Die Niederösterreichische Landesbibliothek (NÖLB) ist eine österreichische, öffentlich zugängliche wissenschaftliche Bibliothek in St. Pölten. Als Landesbibliothek des Bundeslandes Niederösterreich ist sie die Zentral- und Regionalbibliothek für das Land Niederösterreich.
Es handelt sich um eine öffentliche Allgemein- oder Universalbibliothek mit wissenschaftlicher Literatur zu sämtlichen Wissenschaftsgebieten. Einen Schwerpunkt bilden dabei Werke zur niederösterreichischen Landeskunde (die NÖLB ist auch Vereinsbibliothek des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich), einen weiteren alle für die Landesverwaltung relevanten Themengebiete (sie ist auch Amtsbibliothek der Niederösterreichischen Landesregierung). Außer rund 365.000 Druckschriftentiteln verfügt die Bücherei über rund 100.000 historische Ansichten von Orten und Bauwerken sowie rund 20.000 Landkarten.
Die Räumlichkeiten der Bibliothek befanden sich seit der Gründung 1813 bis 1967 im ehemaligen Niederösterreichischen Landhaus (heute Palais Niederösterreich) in Wien und von 1967 bis 1996 in einem Gebäude in der Teinfaltstraße, ebenfalls in Wien. 1997 wurde das eigens erbaute, heutige Büchereigebäude im St. Pöltner Regierungsviertel eröffnet. Den Titel Landesbibliothek führt sie seit 1861.
Die Baukosten für die neue Bücherei beliefen sich auf 5,76 Millionen Euro, im Jahr 2001 hat die NÖLB rund 929.000 Euro ausgegeben und rund 8.000 Euro eingenommen. Anfang 2002 waren 21 Personen beschäftigt.
Lage und Gebäude
Die NÖLB befindet sich im St. Pöltner Regierungsviertel, direkt gegenüber dem Niederösterreichischen Landesarchiv. Ihre Adresse lautet Kulturbezirk 3 (die Postanschrift Landhausplatz 1), sie wird mit anderen umliegenden kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen zum so genannten Kulturbezirk St. Pölten gezählt.
Baugeschichte Das vom Architekten des Regierungsviertels Ernst Hoffmann ursprünglich vorgesehene Gebäude, das Bibliothek und Archiv beherbergen sollte, erwies sich als zu klein konzipiert. Nach einer neuerlichen Ausschreibung erhielt der Architekt Paul Katzberger den Auftrag für beide Bauwerke, nach seinen Plänen führte die Architektin Karin Bily den Bibliotheksbau aus. 1994 wurden die Baukosten für die NÖLB und das NÖ Landesarchiv zusammen mit 209 Millionen Schilling (rund 15 Millionen Euro) veranschlagt, die tatsächlichen Baukosten für die NÖLB beliefen sich auf 5,76 Millionen Euro.
Das Bibliotheksgebäude Das Bauwerk erreicht eine maximale Höhe von 15,7 m, weist eine verbaute Fläche von rund 1.400 m² und eine Gesamtnutzfläche von 5.700 m² auf (die Bruttogeschoßfläche beträgt 6.900 m²). Es hat drei Ebenen, ein begehbares Flachdach und darunter liegt ein Teil der Tiefgarage des Regierungsviertels. Der für die Leser öffentlich zugängliche Bereich befindet sich im Obergeschoß. Er besteht aus einem Lesesaal mit Informationsschalter, Carrels, Benutzerarbeitsplätzen, Computern für die Recherche im Bibliothekskatalog und einer Freihandaufstellung mit rund 30.000 Buchbänden. Um den Lesesaal herum befinden sich die Topographische Sammlung, die Kartensammlung, der Zeitschriftenlesesaal, ein Vortragsraum und das Zeitschriftenmagazin. Im Erdgeschoß liegen der Haupteingang, ein Veranstaltungsraum und der Verwaltungstrakt, in dem sich auch eine Restaurierwerkstatt sowie das Niederösterreichische Volksliedarchiv befinden. Das Untergeschoß liegt auf Straßenniveau und beinhaltet die beiden Hauptmagazine der Bibliothek.Hans-Joachim Alscher: Geschichte der Niederösterreichischen Landesbibliothek, 2013, S. 110. Die Hauptmagazine sind mit Rollregalen ausgestattet und bieten auf etwa 1000 m² Raum für etwa 13.000 Laufmeter Stellfläche. Während die Freihandaufstellung und die aufliegenden Zeitschriften systematisch angeordnet sind, folgt die Aufstellung in den Magazinen der Anordnung nach fortlaufender Nummer.
Restaurierwerkstatt und Niederösterreichisches Volksliedarchiv In der im Erdgeschoß liegenden Restaurierwerkstatt werden sowohl Bücher als auch Grafiken, Aquarelle, Holzschnitte, Kupferstiche, Lithographien, Radierungen etc. (auch anderer Landesdienststellen wie des Landesmuseums und des Landesarchivs) gepflegt und restauriert. Ebenfalls im Erdgeschoß gibt es Arbeitsplätze, die vom Niederösterreichischen Volksliedarchiv genutzt werden. Ein 1999 geschlossener Vertrag zwischen NÖLB und der Volkskultur Niederösterreich BetriebsGmbH ermöglicht die Lagerung des Bestands im Magazin der Bibliothek, das vom Personal der Volkskultur Niederösterreich BetriebsGmbH verwaltet wird.NÖ Landesrechnungshof: Bericht 10/2002. NÖ Landesbibliothek, St. Pölten 2002, S. 5 f.
Bestand Druckschriftensammlung + Bandzuwachs nach Erwerbungsart Jahr Kauf Geschenk Pflicht-exemplareund Tausch Gesamtbestandan Buchbändenmit Jahresende 1998 3.006 2.339 3.041 204.252 1999 1.696 2.895 1.850 210.693 2000 2.227 3.717 1.971 218.608 2001 2.512 3.313 2.686 227.119 Die Druckschriftensammlung umfasste Ende 2012 einen Bestand von 365.000 Druckschriftentiteln. Sie enthält Druckwerke, darunter Flugblätter und Plakate, aber auch audiovisuelle Medien (Schallplatten, Compact Discs, Kompaktkassetten, Disketten und Videokassetten). Den Schwerpunkt bilden die Buchsammlung sowie Zeitungen und Zeitschriften. Der Bestand vergrößert sich durch Ankäufe, Tausch, Pflichtexemplare und Geschenke. Bei den Büchern fallen vor allem Geschenke und der laufende Ankauf ins Gewicht, bei den Periodika die Pflichtexemplare. Die Zuwachsrate des Buchbestands ist steigend (siehe Tabelle), der Bestand an bibliographischen Einheiten bei den Periodika stieg von rund 3200 im Jahr 1998 auf 3800 im Jahr 2001. Die Sammlung audiovisueller Medien umfasste 2001 etwa 640 Stück.NÖ Landesrechnungshof: Bericht 10/2002. NÖ Landesbibliothek, St. Pölten 2002, S. 3 f.
Einen Schwerpunkt bilden so genannte Unterennsia (Werke über Niederösterreich, Werke von gebürtigen Niederösterreichern, in Niederösterreich gedruckte oder verlegte Bücher), so ist die landeskundliche Literatur des 20. Jahrhunderts ziemlich lückenlos vorhanden, vom Bestand bis 1900 stellte sie 1992 11,6 %.
Zeitungen und Zeitschriften Gesammelt werden etwa 4000 Zeitungen und Zeitschriften, jährlich treffen rund 40.000 Hefte ein. Die neuen Hefte liegen im Zeitschriftensaal auf, in regelmäßigen Zeitabständen werden sie gebunden und in ein Zeitschriftenmagazin gebracht.Zeitschriftenabteilung der NÖ Landesbibliothek auf der Homepage der NÖLB, abgerufen am 21. Juni 2023.
Sondersammlungen Die NÖLB beherbergt neben den Buch- und Zeitschriftenbeständen zwei große Sondersammlungen (Kartensammlung und die Topographische Sammlung) sowie einige kleinere Sondersammlungen. Die Burgenkundliche Sondersammlung wurde 2001 aufgelöst.
Kartensammlung Die Kartensammlung der NÖLB umfasst Landkarten, Pläne und Atlanten. Anfang 2013 umfasste sie rund 22.000 Kartenblätter, und 700 Atlanten.Michael Duschanek: Die Kartensammlung der NÖ Landesbibliothek. In: Elisabeth Loinig, Roman Zehetmayer (Hrsg.): Aufhebenswert. 150 Jahre NÖ Landesarchiv. 200 Jahre NÖ Landesbibliothek, 2013, S. 118–121, hier: S. 120.
Die Grundlage der späteren Sammlung bildete ein Auftrag der niederösterreichischen Landstände im Jahr 1669, eine Karte des Erzherzogtums Österreich unter der Enns anzufertigen. Sie erschien bereits 1670, eine Karte der zweiten Auflage von 1697 gelangte aus dem Besitz der Landstände später in den der NÖLB. Im ersten gedruckten Bibliothekskatalog von 1874 ist bereits ein Abschnitt Landkarten, Pläne und bildliche Darstellungen mit 64 Titeln zu finden und ein Jahr später wird eine kartographische Abteilung der Bibliothek erwähnt. 1992 umfasste die Sammlung rund 2100 Kartentitel mit etwa 12.300 Blättern (von ihnen stammten 1600 aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert) und 135 Atlanten, darunter etwa der Atlas curieux Gabriel Bodenehrs. Vorwiegend handelt es sich um Karten Niederösterreichs, die älteren von ihnen wurden von den niederösterreichischen Landständen in Auftrag gegeben. Aus dieser Zeit gibt es etwa Grenzstreitigkeitskarten, einen weiteren Schwerpunkt bilden Flussregulierungs- und Straßenbaupläne, die aus der Wasserbau- und der Straßenbaudirektion Niederösterreichs stammen.Michael Duschanek: Niederösterreichische Landesbibliothek, 1994, S. 174 f.
Topographische Sammlung Die so genannte Topographische Sammlung ist eine Sammlung von alten Ansichten (Kupferstiche, Zeichnungen, Aquarelle, Fotos, Ansichtskarten etc.) vor allem von Orten und Bauwerken. Ende 2011 bewahrte sie rund 26.000 Blätter und 61.000 Ansichtskarten auf.Ralph Andraschek-Holzer: Die Topographische Sammlung der NÖ Landesbibliothek, 2013, S. 114.
Wie bei der Kartensammlung bildeten auch bei der Topographischen Sammlung solche Exemplare die Grundlage, die die niederösterreichischen Landstände bereits im 17. Jahrhundert erworben hatten. Als Gründungsjahr dieser Sammlung kann man das Jahr 1876 ansehen, in dem Albert Camesina, Mitglied des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich, eine erste Ausstellung von alten Ansichten Niederösterreichs anregte. 1887 zählte die Sammlung etwa 1300 Blatt, nach zahlreichen Ankäufen und Übernahmen waren es 1992 schon rund 20.000 Ansichten sowie 51.000 Fotografien und Ansichtskarten. Es handelt sich sowohl um Werke unbekannter Künstler wie um wertvollere Werke, etwa von Matthäus Merian, Georg Matthäus Vischer, Jakob Alt, Jakob Alt, Joseph Höger, Friedrich Gauermann und Johann Josef Schindler.
Kleinere und ehemalige Sondersammlungen Die Porträtsammlung wird ab 1890 erwähnt und bestand 1992 aus rund 3700 Porträts, vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Sie zeigen Mitglieder des Kaiserhauses, geistliche und weltliche Würdenträger des Landes Niederösterreich sowie Adelige, Künstler und Politiker.
Die Exlibrissammlung hat ihren Ursprung im Jahr 1974, in dem der Niederösterreich-Teil eines Tiroler Apothekers angekauft wurde. Die NÖLB erwarb damals 137 Bibliothekszeichen und Bucheignervignetten (Holzschnitte und Kupferstiche), 1992 umfasste die Sammlung 427 Blätter, die ältesten stammten bereits aus dem 16. Jahrhundert.Michael Duschanek: Niederösterreichische Landesbibliothek, 1994, S. 175 f.
Die Kupferplatten- und Druckstöckesammlung zählte 1992 352 Kupferplatten aus dem 17. bis. 19. Jahrhundert. Neben Druckplatten der Niederösterreich-Karten und Topographien von Georg Matthäus Vischer gehören ihr auch Kupferplatten, die zur Illustration der gedruckten Erbhuldigungen im Erzherzogtum Österreich unter der Enns verwendet wurden.
Die ehemalige Burgenkundliche Sammlung wurde 1930 von Forschern als Hilfsmittel zur Erforschung niederösterreichischer Burgen und Wehrbauten initiiert und kam 1936 an die NÖLB. 1941 wurde die Sammlung als Burgenarchiv bezeichnet und befand sich später, von 1951 bis 1984, im NÖ Landesmuseum. 1984 wanderte es in die NÖLB zurück, nach der Pensionierung des letzten Leiters wurde es 2001 aufgelöst und die Bestände auf die anderen Sammlungen aufgeteilt.Hans-Joachim Alscher: Geschichte der Niederösterreichischen Landesbibliothek, 2013, S. 104. 1992 umfasste die Sammlung rund 21.000 Ansichten, 1700 Zeitungsausschnitte, 800 Pläne und Karten, 5000 Negative, 2300 Diapositive und 2000 Korrespondenzmappen zu den Burgen-Objekten Niederösterreichs.
Bedeutende Objekte 1992 wurden rund 9500 Titel (das waren 11,4 % des Buchbestands) gezählt, die vor 1901 erschienen. Davon waren fünf Inkunabeln (darunter eine Erstausgabe der 1493 erschienenen Schedelschen Weltchronik), rund 150 Titel stammten aus dem 16. Jahrhundert, 400 aus dem 17., 1200 aus dem 18. und 7800 aus dem 19. Jahrhundert.
Das älteste Buch im Bestand ist Sermones aurei de sanctis (Goldene Predigten von den Heiligen) von Leonardus de Utino, das 1475 in Venedig gedruckt wurde.Hans-Joachim Alscher: Bestände und Personen. In: Elisabeth Loinig, Roman Zehetmayer (Hrsg.): Aufhebenswert. 150 Jahre NÖ Landesarchiv. 200 Jahre NÖ Landesbibliothek, 2013, S. 241.