mini|hochkant=1.3|Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, 2018
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica in Barkhausen (Porta Westfalica) wurde 1892–1896 von Bruno Schmitz und Caspar von Zumbusch im Monumentalstil errichtet. Das Standbild unter einer Kuppel stellt den ersten Deutschen Kaiser Wilhelm I. dar, die Linke auf das Schwert gestützt und die Rechte zum Gruß erhoben. Das insgesamt 88 Meter hohe Monument gehört zu den Sehenswürdigkeiten Nordrhein-Westfalens und zu den Nationaldenkmälern Deutschlands.
Geschichte mini|Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, um 1900 mini|Ansicht bei Nacht mini|Standbild Wilhelms I.
Nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888 wurden vielerorts in Preußen Kaiser-Wilhelm-Denkmäler in Auftrag gegeben. Das Personen- und Nationaldenkmal stellt als eines der letzten Großdenkmale den Kaiser in den Mittelpunkt der Erinnerungskultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die die nationalstaatliche Einigung in den Vordergrund stellte. An der Porta Westfalica als landschaftsprägendem Ort wurde mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal ein Bildungsprogramm der nationalen Vereinheitlichung umgesetzt. Hier wurde die Einigung des Deutschen Reiches als Folge des Deutsch-Französischen Krieges in Person des Kaisers gefeiert.18. Oktober 1896 – Die Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica. LWL, Westfälische Geschichte; abgerufen am 17. Oktober 2011.
Das Denkmal wurde auf Beschluss des Provinziallandtages der preußischen Provinz Westfalen in den Jahren von 1892 bis 1896 nach Plänen des Berliner Architekten Bruno Schmitz errichtet. Der westfälische Provinziallandtag legte am 15. März 1889 mit knapper Mehrheit die Porta Westfalica als Standort fest. Dies wurde durch den Abgeordneten Hösch bereits im April 1888, einen Monat nach dem Tode Kaiser Wilhelms I., vorgeschlagen. Die Mindener Stadtverordnetenversammlung nahm diesen Vorschlag sofort auf.Informationen zur Baustelle am Kaiser Wilhelm Denkmal. portawestfalica.de, Das Kaiser Wilhelm Denkmal; abgerufen am 21. Mai 2016. Die Initiative für den Denkmalbau ging vom Landrat des Kreises Minden Alexander von Oheimb aus, dem Besitzer des nahe gelegenen Guts Oheimb in Holzhausen, der als Vorsitzender des Denkmal-Komitees für den hiesigen Standort warb.
Als Alternativstandort war die Hohensyburg beim Dortmunder Stadtteil Syburg diskutiert worden.Fritz W. Franzmeyer: Die Porta Westfalica links der Weser – Überliefertes und Erlebtes aus einem geschichtsträchtigen Raum. 2. Auflage. Books on Demand, 2013, ISBN 978-3-7322-0890-6, S. 312ff. Der Standort in Ostwestfalen konnte sich trotz der im Vergleich zum Ruhrgebiet geringeren Bevölkerungszahl als besser geeignet durchsetzen: Das Denkmal ist hier weithin sichtbar – von Schiene, Straße und Fluss.Gerhard Langemeyer (Hrsg.): Dortmund 11. August 1899. Der Kaiser kommt zur Hafeneinweihung. In: Museumshandbuch. Teil 3. Im Auftrag der Dortmunder Museumsgesellschaft zur Pflege der Bildenden Kunst e. V. für das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund. Dortmund 1984, S. 236. Der genaue Standort wurde durch eine Landtagskommission unter der Leitung des Oberpräsidenten Stutz bei einer Begehung am 5. Juni 1889 festgelegt.Mindener Tageblatt, 18. Oktober 1996, Sonderbeilage anlässlich des 100. Jahrestages der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals.
Als Bildhauer für die Bronzefigur Wilhelm I. wurde der aus Herzebrock stammende Bildhauer Caspar von Zumbusch gewonnen. Für die architektonische Gestaltung schrieb die Provinz einen Architektenwettbewerb aus, zu dem 58 Entwürfe eingingen. Vom Preisgericht, dem neben von Zumbusch auch die Architekten Conrad Wilhelm Hase, Reinhold Persius und Heinrich Klutmann angehörten, wurde ein erster Preis an den jungen Berliner Architekten Bruno Schmitz vergeben, der ein Jahr zuvor schon den Wettbewerb für das Kyffhäuserdenkmal gewonnen hatte und später das Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz (1897) und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal (1913) gestaltete. Sein Entwurf wurde für die Umsetzung ausgewählt. Einen weiteren ersten Preis erhielten die Dresdner Architekten Richard Reuter und Theodor Fischer.
Die Vorbereitungen zum Bau begannen im Sommer 1892. Der Bau des Denkmals dauerte fünf Jahre, von 1892 bis 1896. Dabei gab das Projekt rund 200 Menschen Arbeit, angefangen von Maurern und Steinhauern bis hin zu Schmieden, Schlossern und Wegebauern.Fritz W. Franzmeyer: Die Porta Westfalica links der Weser. Überliefertes und Erlebtes aus einem geschichtsträchtigen Raum. 2. Auflage. Books on Demand, 2013, ISBN 978-3-7322-0890-6, S. 292 ff. Gebaut wurde mit in der Region gebrochenem Portasandstein.Kaiser Wilhelm Denkmal. Stadt Portawestfalica; abgerufen am 5. April 2018. Es wurden rund 13.000 Kubikmeter Mauerwerk ausgeführt und 3.000 Meter Treppenstufen verlegt. Die Baukosten für das gesamte Denkmal inklusive Landerwerb und Zufahrtsstraße wurden mit rund 800.000 Mark veranschlagt; am Ende kostete es 833.000 Mark, anderen Angaben zufolge sogar 1.000.000 Mark. Die ursprünglich geplante, halbkreisförmige Kolonnade auf der Rückseite des Denkmals wurde nicht ausgeführt. Am 18. Oktober 1896 wurde das Denkmal im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria im Rahmen einer Feier eingeweiht, an der zwischen 15.000 und 20.000 Menschen teilnahmen. Landrat Alexander von Oheimb betonte in seiner Ansprache „die Verdienste des Kaisers Wilhelm I. um die Reichseinigung.“
Von Herbst 1944 bis Frühjahr 1945 mussten Zwangsarbeiter des KZ-Außenlagers Porta Westfalica im 100 Meter tiefen „Denkmalstollen“ des Wittekindsbergs Rüstungsgüter für die NS-Luftwaffe produzieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen die britischen Besatzungstruppen den Eingang zum Stollen 1946 sprengen, wobei ein Großteil der Ringterrasse des Kaiserdenkmals abrutschte. Im Jahr 1956 wurden die Schäden provisorisch behoben und die Plattform dadurch verkleinert.Baugeschichte.
Von 2013 bis 2018 wurde das Denkmal restauriert und gemäß einem neuen Besucherkonzept durch den Architekten Peter Bastian aus Münster umgebaut. Dabei entstanden in der wiederhergestellten Ringterrasse des Denkmals ein Restaurant und ein Besucherzentrum. Nach dem Umbau wurde das Denkmal am 8. Juli 2018 feierlich neu eröffnet. Bereits zuvor war die Standsicherheit des Denkmals durch umfangreiche Baumaßnahmen gesichert worden. Die Treppe am Denkmalaufgang wurde erneuert (55.000 Euro) und ein barrierefreier Weg vom Parkplatz zum Denkmal eingerichtet (85.000 Euro). Ein Baugutachten ergab, dass die Standsicherheit des Ringsockels aufgrund der Witterungseinflüsse nicht mehr gegeben ist. Am 11. Oktober 2013 beschloss der Landschaftsausschuss des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, für die Sanierung und Rekonstruktion der Ringterrasse 2,8 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen; der Bund steuert dazu 300.000 Euro bei.
Im Vorfeld der Sanierung hatte der LWL die alte Denkmalwirtschaft am Parkplatz unterhalb des Denkmals, für die sich kein Pächter mehr fand, erworben, um sie abzubrechen. Es fand ein Architektenwettbewerb statt, den das Büro Peter Bastian Architekten BDA in Münster im Frühjahr 2014 gewann. Danach wurden in den Sockel unterhalb des Vorplatzes ein Denkmalcafé und ein Besucherzentrum eingebaut, das im Untergeschoss der Ringterrasse liegt und so eine neue Ebene geschaffen. Im Sommer 2014 begannen die Bauarbeiten. Zunächst wurde das Mauerwerk gesichert und ab dem Sommer 2014 wurden zwei Rundbögen der Stützmauer an der Ostseite des Vorplatzes exemplarisch aufgegraben und gesichert. Im Frühjahr 2016 wurde die Plattform unter dem Denkmal gesperrt; im Sommer 2016 begannen die Erdarbeiten, bei denen 25.000 Kubikmeter Erdreich abgefahren wurden.OWL Aktuell, Sendung vom 20. Februar 2017 Um die wiederhergestellte Ringterrasse mit dem in ihr liegenden Restaurant stabil zu gründen, wurden 270 Kleinbohrpfähle für die Standsicherheit des Gebäudes und des Denkmals in den Fels getrieben.Kaiser-Wilhelm-Denkmal vier Monate vor Eröffnung. LWL, Pressemitteilung, 20. Februar 2018; abgerufen am 15. April 2018.
Die Rohbaumaßnahmen wurden im Dezember 2017 abgeschlossen. Als Baumaterial für die restaurierte Ringmauer konnte kein Portasandstein mehr eingesetzt werden, weil die Steinbrüche erschöpft und stillgelegt sind, und auch nicht Ibbenbürener Sandstein. Es wurde Obernkirchener Sandstein verwendet, der heller ist. Am 15. September 2016 wurde am Denkmal im Beisein von Bundesbauministerin Barbara Hendricks und LWL-Direktor Matthias Löb der Grundstein gelegt.1966: Wiedereröffnung der Denkmalgaststätte Porta Westfalica. (PDF; 208 kB) LWL, Pressemitteilung; abgerufen am 15. April 2018. Das Bundesbauministerium unterstützte die Umgestaltung des als national wertvolles Kulturgut geltenden Denkmals mit 5,5 Millionen Euro. Die Gesamtkosten waren auf 12,4 Millionen Euro kalkuliert.Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta Westfalica. LWL, Pressemitteilung.
Beschreibung mini|Vorderansicht des Denkmals mini|Inschrift am Sockel mini|Rückansicht des Denkmals
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal liegt oberhalb des Weserdurchbruchs Porta Westfalica, des „Tors nach Westfalen“, im Ortsteil Barkhausen der heutigen ostwestfälischen Stadt Porta Westfalica im nordrhein-westfälischen Kreis Minden-Lübbecke. Hier zieht sich das Kammgebirge Wiehengebirge in Ost-West-Richtung als Mittelgebirgsschwelle von der Norddeutschen Tiefebene in die südlich anstehenden Mittelgebirge. Das Denkmal steht landschaftsprägend am Ostende des Wiehengebirges auf dem Osthang des Wittekindsbergs (). Es erhebt sich weithin sichtbar über den markanten Weserdurchbruch Porta Westfalica, in dem sich die Weser zwischen Wiehengebirge im Westen und Wesergebirge im Osten sowie zwischen den Städten Porta Westfalica im Süden und Minden im Norden ihren Weg durch die Mittelgebirgsschwelle in die Norddeutsche Tiefebene gebahnt hat. Der Standort des Denkmals wurde bewusst an die Ostgrenze der damaligen Provinz Westfalen zur Porta Westfalica gelegt.
Am Südosthang des Wittekindsbergs streichen Schichten des mittleren und oberen Jura aus, die unterschiedliche Gesteine in unterschiedlicher Zusammensetzung enthalten: Tone, Mergel, Kalksteine, Sandsteine. Das Denkmal selbst steht auf einer morphologisch härteren Schicht aus Gesteinen der Heersumer Schichten und des Korallenooliths (Oberjura). Der Höhenunterschied vom Denkmalfuß auf einer Höhe von bis zur Weser an der Brücke der Bundesstraße 61 () beträgt 170 m.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal erhebt sich in zwei Plattformen über das Gelände. Die untere Ringterrasse öffnet den Platz nach Osten und bietet die Grundlage des nach Westen in den Hang hinein gebauten Denkmals. Mit einem Durchmesser von 120 Metern wird sie durch eine Mauer mit einfacher Zinnenwehr und dreißig Stützpfeilern gestützt. Der Kuppelbau des Denkmals erhebt sich darüber, umgeben von einer nördlich und südlich umschließenden Treppenanlage, die auf der oberen Terrasse mündet. Die obere Terrasse begrenzt den Platz nach Westen. Der Tambourkuppelbau, ein auf sechs Strebepfeilern gestützter Baldachin, hat im oberen Teil die Form einer Kaiserkrone mit Kugel und Kreuz auf der Spitze. Auch die Strebepfeiler schließen mit einer Krone ab. Der Baldachin beinhaltet das Standbild, das aus gegossener Bronze besteht. Das Standbild Wilhelm I. zeigt diesen in Uniform des Garde du Corps mit hohen Stiefeln, Waffenrock und Küraß. Darüber trägt er einen Krönungsmantel, der mit kaiserlichen Adlern versehen ist. Die rechte Hand hat Wilhelm I. zum Gruß erhoben, die linke auf das Schwert gestützt. Auf dem Kopf trägt er einen Lorbeerkranz.