Joseph Höser, oft auch fälschlich Josef Höser, (* 13. September 1890 in Erbendorf; † 9. Mai 1935 in Regensburg) war ein Lehrer, Heimatforscher und Chronist.

Leben

Kindheit und Jugend Joseph Höser wurde am 13. September 1890 als unehelicher Sohn des Mesners Karl Gustav Hör und der Anna Höser geboren. Anna Höser zog Joseph und seine ältere Schwester Maria alleine auf, jedoch verbrachte er die Kinderjahre größtenteils bei seiner Großmutter mütterlicherseits, Anna Scharf, verwitwete Höser. Da Anna Höser alleinerziehend war und den Lebensunterhalt für sich und die Kinder durch ihren Beruf als Köchin aufbringen musste, lag die Erziehung des kleinen Joseph, wie auch seiner Schwester Maria, in den ersten Lebensjahren bei der Großmutter, die ihn auch im katholischen Glauben bis zu ihrem Tod aufzog. Von ihr hörte Joseph Höser erste Erzählungen und Geschichten aus vergangenen Zeiten. Diese haben ihn nachhaltig geprägt.

Früher Tod der Mutter Als Vierzehnjähriger verlor Höser seine Mutter, die am 16. Juli 1904 im Alter von nur 50 Jahren verstarb. Nach ihrem Tod sorgte sich seine ältere Schwester Maria Höser, die als Näherin ihr Brot verdiente, um ihn. Die beiden bewohnten eine kleine Stube im Hause Reichold, in der heutigen Pfarrgasse 16 am Mühlbühl in Erbendorf.

Schule und Studium Nach der Schulzeit an der Volksschule in Erbendorf von 1896 bis 1900 wechselte er auf das Gymnasium nach Weiden über, das er im Jahr 1909 mit dem Abitur verließ. In der Gymnasialzeit wohnte Höser in Weiden in einem Schülerheim. Ein Studium an der Lehrerbildungsanstalt in Amberg konnte Höser im Januar 1911 abschließen.

Seine Freizeit verbrachte er in seiner Heimatstadt Erbendorf. In den Sommermonaten sah man ihn oft in den Nachbarsgärten bei Johann Rupprecht und der Familie Baierl in der Pfarrgasse, in denen er sich vom Studium erholte. Besonders zu Johann Rupprecht, einem angesehenen Schuhmachermeister, hatte Höser ein freundschaftliches Verhältnis.

Rupprecht bewohnte mit seiner Familie ein sogenanntes „Tripfhäuserl“ an der Ecke Pfarrgasse/Spitalgasse (heute Spitalgasse 1). Neben seinem Schuhhandwerk war Rupprecht, wie seine ganze Familie, musikalisch bewandert. Und er war ein sogenannter „Handwerksdichter“ – Höser selbst hat über diesen Johann Rupprecht einen Bericht unter dem Titel Ein Handwerksdichter (1919) verfasst.

Beruf und erste heimatkundliche Forschungen Ab dem 15. Februar 1911 war nach erfolgreicher Beendigung seines Studiums sein erster Einsatzort Tirschenreuth als „Hilfslehrer“. Seine Forschungsarbeiten um die Heimat begannen, als ihm der Schuhmachermeister Johann Rupprecht im Jahr 1913 eine geschichtliche Notiz über Erbendorf zeigte. Es handelte sich um zwei Schriftstücke. Eines war aus dem Jahr 1835, aufgezeichnet von Pfarrer Karl Phillip Koller aus Fichtelberg, das zweite Schriftstück stammte von dem Amberger Lyzealprofessor J. G. Hubmann (1849).

Für Höser gaben diese Dokumente Anlass, näher hierüber zu forschen, da die Schriftstücke nicht vollständig waren. Um mehr zu erfahren, stöberte Höser in den Akten alter Erbendorfer Bürgershäuser, in der Stadtregistratur, in den katholischen und evangelischen Pfarrarchiven. Er ließ es sich nicht nehmen, mit alten Erbendorfer Bürgern über alte Zeiten zu sprechen. Auf diese Weise erhielt er zum Beispiel von Frau Dilling die Erbendorfer Nachwächtergesänge überliefert. Für seine Arbeit fand Höser die Unterstützung des Bürgermeisters, des Stadtrates, vom Bezirksamt in Kemnath und vor allem der Erbendorfer Bürgerschaft.

Nachdem Höser die Archive von Pfarrämtern, Forst- und Gemeindeverwaltungen in Erbendorf und in der näheren Umgebung gesichtet hatte und kein neues Material mehr zu finden war, wandte er sich an die Staatsarchive in Amberg und München, an Staatsbibliotheken in Regensburg und München.

Seine Forschungsarbeiten standen auch nicht still, als er befördert und versetzt wurde. Mit Wirkung vom 16. November 1914 wurde Höser an der Schule in Tirschenreuth zum „Schulverweser“ befördert. In dieser Zeit entstanden seine Aufsätze Das ehem. Tirschenreuther Schloss, Der Tirschenreuther Fischhof und Erinnerung an die Verteilung von Fischen. Die Geschichte über Die Benagelung des Chamer Kriegswahrzeichens entstand, nachdem er am 16. November 1915 als Schulverweser an die königliche Präparandenschule in Cham versetzt wurde.

Für Joseph Höser gestaltete sich das Sichten der Dokumente aus den Staatsarchiven insofern schwierig, da er nicht immer die weiten Reisen auf sich nehmen konnte.

Die Lösung bestand darin, dass er zum Beispiel in Cham die Dokumente durch sein Pfarramt, Pfarrer Seidl, von den Staatsarchiven anfordern ließ. So konnte Höser die Akten in aller Ruhe im Pfarrhaus durchgehen. Dieses Verfahren der „Dokumentenüberweisung“ an kirchliche Einrichtungen oder Institutionen war in früherer Zeit üblich, da die Archive davon ausgehen konnten, dass die Akten bei diesen Einrichtungen pfleglich behandelt und natürlich vollständig zurückgegeben wurden. Joseph Höser tat dies auch an seinem späteren Wohnort in Regensburg. Hier gingen die Akten ebenfalls an das Wohnsitz-Pfarramt.

Heirat Am 3. August 1915 heiratete Joseph Höser das Fräulein Karoline Bogner aus Erbendorf. Die Bogners betrieben am Unteren Markt in Erbendorf eine Konditorei. Der Vater war Bezirkskaminkehrermeister. Karolines Mutter war eine geborene Lang. Ihre Vorfahren stammen von der Mittelmühle bei Thumsenreuth ab. Die kirchliche und standesamtliche Trauung fand in Erbendorf statt. Aus dieser Ehe gingen die vier Töchter Anna (1916), Erna (1921), Theresia (1925) und Maria (1928) hervor.

Erkrankung Kurz nach seiner Hochzeit wurde Höser während des Ersten Weltkriegs nach Grafenwöhr einberufen. Hier erkrankte er an Rheuma, in dessen Folge Höser mit einem Herzklappenfehler kämpfen musste, der ihn sein Leben lang begleitete. Aus diesem Grund wurde er nach kurzer Zeit aus dem Militärdienst entlassen und ging wenig später mit seiner Frau Karolina (Rufname Lina) nach Cham und übte dort dann schon den Beruf als Lehrer aus. Dies geht aus einer "Beglaubigten A b s c h r i f t vom 5.10.1943 aus dem Geburtsregister des Standesamts Cham Nr. 56" hervor, aus der ersichtlich ist, dass er zwei Tage nach der Geburt seines ersten Kindes, Anna Maria Karolina Höser (geb.7. November 1916), am 9. November 1916 die Geburt seiner Tochter für die Ausstellung einer Geburtsurkunde anzeigte. Diese Abschrift weist ihn bereits als Lehrer aus. Er könnte damals in Cham erst ein angestellter Lehrer ohne Beamtenstatus gewesen sein.

Denn, nachdem er mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 zum Volksschullehrer befördert wurde, erhielt er die Versetzung nach Regensburg an die Volksschule zum Hl. Kreuz, kurz „Kreuzschule“ genannt. An dieser Schule war er sein ganzes weiteres Leben eingesetzt. Bereits am 1. Januar 1920 erfolgte die Beförderung zum Hauptlehrer an der Kreuzschule. Zunächst zog die Familie Höser in Regensburg 1918 erst auf die Donauinsel "Oberer Wöhrd", in den 3. Stock des Wohnhauses Müllerstr.1, mit Blick über die Donau auf die bekannte Postkartenansicht, Steinerne Brücke mit Salzstadel und Dom. Bedingt durch seine Nervenerkrankung und die damit verbundenen Platzängste, war der Volksschullehrer Höser zunächst überhaupt nicht in der Lage, alleine vom Oberen Wöhrd zur Kreuzschule zu gelangen. Seine Ehefrau Karolina, nur immer Lina genannt, musste ihn jeden Tag morgens zu Fuß zur Schule und danach von der Schule wieder nach Hause begleiten. Ab und zu fanden sich hilfreiche Kollegen oder Schüler und begleiteten ihn. Das ging so nicht mehr weiter. Die Dominikanerinnen des Klosters Hl. Kreuz in Regensburg hatten gegenüberliegend der Kreuzschule ihr Kloster und unterrichteten damals mit sog. „Schulschwestern“ in der Kreuzschule ganz streng nur die Mädchenklassen. Der Volksschullehrer Höser hatte bei diesen Schwestern durch seinen gläubigen, strengen und familienfreundlichen Lebenswandel bald einen so guten Ruf, dass sie ihm bei so manchen Schwesternmangel durch Krankheiten, die eine oder andere Mädchenklasse anvertrauten. Man muss bedenken, dass damals Mädchen- und Jungenklassen im Schulhaus der Kreuzschule ganz streng durch verschlossene Türen getrennt waren. Durch diese Gefälligkeiten den Schulschwestern gegenüber, gewann Joseph Höser ein großes Ansehen und Vertrauen und kam auch mit der damaligen Schwester Oberin "Columba" ins Gespräch. Daraus ergab es sich, dass Joseph Höser sehr schnell eine frei gewordene Wohnung in einem der Mietshäuser des Klosters im 2. Stock des Stahlzwingerweg 10 erhalten konnte und sehr schnell dorthin umzog. Damit war die leidige Angelegenheit des von ihm gefürchteten Dienstweges gelöst. In dieser Wohnung lebte er bis zu seinem viel zu frühen Tod.

Heimatkundliche Forschung An seinem neuen Wohnort Regensburg war Höser auch Gründungsmitglied des „Vereins der Erbendorfer in Regensburg“. Ebenso war er Mitglied beim Historischen Verein für die Oberpfalz und Regensburg. Neben seinem Lehramt und seiner Familie beschäftigten ihn seine Forschungsarbeiten oft bis tief in die Nacht hinein. Finanziell belastete ihn diese Arbeit auch, fielen doch auch viele Reisekosten an. Man bedenke, dass Höser, mit Wohnsitz in Regensburg, als Schriftleiter des Heimatfestes in Erbendorf aktiv war. So war er oft viele Wochenenden immer zwischen Erbendorf und Regensburg unterwegs und als Verkehrsmittel stand hier nur die Eisenbahn zur Verfügung. Die führte von Regensburg über Weiden nach Reuth bei Erbendorf und anschließend mit dem „Erbendorfer Bockl“ in seine Heimatstadt. Durch diese Mehrbelastung begann allmählich seine Gesundheit zu leiden. Rückschläge beim Druck der Chronik in den Jahren 1923 bis 1925 griffen seine Nerven stark an. Langsam gesellte sich zum Herzleiden dadurch ein Nervenleiden.

Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre unternahm Joseph Höser mit seiner Frau Karoline viele Urlaubsbesuche in Bayern und Österreich, um sich gesundheitlich zu erholen. Urlaubsziele waren das Stubaital in Tirol, Maria Waldrast bei Deutsch Matrei, Neustift, Fügen, Maria Eck und viele mehr.

Teilweise nahm er seine Kinder mit in den Urlaub oder sie verbrachten während dieser Zeit die Ferien in Erbendorf bei ihrer Großmutter Anna Bogner in Erbendorf. Postkarten aus dieser Zeit zeugen davon.

Auf einer Karte schreibt Höser, dass er sich in den Bergen besser fühle als in Regensburg. Das mag wohl an der frischen Luft und schönen Natur gelegen haben. Viele Karten schrieb er humorvoll an seine Tochter Erna mit folgendem Adressat: „Ernerl“ oder „Hauptlehrerstöchterlein“.

Aufsätze und Texte für die Zeitschrift Die Oberpfalz und den Regensburger Anzeiger beschäftigten Höser nach seinem großen Werk Geschichte der Stadt Erbendorf.

Als liebevoller Familienvater war er stets für seine Familie zu haben. Oft besuchte die ganze Familie ihre Heimatstadt Erbendorf, wo die Bogner-Großmutter wohnte. Für seine Kinder hatte Joseph Höser jeweils ein Tagebuch angelegt, in dem er alle Vorkommnisse und Ereignisse eintrug, die die jeweilige Tochter betrafen. Diese Tagebücher wollte Höser seinen Töchtern jeweils zum 21. Geburtstag schenken. Er konnte das Vorhaben jedoch nicht vollenden – sein Tod kam ihm zuvor.

Seine letzte Beförderung erhielt Höser mit Wirkung zum 1. Februar 1929 als Hauptlehrer.

Während eines Besuchs bei der Höser-Familie in Regensburg starb Joseph Hösers Schwester Maria im Alter von 52 Jahren an Lungenentzündung. Zuletzt war sie in Marienheim bei Neuburg/Donau als Pfarrhaushälterin beschäftigt.