mini|Hillel Kook, um 1950 Hillel Kook (, * 24. Juli 1915 in Kriukai, Gouvernement Kowno, Russisches Kaiserreich; † 18. August 2001 bei Tel Aviv) war ein bedeutender revisionistisch-zionistischer Aktivist, ein Kommandeur der Irgun und später Politiker der Cherut sowie von 1949 bis 1951 Mitglied der ersten Knesset. Aus Sicherheitsgründen nutzte er vor der Unabhängigkeit Israels in Palästina auch den Namen Eitan, in Europa Peter Schwartzman und in den Vereinigten Staaten Peter Bergson.Louis Rapaport: Shake Heaven & Earth ― Peter Bergson and the Struggle to Rescue the Jews of Europe. Gefen Publishing 1999, ISBN 965-229-182-X, S. 35. Mit der nach ihm benannten Bergsongruppe prägte er in den USA mit innovativer Öffentlichkeitsarbeit die Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit dem Holocaust während des Zweiten Weltkriegs und propagierte die zionistische Migration und Staatsgründung in Palästina.

Frühe Lebenszeit 1915 wurde seine Familie von Russen aus Kriukai (jiddisch: Kruk) im heutigen Litauen vertrieben, weil Juden als pro-deutsch galten. Sie zog nach Jelisawetgrad (oder Elisabethgrad; heute Kropywnyzkyj) in der Ukraine. Bei dortigen schweren Pogromen während des Russischen Bürgerkriegs wurden zwei seiner Brüder verwundet. 1925 wanderte die Familie im Zuge der vierten Alija nach Palästina ein.Louis Rapaport: Shake Heaven & Earth ― Peter Bergson and the Struggle to Rescue the Jews of Europe. S. 14 ff. Dort besuchte er die Jeschiwa Merkas HaRaw Kook in Jerusalem, die von seinem Onkel Abraham Isaak Kook, dem aschkenasischen Großrabbiner von Palästina, gegründet worden war. Anschließend studierte er an der Hebräischen Universität Jerusalem.

Nach dem Massaker von Hebron (1929) schloss er sich der jüdischen Verteidigungsmiliz Hagana an. Als sich 1931 die revisionistisch-zionistische Untergrundorganisation Irgun gründete und von der Hagana abspaltete, trat er aus persönlicher Freundschaft zu seinem Mitstudenten David Raziel in diese ein. Bis 1937 arbeitete er am Hadassah-Hospital in Jerusalem.Judith Tydor Baumel: The “Bergson Boys” and the origins of contemporary Zionist militancy. Syracuse University Press 2005, ISBN 0-8156-3063-8, S. 8. 1936, während des Arabischen Aufstands, befehligte er eine Gruppe von Irgun-Kämpfern in Motza bei Jerusalem.Raphael Medoff, Chaim I. Waxmann: The A to Z of Zionism. The Scarecrow Press 2009, ISBN 978-0-8108-6889-2, S. 127.Eran Kaplan: A Rebel with a Cause: Hillel Kook, Begin and Jabotinsky’s Ideological Legacy. Israel Studies, 2005, 10(3), S. 90.

1937 wurde er in das Oberkommando der Irgun aufgenommen und als oberster Vertreter der Irgun in der Diaspora nach Polen geschickt, um für junge Betarmitglieder eine Erziehung und militärische Ausbildung in Vorbereitung auf die illegale Einwanderung in das Mandatsgebiet Palästina (Alija Bet) gemeinsam mit der zionistischen Jugendorganisation Betar und der New Zionistic Organization von Wladimir Jabotinsky zu organisieren.Bergson Group. Encyclopedia of America's Response to the Holocaust, The David S. Wymon Institute for Holocaust Studies, abgerufen am 6. Juni 2021.Judith Tydor Baumel: The “Bergson Boys” and the origins of contemporary Zionist militancy. S. 8.David Morrison: Heroes, Antiheroes and the Holocaust – American Jewry and Historical Choice. Milah Press 1995, ISBN 0-9646886-0-3. S. 152.

Peter Bergson und die Bergsongruppe Als der Zweite Weltkrieg begann, sah Jabotinsky in Amerika das aufsteigende politische Zentrum. Dort wollte er mit der kleinen, kurz zuvor gegründeten revisionistischen Organisation American Friends of a Jewish Palestine für die zionistische Staatsgründung, die illegale Einwanderung nach Palästina und den Aufbau einer eigenständigen jüdischen Armee (in Anlehnung an die Jüdische Legion im Ersten Weltkrieg) für den Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland arbeiten. Hillel Kook folgte ihm im Juli 1940 unter dem Namen Peter Bergson in die USA und übernahm nach dem unerwarteten Tod von Jabotinsky im August 1940 die Leitung der Organisation. Zum Führungskreis gehörten Alexander Rafaeli, Yitzak Ben-Ami, Arieh Ben-Eliezer, Shmuel Merlin und Eri Jabotinsky, der Sohn von Zeev Jabotinsky. Sie gründeten mehrere Vereinigungen wie Committee for a Jewish Army of Stateless and Palestinian Jews, die American League for a Free Palestine, das Emergency Committee to Save the Jewish People of Europe und das Hebrew Committee for National Liberation.Peter Bergson, Holocaust Encyclopedia, USHMM, abgerufen am 15. Juli 2021. Bei vielen Projekten verfasste der amerikanische Erfolgsautor Ben Hecht die Texte und der polnische Künstler Arthur Szyk illustrierte die Werbeanzeigen und Veröffentlichungen.Louis Rapoport: Shake Heaven and Earth ― Peter Bergson and the struggle to rescue the Jews of Europe. Gefen Publishing 1999, ISBN 965-229-182-X. S. 55. So gelang es ihnen innerhalb weniger Jahre, Hunderte von Senatoren und Abgeordneten für ihr Anliegen zu gewinnen und gegen zahlreiche Widerstände die Regierung zur Gründung einer Agentur zur Rettung der Juden, das War Refugee Board, zu bewegen.David Morrison: Heroes, Antiheroes and the Holocaust – American Jewry and Historical Choice. S. 151.

Committee for a Jewish Army of Stateless and Palestinian Jews mini|Action not Pity! Illustration von Arthur Szyk in der New York Times 1943 Das Committee for a Jewish Army of Stateless and Palestinian Jews (CJA) wurde am 4. Dezember 1941 mit Pierre van Paassen als Chairman gegründet. Es hatte das Ziel der Schaffung einer jüdischen Armee von 200.000 Mann, die von Palästina aus Hitler bekämpfen sollte und von hohem strategischem Wert für die britische Kriegsführung gewesen wäre. Diese Armee sollte auch nach Jerusalem dürfen; weiterhin sollte die Einreisebeschränkung des White Papers entfallen und nach dem Sieg eine jüdische Regierung in Palästina geschaffen werden. Der Überfall auf Pearl Harbor drei Tage später bot Kook eine günstige Gelegenheit, prominente Unterzeichner für eine groß angelegte Werbekampagne zu rekrutieren. Andrew Somers, Edwin C. Johnson und Elbert D. Thomas machten sich in Washington für das Vorhaben stark und das jüdische Anliegen zog mit seiner emotionalen Macht parteiübergreifend viele Nichtjuden und Nichtzionisten unter den Juden an. Die öffentlichkeitsscheuen amerikanischen zionistischen Organisationen waren vom Erfolg der Irgun-Außenseiter überrascht und vermieden jede Zusammenarbeit. Die britische Regierung war besorgt und wollte, dass staatenlose Juden in bestehende Armeen eintreten, aber keinesfalls eine jüdische Armee entstehen sollte.Monty Noam Penkower: In Dramatic Dissent: The Bergson Boys. In: The Nazi Holocaust – Bystanders to the Holocaust. Volume 2, Hrsg.: Michael R. Marrus, Meckler 1989, ISBN 0-88736-264-8, S. 828 ff.

Als Ende 1942 vom State Department bestätigte Berichte über das Ausmaß des Holocaust öffentlich wurden, begann die Bergsongruppe sehr schnell, plakativ die Rettung der Juden Europas zu fordern. «Action not pity!» (Kampf nicht Mitleid!), unter diesem Slogan begannen Anzeigen. Im Februar 1943 rüttelte eine Anzeige die Öffentlichkeit wach, in der 70.000 Juden zum Kopfpreis von 50 Dollar als garantiert menschliche Wesen angeboten wurden. Das hing mit dem Gerücht zusammen, dass zu diesem Preis Juden aus Transnistrien freigekauft werden könnten. Im März begann die Aufführung von We Will Never Die, einem groß angelegten Theaterstück, in dem die Besucher aufgefordert wurden, das Schweigen zum Holocaust zu durchbrechen. Es tourte mit einem Staraufgebot durch die großen Theater Amerikas.Monty Noam Penkower: In Dramatic Dissent: The Bergson Boys. In: The Nazi Holocaust – Bystanders to the Holocaust. S. 830 ff. Als im April die Bermuda-Konferenz keinen Willen zu Rettungsaktionen durch die USA und des Vereinigten Königreichs zeigte, erklärte das CJA angesichts von fünf Millionen Juden in der NS-Todesfalle in einer ganzseitigen Anzeige in der New York Times die Konferenzergebnisse als blanken Hohn (cruel mockery) und konnte immer mehr Anhänger gewinnen.Monty Noam Penkower: In Dramatic Dissent: The Bergson Boys. In: The Nazi Holocaust – Bystanders to the Holocaust. S. 832 f.

Im Februar 1942 war Irma Helpern für die Bergsons nach London gefahren, um dort ein Büro des Komitees für die Öffentlichkeitsarbeit im Vereinigten Königreich zu betreiben. Während sich der amerikanische Teil immer mehr der Rettung der Juden zuwandte, trat Helpern während des ganzen Krieges weiter für eine jüdische Armee ein. Im Juni 1942, als das deutsche Afrikakorps den Suezkanal zu erreichen drohte, kündigte der britische Kriegsminister Grigg die Bildung von separaten jüdischen und arabischen Einheiten an, damit diese für Freiwillige attraktiver wurden.Judith Tydor Baumel: The “Bergson Boys” and the origins of contemporary Zionist militancy. S. 108 ff. Die Bergsons unterstützten noch 1944 eine parlamentarische Initiative im Königreich und als die britische Regierung im September 1944 die Absicht bekundete, eine jüdische Brigade aufzustellen, sahen die Bergsons dies als ihren Erfolg an und begrüßten den Schritt.Judith Tydor Baumel: The “Bergson Boys” and the origins of contemporary Zionist militancy. S. 108 ff.

Emergency Committee to Save the Jewish People of Europe mini|Briefaufkleber von Arthur Szyk für die Kampagne „Save Human Lives“ 1944 Ende Juli hielt das CJA eine mit hochrangigen Experten besetzte Konferenz ab, die neben internationalen und militärischen Aspekten Transportmöglichkeiten und Hilfslieferungen erörterte. Es wurde gefordert, eine staatliche Organisation für die Rettung der Juden zu bilden. Das Rote Kreuz, neutrale Staaten und der Vatikan sollten in den Satellitenstaaten Deutschlands für Auswanderungsmöglichkeiten der Juden eintreten. Die CJA wurde vor diesem Hintergrund in das Emergency Committee to Save the Jewish People of Europe umgeformt.Monty Noam Penkower: In Dramatic Dissent: The Bergson Boys. In: The Nazi Holocaust – Bystanders to the Holocaust. S. 833.Judith Tydor Baumel: The “Bergson Boys” and the origins of contemporary Zionist militancy. S. 147 f. Ende August kündigte das State Department an, eine Kommission zur Rettung europäischer Kunst einzurichten, aber der Forderung nach einer staatlichen Rettungsagentur für Juden wurde nicht nachgegeben. Daraufhin organisierten die Bergsons eine Petition, die öffentlichkeitswirksam Anfang Oktober zu Yom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, beim Marsch der Rabbiner vor Präsident Roosevelt verlesen werden sollte, der aber durch „andere Angelegenheiten“ abwesend war. Die Führer von 6000 Kirchengemeinden erklärten unterstützend den 10. Oktober zu einem Fürbitttag, um für die „jüdischen Brüder“ zu beten.Monty Noam Penkower: In Dramatic Dissent: The Bergson Boys. In: The Nazi Holocaust – Bystanders to the Holocaust. S. 834 f.