechts 9,1 km 266 m 158 m Warburg (u) km 45 34,008 km² 44-52 Eggel links 17,4 km 230 m 148 m Haueda (o) km 37,3 107,024 km² 44-54 Vombach links 7,8 km 216 m 141 m Liebenau (i) km 33,4 19,534 km² 44-592 Warme rechts 32,9 km 411 m 140 m Liebenau (u) km 32,1 157,515 km² 44-6 Alster links 7,2 km 233 m 139 m Lamerden (i) km 28,6 16,121 km² 44-72 Esse rechts 27,6 km 260 m 120,6 m Sielen (u) km 19,1 192,16 km² 44-8 Kampgrund rechts 5,8 km 261 m 120 m Stammen (b) km 19,05 7,331 km² 44-912 Friedrichsfelder Bach rechts 1,5 km 180 m 118 m Trendelburg (i) km 17,05 5,604 km² 44-914 Forellenbach(Narrenbach) links 4,9 km 200 m 113 m Deisel (u) km 12,45 18,421 km² 44-92 Holzape rechts 22,8 km 410 m 111 m Wülmersen (b) km 9,65 59,207 km² 44-94 Knickgraben links 1,4 km 199 m 110 m Wülmersen (u) km 8,9 44-952 Höllebach links 2,7 km 190 m 110 m Wülmersen (u) km 8,15 44-954 Hainbach links 4,4 km 187 m 106 m Helmarshausen (b) km 4,05 44-972 Abkürzungen: Lage: o = oberhalb vom, i = im, u = unterhalb vom, n = nahe dem, b = beim Mündungsort; Stat. = Mündungsstationierung
mini|Diemel zwischen Trendelburg und Wülmersen
Städte und Gemeinden Städte und Gemeinden mit an oder nahe der Diemel liegenden Ortschaften sind(flussabwärts betrachtet; K = Kernstadt; n = nahe der Diemel): Willingen Usseln Hemmighausen Diemelsee Deisfeld Giebringhausen Heringhausen Marsberg Helminghausen Padberg (n) Rennufer Obermarsberg Marsberg (K) Niedermarsberg Westheim Diemelstadt Wrexen Wethen Warburg Scherfede-West Scherfede Rimbeck Ossendorf Germete Wormeln (n) Warburg (K)