Die Technische Universität Graz (Erzherzog-Johann-Universität Graz), 1811 von Erzherzog Johann gegründet, ist eine von fünf Universitäten in der Steiermark. Ihre sieben Fakultäten bieten 20 Bachelor- und 37 Masterstudien (davon 23 englischsprachig) in technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen an. Die Doktoratsausbildung ist in 14 englischsprachigen Doctoral Schools organisiert. Die naturwissenschaftlichen Studien werden gemeinsam mit der Universität Graz im Rahmen des NAWI-Programms angeboten.

Die TU Graz zählt rund 3.800 Mitarbeiter und 14.000 Studierende sowie jährlich 2.000 Absolventen. Die Forschungsbereiche werden in fünf „Fields of Expertise“ gebündelt. In Österreich gehört die TU Graz zu den Universitäten mit den höchsten Drittmittelerlösen. Im Kompetenzzentrenprogramm COMET der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft ist die TU Graz die am stärksten repräsentierte Universität Österreichs. Das an der TU Graz entwickelte Hochschulinformationssystem CAMPUSonline kommt an der Mehrzahl der österreichischen Universitäten sowie weiteren namhaften Universitäten im deutschsprachigen Raum zum Einsatz. In zahlreichen Hochschul- und Forschungsinitiativen trägt die TU Graz zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen bei und ist bundesweit Vorreiterin auf dem Weg zu einer klimaneutralen Universität mit dem Ziel der Erreichung 2030. An der TU Graz gibt es mehr als ein Dutzend Studierendenteams in den unterschiedlichen Disziplinen, die erfolgreich an internationalen Wettbewerben teilnehmen.

Die TU Graz bildet mit der MU Leoben und der TU Wien den Verbund Austrian Universities of Technology (TU Austria) mit insgesamt ca. 45.600 Studierenden.

Geschichte Am 26. November 1811 überreichte Erzherzog Johann die Schenkungsurkunde seiner persönlichen naturwissenschaftlichen Sammlung dem dafür gegründeten Joanneum. Zum ersten Professor für Mineralogie wurde 1812 Friedrich Mohs berufen, den der Erzherzog 1811 mit der Aufstellung seiner Mineraliensammlung betraut hatte. Zu Beginn wurde am Joanneum Physik, Chemie, Astronomie, Mineralogie, Botanik und Technologie gelehrt. 1818 folgte Zoologie. Der Unterricht am Joanneum wurde sowohl von Schülern des bestehenden Lyzeums als auch ab 1828 von Studenten der Karl-Franzens-Universität Graz besucht.

Im Laufe der Zeit wurde der Unterricht um technische Fächer erweitert. Es entstanden Lehrkanzeln für technisch-praktische Mathematik, praktische Geometrie, Mechanik sowie Berg- und Hüttenkunde. Letztere wurde später an die Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt in Vordernberg ausgegliedert, aus der 1849 die k. u. k. Bergakademie in Leoben und in der Folge die Montanuniversität Leoben hervorging.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1859 gebührte die Leitung des Joanneums Erzherzog Johann persönlich. 1861 wurden bereits 21 Lehrfächer unterrichtet. Zu den oben aufgezählten kamen unter anderem noch Lehrkanzeln für Baukunde, für Land- und Forstwirtschaftslehre sowie für Physik und Darstellende Geometrie hinzu.

mini|Hauptgebäude – Alte Technik 1864 wurde die Technische Lehranstalt per Beschluss des Steiermärkischen Landtages in Steiermärkische landschaftliche Technische Hochschule am Joanneum zu Graz umbenannt. Die Änderung trat nach kaiserlicher Genehmigung im Studienjahr 1865/66 in Kraft. Neben zwei allgemeinen der Vorbereitung dienenden Klassen umfasste sie vier Fachschulen: Ingenieurwesen, Maschinenbau, Chemische Technologie sowie Land- und Forstwirtschaft. 1869 kam eine neue Lehrkanzlei für Mechanische Technologie hinzu. Von den Hörern wurde die Einhaltung eines bestimmten Kurses verlangt und der Aufstieg in einen höheren Jahrgang war von einem günstigen Studienerfolg abhängig.

Das Professorenkollegium entwarf 1871/72 ein neues Statut, das die Kurse aufließ und das nach dem Grundsatz der Lehr- und Lernfreiheit geschrieben wurde. Um als ordentlicher Hörer aufgenommen zu werden, mussten die Anwärter eine erfolgreich abgelegte Reifeprüfung nachweisen. Dem Grundsatz der Lernfreiheit verpflichtet konnte sich jeder Hörer selbst aussuchen, welche Lehrveranstaltungen er besuchte, jedoch wurden von den Fachschulen Studienpläne aufgestellt und die Einhaltung dieser den Hörern empfohlen.

Die Technische Hochschule Graz war zu diesem Zeitpunkt die einzige im Süden der Monarchie. Es ist daher nicht verwunderlich, dass nur ein Drittel der Hörer aus der Steiermark kam. Der Rest kam aus anderen Kronländern oder aus dem damaligen Ausland.

Nachdem Anfang der Siebziger des 19. Jahrhunderts der Staat die Hochschulen direkt kontrollieren wollte, wurde 1874 die Hochschule als Kaiserlich-königliche Technische Hochschule in Graz vom Staat übernommen und umstrukturiert. Die Abteilung für Land- und Forstwirtschaft wurde aufgelassen. Ihre Aufgaben sollten von der 1872 gegründeten Hochschule für Bodenkultur, die sich in Wien befand, übernommen werden. Im Zuge der Veränderungen wurden große Bestände des Joanneums an die neugegründete Bibliothek der Technischen Hochschule übertragen.

1878 wurden die erste und die zweite Staatsprüfung eingeführt. Während die erste Staatsprüfung für alle Studienrichtungen dieselbe war, wies die Zweite eine Ausbildung in einer der drei Fachrichtungen Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Technische Chemie nach. Neben den Staatsprüfungen gab es auch weiterhin die umfassendere Diplomprüfung. Die Staatsprüfung, einst nur als Nachweis zur Anstellungsfähigkeit im Staatsdienst gedacht, berechtigte später zur Führung der Standesbezeichnung Ingenieur und ab 1938 Diplom-Ingenieur. Letzterer wurde 1969 ein akademischer Grad.

mini|Neue Technik

Mit der Übernahme hatte sich der Staat zu einem Neubau für die bis dahin im Joanneum untergebrachten Hochschule verpflichtet. Es dauerte bis in das Jahr 1884, als am 26. November der Spatenstich für das heute unter der Bezeichnung Alte Technik bekannte Gebäude gelegt wurde. Es wurde 1888 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Bis Beginn des Studienjahres 1888/89 konnte auch das Chemische Institut eröffnet werden, das sich südlich des Hauptgebäudes befand. Es blieb bis 1961 in Verwendung und wurde dann abgerissen.

1901 erhielt die Hochschule das Promotionsrecht.

Inzwischen waren bereits an allen Hochschulen der Monarchie Lehrkanzeln für Elektrotechnik eingerichtet worden. 1917 wurde dies schließlich auch in Graz nachgeholt. Die Alte Technik wurde inzwischen auch zu klein und mit Ende des Ersten Weltkrieges wurde ein weiterer Neubau begonnen. Dieser wurde 1935 fertiggestellt, worauf dort die Institute für Maschinenbau und Elektrotechnik einzogen.

1934 wurden die Technische Hochschule Graz und die Montanistischen Hochschule Leoben infolge der austrofaschistischen Machtübernahme zur Technischen und Montanistischen Hochschule Graz-Leoben verschmolzen. Dies wurde 1937 wieder rückgängig gemacht.

1955 wurde die Hochschule in drei Fakultäten gegliedert. Zugleich begann die Planung eines Neubaues auf dem Standort des Schörgelhofes.

In den 1960er Jahren wurden die ersten Gebäude in der Inffeldgasse gebaut. Dies wurde der dritte Standort der Hochschule.

mini|Studienzentrum – Inffeldgasse 10

1969 wurden Studienkommissionen mit Drittelparität eingerichtet. Im Jahr 1975 wurde die Technische Hochschule Graz in Technische Universität Graz umbenannt; ein Jahr darauf beschloss der Senat den Beinamen Erzherzog-Johann-Universität. Namensgeber ist der Gründer der „Technische Lehranstalt Joanneum“ Erzherzog Johann.

1996 wurde die Implementierung des UOG 93 vollständig abgeschlossen. Das Universitätsgesetz von 2002 hob die Kurienuniversität weitgehend auf. Die Vertreter der Professoren haben seither in allen relevanten Gremien die Mehrheit.

Leitung Am 1. Oktober 2023 übernahm Horst Bischof die Funktion des Rektors. Sein Vorgänger war Harald Kainz, der am 1. Oktober 2011 als Rektor die Nachfolge von Hans Sünkel antrat.

NAWI Graz NAWI Graz ist ein Kooperationsprojekt mit dem Ziel, die naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universität Graz und der Technischen Universität Graz zu einer „Zwillingsfakultät“ zusammenzuschließen. Seit dem Wintersemester 2006/2007 werden im Rahmen von NAWI Graz eine Reihe von gemeinsamen Bachelor- und Masterstudien angeboten, aktuell sechs im Bachelor- und 16 im Masterbereich. Aufwändige Forschungsinfrastruktur wird gemeinsam in Form von NAWI Graz Central Labs und Core Facilities betrieben. Das Graz Center of Physics (GCP) wird ab 2030 die Physik-Institute von Universität Graz und TU Graz an einem gemeinsamen Standort vereinen, es wird derzeit als eines der größten Universitätsbauprojekte Österreichs am Campus der Uni Graz realisiert.

Gliederung Die Technische Universität Graz ist gemäß Universitätsgesetz 2002 (UG 2002) in sieben Fakultäten gegliedert: Fakultät für Architektur Fakultät für Bauingenieurwissenschaften Fakultät für Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik Fakultät für Mathematik, Physik und Geodäsie Fakultät für Technische Chemie, Verfahrenstechnik und Biotechnologie Fakultät für Informatik und Biomedizinische Technik Zusätzlich beherbergt sie zwei unabhängige Forschungsinstitute: Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz (ZFE) Versuchsanstalt für Prüf- und Sicherheitstechnik in der Medizin Die Universität ist Teil des 2012 gegründeten Verbunds Allianz Nachhaltiger Universitäten mit dem Ziel, Nachhaltigkeit an Universitäten zu fördern. Seit 2022 ist die TU Graz Mitglied der europäischen Universitätsallianz Unite!, einer Europäischen Universität im Rahmen des Europäischen Bildungsraums.

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Alte Technik (Rechbauerstraße/Technikerstraße/Lessingstraße) Institute für Architektur und Bauingenieurwesen Zentralbibliothek und Verlag der Technischen Universität Graz

Neue Technik (Kopernikusgasse/Petersgasse/Stremayrgasse/Kronesgasse) Institute für Mathematik, Mechanik, Physik, Chemie, Biomedizin, Biotechnologie, Geodäsie, Wirtschaftswissenschaften Mensa in der Stremayrgasse

Inffeldgasse Institute für Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Softwareentwicklung, Informationstechnik Produktionstechnikzentrum Studienzentrum Mensa in der Inffeldgasse TU Graz Kindergarten nanoversity Labor für Innovation mit größtem akademischen Makerspace Österreichs im FSI-Gebäude Nikola Tesla Labor Smartfactory Cybersecurity Campus Graz SciencePark (Start-ups und Spin-offs) und ESA Business Incubation Centre Zentrale des Silicon Alps Micro Electronic Cluster und Geschäftssitz der Silicon Austria Labs (SAL)

Studien Bachelorstudiengänge Acoustics, Music, and Information Engineering interuniversitäres Studium in Kooperation mit der Kunstuniversität Graz Architektur Bauingenieurwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen Biomedical Engineering Chemical and Process Engineering Chemie interuniversitäres Studium in Kooperation mit der Universität Graz (NAWI Graz) Digital Engineering Electrical and Electronics Engineering Geodäsie Geowissenschaften interuniversitäres Studium in Kooperation mit der Universität Graz (NAWI Graz) Informatik Information and Computer Engineering Maschinenbau Mathematik interuniversitäres Studium in Kooperation mit der Universität Graz (NAWI Graz)