Der ASC Göttingen von 1846 e. V. (Allgemeiner Sport-Club Göttingen von 1846 e. V.) ist ein deutscher Sportverein aus der Universitätsstadt Göttingen. Er wurde am 3. August 1846 gegründet und ist mit mehr als 12.000 Mitgliedern der größte und älteste Breitensportverein Niedersachsens. Er gehört damit zu den mitgliederstärksten Sportvereinen Deutschlands. Der heutige Verein entstand 1980 aus dem Zusammenschluss der TG 1846 Göttingen mit dem SSC Göttingen. Der SSC Göttingen wiederum war 1969 als Zusammenschluss des SSV Hellas Göttingen mit dem größten Teil der Mitglieder des Schwimmvereins Göttingen 08 gegründet worden.
Der Verein bietet über 60 verschiedene Sportarten im Breiten-, Kinder-, Gesundheits- und Seniorensport als Freizeitsport und Wettkampfsport an. Er engagiert sich mit Schulkooperationen sowie Freiwilligendiensten im Sport. Eine Tochtergesellschaft betreibt fünf Kindertagesstätten. mini|280x280px|Die Geschäftsstelle des ASC Göttingen in der Danziger Straße (das „ASC Clubhaus“) In den 1980er Jahren erlangte der Verein durch Erfolge im Basketball nationale Bekanntheit.
Vereinshistorie 1846 bis 1877 Der Turnverein Göttingen wurde am 3. August 1846 von zehn Göttinger Bürgern gegründet.stadtarchiv.goettingen.de Abgerufen am 7. November 2022.Dietrich Denecke: Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt · Band 2. Vandenhoeck & Ruprecht 1987, S. 937. In den ersten Jahren wurde zum Turnen der Hof des Waisenhauses in der Unteren-Masch-Straße genutzt. Da die Mitgliederzahl des Vereins jedoch schon bald anstieg, wichen die Sportler auf den alten Schützenplatz als Turnplatz aus. Vorhanden waren damals bereits ein Reck und ein Barren, später kamen noch ein Schwebereck und eine Strickschaukel hinzu.
Im Jahr 1860 nahmen die Göttinger Turner am ersten Deutschen Turn- und Jugendfest mit etwa 1.000 Teilnehmern in Coburg teil. Zudem wurde in Göttingen das erste Gauturnfest veranstaltet. An diesem partizipierten verschiedene Turnvereine aus dem „Oberweser-Gau“, dem neben Münden und Göttingen auch Allendorf, Arolsen, Bovenden, Kassel, Korbach, Duderstadt und Witzenhausen angehörten.
1863 wurde die Einheit der deutschen Turnbewegung infrage gestellt. Insbesondere die akademischen Turnvereine (ATV) wurden wegen ihres elitären Verhaltens kritisiert. Der Göttinger ATV bemühte sich um die Gründung eines gemeinsamen Turnvereins mit dem Turnverein Göttingen. Im Juni 1864 fusionierten beide Vereine zur Turngemeinde Göttingen (TG 46), in der beide Teilvereine ihre Selbstständigkeit behalten sollten. Die gemeinsame Vereinsarbeit beschränkte sich auf die Vertretung nach außen und einen 14-täglichen Turnabend sowie ab 1865 auch auf eine gemeinsame Vorturnerstunde.
1878 bis 1909 mini|links|240x240px|Die neue Turnhalle Ecke Bürgerstraße/Bunsenstraße (heutige Jahnhalle)
Im August 1878 veranstaltete die TG 46 ein Fest, bei dem Bürgermeister Merkel ankündigte, dass die Stadt Göttingen den Bau einer neuen städtischen Turnhalle plane. Bis diese vom Verein genutzt werden konnte, dauerte es allerdings noch neun Jahre. Solange mussten die Göttinger Turner weiterhin in dem alten Turnlokal und angrenzendem Hof trainieren. Probleme hier waren Staub durch den mit Rinde bedeckten Erdboden, Zugluft durch das beschädigte Mauerwerk, mangelnde Beheizung und Beleuchtung sowie fehlende Umkleide- und Waschräume. 1887 wurde schließlich die neue städtische Turnhalle an der Bürgerstraße eingeweiht.
Vom 13. bis 16. August 1892 fand in Göttingen das Deutsche Turnerschaft-Kreisturnfest statt. Die gemeldeten Turner absolvierten zunächst allgemeine Freiübungen, für die sie der Größe nach geordnet antraten. Anschließend fanden das Riegenturnen, das Turnen der Musterriegen, allgemeines Kürturnen sowie die Turnspiele statt. Die Freiübungen, deren Auf- und Abmarsch und die Kleidung der Turner waren vorher genau festgelegt worden, da durch die Veranstaltung Autorität und Disziplin dargestellt werden sollten. Dies wurde auch durch die Synchronität der Turner und ihre Bewegungen auf Kommando erzielt.
Mit dem Jahresbericht von 1906 veröffentlichte die Turngemeinde Göttingen zum ersten Mal einen genauen Bericht über ihre Vereinsarbeit, die ein vielfältiges Programm von Leibesübungen und geselligem Vereinsleben kennzeichnete. Der Verein hatte eine Männer-, Zöglings-, Vorturner- und Spielabteilung sowie die traditionellen Feuerwehr-, Sänger- und Schützenriegen. Veranstaltet wurden neben den monatlichen Vorstandssitzungen und Versammlungen auch regelmäßige Monatskneipen und Turnfahrten.
Der TG 46-Turner Carl Körting nahm 1908 als Mitglied der Olympiamannschaft der Deutschen Turnerschaft (DT) an den Olympischen Spielen in London teil. Die Teilnahme in der 32-köpfigen DT-Olympiamannschaft wurde vom Verein zwar als Ehre empfunden, doch weniger aufgrund der Teilnahme an den Olympischen Spielen selbst, als vielmehr wegen der Auswahl seitens der DT. Das DT-Fest in Frankfurt hatte für die Vereine der deutschen Turnbewegung einen viel höheren Stellenwert.
1910 bis 1932 1910 wurde das traditionelle Turnangebot des Vereins für Männer schließlich um eine Abteilung für Frauen erweitert. Die Initiative hierfür ging von einer einzelnen Turnerin, der Studentin Paula Schulze, aus. Sie organisierte und leitete als Turnwartin die Turnstunden für Frauen, musste jedoch noch im Laufe des ersten Jahres aufgrund von Krankheit ausscheiden. Daraufhin wurde die Abteilung vom Turnwart der Männer geleitet. Teilnehmerinnen waren zunächst ausschließlich Töchter von TG 46-Mitgliedern. Die Beteiligung der Frauen am Sport wurde in den folgenden Jahren immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Infolgedessen wurde in der TG 46 die Frage der Frauenturnkleidung oft diskutiert. Die traditionelle rockartige, weite Pumphose und die darüber gezogene Schoßbluse erwiesen sich als unpraktisch. Daher begannen einige Sportlerinnen mit kurzer Männerturnhose, langem Turnkittel und ohne Strümpfe zu trainieren. Trotz aller Widerstände setzen sie sich nach und nach durch. 1925 wurde von der TG 46 für die weiblichen Vereinsmitglieder ein schwarzer, langer Turnanzug in Trikotstoff und weiße Hallenturnschuhe ohne Strümpfe empfohlen. Im gleichen Jahr entstand nach dem Vorbild der Altherrenriege für die über 25-jährigen Frauen eine Altfrauenriege. Die Namensgebung stieß allerdings auf reichlich Kritik, wodurch sie kurze Zeit später in Frauen- und Mütterriege umbenannt wurde.
In der Spielabteilung der TG 46 wurde neben Leichtathletik auch Faustball, Schlagball, Korbball, Barlauf und andere Bewegungsspiele durchgeführt. Im Jahr 1920 wurde dieses Angebot um Fußball und wenig später um Handball und Fechten ergänzt. 1927 wurde schließlich die erste eigene Schwimmabteilung der TG 46 gegründet.
Bisher waren organisierte Leibesübungen für Kleinkinder in der Deutschen Turnerschaft noch nicht verbreitet. Leibesübungen für Kinder begannen erst mit Eintritt in die Schule. Aufgrund dessen konnte nicht auf historische Vorläufer für Kleinkinderturnen zurückgegriffen werden. Die körperliche Förderung von Kindern im Vorschulalter wurde vom TG 46 aber als logische Konsequenz der allgemeinen Reformbewegung der Körperkultur in der Weimarer Zeit gesehen. Somit betraten sie mit der Schaffung einer Kleinkinderabteilung im November 1926 neues Terrain.
1933 bis 1945 Die Einführung des Führerprinzips sorgte auch in der TG 46 für einige Änderungen. Am 10. Mai 1933 fand eine außerordentliche Hauptversammlung statt, in der die Umgestaltung der Deutschen Turnerschaft erläutert und die Göttinger Vereinsorganisation entsprechend verändert wurde. Alle Ämter wurden nicht mehr durch Wahl, sondern durch Bestimmung von der nächsthöheren Instanz besetzt. Am 11. Dezember 1933 wurde zusammen mit der Tuspo die Göttinger Turnerschaft gegründet. Die Gleichschaltung der Turngemeinde mit anderen Vereinen zur Göttinger Turnerschaft bedeutete nach fast 100 Jahren das Ende der selbstständigen Turnvereinsarbeit in Göttingen.
Trotz der strengen Maßnahmen der Besatzungsmacht konnten die Turner der TG 46 schon im Herbst 1945 den Sportbetrieb wieder aufnehmen. Unter dem Namen Turnklub Göttingen von 1846 e. V. schloss sich der Verein dem Kreissportbund Göttingen an. Neben dem Turnen wurde schon früh Handball und Basketball gespielt sowie Leichtathletik, Gymnastik und Fechten betrieben. Als Sportstätten dienten die Turnhalle an der Böttinger Straße, die Wörthsporthalle, die Turnhalle Friedländer Weg, der Jahnspielplatz und der Fliegerhorst.
1946 bis 1979 Am 1. Juni 1946 wurde von den ehemaligen Schwimmern der TG 46 der Schwimmverein Göttingen gegründet. Die Zusammensetzung des Vereins war sehr divers. Neben den „älteren“ Schwimmern des ehemaligen Schwimmvereins Göttingen, gab es die ehemaligen Mitglieder der Schwimmsportvereinigung von 1908 und der Schwimmabteilung des 1.SC 05, Jugendliche die fast ausschließlich zur Zeit der Hitlerjugend trainiert hatten. Zudem gab es Interessierte, die aufgrund des Krieges nach Göttingen gekommen waren. Trotz dieser Umstände gelang es einen neuen Schwimmverein zu gründen, der die Tradition des 1908 gegründeten Vereins fortsetzen sollte. Anfangs wurde in der mit Wasser gefüllten Tonkuhle am Ascherberg trainiert. In einem ausgebauten Feuerlöschteich in Sudheim wurden die ersten Wettkämpfe ausgetragen. Im Frühjahr 1947 wurde insbesondere von den jüngeren Mitgliedern des Schwimmvereins Göttingen der Wunsch geäußert, neben Schwimmen auch weiter Basketball und Tischtennis zu spielen sowie Gymnastik zu betreiben. Da die älteren Mitglieder den Fokus des Vereins jedoch ausschließlich auf das Schwimmen legen wollten, bildeten sich zwei Gruppen, die in Konflikt miteinander standen. Die Sprecher der beiden Gruppen führten am 13. Juni 1947 schließlich eine versöhnliche Trennung durch. Während die älteren Schwimmer die Tradition des Schwimmverein Göttingen 08 weiterführten, gründeten die jüngeren Mitglieder einen neuen Verein, den SSV Hellas Göttingen. Der SSV Hellas Göttingen öffnete sich neben Schwimmen auch für andere Sportarten, wie Basketball, Tischtennis und Gymnastik. 1955 gehörten dem Verein bereits über 1.000 Mitglieder an, womit der Verein zu den größten der Stadt Göttingen zählte.
Im Jahr des 110-jährigen Bestehens der TG 46 entschieden die Mitglieder bei ihrer Jahreshauptversammlung wieder den historischen Vereinsnamen anzunehmen. Ab dem 15. März 1958 wurde der Turnklub Göttingen von 1846 e. V. dann wieder offiziell in Turngemeinde Göttingen von 1846 e. V. umbenannt. Die Turngemeinde organisierte den ersten turnerischen Höhepunkt der Nachkriegszeit, das Landesturnfest. Dieses fand 1955 in Göttingen statt. Bis zu Beginn der 70er Jahre erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 1.700. Über viele Jahre siegten die Jugendlichen der TG 46 in sämtlichen regionalen Meisterschaften.
1969 fusionierten der SSV Hellas mit dem größten Teil der Mitglieder des Schwimmvereins 08. Es entstand der Schwimm-Sport-Club Göttingen (SSC Göttingen). Entsprechend der Grundsätze des SSV Hellas wurde der Verein zunehmend um neue Sportarten ergänzt. Mit 2.000 Mitgliedern war der SSC Göttingen Anfang der 1970er Jahre der größte Sportverein. In der Hauptversammlung 1977 wurde als erster Verein Niedersachsens die Einführung eines Delegiertensystems beschlossen. Zudem wurde der SSC Göttingen Mitglied im Freiburger Kreis, einer Arbeitsgemeinschaft größerer Sportvereine in der Bundesrepublik. Mit der Gründung einer Schachabteilung überschritt der Verein die 2.500-Mitgliedermarke.