Lorient () ist eine französische Stadt und Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Morbihan in der Region Bretagne. Sie ist Unterpräfektur des Arrondissements Lorient und Sitz des Gemeindeverbandes Lorient Agglomération.
Geografie mini|Stadtplan mit Hafenanlagen und wichtigen Verkehrsverbindungen Die Hafenstadt Lorient liegt am Ufer des Flusses Blavet an der Einmündung des Nebenflusses Scorff in einer Höhenlage von 15 Metern.
Geschichte mini|U-Boot-Bunker Keroman III mini|Yachthafen Port de Plaisance Der Name Lorient stammt von L’Orient (der Orient), da hier früher der Heimathafen der französischen Ostindien-Kompanie war. Von Beginn an bildete der Hafen den Mittelpunkt eines ausgedehnten Handelsgeflechts, das die Geschäfte zahlreicher Händler, Kaufleute und Produzenten in ganz Europa miteinander verband. Hier legten die Schiffe ab in Richtung der Maskarenen, Indien oder China, um aus dem Orient mit den begehrten Gütern Seide, Gold und Gewürze zurückzukehren.
1770 wurde der Hafen mit all seinen Einrichtungen vom Staat übernommen. 1792 heuerte die Korsin Louise Antonini als Mann verkleidet auf einer Fregatte an, die als Freibeuter in die Karibik segelte. Unter Napoleon wurde er zum Kriegshafen. 1927 entstand der Fischereibetrieb Kéroman, der erstmals industriell produzierte. Die Straßenbahn Lorient fuhr von 1901 bis 1944.
Im Zweiten Weltkrieg – am 25. Juni 1940 – besetzte die deutsche Wehrmacht den Hafen und unterhielt ein Marinelazarett. Am 28. Oktober 1940 ordnete Hitler auf Anregung von BdU Karl Dönitz an, die Organisation Todt in Lorient betonierte U-Boot-Unterstände bauen zu lassen.Kriegstagebuch des OKW, Seite 132 Wie kaum eine andere Stadt hatte Lorient unter dem Zweiten Weltkrieg zu leiden: Da die alliierten Luftangriffe den U-Boot-Bunker nicht zerstören konnten, wurden die Versorgungslinien zum U-Boot-Stützpunkt bombardiert, so dass 1943 fast die ganze Stadt zerstört wurde. Die U-Boot-Bunker blieben zwar intakt, waren ohne Nachschub aber kaum mehr zu nutzen. Nach der Invasion in der Normandie (Operation Overlord) im Sommer 1944 wurde die Stadt in der Schlacht um die Bretagne von amerikanischen Streitkräften belagert. Die Deutschen konnten die Atlantikfestung aber bis zum 10. Mai 1945 halten. 25.000 Stadtbewohner mussten nach den Bombenschäden des Krieges in Baracken oder auf Bauernhöfen wohnen.
Der Wiederaufbau ab 1947 bis 1949 verstärkte die Identität einer ville nouvelle, einer „neuen Stadt“. Die Place Alsace-Lorraine wurde stark vergrößert neu angelegt und die Kirche Notre-Dame-des-Victoires entstand als völliger Neubau. Um die Mitte der 1960er Jahre waren die meisten Arbeiten abgeschlossen. Zuvor waren noch einige Überreste von Jugendstil und Architektur der 1930er Jahre erhalten geblieben. Mit seinem durch und durch modernen Charakter fällt Lorient aus der Reihe der üblichen bretonischen Typisierung heraus.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2011 2019Einwohner 60.566 66.444 69.769 62.554 59.271 59.189 57.408 57.246 Quellen: Cassini und INSEE
Wirtschaft Lorient ist heute neben Boulogne-sur-Mer der größte Fischereihafen Frankreichs. Etwa zwölf Kilometer westlich liegt der Flughafen Lorient. Die Stadt ist über die Bahnstrecke Savenay–Landerneau an das TGV-Netz angebunden.
Kultur und Bildung
Anfang August findet hier jedes Jahr für zehn Tage das Festival Interceltique de Lorient statt. Hierzu strömt ein Vielfaches der Einwohnerzahl an Menschen in die Stadt. Regelmäßig werden auch CDs und DVDs mit Auszügen aus den Live-Konzerten herausgegeben.
In Lorient gibt es eine Universität, die Université Bretagne Sud.
Das Collège Saint Joseph-La Salle führt von 2021 bis 2027 Erasmus+ der EU mit dem Gymnasium Hankensbüttel zusammen mit dem Gymnasium Schillerschule.PDF Schulleben Erasmus+, 2024, Schillerschule Webseite Schillerschule. Abgerufen am 28. November 2025.
Sport Der bekannteste Sportverein der Stadt ist der Football Club Lorient-Bretagne Sud (FC Lorient). Erst spät in seiner Geschichte war der Verein im professionellen Bereich (1967–1977 und wieder seit 1995) vertreten. Er spielte seit der Saison 2006/07 in der Ligue 1, stieg 2017 in die Ligue 2 ab, nachdem er das Relegationsspiel gegen den ES Troyes AC verloren hatte, und schaffte zur Saison 2020/21 wieder den Aufstieg in die erste Liga.
Bei der Hochseeregatta Volvo Ocean Race 2011–2012 und 2014–2015 war Lorient Etappenziel und Gastgeber eines In-Port-Race.
Persönlichkeiten Frédéric Adam (* 1973), Fußballspieler Eugène Anthiome (1836–1916), Komponist Erwan Balanant (* 1971), Politiker Alcide Le Beau (1873–1943), Maler Jean Raymond Bourke (1772–1847), General der Infanterie Redwan Bourlès (* 2003), Fußballspieler Auguste Brizeux (1803–1858), Schriftsteller Jean Caugant (1911–1999), Radrennfahrer Delphine Coulin (* 1972), Autorin, Drehbuchautorin und Filmregisseurin Nicole Le Douarin (* 1930), Entwicklungsbiologin Adolphe Duparc (1857–1946), römisch-katholischer Geistlicher und Bischof Pierre Fatou (1878–1929), Mathematiker Auguste Gougeard (1827–1886), Offizier und Politiker Ernest Hello (1828–1885), Schriftsteller und Philosoph. Viktor Lazlo (* 1960), Pop-Sängerin Ronan Le Crom (* 1974), Fußballspieler Enzo Le Fée (* 2000), Fußballspieler Eddy Le Huitouze (* 2003), Radrennfahrer Mathurin-Pie Le Ruyet (1870–1961), römisch-katholischer Ordensgeistlicher, Bischof von Ajmer in Indien Eli Junior Kroupi (* 2006), französisch-ivorischer Fußballspieler Jean-Paul Maho (* 1945), Radrennfahrer Victor Massé (1822–1884), Komponist Jérémy Morel (* 1984), Fußballspieler Émile de Najac (1828–1889), Librettist Béatrice Patrie (* 1957), Politikerin und Richterin Henri Paul (1956–1997), Fahrer des Unfallwagens von Prinzessin Diana Eugénie Potonié-Pierre (1844–1898), Feministin Edmond Prouhet (1834–1922), Seeoffizier und Konteradmiral François de La Rocque (1885–1946), Politiker Jules Simon (1814–1896), Politiker und Philosoph Rita Strohl (1865–1941), Pianistin und Komponistin Flavien Termet (* 2002), Politiker Pierre Tixier (1918–1997), Bryologe Georges Vallerey senior (1902–1956), Schwimmer
Partnerstädte 30px Wirral Vereinigtes Königreich seit 1957 (bis 1975 als dann eingemeindetes Bebington) 30px Ludwigshafen am Rhein Deutschland seit 1963 30px Galway Irland seit 1974 30px Ventspils Lettland seit 1974 30px Vigo Spanien seit 1983 30px České Budějovice Tschechien seit 1997
Literatur Le Patrimoine des Communes du Morbihan. Flohic Éditions, Band 1, Paris 1996, ISBN 2-84234-009-4, S. 497–533.
Weblinks
Les-19-communes.246.0.html Lorient Agglomération
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Bretagne Kategorie:Unterpräfektur in Frankreich
Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Stadt) Kategorie:Stadt in Frankreich